Eur-Opa: Liebe Kinder, es ist einmal wieder soweit. Ihr habt sicherlich alle schon mal was von Rettungsschirmen gehört. Die sind so ähnlich wie Fallschirme, nur viel schwerwiegender und sollen ganze Nationen retten. Deshalb muss man die genau berechnen können. Das wollen wir heute mal üben. Für unser heutiges Projekt stellen wir uns dazu vor, dass der ESM oder auch der „Europäische Rettungsschirm“ einen Umfang von 2 Billionen Euro erreichen wird, was beim Anblick der schönen GIPSI nicht schwer fallen sollte … die hieß vorher übrigens PIIGS, dass war aber vielen Leuten zu schweinisch. Die Summe ist gut gewählt, denn unsere Vorstellungskraft stärkt dabei die Tatsache, dass auch die deutsche Staatsverschuldung exakt dieses Ausmaß hat, nämlich die besagten 2 Billionen Euro.

Grund der Lehrstunde: Ihr habt ja schon gelernt, dass Papier gefüllt mit heißer Luft in ungeahnte Höhen steigen kann, was am Ende einen tiefen Fall bedeutet wenn so eine Blase in der dünnen Luft da ganz oben infolge der Ausdehnung platzen muss. Um die Finanzakrobatik solider zu gestalten wollen wir dafür jetzt Metall verwenden, da es erheblich mehr Sicherheit bietet, zumal es auch viel stabiler ist. In diesem Zusammenhang wird gerne vom „Euro-Stabilitäts-Pack“ gesprochen, dass sind die Theorie-Handwerker die sich daran in Brüssel versuchen. Hierbei handelt es sich um jene Laienspiel-Finanzjongleure die virtuell mit solchen Münzen hantieren und einen Beschluss nach dem anderen fassen. Vorzugsweise verwenden wir heute für unsere Übungsstunde Euro-Münzen, weil es die ja in Hülle und Fülle bei uns gibt.

Die Grundlagen: Folgende weitere Grundlagen wollen wir zur Berechnung solider Stabilitätsmechanismen heranziehen. Dabei handelt es sich nachweislich um Fakten, die ihr jederzeit anhand eures Taschengeldes in eurem eigenen Portemonnaie nachprüfen könnt, was die Sache erheblich vereinfacht und sehr anschaulich macht – hier die Maße der Münzen die wir für unsere heutigen Betrachtungen benötigen, zusammengetragen von den fleißigen Wikipedianern:

Münze

Durchmesser
in mm

Dicke
in mm

Masse
in Gramm

1 Cent

2 Cent

5 Cent

16,25

18,75

21,25

1,67

1,67

1,67

2,30

3,06

3,92

10 Cent

20 Cent

50 Cent

19,75

22,25

24,25

1,93

2,14

2,38

4,10

5,74

7,80

1 Euro

2 Euro

23,25

25,75

2,33

2,20

7,50

8,50

Mit den vorstehenden Tabellenwerten sind wir jetzt zweifelsfrei in der Lage die wesentlichsten Fakten für „Harte Rettungsmaßnahmen“ unserer Volkswirtschaften näher zu bestimmen und anders als die dummschwätzigen Medien und Politiker sind wir darüber hinaus sogar in der Lage mit unserem Finanzminister auf Augenhöhe zu diskutieren. Schließlich können wir ja mit harten Fakten aufwarten. Wenn wir aus den 2 Billionen Euro in der jeweiligen Münzgattung – von 1 Cent bis zur 2 Euro Münze – die Lösungen schmieden dann kommen wir zu den folgenden Ergebnissen.

Erste Ergebnisrunde – Fläche, Strecke, Tonnage:

Die nachfolgende Übersicht erlaubt es uns anhand der bereits errechneten Werte die möglichen Ausdehnungen eines Rettungsschirms zu bestimmen, etwaige Distanzstücke zur Abwehr wirtschaftlicher Gefahren ihrer Länge nach zu ermitteln und … wie sollte es anders sein, die Schwergewichtigkeit der alternativlosen Maßnahmen in Tonnen auszudrücken. Dabei repräsentiert jeder Wert einer Ergebniszelle den besagten Rettungsbetrag von 2 Billionen Euro gemäß der Nomination entweder in Fläche, Höhe oder Gewicht der berechneten Rettungseinrichtung. Eure Hausaufgabe für heute ist es diese Tabelle auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen, schließlich sollt ihr nicht immer alles ungeprüft glauben was euch erzählt wird.

Bei den ermittelten Flächen müsst ihr folgenden Umstand berücksichtigen: Anders als die Regierung haben wir hier die Quadratur des Kreises bereits vorweggenommen, selbstverständlich aus rein ökologischen Gründen. Um ein energieaufwendiges Ummünzen der Werkstücke zu unterbinden, berücksichtigen wir nur eine Vierpunktlötung der Münzen, was bedeutet, dass der Durchmesser der jeweiligen Münze als Seitenlänge eines Quadrats zu betrachten ist. Wir legen dabei also Münze an Münze bei korrekter Ausrichtung Nord, Süd, Ost und West ohne Versatz. Darüber hinaus erlaubt dieses Konstrukt, dass noch ein wenig Licht und Regen durchdringen kann. Schließlich sind Rettungsschirme nicht dazu da uns zu isolieren sondern sie sollen uns nur vor groben Einschlägen von Schrott- und Giftpapieren schützen.Jetzt geht es darum passende, bzw. ideale Lösungen zu ermitteln damit die Rettungsaktion auch gelingen kann. Befassen wir uns zunächst mit dem erwähnten, klassischen, flächigen Rettungsschirm, bevor wir uns alternativen Rettungsmethoden zuwenden.

Rettung in der Fläche

Um das nötige Zahlengefühl für die flächige Variante zu bekommen, entwickeln wir hier vorab noch die Betrachtung anhand eines kleinen Rettungsschirms für den Privatgebrauch, für ein Grundstück von 1.000 m². In der Ausführung für Hartz IV Empfänger, also in 1 Cent Münzen wäre die Fläche für 37.869,82 Euro zu erstellen, also pro Quadratmeter für geschenkte 37,87 Euro. Die stabilste Variante, ausgeführt in 2 Euro Münzen würde für die besagte Fläche schon 3.016.306,91 Euro und damit edle 3.016,31 Euro pro Quadratmeter kosten, diese Variante könnte neben den besagten Schrottpapieren vermutlich auch noch beschissenstes Klopapier vom Einschlag abhalten. Als erste Hausaufgabe bitte schon einmal die fehlenden Stufen von der 2 Cent Münze bis zur 1 Euro Münze als Gesamtkosten für die 1.000 m² und als Quadratmeterpreis ermitteln.

Münze
in €

Fläche
in km²

Höhe
in Kilometer

Gewicht
in Tonnen

0,01

0,02

0,05

5.281.250

3.515.625

1.806.250

334.000.000

167.000.000

66.800.000

460.000.000

306.000.000

156.800.000

0,10

0,20

0,50

780.125

495.063

235.225

38.600.000

21.400.000

9.520.000

82.000.000

57.400.000

31.200.000

1,00

2,00

108.113

66.306

4.660.000

2.200.000

15.000.000

8.500.000

Jetzt aber zu den staatstragenden Aktionen. Rettungsschirme müssen gewaltig groß aber auch stabil genug sein. Wir gehen daher die Sache nicht kleinlich an sondern gleich in Quadratkilometern, wie aus der vorstehenden Tabelle zu entnehmen ist. Wir optimieren den Rettungsschirm dahingehend, dass wir ihn eben nicht zur Bremsung eines möglichen freien Falls benutzen wollen, wozu die ökologische Variante mit den Luft- und Lichtlöchern ohnehin nicht taugt. Nein, wir spannen ihn in dieser harten und metallenen Form auf damit uns die Überflieger von der Börse nicht auf den Kopf fallen und Schaden verursachen. Wir versuchen den Spagat zwischen größt möglicher Ausdehnung und maximaler Stabilität zu realisieren.

Müssten wir also heute eine Entscheidung treffen, wen wir unter den harten 2 Euro Rettungsschirm mit seinen 66.306 km² lassen wollen, dann fällt Bayern sofort aus der Lostrommel, es ist zu groß mit über 70.000 km². Einige Bundesländer könnten sich zusammentun oder wir regeln dies ohne die Bayern im Losverfahren. Hier wäre aber maximale Stabilität gewährleistet.

Wollten wir ganz Deutschland mit seinen rund 357.031 km² unter einen Schirm packen, dann würden wir sofort auf die 20 Cent Variante zurückgreifen müssen, die nur schemenhaft noch ein wenig Schutz auch für die Grenzgebiete zu den Nachbarn zu bieten hätte mit seinen 495.063 km².

Um allerdings alle Teilnehmer des Euro zu erretten, müssten wir sofort zur vorletzten Wahl, der 2 Cent Variante mit seinen 3.515.625 km² greifen, damit der Platz nicht knapp wird. Wollten wir alle Staaten mit unterbringen die sich Europa schimpfen, geht dies mit Hängen und Würgen in der 1 Cent-Billig-Variante mit seinen 5.281.250 km² Ausdehnung. Damit wird klar, dass wir unfähig sind die Welt mit den läppischen 2 Billionen Euro zu retten, die uns für diese Rettungsmaßnahme zur Verfügung stehen. Damit dürfte klar sein, wir müssen uns die Probleme vom Halse halten – wenigstens aber auf Distanz – deshalb schreiten wir jetzt zur nächsten Betrachtung.

Rettung durch Distanz

Zur Stabilisierung der Erde könnten wir beispielsweise die mit uns die Sonne umkreisenden Planeten einfangen und anbinden, natürlich auch den Mond, was liegt näher. Neben der rein geostationären Stabilisierung der Erde würde dies dann sicher auch die Ausbeutung der Rohstoffe auf eben diesen Himmelskörpern erheblich erleichtern.

Wie weit reichen also jetzt die einzelnen Euro-Münzen Türme unter diesem Aspekt? Hier in Kurzform, gemäß vorstehender Tabelle:

Mond: Bei einer mittleren Entfernung des Mondes von 384.401 km könnten wir diesen mittels der schweren 2 Euro Variante mit 5,72-facher Sicherheit an die Erde ketten. Beschränkten wir uns auf eine Fünffach-Bindung, blieben die 0,72 als Reserve zum Floaten damit er weiterhin ein wenig epileptisch elliptisch um uns kreiseln kann.

Mars: Bei einer mittleren Entfernung des Mars von 77,8 Millionen Kilometer können wir diesen mit dem 2 Cent Konstrukt entweder doppelt anbinden, oder wir lassen ihm ein wenig mehr Spielraum, wobei dann immer noch die Gefahr besteht, wenn er mal wieder hinter der Sonne verschwinden möchte, dass die Bindung verloren geht.

Venus: Selbst dieses ewige Objekt unserer Begierde könnten wir noch bei einer maximalen Entfernung von 261 Mio. Kilometer dauerhaft an uns binden, zwar mit nicht viel mehr als einem seidenen Faden in der 1 Cent Ausführung, aber wir wissen ja dass man die Weiber besser an der langen Leine lässt … Hauptsache verbunden.

Sonne: Die könnten wir zwar mit der 1 + 2 Cent Möglichkeit erreichen, aber jeder weitere Gedanke daran schmilzt schon bei den zu erwartenden Temperaturen fort, bleibt also eine Illusion, wenngleich energetisch reizvoll.

Eure weitere Hausaufgabe ist es nun entsprechende Bindungen gemäß Euro-Rettungskriterien für die übrigen paar bekannten Planeten unseres Sonnensystems zu ermitteln, bzw. die zu benennen, die Aufgrund der Entfernung mit diesem Rettungsmechanismus ohne Aufstockung niemals zu erreichen sein werden.

Sicher, würden wir all diese Imponderabilien auslassen und beispielsweise die 2 Euro Lösung 55 mal um den Äquator wickeln, dann könnten wir vielleicht doch verhindern dass uns die Erde um die Ohren fliegt. Also lasst euch unter den genannten Aspekten mal was einfallen.

Rettung braucht Gewicht

Hierbei ist Vorsicht geboten, denn aller Erfahrung nach kann kein Gewicht der Erde die bislang beobachteten Blasen am Finanzmarkt zuverlässig am Boden halten oder diese vorzeitig zum Platzen bringen. Die einzig realistische und Erfolg versprechende Anwendung nur für Europa wäre, wählte man die 1 Cent Variante und würde die 460.000.000 Tonnen Münzen in einer 54,64 Meter hohen Schüttung schlagartig über das 161,4 km² große Stadtgebiet von Brüssel ergießen, dann wäre der Spuk vermutlich auch vorbei und wir alle wären gerettet. Wenigstens aber wäre der Druck auf Brüssel für brauchbare Lösungsansätze groß genug. Aber wer soll das machen?

Logische Grenzen der Rettungsmechanismen

Sicher ist dem ein oder anderen von euch jetzt schon ein böser Verdacht gekommen. Richtig wir müssen noch die Grenzkosten ermitteln, sprich wenn der Rettungsschirm ggf. teurer wird als das was auf den Münzen draufsteht. Wir vereinfachen die Rechnung indem wir unser Augenmerk zunächst auf Stahl legen, ein wesentlicher Bestandteil der 1 + 2 + 5 Cent Münzen. Rein Materialtechnisch kommen wir dann in der vorherigen Abfolge mit 368 + 245 + 125 Mrd. Euro jeweils fürs Material aus … so grob jedenfalls, wenn wir einen Stahlpreis von 800 €/t zugrunde legen.

Bei den restlichem Münzen, die überwiegend aus Kupfer gefertigt sind, welches derzeit mit 7.000 €/t zu Buche schlägt, kommen wir dann für die 10 + 20 + 50 Cent und die 1 + 2 Euro Münzen auf folgende Reihe: 574 • 402 • 218 und 105 • 60 Mrd. Euro Materialkosten. Rechnet man bei den vorhergehenden Möglichkeiten noch die soften Stückkosten für Herstellung Transport und Logistik dazu, dann erscheinen sie immer noch realisierbar, aber dennoch ist Vorsicht geboten, die Einzelanwendung sollte stets nochmals mit allen Details nachkalkuliert werden.

Hinweis: Sollte sich der Kupferpreis in nächster Zeit vervierfachen, also irgendwo bei 28 – 30.000 €/t landen, dann bringt die 10 Cent Stücke nicht zur Bank sondern zu einem Schrotthändler, da gibt es dann mehr als bei der Bank. Für die übrigen Münzen ist es weniger attraktiv, könnt ihr aber ja selber nochmals ermitteln.

Schlussfolterungen

Das Leben ist hart und Rettungsschirme eben nicht minder. Wir sollten jetzt gelernt haben dass unsere Politiker in Sachen Rettung durchaus kreativ sind und schon auf dem Mond leben. Wichtig ist es, das Augenmaß in Sachen Euro-Rettung zu wahren, ihr habt es jetzt und eine galaktische Vorstellung von diesem Unterfangen dazu. Solltet ihr jetzt von der Schulleitung die Aufgabe bekommen mit euren 30 Mann nebst der 5 Parallelklassen, also zusammen 180 Nasen, die 2 Euro Münzen in den Keller schleppen zu müssen und ein Jeder dabei täglich 8 Tonnen ohne Unterbrechung schleppte, dies über nur 240 Tage im Jahr, dann wäret Ihr in 24,59 Jahren mit dem Job fertig und könntet dann in Frührente gehen. Die übrigen Varianten würdet ihr in der Gruppenkonstellation kaum überleben. Den Rest des Rettungsschirm-Wahnsinns werdet ihr in Bälde um die Ohren gehauen bekommen und wenn die Blase weiter wächst, dann vergesst diese Geschichte, denn da werden nur noch Nullen gemalt und gar nichts mehr physisch bewegt. Und wenn ihr der Rechnerei noch nicht müde seid, dann könnt ihr es hier auch noch mit dem einzigartigen 1 €-Cent von Jesus aufnehmen.

EU Rettungsschirm, Berechnung in Euro-Münzen
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