Stuttgart 21, erste Vorschläge zur Namensgebung

Stuttgart: Die Milliarden sind nicht einmal ansatzweise verscharrt, da entbrennt auch schon der Streit um die Namensgebung des neuen Stuttgarter Milliardengrabes. Wie immer bei solchen Megaprojekten möchten sich natürlich alle möglichen Lobbyisten, Förderer, Großverdienstler und Schmierenkomödianten in irgendeiner Weise mit solchen Invest-Ruinen ewiglichen Ruhm einheimsen, was meistenteils über die Namensgebung so mächtiger Projekte geschieht. Im Zuge dieses Hypes muss vorangestellt werden, dass weder S21 noch Stuttgart 21 als Bezeichnung für den Bahnhof herhalten kann. Es würde zu sehr an diverse Billiglinien in Berlin oder üble Vorgänge in der Politik erinnern, was die Schwaben unter allen Umständen zu vermeiden suchen. Die Bahn selbst will mit der eigenen Umbenennung in den kommenden Monaten den Vorreiter machen und sich künftig „Prügel-Bahn“, kurz „PB“ nennen. Dies als Symbol ihres neuen Selbstverständnisses bei der Festigung der neu erlebten Demokratie, welche im Eilzugtempo alles durchprügelt (theoretisch & praktisch & physisch) was einem schnellen Fortkommen dienlich sein könnte. Ebenso dürfen Alternativen dabei nicht außer Acht gelassen werden, die der historischen Tragweite des Projektes gerecht werden. Aus diskreten Quellen haben wir die ersten Vorschläge für die Benennung des neuen Bahnhofs bereits vernehmen können, wie auch die Intentionen die angeblich dazu geführt haben. Unbestritten hingegen ist – wie Heinrich anonym mitteilte – dass das Objekt während der Bauphase zwangsläufig „Bannhof“ heißen muss, versteht sich allein schon aus Sicherheitsgründen. Nachfolgend stellen wir die heißesten Kandidaten für die Bahnhofsbenennung vor. Weitere Tipps und Begründungen über die Kommentare erbeten:

„Mappus-Drive-Through“ – ist natürlich naheliegend, da heute bereits feststeht, dass er einer der ganz wenigen nicht gewählten Ministerpräsidenten sein wird, der wahrscheinlich in der Geschichte auch auf eine der kürzesten Amtszeiten zurückblicken werden kann wenn er einst aus dem Amt gejagt wird. Zur Entschädigung für seinen beinharten Einsatz für die Stahl-Beton-Grube rechnet er sich ernsthafte Chancen aus auch hier posthum berücksichtigt zu werden. Ferner sollte es eine kleine Reminiszenz an seinen Führungsstil werden der beweisen soll, dass ein Bahnhof auch ohne „Kopf“, rein als Durchmarsch initiiert werden kann, sofern man genug Dampf auf den Kessel bringt.

„Euro-Central-Graveyard“ – ist derzeit der absolute Favorit bei den gemäßigten Gegnern des Projektes, die sich auch historisch gesehen eine korrekte Bezeichnung für das Projekt wünschen, die im Namen bereits widerspiegelt um was es sich dabei eigentlich handelt.

Franz-Josef-Station“ – kurz FJS, scheidet vermutlich aus. Erstens war der Typ ein Ausländer (jedenfalls aus Sicht der Redlichen in BW), andererseits wurde schon eine Betonwüste nach ihm benannt und letztlich wäre es auch entehrend für ihn, denn er hätte diese Sauerei erheblich intelligenter angepackt, sodass das Projekt nicht vor einem Absturz in Verruf geraten wäre, wie dies seinerzeit bei den Starfightern der Fall war.

„Oettinger-Keller“ – klar, auch er hätte sich ein Stück „Ruhmtorte“ gewünscht und immer ein schönes kühles Bierchen, aber er strebt derzeit noch nach einem europaweiten Denkmal für sich, sodass eine Provinzposse wie diese sicherlich einige Nummern zu klein sein dürfte. Wollte man ihn ernsthaft berücksichtigen, sollte man natürlich auch auf Anglizismen in diesem Zusammenhang verzichten, weil er sonst möglicherweise die Ehrung falsch auffassen könnte.

„Gare de la Guerre“ – ist die Wunschvorstellung der Autonomen, als Erinnerung an den verlorenen Bürgerkrieg der diesem Bunkerbau vorausging und als Freundschaftsbeweis an die nachbarschaftliche Trikolore und die etwas schlagfertigere Westflanke.

„Unter Stutt-Garten“ – wäre allerdings ein komplettes Zugeständnis an die gesamte konservative Fraktion im Ländle, die stets bemüht ist ihr mühsam Erspartes tief zu vergraben, um fremde Begehrlichkeiten fernzuhalten. Gleichwohl böte diese Variante im Zuge einer rasenden Internationalisierung dennoch die Chance die jährliche „Miss Understood Garden Wahl“ im Rahmen der neu zu schaffenden grottigen Durchgangs-Event-Halle zu veranstalten, um damit die Attraktivität des Projektes wieder gewinnbringend zu steigern und gleichsam nackte Tatsachen etwas hoffähiger zu machen.

Weil das Interesse an der Verewigung innerhalb dieses Projektes sehr groß ist, will man auch die führenden Staatsdiener nicht übergehen. Als Novum dürfte dabei gelten, dass einzelne Gebäudeteile wie auch die Bahnsteige in diesem konkreten Fall keine Buchstaben oder Nummern bekommen werden, sondern die Namen oder Synonyme verdienstvoller Projektmitarbeiter oder nachrangiger Förderer. So soll beispielsweise ein End- und Abstellgleis mit Prellbock, ganz simple „Rammsau“ benannt werden, wohingegen der erste Bahnsteig „Prügel-Glatzen-Steig“ getauft werden dürfte, als Erinnerung an einen verdienstvollen Beamten der maßgeblich an der Rettung des Projektes gegenüber gewalttätigen Schülern und Rentnern beteiligt war und dessen Konterfei in vielen Medien als Symbol für die Rettung des Kapitals und der Staatsmacht bereits ausgiebig gefeiert wurde, als eine Art Vorbild-Rambo des gehorsamen Bürgers.

Stuttgart 21, erste Vorschläge zur Namensgebung
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Kommentare

Stuttgart 21, erste Vorschläge zur Namensgebung — 10 Kommentare

  1. Wenn Französisch, was uns viel näher liegt als Englisch, dann aber bitte richtig:

    LA guerre – also “gare de la guerre”!

    Sehr schwach – Ihr Schwäbles kennet doch net alles!?

  2. Bitte, ich wünche mir den Namen “Opa Heuss Stätion als
    Errinnerungen an Anstand,Ehrlichkeit,und selbstgemachte Spätzle…:-)

  3. Ich finde “Lukas14,28-Projekt” passend.
    “Wer ist aber unter euch, der einen Turm bauen will, und sitzt nicht zuvor und überschlägt die Kosten, ob er’s habe, hinauszuführen?” Lk. 14,28.

  4. Ja einen Namen muss das Ding auch irgendwann bekommen. Ich halte mich weitestgehend aus den Diskussionen raus, bin weder für Stuttgart 21 noch dagegen. Der Name sollte einprägsam sein und vll einer Person gewidmet werden.

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