GroKo gebongt, SPD will nicht ohne Mutti

Die bei­den Brief­schlitz­maschi­nen haben ihr Werk ver­richtet. 337.880 mal ritsch-ratsch, 20.000 mal pro Stunde, und das Befra­gungs-Ergeb­nis war von zweimal 164 Helfer­lein ratz­fatz aus­gezählt: 75,96 Prozent dafür. Drei Vier­tel der SPD-Mit­glied­schaft sig­nal­isierten dem Parteivor­stand: Du darf­st. Gabriel darf gle­ich dop­pelt: Wirtschaft und Energie. Die GroKo ist in trock­e­nen Tüch­ern. Die Wirtschaft darf aufat­men. Die Oppo­si­tion darf schluck­en. Das Wahlvolk jet­zt möglichst nicht mehr muck­en. Die Energie ist aufge­braucht. So demokratisch wurde eine Ermäch­ti­gung mit gle­ichzeit­iger Selb­stent­mach­tung sel­ten vol­l­zo­gen. Es ist wie bei einem Kred­itver­trag: Zahlt­ag ist später. Was kümmert’s? Wir leben jet­zt!

GroKo gebongt, SPD will nicht ohne Mutti qpress_SPD_Quorum_Mitgliederentscheid_Kabinett_Regierungsbesetzung_GroKO_Grosse_Koalition_Sigmar_Gabriel_Waehlertaeuschung_Verrat_Sozialdemokratie_Koalitionsvertrag_Goldmann_SachsErstaunlich hoch war die Abstim­mungs-Beteili­gung mit 77,86 Prozent. Über alle Erwartung hin­aus! Auch wenn ein paar tausend Ungültige dabei waren, reichte es lock­er für das Quo­rum von 20 % der 473.000. Ein Reko­rdergeb­nis: Drei von vier Genossen find­en noch einen Briefkas­ten. Manche dürften auch länger danach gesucht haben. Das Wir hat entsch­ieden. Auch wenn es Mari­et­ta Slom­ka nicht gefall­en hat, das dumme Gerede von der Ver­fas­sungswidrigkeit der Mit­glieder-Befra­gung war tat­säch­lich Quatsch, da hat­te Gabriel aus­nahm­sweise recht. Das war keine “zweite Wahl”, son­dern ein Placet für Regierungs­beteili­gung, für üppige Zwei­drit­tel-Mehrheits-Beschaf­fung statt Oppo­si­tion oder gar eine ganz andere Regierung.

Kein einziger Abge­ord­neter war in sein­er freien Gewis­sensentschei­dung vom Votum der Parteim­it­glieder beein­trächtigt oder wird es je sein, denn die haben ja nur entsch­iede­nen, was der Parteivor­stand darf oder eben nicht. GroKo oder Nein. Der hat­te indes für sich längst vor dem über­wälti­gen­den Ja entsch­ieden: Diesen Schuh ziehen wir uns nicht alleine an. Da soll­ten schon die Mit­glieder in Haf­tung genom­men sein für der­art wäh­lerver­höh­nen­des Unter­fan­gen. Und siehe da, die Rech­nung ging auf. Die “Ver­ant­wor­tung” wurde über­nom­men.

Man wird umdenken müssen. Es ist nicht immer nur die Führung. Es ist die Parteim­it­glied­schaft der alten Sozialdemokratie, die sich ein Leben ohne Merkel anscheinend nicht mehr vorstellen kann. Mehrheitlich jeden­falls nicht. Mut­ti muss bleiben, kräht die über­wiegende Mehrheit der Basis im Chor. Alles andere wäre der Unter­gang des Abend­lan­des, der Exi­tus Europas, der Ruin Deutsch­lands, zumin­d­est das Ende der Merkel-Regierung. Eine Welt ohne Abend­land, ohne Europa, ohne Deutsch­land oder ohne Merkel kann, mag und will sich der wackere Sozi des Jahres 2013 sta­tis­tisch gese­hen nicht mehr denken. Geschichtlich betra­chtet eine Offen­barung.

GroKo gebongt, SPD will nicht ohne Mutti qpress Zeichnung Merkel Schleppe SPD Diener Gehilfen Buettel GroKo Vasallentum 20130923_klaus_stuttmannDachte man doch bish­er, die rechtssozialdemokratis­che Parteiführung oder die Kanalar­beit­er oder die See­heimer oder irgen­dein Lam­p­en­putzer in einem geheimen Besenkäm­merchen des Willy-Brandt-Haus­es wäre der Bösewicht. Aber es ist die Mehrheit der Mit­glied­schaft. Soweit ist es nun also. Bebel würde beben vor Zorn und seine Taschenuhr zurück­fordern, wenn er kön­nte. Sein oller spitzer Brieföffn­er wurde nicht ein­mal ansatzweise benutzt. Es musste ja alles schnell gehen mit dem endgülti­gen Offen­barung­seid nach 150 Jahren. Die Abwick­lung der Abwick­lung war eine logis­tis­che Meis­ter­leis­tung.

Heulen und Zäh­neknirschen bei den Jusos. Jubel in den Main­stream-Medi­en. Endlich wird das Land wieder regiert. Man stelle sich nur vor, wie das ohne Frau Merkel die ganzen lan­gen Koali­tions-Ver­hand­lun­gen lang gegan­gen wäre. Nicht auszu­denken, was denn geschehen wäre, wenn es tat­säch­lich etwas zu reagieren gegeben hätte! War ja nichts außer ein paar hun­dert Flüchtlin­gen und der alt­bekan­nten NSA. Kein The­ma mehr — wahrschein­lich auch nicht für die neue Regierung! Eine gewisse Kon­ti­nu­ität hat auch Vorteile. Man muss nicht andauernd umdenken.

Die Ger­ingver­di­ener am unter­sten Boden der Lohn­dump­ingskala kön­nen sich mit der Vor­freude auf einen wenn auch nur min­i­malen Min­dest­lohn get­rost Zeit lassen. Selb­st der kommt noch lange nicht, son­dern stufen­weise ab 2015. Dank SPD. Die Maut soll dage­gen (wie auch immer) bere­its ab Jan­u­ar kom­men. Dank SPD. Sie hat diesem Quatsch nun mal zuges­timmt, und ist mithin keinen Gneis-Par­tikel glimm­riger als der neun­mal kluge See­hofer. Über­haupt wird sich die SPD noch wun­dern, was sie alles wollte oder nicht wollte. Es wird ihr ab mor­gen alles zugerech­net wer­den, jede einzelne Kloak­tion. Dage­gen hil­ft kein herkömm­lich­er Stall­geruch mehr.

Ihre ganzen Wahlkampf-Ver­sprechen waren reine Ver­sprech­er. Jet­zt gilt, was auf dem Tisch zum Unter­schreiben liegt: Der Koali­tionsver­trag. Nur kein Zit­tern und kein Zaud­ern, da liegt der Stift! Nichts wird nachver­han­delt. Die ganze Partei ste­ht (mehrheitlich) dahin­ter. Keine Steuern auf große Ver­mö­gen, dank SPD! Ob es ihr die kranken Banken danken?

Immer­hin: Gold­mann und Sachs hat­te bestellt, die SPD hat (sich) geliefert. Mehr kann das Kap­i­tal doch nicht wollen, oder? Es wurde bere­its “eingepreist”. Die Börse denkt an mor­gen. Was soll jet­zt noch kom­men? Vor­rats­daten­spe­icherung bis zu einem hal­ben Jahr, wie von Europäis­chen Gericht­shof vorgegeben: Gebongt! Wer wollte da in sein­er Pri­vatheit noch ver­let­zt sein?! Die Leutheuser-Schnar­ren­berg­er hat jet­zt nichts mehr zu bes­tim­men. Sie forderte zumin­d­est ein nochma­liges grund­sät­zlich­es Über­denken. Aber eben aus dem Off. Jet­zt wird regiert, nicht räsoniert! Gabriel geht als Copi­lot an Bord. “Energie!” …

GroKo gebongt, SPD will nicht ohne Mutti keine goldene KameraDas “alte Schlachtross”, die “gute alte Tante”, alles Schnee von Gestern, diese Meta­phern! Nun ist Bea­men ange­sagt, auf 80-Prozent-Niveau. Das Raum­schiff SPD rotiert sich über­fliegend durch die Reich­stagskup­pel, ein let­zter Gruß an die Wäh­ler unten, ein kurzes Blinken nach links, und dann husch nach rechts abge­dreht, mit hal­ber Licht­geschwindigkeit und auf aller­höch­stem Niveau ins Nir­wana der Abgedrifteth­eit des Poli­tik­be­triebs. Nur ein­mal gab es eine noch größere Koali­tion, damals 1966 unter Kurt Georg Kiesinger, und danach kam die Stu­den­ten­re­volte. Mal sehen, was dies­mal außer einem Shit­storm im Netz fol­gt.

Sechs Min­is­te­rien für die SPD! Und dur­chaus wichtige wie Jus­tiz, Umwelt, Arbeit. Die bish­erige Arbeitsmin­is­terin macht jet­zt in Vertei­di­gung; ist ja auch Arbeit, die jet­zt allerd­ings die zivile Andrea Nahles erledi­gen soll. Das Innen­res­sort hätte ihr genau­so gut in den Kram gepasst, das hätte eine gewisse Nest­wärme erzeugt. Ihre sieben Kinder hat sie schließlich auch im Griff, zumin­d­est von ein­schlägigem Per­son­al in für­sor­gliche Obhut nehmen lassen. Man kommt ja son­st zu nichts. Fam­i­lie muss man kön­nen, am besten nach Gut­sher­rin­nenart. Das ist reines Man­age­ment, qua­si ver­schärfte Innen- oder Außen‑, jeden­falls Sicher­heit­spoli­tik. Wer Kinder kann, kriegt auch freche Ver­brech­er, tob­süchtige Tal­iban oder aufmüp­fige Hartz-IV-Empfänger in den Griff. Also macht sie nun statt Arbeit Krieg. Dafür wech­selt De Maiz­ière nach Innen an die Heimat­front und ver­drängt Hans-Peter Friedrich in die Land­wirtschaft, allerd­ings ohne jed­we­den Ver­brauch­er­schutz. Außen übern­immt Frank-Wal­ter Stein­meier. See­hofer wäre mit sein­er Aus­län­der-Maut vielle­icht doch ein wenig zu pro­vokant gewe­sen, außer­dem muss er König von Bay­ern bleiben. Der hat schon mal Peter Ram­sauer kurz­er­hand aus dem Verkehr gezo­gen und dafür den Dobrinth auf die Auto­bahn gelassen. Der bellt vielle­icht einen Zack­en schär­fer. Den Kassen­wart macht weit­er­hin, wer den Grif­fel bere­its drauf hat. Der Rest ste­ht in der Zeitung.

Wolf­gang Blasch­ka, München

Bild­nach­weis: Die Merkel-Kar­rikatur mit fre­undlich­er Genehmi­gung von Klaus Stuttmannhier seine Web­seite.

GroKo gebongt, SPD will nicht ohne Mut­ti
9 Stim­men, 5.00 durch­schnit­tliche Bew­er­tung (99% Ergeb­nis)
Wir exper­i­men­tieren. Man kann sich diesen Artikel auch vor­lesen lassen. Lei­der klingt die Dame in Deutsch etwas holperig und unbe­holfen. Wer damit klarkom­men kann, der mag sich gerne eine Vor­lesung geben lassen!
Immer noch und auf alle Zeit total kosten­los … unsere Mail-Benachrich­ti­gung, sobald neue Artikel hier erscheinen. Es geht ganz ein­fach: ein­tra­gen, Bestä­ti­gungs­mail kommt post­wen­dend (bei großen Mail­providern auch den SPAM-Ord­ner prüfen), dort Bestä­ti­gungslink klick­en und alles ist schon erledigt. Kann jed­erzeit genau­so unkom­pliziert abbestellt wer­den. Jede Mail enthält enst­prechende Links dazu. Also? Worauf noch warten?

Avatar
Über Wolfgang Blaschka 17 Artikel
freischaffender Grafiker, Autor und Filmemacher aus München

7 Kommentare

  1. Auf­grund der Reli­gion, der Pro­gram­mierung des kollek­tiv Unbe­wussten mit dem kün­stlichen Arche­typ Jah­we, hat der “Nor­mal­bürg­er” nichts anderes als das “Glück der Knechte” im Sinn, d. h., er will auf Kosten ander­er existieren (Him­mel der Zins­gewin­ner), damit andere nicht auf seine Kosten existieren (Hölle der Zinsver­lier­er). Im zivil­isatorischen Mit­te­lal­ter (Zins­geld-Ökonomie) gibt es nur diese bei­den Möglichkeit­en, sowohl für jeden Einzel­nen als auch für ganze Nation­al­staat­en, die sich gegen­seit­ig in die Schulden­falle treiben müssen, bis der näch­ste Krieg unver­mei­dlich wird. Wer das nicht weiß, kann nur “Volksvertreter” wählen, die dem “Glück der Knechte” nicht im Weg ste­hen und die darum auch keine Volksvertreter sind, son­dern solche, die den Staat als eine “Anstalt zur zwangsweisen Einziehung des arbeit­slosen Einkom­mens” erhal­ten wollen, und son­st gar nichts:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/02/schuldenbremse-und-wachstum.html

    Da ste­hen wir nun mit unser­er “Mei­n­ungs- und Glaubens­frei­heit” in unser­er “repräsen­ta­tiv­en Demokratie” und müssen ein­se­hen, dass in Wirk­lichkeit der “liebe Gott” für die Dum­men (kün­stlich­er Arche­typ Jah­we = Investor) der Sou­verän der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land ist und nicht das deutsche Volk! Poli­tisch zu “denken”, d. h. sich Gedanken darüber zu machen, mit welch­er poli­tisch-ide­ol­o­gis­chen Aus­rich­tung die Mach­tausübung des Men­schen über andere Men­schen funk­tion­ieren kön­nte, ist sinn­los. Wer mit dem Denken anfan­gen will, muss wis­sen, dass nicht die “hohe Poli­tik”, son­dern die Arbeit­steilung den Men­schen über den Tierzu­s­tand erhob, und dass allein die Qual­ität der makroökonomis­chen Grun­dord­nung den Grad der Zivil­isiertheit bes­timmt, die der Kul­tur­men­sch erre­ichen kann:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/11/der-wille-zur-macht.html

  2. Was soll man von einem Volk erwarten, dass seit 80 Jahren in ein­er Dik­tatur lebt.
    Die ken­nen ein­fach nichts anderes. Auch einges­per­rte Tiere, denen man die Frei­heit gibt, kehren brav und frei­willig in ihren Käfig zurück.
    Es gab zwar zwis­chen 1970 und 1990 in West­deutsch­land ein paar demokratis­che Ansätze, aber das ist lang vor­bei. Spätestens mit der Machter­grei­fung vom Stasi-Murk­sel herrscht wieder eine lupen­reine Dik­tatur in ganz Deutsch­land.

  3. Ich führe Euch her­rlichen Zeit­en ent­ge­gen!” ver­sprach Kaiser Wil­helm II. dem Deutschen Volk
    am Vor­abend des Ersten Weltkriegs. Dessen Beginn (01. August 1914)
    jährt sich in weni­gen Monat­en zum hun­dert­sten Mal.

    Gruß Jan­nex

  4. Eine GRoKo (Großes Krokodil wohl ala David Icke) ist Show. Ob es denn die Dümm­sten unter uns endlich ver­ste­hen wer­den, daß es keine Demokratie gibt?
    Es ist schon recht wirbel­los (ohne Rück­rat), wenn zwei Parteien mit unter­schiedlichen Zie­len für den Machter­halt zusam­me­nar­beit­en müssen. Okay okay, eigentlich sind sie ja die Macht­mar­i­onet­ten, und im Krieg um die ange­bliche Macht heiligt der Zweck auch schon mal die Mit­tel.
    Der Wäh­ler ist also nach wie vor geprellt! Wie schön, daß ich keine Partei ergreife und meinen Wahlschein ungültig gemacht habe. Tja, da lese der ein oder andere mal 334 Promille Lüge und erkenne, wer die Fäden­zieher für sich arbeit­en lässt…
    http://www.youtube.com/watch?v=Sdqk4EUDvBA

  5. Foren­sik
    Unter dem Begriff Foren­sik wer­den die wis­senschaftlichen Arbeits­ge­bi­ete zusam­menge­fasst, in denen krim­inelle Hand­lun­gen sys­tem­a­tisch iden­ti­fiziert bzw. aus­geschlossen sowie analysiert oder rekon­stru­iert wer­den. Der Begriff stammt vom lateinis­chen forum „Forum, Mark­t­platz“, da Gerichtsver­fahren, Unter­suchun­gen, Urteilsverkün­dun­gen sowie der Strafvol­lzug im antiken Rom öffentlich und meist auf dem Mark­t­platz durchge­führt wur­den.
    Umgangssprach­lich wird auch eine Klinik für Foren­sis­che Psy­chi­a­trie oft verkürzend als Foren­sik beze­ich­net, vor allem wenn diese einen Maßregelvol­lzug hat.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Forensik

1 Trackback / Pingback

  1. CDU will „totes Partei-Pferd“ bis 2021 reiten – "Sascha Iwanows Welt"

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


Ich akzeptiere

*