Ja Panne in der Birne: Manchmal muss man sich mit beiden Händen flach vor die Stirn schlagen, um ein wenig wacher zu werden. Meistenteils werden solche Botschaften allerdings völlig gedankenlos aufgenommen oder gar noch bewundernd bestaunt, ohne überhaupt die Hintergründe zu reflektieren. Neustes Meisterstück aus dieser Klasse ist die Berichterstattung über die Versteigerung eines Thunfischs für 1,3 Millionen Euro in Japan, worüber eben Spiegel-Online an dieser Stelle völlig „wertfrei“ berichtet. Das nebenstehende Bild ist logischerweise nicht das große Prachtexemplar (das ist in der Verlinkung der Quelle mit abgebildet) um das es in dem Bericht geht, es ist nur die blutige Verzierung zu unserer Kopschüttel-Aktion, die dazu noch den Werdegang des beschriebenen Prachtexemplars vorweg nimmt.

Für die Zahlenfetischisten unter den Lesern als kleiner Einstieg noch der Hinweis, dass der Fisch bei einem Gewicht von 222 Kilogramm und gezahltem Rekordpreis, pro Kilo 6.000 Euro kostet. Dies ist nun natürlich ziemlich inspirierend und eine echte Steilvorlage für die Fachfrage: „Kann man das auch für ein Kilogramm Mensch erlösen“? Vermutlich nicht, obgleich die ernsthafte Beantwortung der Frage reizt. Abgesehen davon, dass dies aus welchen Gründen auch immer nicht statthaft ist, kommt doch dann der Ekelfaktor hinzu. Warum eigentlich nicht bei solch einem Fisch?

Die weitere Betrachtung geht dann auch weniger in Richtung des Blauflossenthunfisch, der hier nur noch als Auslöser der Betrachtung dient, dessen Bestände übrigens wegen Überfischung bereits stark gefährdet sind. Nein, es geht darum wie dekadent und entartet der Mensch ist und isst. Wie sehr die Kreatur inzwischen zum reinen Marktobjekt degradiert wurde und die Perversion des Menschen ihre Höhepunkte in neuen überbordenden Millionenbeträgen feiert.

Von Scham, Reue oder differenter Betrachtung in der Berichterstattung keine Spur und dazu auch noch ein beißendes Kontrastprogramm zu den Hühner- und Schweine KZ’s an Land, wo der Finanzhase genau anders herum läuft. Dort müssen für ähnliche Beträge dann nicht einzelne, besonders schöne oder große Exemplare auf die Schlachtbank. Nein, dort geht es genau gegenteilig zu. Für ähnliche Beträge müssen nun ausreichend viele aus der Art möglichst billig in die Kühlregale der Supermärkte geschlachtet werden.

Jetzt mag abschließend jeder einmal für sich überlegen was daraus zu lernen ist. Nur eines, dass es für derlei Jubel- und Feierberichte über neue Rekorde gereicht, dass dürfte wohl bei weitem erheblich zu kurz gegriffen sein. Etwas unfreiwillig erinnert es auch an eine dunkle Zeit in der schon einmal der „Sachwert“ eines Menschen ermittelt wurde, was wir aber hier nicht vertiefen wollen.

Bildnachweis: Wikimedia | Autor: Hedwig Storch | CC-BY-SA 3.0 unported

Perversion und Abartigkeit haben einen neuen Höchstpreis
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