Schlagermania als Traumgespinst und Zeitgeist-Symptom

Schlagermania als Traumgespinst und Zeitgeist-SymptomIm Nachgang und im zeitlichen Abstand zu meinen Beitrag (siehe u.a. Link), der mit Bezug auf die MDR-Sendung „Schlager des Jahres 2023“ einen Abgesang auf die deutsche Schlager-“Kultur“ darstellte, reiche ich nun einen WDR-Film zur Schlagermania nach, der beweist, daß der MDR nicht der einzige Missionar von seichter und unterirdischer Musik ist. Die ARD scheint ein Gesamttäter zu sein, der sich in den politischen Dienst stellt, die Bürger zu entpolitisieren und mit trivialer Unterhaltung einzuschläfern.

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Am 31.12.23 gab der WDR nämlich einen zum Besten: Einen Film von Melanie Didier namens

 Heino, Howard und Helene – Schlagerstars und ihre Hits“

Zitat WDR:

„Bühne frei: Wir feiern den Schlager und seine Stars. Denn der deutsche Schlager boomt – mehr denn je. Wirkte Schlager vor einigen Jahren noch angestaubt, trifft er heute dank modernen Arrangements und jungen Künstler*innen wieder den Nerv der Zeit. Helene Fischer, Maite Kelly oder Kerstin Ott haben der deutschsprachigen Musik ein neues Image verpasst. Aber auch die altbekannten Stars, erfinden sich immer wieder neu. Schlager ist und bleibt Kult.“

Meine individuelle Meinung zur Schlagermania

Geht’s noch? Schlager waren schon früher angestaubt und sind es noch immer. Sie treffen aber heutzutage dank „moderner Arrangements und jungen „Künstler*innen“ (jetzt verfallen sie schon dem Genderismus) angeblich den Nerv der Zeit. Die schon lange abgewrackten „Stars“ sollen sich immer wieder neu erfinden? Und Schlager soll Kult sein? Er war schon immer nur ein Ablenkungsmanöver zur Sedierung. Da kann ich mir gleich einen kiffen oder mich besaufen – oder alles zusammen! Denn die unterirdische Schlagerfuzzi-Szene hat mit Kreativität und Geist so wenig zu tun wie eine Kuh, die herumfurzt.

Schlagermania als Traumgespinst und Zeitgeist-SymptomAls ich den Nachtrag zu diesem Kommentar geschrieben habe, hatten wir gerade die Neujahrsnacht zu feiern. Verzweifelt habe ich im TV-Programm nach Alternativen zum musikalischen Einheitsbrei gesucht. Vergebens. Ich weiß nicht, ob ich zu anspruchsvoll für diese Welt bin, ich nur ein unrealistischer Träumer bin oder diese Welt sich im Rausch des Nonsens und der Trivialität verliert. Man oder ich fragt sich, was normal ist? Anspruch oder Wirklichkeit? Wenn sog. Künstlerinnen in einem Outfit auftreten wie in einen „Nuttenzirkus“, dann kommen Bedenken auf. Entschuldigt bitte diesen Begriff, aber die Staffage entspricht diesem Niveau!

Zwei Apologeten der Branche möchte ich beispielhaft herausgreifen. Zum einen Maike Kelly, Angehörige der irischstämmigen Kelly-Family. Die Kellys mögen in ihren Anfängen mal der Folkmusik verbunden gewesen sein, haben jedoch ihre Wurzeln verloren und haben sich auf ein kaum noch zu unterbietendes Niveau herabgelassen. Als erfolgreichster Vertreter der älteren Schnulzier-Generation gilt Roland Kaiser (richtiger Name KEILER – Nomen est Omen). Er ist Spezialist für banale stereotype Schnarchtexte, die jeglicher Beschreibung spotten und den Gebrauch der deutschen Sprache auf ein unterirdische Ebene verfrachten.

Was ist Kunst?

Ich gebe zu, daß ich mit Vorurteilen behaftet bin und Musikverständnis vom individuellem Geschmack abhängig ist. Aber das trifft auf jede Art von „Kunst“ zu, wobei es jedoch bestimmte überprüfbare Kriterien der Qualität gibt. Wenn das nicht so wäre, wie sollten wir dann „klassische“ Musik oder Lyrik als Kulturgut einstufen können? Natürlich ist auch der Begriff „Kultur“ den jeweiligen Normen und gesellschaftlichen Geschmäckern unterworfen. Trotzdem gibt es Anhaltspunkte, die qualitative Unterschiede bestimmen können, die allgemein gültige Bewertungen erlauben. Denn wenn es keinen Kompaß gäbe, wie sollten wir uns orientieren können?

Persönliche Reminiszenzen

In diesem Kontext erlaubt mir, eine Rückerinnerung an meine Jugend und meinen damaligen Musikgeschmack zu bringen. Das war in den 60er Jahren die Rock- bzw. Beatmusik und natürlich und der keltische Folk. Darauf bin ich nicht sitzengeblieben, obwohl ich noch gelegentlich auf diese musikalischen Highligts zurückgreife, weil sie mein Leben mitbestimmt haben. Nur denke ich, daß ich mich im Laufe der Jahrzehnte weiter entwickelt und meinen musikalischen Horizont erweitert habe. Ich habe mich internationalisiert und mich auch mit Rhythm & Blues oder Hardrock angefreundet – selbst klassische Musik in manchen Ausprägungen sind mir sehr vertraut.

Auch verlaufen die Grenzen zwischen Schlager, Pop, Folk und Rock fließend, so daß eine eindeutige Zuordnung oft nicht möglich ist. Jedenfalls ist das Alter kein Kriterium, das den Musikgeschmack von Menschen bestimmt. Verzeiht mir – aber meistens gilt das Prinzip in allen Lebensbereichen: Dumm geboren und nichts dazugelernt. Wie gesagt, Ausnahmen bestätigen die Regel!

Dieser Trend zu simplifizierenden Schlagern mit abgedroschenen Texten und Einheits-Rhythmen entspricht dem derzeitigen Zeitgeist. Musik und Texte, die eine wertvolle inhaltliche Bedeutung besitzen, kritisch sind, den Menschen herausfordern und ihn an seine Identität erinnern, sind nicht mehr en Vogue. Das bedeutet nicht, daß jede Musik ernsthaft sein und intellektuelle Ansprüche erfüllen muß. Sie kann und soll auch Unterhaltung bieten, gute Laune machen, zum Mitsingen und Mittanzen anregen sowie vor allem die Gefühle ansprechen. Es ist ja nicht so, daß es zu dem primitiven Schlagerniveau keine Alternative auf Deutsch gäbe. Ganz im Gegenteil existiert eine bereichernde und hochwertige Szene des Deutschfolks- und Rocks, die jedoch in den Medien fast total ignoriert wird. Ich könnte unzählige Beispiele davon erzählen und habe diese Musik sehr oft live erlebt.

Der Zeitgeist regiert

Ich glaube daran, daß um so mehr die Welt verroht, je mehr Krieg und Gewalt sich Bahn bricht und je mehr Ungerechtigkeiten sich ausbreiten – daß die Menschen sich um so mehr hilf- und orientierungslos in Scheinwelten flüchten. Die Traumwelt des Schlagers bietet einen Rückzugsort, der sich fern der ungeliebten und ernüchternden realen Welt befindet. Es ist ja so bequem, sich dem Gefühlsdusel zu überlassen und den Verstand zu verbannen und sich der Seligkeit der Einheitsbegeisterung hinzugeben. Denken ist ein Relikt von gestern, das sich nur Exoten leisten können … Bequemer ist es, sich im Zeitgeist und dem Mainstream treiben zu lassen und die Entscheidung über die Zukunft anderen zu überlassen.

Insofern verfolgt das regierungsangepaßte Öffentlich-Rechtliche Fernsehen die vorgegebene Direktive, die Bevölkerung ruhig zu stellen und vor den revolutioniären Ideen einer Sytemveränderung zu schützen.

LINKS:

Die Schlagerkoryphäen haben wieder zugeschlagen

https://www.ardmediathek.de/video/musik-und-show/die-schlager-des-jahres-2023/mdr-fernsehen/Y3JpZDovL21kci5kZS9zZW5kdW5nLzI4MjA0MC80MjYyOTMtNDA2NzI2

https://www.ardmediathek.de/tv-programm/655fa85837c6465a950ab957

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Über Peter A. Weber 156 Artikel
Rebellischer Alter, der der Konformität den Kampf angesagt hat. Keltische Identität bezüglich Kultur, Musik, Philosophie und Mentatlität. Meine Abneigungen: Nationalismus, Rassismus, Fremdenhaß, Ideologien und Fundamentalismus jeglicher Art. Ich lege Wert auf unabhängiges Denken und Schreiben.

8 Kommentare

  1. Einspruch Euer Ehren!
    Es gibt nicht ein einziges Musikgenre, das grundsätzlich nichts taugt! Schlager – guter Schlager – war noch nie „angestaubt“, sonst wäre es kein Schlager geworden. „Wunder gibt es immer wieder“ oder „Marmor, Stein und Eisen bricht“ – beide aus der Feder vom Schlagertitan Christian Bruhn, werden heute noch ebenso tiefgreifend wahrgenommen, wie damals, als sie geschrieben wurden. Und da sind wir bei des Pudels Kern: Es gibt Rockmusik, Folkmusik und Beatmusik, deren Text genauso banal ist, wie deren Komposition – und es gibt wunderbare Schlager, die nicht nur kompositorisch, sondern auch textlich anspruchsvoll sind. „MacArthur`s Park“ sowohl in der amerikanischen Urfassung, als auch – mit einigen holpernden Abstrichen – in der deutschen Version (gesungen von Karel Gott) gehört eher in diese Rubrik. Nein Euer Ehren! Ich unterscheide nicht in Musikgenres, sondern ausschließlich zwischen guter und schlechter Musik. (Die Wertung bezieht sich NICHT auf den Geschmack, sondern auf die jeweilige Kunstfertigkeit). Und insofern gebe ich Ihnen Recht Euer Ehren: DAS, was hier mittlerweile landläufig als „Schlager“ bezeichnet wird, ist noch nicht einmal beinharte Kirmesfestzeltmusik! In diesem Punkte Euer Ehren, genehmige ich den Antrag der Musikstaatsanwaltschaft. Allerdings erlaube ich mir eine tiefgreifende Frage: Was genau ist denn am Text des Folksongs (immerhin Nr. 5 der besten Folksongs der Welt vom RS ausgewählt) „California dreaming“ („Alle Blätter sind braun, und der Himmel grau – ich bin auf meinem Weg an einem Wintertag…“) so viel intelligenter als der Schlager „Was ist das Ziel?“ von Alexandra („Es ist November und der Regen
    Kriecht durch die Kleider auf die Haut. Ich geh alleine auf den Wegen, die mir vom Sommer her vertraut…“) und eine zweite Frage: Warum ist der (englische – weil herrlichmenschliche Rockmusik) Text „All we hear is radio ga ga – Radio goo goo Radio ga ga – All we hear is radio ga ga Radio blah blah – Radio, what’s new? Radio, someone still loves you“ („radio ga ga“, Queen) so viel intelligenter als z.B. dieser deutsche „dumpfdröge“ Schlagertext „Bevor ich trommle und im Marschtakt singe -Und blökend mit den Schafen mitmarschier‘ -Gescheh’n noch viele ungescheh’ne Dinge -Wenn ich mir je gefall‘ als Herdentier -Und so nehm‘ ich zur Devise -Keine andere als diese: -Wo schon zwei sind, kann kein Dritter sein! -Ich sing‘ weiter ad libitum -Ich marschier‘ verkehrt herum-Und ich lieb‘ dich weiterhin allein-Ich will in keinem Haufen Raufen-Lass‘ mich mit keinem Verein – Ein“ („Bevor ich mit den Wölfen heule“, Reinhard Mey)

  2. Stichwort „Pädagogik zur Erschaffung des neuen Menschen“ — ist ein Riesending der Link hier unten, eine 9-teilige investigative Recherche zu einem von mächtigen NGOs seit längerem bereits global ausgerollten und unzählige Milliarden starken VOLKSVERBLÖDUNGSPROGRAMM mit dem schönen Namen SEL = Social and Emotional Learning.

    Ist im Grunde ein Gehorsamkeitstraining für die schönen neuen Sklaven in der schönen neuen Welt des Great Reset. Denn merke:

    Blödheit ist Macht. Die Blödheit der anderen selbstverständlich nur!

    https://www.coreysdigs.com/education-system/alert-2030-psychological-agenda-obedience-training-for-prek-adults-already-global-with-billions-in-funding-for-full-control-part-1-introduction/

    • Wie sagte einst ein bekannter Bänker zu einen bekannten Politiker: Halt du sie dumm, ich halt sie arm. Es geht nur darum, mit allen Randerscheinungen. Die Propagandamittel dazu werden natürlich immer mehr verfeinert. Bei den jüngeren Generationen gelingt die Steuerung noch eindringlicher, weil diese die Vergangenheit nicht kennt (weil nicht kennen soll), nicht hinterfragt. Alles Banale wird als wichtig dargestellt und in die Köpfe eingehämmert. Und es bleibt am Funktionieren, leider.

  3. Manche schlager verleiten aber auch zur politischen paraphrase z.b. der schlager von Helene Fischer „atemlos durch die Nacht“ wird von Jugendlichen schon lange durch: “ arbeitslos durch die Nacht“ ersetzt/lauthals gesungen, d.h. die Jugendlichen wissen sehr wohl wohin die Reise geht und wer in diesem System zwangsläufig auf der Strecke bleibt.

    • Ergänzend zu PULS: Das Bild von schweigend im Kreis umherziehenden grauen Gestalten gibt es übrigens schon seit Jahrhunderten. Und zwar als Höllenstrafe in Die Göttliche Komödie (Dante), dort der See des Schweigens. — Jaja, auch für die doofen Mitläufer gibt es einen Platz in der Hölle…

      • Friedrich Nietzsche: „Dante ließ in seiner „Göttlichen Komödie“ über dem Tor der Hölle den Schriftzug „Auch mich schuf die ewige Liebe“ anbringen. Aus dem gleichen Grund und in aller Konsequenz hätte er über dem Himmelstor dann auch den Schriftzug „Auch mich schuf der ewige Hass!“ anbringen lassen sollen…“ Muhaha! Hier hat Nietzsche tatsächlich eine göttliche Komödie gestaltet…

        • @Giselherr — Nietzsche bewegte sich bekanntlich jenseits von Gut und Böse. Klar, daß ihm dann solch‘ lästerliche Bemerkungen aus der Feder flossen. Die Bibel gibt ihm allerdings nicht recht, siehe Hiob! Dort ist Satan keine souveräne Instanz, sondern Befehlsempfänger Gottes, und hat einen exakt beschriebenen Auftrag auszuführen. In modernen Worten gesagt, sollte er den Hiob nicht eliminieren – das wäre ja auch langweilig -, sondern ihn nach allen Regeln der Kunst umfassend „zersetzen“. Also etwa so, wie das die SchlAmpel jetzt gerade mit den Untertanen tut.

          Aber kaum anzunehmen, daß die in göttlichem Auftrag handelt. Oder vielleicht doch!? Jedenfalls führt sie sich so auf.

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