Die perfekte Hinrichtung, wie man Todeskandidaten richtig umbringt

SingchairPrison Planet Earth: Die Wissenschaft vom korrekten Töten ist eine der schwierigsten, da die Erfolgskontrolle in vielfacher Hinsicht nur mangelhaft ausfallen kann. Im Erfolgsfall kann man die Betroffenen nicht mehr befragen. Die immer noch im Namen der Gerechtigkeit mordenden Staaten versichern dabei allzeit möglichst human vorzugehen. Dabei ist Humanität und gezieltes Töten schon ein Widerspruch in sich, es sei denn, man erklärt ein gewisses Maß an Perversion zum Bestandteil eben dieser Humanität. Auch geht es bei dieser Betrachtung nicht um das grundsätzliche Für und Wider zur Todesstrafe, tatsächlich geht es nur um das angeblich humane Töten und wie man diesen Anspruch in der Praxis am besten „exekutieren“ kann.

Für jeden, der sich schon einmal mit der Todesstrafe und den damit verbundenen Hinrichtungsmethoden auseinandergesetzt hat, wird unschwer nachvollziehbar sein, dass das mehrfache Grillen auf dem elektrischen Stuhl nicht unbedingt eine schmerzlose oder humane Hinrichtungsmethode sein kann. Gleiches gilt für mehrphasige Giftinjektionen, die je nach körperlicher Konstitution des Hinzurichtenden recht schnell wirken, oder aber auch einen langsamen quälenden Tod nach sich ziehen können. Selbst beim Erhängen können und werden massenhaft Fehler gemacht, die ebenso ein beschreibbares Leiden des Todgeweihten verursachen können. Selbst in der Gaskammer geht es nicht besser zu. Die Liste bekannter Hinrichtungsmethoden ließe sich beliebig verlängern, laufen aber am Ende immer wieder auf ein gleichartiges Ergebnis aus. Nichts davon ist „human” im Sinne einer philosophisch vertieften Betrachtung und auch in keiner Weise schmerzfrei.

Wie kann man sich dem gewollten Tod nähern

Der englische Journalist Michael Portillo[en.Wikipedia] hat sich in diesem Zusammenhang auf die Suche nach einer tatsächlich humanen Hinrichtungsmethode gemacht. Wenn man dem Ausgang der beigefügten Dokumentation glauben schenken darf, ist er dabei sogar fündig geworden. Sehr ausgiebig studiert er die oben beschriebenen Hinrichtungsmethoden und erläutert haarklein warum und weshalb es sich dabei keineswegs um schmerzfreie, legale Auftragsmorde im Sinne der Gerechtigkeit handeln kann. Mit viel Geschick und einigem Aufwand sind zwar Möglichkeiten darunter, die, sofern fachlich richtig ausgeführt, schnell zu dem gewünschten Ergebnis führen, aber entsprechende Fehlerquoten lassen auch das stets zum Roulette werden.

Vor der Betrachtung der Dokumentation muss nicht gewarnt werden, denn es werden keine realen Hinrichtungen gezeigt. Gute Nerven sollte man dennoch haben, jedenfalls für den Fall, dass man auch noch über eine ausgeprägtes Vorstellungskraft verfügt. Der Journalist setzt sich im Rahmen seiner Recherche auch noch einigen Versuchen aus, die man als Vorstufen zu dem betrachten darf, was ein Todeskandidat mindestens in seiner letzten Phase auch (noch) zu durchleben hat.

So nähert sich der wissensdurstige Journalist selbst dem Tod unter anderem durch extremen Sauerstoffmangel, Hypoxie[Wikipedia]. Dies bringt ihn letztlich auf die richtige Spur. Wie man Menschen aller Voraussicht nach gar mit einem Grinsen im Gesicht und einem Glücksgefühl in den Tod schicken kann. Anders als in seinen Selbstversuch braucht es dafür am Ende nicht einmal große Mechanik und auch keinen enormen technischen Aufwand, um den vermeintlich humanen Tod richtig in Szene zu setzen. Ganz ohne Hilfsmittel geht es jedoch nicht, aber auch das ist mehr als ausreichend vorhanden und sogar noch ein natürlicher Bestandteil unserer Umwelt. Im Ergebnis heißt es: mit Stickstoff in den sanften Tod. Das ist dem Grunde nach keine wirkliche Überraschung, denn an Stickstoff sind wir unser Leben lang gewöhnt. Wir atmen es zu 78 Volumenprozenten vom ersten Moment an ein, es ist nichts fremdartiges als Bestandteil der Atemluft[Wikipedia]. Das Fehlen des Sauerstoffs bemerken wir im Zweifel erst wenn es schon deutlich zu spät ist.

Inzwischen gibt es einen britischen Forscher, er kommt in der Dokumentation zu Wort, der auf diese Art und Weise schon so manche „Schweine“ ins Nirwana befördert hat. Nein, nicht was sie denken! Echte Schweine. Für die reale Hinrichtung von Menschen ist diese Methode noch nicht zugelassen. Und genau an diesem Punkt scheiden sich naturgemäß auch schon wieder die Geister, wie zum Ende der Dokumentation noch einmal klar herausgearbeitet wird.

Beschämendes Resultat

Spätestens jetzt, wo sich Methoden abzeichnen, Menschen wirklich auf gelungene Art und Weise umzubringen, müssen natürlich auch die Befürworter der Todesstrafe in der bisherigen Ausprägung so richtig Farbe bekennen. Einer der härtesten Befürworter der qualvollen Methoden, so richtig mit Folter und Leiden, ist der Rechtsprofessor Robert Blecker[New York Law School]. Er vertritt die These, dass die Täter am Ende nicht weniger leiden sollten als deren Opfer. Generell dominiert dabei zwar der Rachegedanke, als Bestrafungsanspruch getarnt, mehr jedenfalls als irgendwelche ethischen Überlegungen oder gar der Anspruch des Staates moralisch besser zu handeln als die Täter. Aber auch das ist schon wieder eine Diskussion für sich und hat allein das Zeugs dazu die Gemeinde der Todesstrafen-Fanatiker zu entzweien.

Wenn also weiterhin im Staatsauftrag gemordet werden soll oder muss, gibt es tatsächlich Methoden dies humaner zu gestalten. Derzeit kommen aber nicht einmal die „Schweine“ … die uns rein gar nichts angetan haben … in den Genuss eines sanfteren Todes … bevor wir uns an ihnen verbeißen. Bolzenschussapparat und teilweises Verbrühen bei lebendigem Leibe bleiben auch im Schlachthof an der Tagesordnung, weil dort, im Akkord, jede Sekunde bares Geld ist und scheinbar interessiert es auch keine „Sau“ wie die Viecher dort zu leiden haben.

Diesen Druck hat man natürlich in den Todestrakten der Gefängnisse nicht. Und wie es aussieht, wird wohl auch weiterhin der Rachegedanke die Oberhand behalten und noch auf lange Sicht nach den eingangs geschilderten Spezifikationen hingerichtet werden. In jedem Falle aber eignet sich die Reportage von Michael Portillo dazu, erneut ein wenig Öl in die hitzige Debatte ums humane Töten und die Todesstrafe an sich zu bringen. Wünschen wir doch solange den „echten Schweinen“ etwas mehr Glück, eher zeitnah in den Genuss des Stickstoffs zu kommen, bevor in ferner Zukunft die rechtskräftig verurteilten Schweine damit beglückt werden könnten. Aber egal, ob die oder die Schweine, der Mensch ist, solange er auch noch seinesgleichen umbringt, ethisch noch auf einer der niedrigsten Stufen und vermutlich sogar den vierbeinigen Schweinen weit unterlegen.

Die perfekte Hinrichtung, wie man Todeskandidaten richtig umbringt
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13 Kommentare zu Die perfekte Hinrichtung, wie man Todeskandidaten richtig umbringt

  1. Es gibt noch genug Länder auf diesem Planeten, wo die Todesstrafe Bestandteil der Rechtssprechung ist. Das war auch schon einige tausend Jahre so. Wenn ein Täter sich nicht scheut, das Leben zu nehmen, warum sollte man sich umgedreht bei Strafe um humane Methoden sorgen? Hat es den Täter gekümmert, was er anderen angetan hat? Man sollte auch bei uns die Todesstrafe wieder einführen statt Mörder und Kinderschänder 25 Jahre lang auf unser aller Kosten in Luxusgefängnissen mit Wellnessbereich durchzufüttern.

    • “…auf unser aller Kosten in Luxusgefängnissen mit Wellnessbereich durchzufüttern.” Schöpfst du bei solch einer Aussage vielleicht aus einem persönlichen Aufenthalt in einer solchen Herberge?

      Es sind schon zu viele unschuldig Verurteilte hin gerichtet worden. – Hat man dann den entsprechenden Richter, der dieses Fehlurteil gesprochen hat, dann auch wegen Tötung eines Menschen verurteilt? – Warum bleibt so eine Fehlleistung ungesühnt?

      Töten ist immer ein Verbrechen.

    • Wieso wird immer auf Kinderschänder rumgeritten? Viel wichtiger wäre es verlogene, korrupte Politiker abzuurteilen und dem Herrn im Rahmen der Gewährleistung zurück zugeben. Auch Richter und Staatsanwälte, die bewusst Recht und Gesetz beim Prozess außen vor lassen, gehören kurzum zu Gott verbracht. Wie das geschieht, kann man doch spontan entscheiden. Mal wird es ein bisschen weh tun, ein anderes Mal eben etwas mehr. Darum sollten wir uns kümmern wenn wir die Voraussetzungen dafür geschaffen haben und das System an und für sich funktioniert. Ach so: Apro pos “wenn das System funktioniert”: Sehen wir doch mal in die USA. Dort funktioniert das System nach so vielen Jahren und so vielen Hingerichteten (= Ermordeten) noch immer nicht so ganz rund. Erst vergangene Woche wurde ein Mann (Dennis McGuire) mit einem neuen Wirkstoff tot gequält. Wissentlich, dass die Wirkstoff-Kombination noch nie ausprobiert wurde-nur auf die Aussagen von amerikanischen “Wissenschaftlern” hin. Wollen wir das? Ich glaube, wir haben die Schnauze noch voll von dem Geschehen in der Welt. Aber um das Geschehen in der Welt muss man sich zuerst einmal kümmern. Nicht nur dämliche Kommentare schreiben.

  2. Auch die Franzosen machten sich in der Vergangenheit Gedanken um die perfekte Hinrichtung.
    Viel zu häufig haute der besoffene Henker mit seinem Hackebeilchen daneben.
    Verletzte sogar seine Helfer, wenn der Bösewicht rumzappelte.
    Das machte einfach keinen guten Eindruck auf das zahlende Publikum.
    Und so erfand man die Guillotine.
    Köpfen war nun kinderleicht.
    Auch die Produktivität stieg erheblich.
    So dass sich die hohen Anschaffungskosten schnell amortisierten.
    Und damit avisierte die Guillotine zum französischen Exportschlager.

    • Ja, so ist es recht. Nur die Kostenseite betrachten. Das tun wir momentan in jeder Hinsicht. Die Kolateralschäden, an denen das System deshalb erkrankt, wollen wir nicht sehen.
      Wann war die letzte Abmurksung in Frankreich mit der Guillotine ?
      Ich glaube das war in den 1980er Jahren. So etwa um 1981 herum. Ein komplett verlogenes Jahrzehnt in Deutschland und in Frankreich.
      In Spanien wurde mit der Garotte vielen Menschen der Garaus gemacht. Das letzte Mal im Jahr 1978 – soweit ich es weiß.
      Wir sollten nicht so hochmütig sein in der BRD. Uns wurde der Spiegel von den Aliierten vor die Nase gehalten-die selbigen selbst nötiger gehabt hätten. Die Kostenfrage führte in einigen Staaten der USA zur Abschaffung der Todesstrafe, weil die Möglichkeiten von Einsprüchen vielfältig waren. Besser ist es in den USA aber im Großen und Ganzen nicht geworden.

  3. Liebt der Henker seine Tätigkeit oder geht er nur einer beruflichen Verpflichtung nach? Vom Zeitgeist getragene Ethik unterscheidet, oder was?

  4. Ich auch mal etwas lesbares empfehlen Tue:
    Richard Templar – Die Regeln der Arbeit
    Insbesodere das:
    Regel 12 “Kultivieren Sie ein Lächeln”

  5. Wenn wir daran denken die Todesstrafe wieder einzuführen-was ich für einen gewaltigen Rückschritt halte-dann sollten wir bei verlogenen Richtern und Staatsanwälten, bei betrügerischen und korrupten Politikern und deren Helfershelfern anfangen.
    Die Methoden kann man variieren. Mal tut es ein bisschen weh, das nächste Mal etwas mehr. Je nach Zeitgeist und Belieben.

  6. Mark Twain schrieb mal:

    “der Mensch ist das einzige Lebewesen das rot werden kann, – und gleichzeitig das einzige das es nötig hat”

    Die Amerikaner haben mitunter Minderwertigkeitskomplexe wenn es um Historie geht. Und pflegen deshalb und außerdem aus dem üblichen bigotten Nationalstolz das bisschen Geschichte was sie haben. Allerdings sind sie auf einem guten Weg, hier aufzuholen.

    In Europa schaffte Robbespierre einiges an Todesurteilen durch politischen Missbrauch. Freisler -Hitlers Haupt-Rechtssprecher- schaffte dann ca 4500 Todesurteile im angeblichen Namen des Volkes. Nun ist die CIA und die NSA in den USA so mächtig, daß nicht mal ein Präsident dagegen aufzumucken wagt. Daß dort ein totalitärer Staat vor der Tür steht ist sonnenklar. Beste Voraussetzungen sind das Geheimgericht, die ohnehin sehr hohe Quote von Fehlurteilen, der niedrige Bildungsstand eines Großteils der Bevölkerung -blinder Nationalstolz und Sport genügt zum High-School-Abschluss- sowie die Befürwortung aller dortigen Religionen zur Todesstrafe. Ein Funke genügt und Amerika kann das europäische Mittelalter , sowie die Glanzleistungen von Robbespierre und Freisler ebenfalls überbieten. Vielleicht wird diese Nation ihre diesbezüglichen Minderwertigkeitskomplexe los, wenn sie auch in dieser Sparte sich mehr geleistet haben wie die Europäer .

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  1. Weltpolitik und Gartenzwerge » USA – mit VollGas an die Spitze der Hinrichtungsstaaten

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