Matthias-platzeck-ebw-berlins next red baron

Münchhausen-Schönefeld: Kaum ist der erste Überflieger vom Schönefelder Skandal Flughimmel gefallen, hat es mit einer notdürftigen Bruchlandung lebend überstanden, steht auch schon der nächste „Rote Baron“ bereit für den Abflug. Alles nur um die Aufsicht über das verminte Rollfeld aus ein höheren Warte in den Griff zu bekommen. Diesmal ein rot angemalter, sonst eher farbloser Provinzler, der bislang bereits als Co-Pilot in der Touch-Down-Airline Aufsichtsratskrabbelgruppe tätig war. Neue Gesichter sollen nicht nur das Geschäft beleben, nein, man verspricht sich sogar ein Ende des Desasters.

Matthias Platzeck holt sich allerdings ein Super-Extra-Ticket, so eine Art Persilschein oder besser gesagt ein Wattekissen für die ansonsten absehbare harte Landung. Anders als sein Vorgänger, Klaus Wowereit, will er sich via Vertrauensfrage bereits vor der Übernahme des Aufsichtsratsvorsitzes die Absolution erteilen lassen. Dafür macht er erstmals in der Geschichte Brandenburgs eine Extra-Kür, stellt diesbezüglich selbst als Ministerpräsident die Vertrauensfrage. Natürlich in der Gewissheit, dass er dafür die nötige rot-rote Mehrheit hat, sonst hätte er diese Flugrunde wohl nicht riskiert. Mit 55 von 88 Stimmen scheint er zu rechnen.

Aber Showbusiness gehört zum Fliegen seit eh und je dazu. Neben eitel Sonnenschein eben auch nur mal die Eitelkeit. Um seiner eigenen PR ein wenig auf die Sprünge zu helfen, nahm er dafür eigens ein ARD Jauch(e) Bad und trat dort als roter Adler auf. Wie es sich gehört, gepaart mit ein wenig Selbstkritik und noch viel mehr Kritik an den unhaltbaren Zuständen zum Berlin-Brandenburger Flughafenbau-Versuch. Andere Verantwortliche und Vorflieger Wowereit hatten nicht so recht Lust auf diese Sendung, sodass er sich im übertragenen Sinne hier selbst zum „Roten Baron“ der Flugshow „Stay Ground“ Veranstaltung ausrufen konnte.

Das schöne an diesen ganzen Darbietungen und Flugkunststückchen ist natürlich die Tatsache, dass dort geflogen werden kann was das Zeugs hergibt. Man hat einen verlässlichen Finanzier für solche Abenteuer. Der Steuerzahler steht hier allemal gern auch ungefragt zu Diensten. Ob die Pöstchen im Aufsichtsrat oder auch die mit Geldscheinchen gut gepolsterten Bruchlandungen dieser Eliten, immer ist der brave Michel mit dem Portmonee zur Stelle wenn es ans Bezahlen geht.

Klaus Wowereit Matthias Platzeck BER Flughafen Berlin Brandenburg Desaster fliegen lassen

Auch wenn Platzeck verspricht, bei einem Scheitern des Flughafenbaus zurückzutreten, wen stört’s. Vielleicht hat er in einer schlaflosen Nacht schon mal seine Frührente durchkalkuliert und festgestellt, dass er jetzt ruhig noch einmal Vollgas geben kann. Nach einem weichen Fall vom Himmel, dann gleich die Umbettung auf ein finales Ruhekissen von Steuerzahlers Gnaden, statt noch einmal 10 Jahre Steinbruch zur Disziplinierung. Da kann man dann schon mal vollmundig einen starten lassen: „Entweder das Ding fliegt, oder ich fliege“, also egal wie, in jedem Fall fliegen!

Das ist ja das Bedauerliche dass diese Kaste nahezu alle Sanktionsmöglichkeiten gegen sich selbst schon völlig vereitelt hat. Sie möchten stets auch den Verrat noch gut dotiert bekommen. Man darf eine Wette darauf eingehen, dass auch Platzeck diese Nummer in Schönefeld nicht in den Griff bekommt, weil er, wie auch Wowereit, dies alles im Nebenerwerb schultert. Sozusagen als fixes Zubrot oder auch als Sahnehäubchen auf das elende Grundsalär.

Alldieweil schieben sich Wowereit und Architekt noch den schwarzen Peter oder Klaus zu. Der eine sagt der Architekt habe keinen Plan gehabt. Der wiederum sagt nun die Bauherrn hätten alle Nase lang neue Wünsche gehabt und so den Bauablauf zerschossen. Spätestens seit 2008 habe die Flughafengesellschaft mit Halbwahrheiten und unrealistischen Vorgaben gearbeitet. Die erwähnten Halbwahrheiten haben uns sogleich auf den Plan geholt, eine Unverschämtheit sondergleichen, qpress war noch nie vor Ort.

Und so muss sich dann auch Klaus Wowereit, als waschechter BER-Liner, noch eine Weile gedulden bevor er endgültig abheben darf. Die Frage, wann genau er denn endlich fliegt, bleibt leider unbeantwortet im Raume stehen. Möglicherweise ergibt sich in nicht all zu ferner Zukunft eine Gelegenheit zusammen mit Matthias Platzeck zu fliegen. Der Steuerzahler wird es schon bezahlen. Vielleicht sollten sich Berlin und Brandenburg bis zur endgültigen Fertigstellung dieses Grabmals einen Flugzeugträger leasen und als Ersatzflughafen in der Ostsee dümpeln lassen. Das müsste doch bei dem Budget allemal noch drin sein und der Spaßfaktor nach Jauch würde noch ungemein zunehmen.

Matthias Platzeck, BER’s nächster Roter Baron
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