Dezimaler Kalender soll die Wirtschaft retten

Raffhausen: Immer wieder beklagt sich die Wirtschaft über die uneinheitlichen Maßsysteme in den unzähligen Ländern dieser Welt. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Profitoptimierung muss es diesmal endlich klappen. Welteinheitlich soll ein neuer Kalender auf ein dezimales Format gebracht werden. Welcher Mensch sieht schon ein warum der Tag 24 Stunden haben muss, davon ein Duzend für den Tag und ein weiteres Duzend für die Nacht. Die Woche mit 7 Tagen ist ziemlich krumm und je nach Befindlichkeit hat das Jahr auch schon mal 366 Tage statt nur 365. Monate haben jetzt 28, 30 oder 31 Tage und zur allgemeinen Verwirrung auch schon mal 29 Tage. Selbst bei den Jahreszahlen buhlen Christen, Juden und Moslems, Buddhisten und diverse andere Religionstruppen auch noch um die jeweilige Jahreszahl.

Allein letzteres wäre schon ein Grund nun endlich ein einheitliches Format zu finden, natürlich dezimal und einfach mal wieder bei Null zu beginnen, ein sogenannter Reset für Alle. Auf gut Deutsch, es ist ein heilloses und willkürliches Spektakel um die Zeit welches aufgeräumt gehört. Viele Menschen haben ja bis heute nicht begriffen wie das mit der Zeit wirklich funktioniert. Alleinig die Weisheit dass Zeit Geld ist wird heute noch gelehrt. Noch ein grund mehr endlich ernst zu machen mit der Reform und Zeit zu schinden, sogleich folgt dann ein gerüttelt Maß an Reichtum auf den Fuß, sofern man den richtigen Leuten die Zeit stiehlt.

Nach den Vorstellungen der Wirtschaft können zwar die bisherigen Bezeichnungen bleiben, allerdings alles mit neuem Inhalt und natürlich stark dezimiert dezimalisiert. Nach ersten Planungen könnte der Tag 10 Stunden bekommen, die Woche 10 Tage, der Monat 10 Wochen und das Jahr soll aber zur Freude der Arbeitnehmer auf 10 Monate verkürzt werden. Na wenn das keine erfreuliche Botschaft ist? Nur noch 10 Monate im Jahr arbeiten. Die Arbeitgeber denken sogar darüber nach den Beschäftigten dann die täglichen Arbeitszeiten ein wenig zu verkürzen. Hier denkt man an 3,33 Stunden pro Tag. Logisch, die Stundenlöhne wie auch die Monatsgehälter bleiben natürlich gleich, damit die Arbeitnehmer nicht vollends verwirrt werden, sonst wäre ja die Dezimalisierung des Kalenders auch ein Minusgeschäft für die Unternehmen, was so gar nicht zum allgemeinen Profitstreben passt. Zur besseren Übersicht hier der Reformplan kurz als Tabelle und rechts eine neue kombinierte Analog- und Digitaluhr:

  • Neu Ganztagsuhr Dezimal trans qpress 150dpi1 Minute = 100 Sekunden
  • 1 Stunde = 100 Minuten
  • 1 Tag = 10 Stunden
  • 1 Woche = 10 Tage
  • 1 Monat = 10 Wochen
  • 1 Jahr = 10 Monate

Zugegeben, da gibt es natürlich ein paar kleine Schönheitsfehler. Aber wenn wir Billionen für die Banken aufbringen können, dann sollte es auch für die übrige Wirtschaft nicht an der nötigen Solidarität seitens der Werktätigen fehlen. Die Erde wird sich unbeeindruckt von solchen Reformen in gleichem Tempo weiterdrehen wollen. Hier liegt der eigentliche Profit, allerdings auch die Herausforderung. Auch wenn dabei Tag und Nacht ein wenig verschwimmen, das macht gar nichts, wir haben doch ohnehin schon eine 24h Gesellschaft, wo rund um die Uhr alles funktionieren muss. Wer sollte sich daran stören ob es gerade hell oder dunkel ist. Der Takt für die Menschen wird ohnehin schon seit geraumer Zeit von den Maschinen vorgegeben, allein deshalb sollte dieser Takt schon dezimal sein. Der Mensch muss sich der Maschine und dem Takt unterordnen, dann funktioniert alles viel besser, so die Berechnungen dazu.

Bezüglich der Monate wird es keine Benennungsprobleme geben, die bleiben so wie sie sind, nur der November und Dezember werden einfach gestrichen, damit auch gleichzeitig Weihnachten ausradiert, denn es hindert ohnehin nur die Produktivität. Bezüglich der Wochentag müssen jetzt noch 3 zusätzliche Namen gefunden werden, um die zehn Tage der Woche korrekt zu benennen. Sinnfälliger Weise könnte man beispielsweise einen Geldtag, einen Reformtag und einen Brückentag hinzufügen, aber sicherlich wird die Namensfindung dafür einmal im Wege eines Preisausschreibens geklärt werden.

Mehr Profit durch einen dezimalen Kalender

Damit wird das neue Jahr zu 1.000 Tagen für die Unternehmen um den Faktor 3,17 profitabler. Erinnert uns ansatzweise an die Zahl π (3,14), da kann man sich vorzüglich im Kreise drehen und die Sache wird endlich rund. Selbstverständlich berechtigt die Umstellung des Kalenders nicht zu Mehrforderungen in Sachen Bezahlung. Das hat es auch bei der jährlichen Umstellung auf die Sommerzeit schließlich nicht gegeben. Aber sehen wir mal ein wenig auf die Details die da zu verkraften sind.

Das alte Jahr hatte 31.536.000 Sekunden (in Schaltjahren sogar 31.622.400), das neue Jahr hat dann glatte 100.000.000 Sekunden und daran wird auch nicht mehr geschaltet. Welch ein Gewinn? Auch für die Rentenkasse ergibt sich hier eine signifikante Erleichterung. Die Lebenserwartung in Jahren sinkt halt um denselben Faktor. Wird der Mensch heute durchschnittlich 79 Jahre alt, dann wird er künftig nur noch 24,92 Jahre alt, auch wenn er sich gefühlt ähnlich lange quält. Will sagen, die Diskussion ums Rentenalter ist damit völlig obsolet. Diejenigen die dann noch die 67 erreichen, denen sei es von Herzen gegönnt.

Ferner können natürlich auch die Schul- und Ausbildungszeiten drastisch verkürzt werden, eine ungemeine Ersparnis und natürlich sind die Kinder viel reifer wenn sie endlich volljährig werden und wählen dürfen (nach heutiger Rechnung dann mit ca. 57 Jahren). Allein bis die Kinder heutzutage das anachronistische und überholte Zeitsystem begriffen hätten würde viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Dezimal wäre es rein gar kein Problem.

So ließe sich die Liste der Vorzüge einer Zeit- und Kalenderreform beliebig fortsetzen. Der Fortschritt kann auch hier nicht aufgehalten werden. Es muss endlich etwas passieren um unser Zeitmanagement zu modernisieren. Die vorgeschlagene Lösung sollte also allen Menschen gerecht werden.

Es gibt auch Gegner dieser Reform

Inzwischen haben sich auch die Gewerkschaften schon zu Wort gemeldet. Generell befürworten sie zum Erhalt der Wirtschaft eine entsprechende Umstellung und monieren auch gar nicht die Kürzung von zwei Monatsgehältern weil das Jahr nur noch 10 Monate haben wird. Nein, sie fordern vielmehr von der Regierung den Erlass eines Gesetzes wonach sich die Erde um den Faktor 3,17 schneller drehen soll als bisher. Dies natürlich nur zum Erhalt der Schlafgewohnheiten der Menschen. Die Bezahlung sei völlig nachrangig, denn auch Sklaven werden nicht entlohnt sondern allenthalben notdürftig am Leben gehalten. Nur hinsichtlich der Verschiebung der Hell- und Dunkelphasen sei man zutiefst besorgt und sehe den Artenschutz für den Homo sapiens (eine Unterart der Trockennasenaffen) hochgradig gefährdet. Auch sollte man Mutter Natur in diesem Falle ruhig etwas mehr belasten. Keine Sau würde es stören, müsste sich die Erde nun leistungsorientiert auch ein wenig schnelle drehen.

Die Regierungen verweigern sich allerdings kollektiv die Rotationsgeschwindigkeit der Erde per Gesetz zu erhöhen. Der Aufwand dafür würde die Kalenderreform in weiten Teilen wieder zunichte machen und damit der Wirtschaft schaden. Sie will es bei den Vorzügen dieser skizzierten Reform für den optimierten Kommerz belassen. Der Mensch, als nachwachsender Rohstoff, müsse sich hier den Erfordernissen der Wirtschaft unterordnen, nur so sei mehr Profit zu generieren. Ausschließlich eine intakte und profitable Wirtschaft kann das Überleben der Menschheit sichern, die Natur sei ohnehin schon völlig überfordert und so müsse der Mensch seine Geschicke selbst in die Hand nehmen.

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Dezimaler Kalender soll die Wirtschaft retten
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Über WiKa

Die verkommene Wahrheit unserer Zeit ist so relativ und dehnbar wie das Geschrei der Massen-Medien selbst. Erst der schräge Blick durch die Blindenbrille, in stockfinsterer Vollmondnacht, eröffnet darüber hinaus völlig ungeahnte Perspektiven. Überzeichnung ist dabei nicht zwangsläufig eine Technik der Vertuschung, vielmehr ist es die Provokation gezielter Schmerzen, die stets dazu geeignet sind die trügerische Ruhe zugunsten eigener oder andersartiger Gedanken zu stören.

Kommentare

Dezimaler Kalender soll die Wirtschaft retten — 12 Kommentare

  1. Pflanzt Obstbäume, freut euch auf die Ernte. Und du WiKa, bring die Wirtschaft nicht auf solche Ideen, die böse Saat hätten sie sich selbst ja kaum auszudenken getraut.
    Originell, aber gruselig. Die bräuchten die Macht eines Gottkönigs, im Europäischen Großreich um sowas umzusetzen. Freuen wir uns, das es einfach zu kleine Lichter sind um sowas umzusetzen.

  2. Das mit der Zeit wäre ja dann geklärt.
    Dann noch kurz nochmal den Raum aufgeklärt, und wir wären schon einen Schritt weiter, oder?
    Wenn das Albert Einstein noch erlebt hätte.

  3. Troja ging unter wegen der schönen Helena, Deutschland wegen der hässlichen Angela.
    Schaut Euch mal die “netten” Kommentare für unsere geliebte FDJ-Sekretärin an.
    Die schafft auf youtube nicht mal die 5% Hürde
    Grußwort von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zum Auftakt der Kampagne “Ich will Europa”
    >>>http://www.youtube.com/watch?v=rT73AnGgf7w (Link defekt, entlinkt, WiKa 2013-07-01)

    • Ja so ist es Jo,
      ich krieg auch sofort Ausschlag, wenn ich den Bundestrojaner nur seh.
      Aber nicht so weit scrollen, dass die Statistik “ich mag die nicht” verloren geht.
      Und bitte das Klicken nicht vergessen!
      Daumen nach unten.
      Beste Grüße

  4. Wenn man gleiche Multiplikatoren zur Umrechng von Tagen auf Wochen auf Monaten auf das Jahr anstrebt, lautet der passende Multiplikator derzeit leider nicht 10 sondern ( 3 Wurzel aus 365,25 = ) 7,14820076 usw. Um nun auf den Faktor 10 zu kommen, müssen wir dringend mit der Erde und der Sonne verhandeln. Ein Grund mehr nun die Grünen zu erwählen: wegen der Änderung der Erdumlaufbahn sowie der Rotationsgeschwindigkeit der Erde.

  5. Komplett falsch!

    Die Wirtschaft hat davon wenig und will das so auch ganz sicher nicht. Schon alleine das Aussetzten der Sommerzeit-Praktik wird von Lobbyverbänden der Wirtschaft verhindert, denn die Umstellung wird teuer und bringt keinen stätigen Gewinn mehr.

    Kurzzeitig würde man einige Produkte (nun ohne automatische Sommerzeitumstellung) im erheblichen Umfang neu verkaufen können, jedoch wird dann auch die ausländische Konkurenz größer, die ihre Produkte jeher ohne Sommerzeitumstellung anbietet, was den zu erwartenden Gewinn dann auf andere verteilt. Gleichzeitig muß auch die Wirtschaft selbst auf Sommerzeitlose Produkte umsteigen, was auch niemand gerne möchte, außer den wenigen Unternehmen, die daraus Gewinn schlagen könnten.

    Deshalb werden wir, gleigülltig wie unsinnvoll die Sommerzeit inzwischen ist, dauerhaft daran festhalten.

    Eine Umstellung des gesammten Zeitsystems wäre nicht bezahlbar und würde nur sehr wenigen Nieschen-Unternehmen ohne Lobby maximale Gewinne bringen, während die Masse der Unternehmen mit Lobby sich erheblichsten Ausgaben gegenüber sähe.
    (“Lobby” steht hier (aber nicht nur hier, eigentlich allgemein) für die politischen Entscheidungsträger.)

  6. Wo isser denn, der Wika?
    Hat er sich schon, wie im letzten Satz angedroht, sein Geschick selbst in die Hand genommen und lebt schon im neuen Zeitsystem?

    • Vielleicht ist er ja ausgewandert und lebt jetzt in einem freien Land der freien Welt????
      Oder er sucht die innere Freiheit?
      Solange es diese überhaupt noch gibt.
      Denn mit der medialen Gehirnwäsche von “political correctness” ist auch die innere Freiheit ein Hirngespinst.
      Bleibt nur noch sich als Eremit in die unzugänglichen Bergeregionen oder auf eine abgelegene Südsee-Insel zurückzuziehen. So bezeichnete die Romanvorlage von Robinson Crusoe, dies als die schönste Zeit seines Lebens.

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