Upsala, wer kommt denn da: Ein „P“ zuviel und wir wären in Schweden gelandet. Aber heute müssen wir ausnahmsweise einmal über die negativen Folgen des „Finanz-Klimawandels“ berichten. Die zunehmende Hitze in Zentraleuropa führt vermehrt zu Funktionsstörungen in den Denkapparaten der hier beheimateten Politiker. Die monetäre Hitze erzeugt Wahnvorstellungen, wonach ganz Europa von einem schmelzenden Rettungsschirm beschützt werden soll. Es wird immer noch daran herum gestrickt und von Woche zu Woche modifiziert, ausgebessert, umgebaut und reorganisiert, verworfen und neu aufgesetzt. Bei jedem Versuch kostet es mehr und die „Nullen“ geben sich die Klinke in die Hand wenn sie zu den nächsten Beratungen ansetzen.

In Finnland scheint man da – erheblich weiter nördlich gelegen – einen deutlich kühleren Kopf zu bewahren und das Denkvermögen noch größtenteils intakt zu sein. Und wie immer, bei richtig guten Meldungen, kommen diese ziemlich kleingedruckt daher, wie hier bei WELT-online, wo man von einer knüppelharten Haltung der Finanzministerin Jutta Urpilainen zu diesem höchst kontroversen Thema zu berichten weiß. Sucht man nach dem Grund für das „Kleindrucken“ solch überaus positiver Meldungen in unserem Lande, dann erkennt man sogleich unsere scheinbar gleichgeschaltete Presse, die vermutlich eine Verpflichtungserklärung abgegeben hat, wonach sie nichts Böses zum Euro schreiben wird, allenfalls ein wenig Kritik, um Ausgewogenheit vorzugaukeln.

Finnland gehört zu den eingefleischten Euro-Befürwortern, was aber nichts daran ändert, dass sie sich nicht in allen Fällen einfach überrumpeln oder kaufen lassen. Käuflichkeit steht dort nicht so hoch im Kurs, denn sie gehören allenfalls zu den Zahlmeistern dieser Veranstaltung und haben deshalb gesteigertes Interesse an Solidität. Welchen Eingebungen unsere Kanzlerin fortwährend erliegt, entzieht sich unserer Kenntnis, wir bekommen nur die vernichtenden Folgen zu sehen. Ein Blick auf die rechts gezeigte Grafik zur Entwicklung der Staatsverschuldung kann helfen die Handlungsweise der Finnen zu verstehen. Während Deutschland sich schon für alle in die Bresche geworfen hat (Bundesbank und Target2 lassen grüßen, derzeit schon weit über 700 Mrd. €), konnte Finnland mehr oder minder die Null-Linie halten. Damit wäre es vorbei wenn sie den ESM in seiner jetzigen Form akzeptieren. In dem Fall dürften auch sie bluten, die Aspiranten dafür sind die vier zuerst dargestellten Nationen in der Legende der Grafik. 

Mögliche Folgen

Sollte also Finnland bei seiner harten Haltung bleiben (wir drücken die Daumen) und die Haftungs-Vergemeinschaftung für den Euro weiterhin ablehnen, dann gibt es da nicht viele Optionen. Entweder kocht man den Finnen, wie schon bei der Griechenlandhilfe, ein Sondersüppchen, man versucht sie irgendwie von ihrem Verstand zu erlösen, oder aber die Finnen treten aus der €-Trällergruppe aus. Passiert letzteres, ist Polen offen. Nicht wegen der räumlichen Nähe zu diesem Staat, sondern im durchaus bekannten, übertragenem Sinne. Da würde anstelle der PIIGS dann eben ein solides Mitglied die Runde verlassen. Sollte Finnland den Auftakt machen, dann könnte auch der Endspurt zum Ausgang losbrechen.

Viel intelligenter wäre es natürlich, Deutschland würde sich gleich zu forderst diesem Gang anschließen, dann hätten die verbleibenden Rest-€-Staaten noch eine Chance sich bei einem weiter abwertenden Euro zu erholen. Selbst dafür will man im Markt valide Anzeichen ausgemacht haben. Denn sogar die zweijährigen Anleihen Deutschlands haben es jetzt in den Negativzinsbereich geschafft, was gemeinhin als Fluchtbewegung gewertet wird und als Indiz dafür interpretiert, dass Deutschland sich vom Euro verabschieden wird. Darüber darf natürlich nicht laut gesprochen werden. Also müssen wir auf eben solche Orakel zurückgreifen.

Dennoch keine Entwarnung

Um aber auch dieser Illusion gleich wieder ein Ende zu setzen, muss man natürlich wissen, dass auch die Auflösung des Euro keineswegs das Ende der sogenannten Finanzkrise bedeutet, denn die gravierendere weltweite Geld-Systemkrise betrifft nun einmal alle Währungen die exponentiell wuchern. In diesem Falle dürfte die USA den schwarzen Peter gezogen haben, die darauf setzen, dass der Euro dank seiner Vergemeinschaftung den Auftakt zum Zusammenbruch macht. So könnte es am Ende den Dollar treffen, der dann zuerst seinen Geist aufgeben müsste, wenn die Gelddruckerei der FED nicht mehr zu überzeugen vermag. Wir stecken also immer noch mitten drin im „Geldwachstums-Krimi“, der Euro ist nur ein Aspekt dabei. Und letzteres weigern sich Politiker und Medien bis heute offen auszusprechen und damit vernebeln sie das ursächliche Problem.

Bildnachweis: Commons | Autor: Spitzl | CC-BY-SA 3.0

Die Finnen gar nicht von Sinnen, erwägen Euro-Austritt
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