Schöne neue Welt: Der IWF versteht sich ja bekanntermaßen auch als „Seismisches Institut“ für die schöne heile Finanzwelt, da muss man bei derlei Aussagen hellhörig werden, wenngleich die völlig nebensächlich daherkommen. Jetzt sieht man die Finanzmärkte von der deutschen Altenplage bedroht, noch redet man eher unterschwellig von der uns wohl bekannten „Rentnerschwemme“, wobei wir natürlich wissen, dass sofern sich unterseeisch irgendwelche Rentnermassen schlagartig in Bewegung setzen, wir auch den Rentner-Tsunami nebst seiner katastrophalen Wirkung auf alle Geldlandmassen nicht in Abrede stellen können. So malt denn diese Institution uns ein gutmeinendes aber etwas grausig aussehendes Bild, so wie rechts gezeigt, welches das kleine anfällige deutsche Staatsschiff, schwer von einem grauen Rentner-Tsunami getroffen, ins Verderben stürzt und alsbald vom Untergang bedroht ist. Eine gar grausige Vorstellung für jedermann der sich als Passagier dieser empfindlichen Nussschale begreift.

Ok, der Focus (Abteilung Money) titelt da etwas anders: In Deutschland tickt die Rentenbombe, aber die Bedrohungslage ist dieselbe und man sieht die Gefahr heraufziehen, der zu begegnen nun unser aller Aufgabe ist. Logischerweise setzen wir uns etwas intensiver mit dieser Frage auseinander und möchten dazu einen prägnanten Satz aus dem Artikel zitieren, weil er einfach so schön ist:

„Diese Risiken bauen sich zwar langsam über einen längeren Zeitraum auf“, zitiert das Blatt aus dem IWF-Report zur Stabilität des Finanzsystems. „Aber wenn sie nicht bald angegangen werden, können sie potenziell die Stabilität des gesamten Finanzsystems gefährden.“

In der Folge wird dann das Problem weiter eingekreist und die Steigerung der Lebenserwartung um nur drei Jahre bis 2050 könnte ein Risiko von 2 Billionen Euro bedeuten. Und dies nur wegen einer Altenplage? Das ist gigantisch und daran muss man etwas ändern. Wir werden also die Vorschläge erarbeiten die der IWF implizit unterlassen hat, damit man ihm keine bösen Absichten unterstellt und ob seiner Warnungen auch künftig ernst nimmt. Was sind in diesem Zusammenhang 2 Billionen? Eigentlich „Nichts“, es ist nicht mehr als die Summe der deutschen Staatsschulden die sich seit 60 Jahren bis heute aufgetürmt haben. Es gab auch eine Zeit, da bekam man für 2 Billionen nur ein Brötchen. Und bei noch strengerer Betrachtung müssen wir feststellen, dass binnen 4 Jahren, seit 2008, schon ein Risiko von rund 1 Billion aufgrund von Banken- und PIIGS-Rettungen unser Budget beutelt. Dieses dürfte wohl binnen der kommenden zwei Jahre auch locker die 2 Billionenkante erreichen. Das wird allerdings vom IWF nicht moniert, da diese Position unausweichlich und notwendig ist, was bezüglich der überflüssigen Rentner nachhaltig vermeidbar sein muss um die Staatsfinanzen zu schonen.

Woher rührt das Problem

Nun ist seit Jahren bekannt, dass sich die Rentner vermehren wie die Karnickel und der Nachwuchs vom Aussterben bedroht ist und damit die Demographie völlig im Eimer. Da kommen wir nicht umhin uns diesem Problem ernsthaft zu stellen. Wichtiger noch ist vorweg die Feststellung, dass dadurch natürlich das Gemeinwohl gefährdet ist, sprich der Erhalt der Staatsfinanzen, was nach neuerer Definition nur noch die Wohlfahrt der Banken und der Finanzindustrie umfasst, weil diese das Überleben des legendären 1% gewährleisten müssen. Genau da ist die eigentliche Sorge zu vermuten. Weiter oben auch als „Stabilität des Finanzsystems“ bezeichnet. Zweifel am kaputten Geldsystem darf es natürlich auch nicht geben, sonst könnte noch wer ausrechnen, dass es bei gerechter Verteilung auch für die Rentner reichen könnte, das wollen wir natürlich nicht. Und auch die Rentner sollen diesem Geldsystem vertrauen. Zitat Merkel: „Die Renten sind sicher“, auch wenn der IWF etwas anderes suggerieren möchte. Wir folgen der Logik, dass ein ausgelutschtes Nutztier, oder besser gesagt der Durchschnittsesel in die Salami gehört wenn er nichts mehr zum zuvor beschriebenen Gemeinwohl beitragen kann. Nicht Kostgänger braucht der Staat sondern Produktivkräfte. Das humane Gefasel gehört also einer humanistischen Epoche an die sich gerade ihrem Ende neigt.

Maßnahmen gegen einen drohenden Rentner-Tsunami

Hier muss man vorwegschicken, dass die Liste der möglichen Maßnahmen zur Eindämmung einer Rentnerschwemme unendlich lang ist und somit jeden Leser langweilen würde. Wir wollen uns daher auf die populärsten und gängigsten Methoden zur Reduzierung der Altenplage in Kurzform konzentrieren, die da wären:

  • Verlängerung der Lebensarbeitszeit: Logisch, dies ist das gängigste und bekannteste Muster wenn es darum geht die Optimierung der Volksausbeute auf einem hohen Niveau zu halten. Derzeit kursieren hier Vorschläge, das Renteneintrittsalter gleitend auf 10 Jahre über die jeweilige durchschnittliche Lebenserwartung anzuheben. Dies würde sicherstellen, das ein Großteil der Menschen unmittelbar noch im aktiven Dienst würdevoll versterben könnte. Fürsorgliche betriebliche Beerdigungszuschüsse könnten den Staat weiter entlasten. Darüber hinaus haben arbeitende Menschen auch erheblich weniger Zeit zu erkranken, was die Sache gleich nochmals etwas preisgünstiger macht.
  • Die Einheitsrente: Man könnte versucht sein das Problem über eine Einheitsrente auf geringstem Niveau zu lösen. Aber auch hier wäre es immer noch sehr schade um das viele Geld, welches die Einheitsrentner dann regelmäßig verfrühstücken würden, auch das sollten wir uns ersparen. Das soziale Elend welches sich bei dieser Variante abzeichnet ist kaum mit anzusehen, wenn das Geld weder zum Leben noch zum Sterben gereichen würde. Eine Gesellschaft die wir unbedingt vermeiden müssen.
  • Wiedererrichtung der DDR: Mit Bezug auf die Einheitsrente wurde auch die Wiedererrichtung der DDR diskutiert, diesmal aber unter einem anderen Label ausgeschrieben: „Deutsch Deutsches Rentnerparadies“. Man würde den Zaun 3 Meter höher ziehen als zuvor und Besuchsgenehmigungen gäbe es nur zu Weihnachten und zu Ostern, ansonsten hermetische Abriegelung und die wilde Horde der Rentner in dem Gehege sich selbst überlassen. Dieser Vorstoß scheiterte allerdings daran, dass man diesen ohnehin schon toten Landstrich lieber für ein paar Kröten an Polen verpachten möchte, statt ihn den unproduktiven Kräften zu überlassen, aber der Gedanke selbst war schon genial.
  • Einstellung der medizinischen Versorgung mit Renteneintrittsalter: Diese Option sollte obligat sein, weil wir um die chronischen Erkrankungen wissen, die ein immenses Geld kosten und deren Behandlung aber auch rein gar keinen Nutzen mehr spendet. Das Sparpotential ist grandios. Hier wehrt sich derzeit die Gesundheitsindustrie noch ein wenig, wegen befürchteter Umsatzeinbußen. Da zeichnen sich aber Kompromisse ab, dass dieser Industriezweig dafür die arbeitende Bevölkerung vermehrt mit Betäubungsmittel und Psychopharmaka versorgen darf, was dann rund ein Drittel der befürchteten Verluste ausgleichen soll und gleichzeitig die benötige Ruhe im Volk aufrecht erhält.
  • Sozialverträgliches Frühableben zum Ideal erheben: Hier kommen wir jetzt eindeutig zur Kür der Betrachtungen. Es dürfte eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte sein, das sogenannten Sozialverträgliche Frühableben“ olympisch zu gestalten. Dies besagt nichts anderes, als dass wir eben diese Tatsache nicht nur zum neuen Ideal erheben, nein wir sollten uns kollektiv für eine Ausübung im sportlichen Geiste engagieren. Dies betont abermals den Charakter unserer Leistungsgesellschaft, auch im Endstadion Endstadium und vermittelt somit die richtigen Werte und ein optimiertes Fahrgefühl bereits für den Nachwuchs, der so ganz locker und medienwirksam an die Problematik herangeführt werden kann.

Lebensendzeitbetrachtung

Sie können also unschwer erkennen dass die Bedrohungslage lange nicht so ernst ist wie vom IWF beschrieben, die nur von der Sorge ums liebe Geld getrieben, jetzt bereits entsprechende Maßnahmen einfordert, die de facto schon auf bestem Wege sind. Kommen wir kurz zurück auf die neuen Lebensideale für aufgeklärte Bürger, wonach ein jeder Mensch nur ein Interesse haben kann, dem Staat zu dienen, heute eher durch die Konzerne repräsentiert, deren Nutzen zu mehren, Schaden von ihm abzuwenden und dem höheren Selbstzweck folgend, zeitig abtreten zu dürfen sobald seine Unwirtschaftlichkeit nachgewiesen ist. Alle anderen Ziele gelten als „veraltet“ und sind damit nicht mehr zeitgemäß. Entscheiden also auch sie sich rechtzeitig genug für ein Leben und Sterben in Würde und nicht für ein Elend in Freiheit, leisten sie bitte keinen unnötigen Widerstand und folgen ansonsten bitte unbedingt den Lautsprecherdurchsagen.

IWF warnt: Rentner-Tsunami vernichtet Deutschland
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