Gauck, Joachim • Bedenkentraeger Bannertraeger DDR Drittes Reich

Schloss Schönblick: Lange wurde die Rede von Joachim Gauck zu Europa erwartet. Und tatsächlich, er sprach über Europa, dass geht schon aus seinem Manuskript hervor, aber das Thema hat er dennoch grandios verfehlt. Vielleicht feiern ihn auch gerade deshalb die Medien so inbrünstig, weil er damit erwartungsgemäß nichts falsches gesagt hat. Jeder Pastor weiß schließlich, dass er bei seiner Sonntagsrede niemandem ernsthaft auf die Füße treten darf, kommen doch sonst die Schäfchen zur nächsten Andacht nicht wieder. So hat sich denn Gauck in dieser Rede vollends als Anwalt des Establishments behaupten können, die Menschen waren dabei die armselige Randnotiz.

Stil- und Tabubrüche muss man von Gauck nicht erwarten und wen interessieren bei einer theoretischen Abhandlung zu Europa schon die rund 500 Millionen Menschen die in der gleichnamigen Gegend leben. Sein erstes Wort in der Rede war: „Exzellenzen“ und erst danach kamen die Damen und Herren. Da stimmt zwar die überlieferte Etikette, nicht aber die Wertigkeit. Und genau dieser bourgeoise Auftakt zieht sich dann zielsicher und erkenntnisbefreit durch seinen Euro-Redeschwall. Er ist seiner Rolle des „Deutschen Kronleuchters“ vollends gerecht geworden.

Wer sich sich das ganze präsidiale Euro-Geschwurbel in voller Länge und Weichheit antun möchte, der kann das an dieser Stelle tun (BILD-Zeitung), da hat irgend eine gelangweilte Sekretärin scheinbar den ganzen Text minutiös reingehämmert, soweit der nicht als elektronische Zugabe seitens des Präsidialamtes an die Verlage übersandt wurde, um den dauergestressten Redaktionstippsen dieses Elend zu ersparen. Sicherlich hätten wir eine seriösere Quelle dafür verlinken können, bedauerlicherweise sind die Texte zu dieser Rede überall gleich. Deshalb kann man auch eine passende Quelle verlinken, die den Gipfel der deutsche Presse-Seriosität darstellt und dem Niveau der Rede gerecht wird.

Was hat er denn jetzt gesagt

Wie bereits erwähnt, viel „Nichts“ hat er gesagt, aber einige Punkte sollte man doch erwähnen und auch ernst nehmen, weil sie aufhorchen lassen und seine Gesinnung zu Europa einmal mehr untermauern. Gerade wenn er auf die Selbstbestimmung der Menschen kommt, wird einem immer ganz feierlich ums Herz, hier beispielsweise ein wörtlicher Appell an die Menschen nördlich des Kanals:

„Liebe Engländer, Schotten, Waliser, Nordiren und britische Neubürger! Wir möchten Euch weiter dabeihaben! Wir brauchen Eure Erfahrungen als Land der ältesten parlamentarischen Demokratie, wir brauchen Eure Traditionen, Eure Nüchternheit und Euren Mut!“

Was fällt uns dabei auf? Richtig die treuen Deutschen sind da viel anständiger und würden nie ihre Europamitgliedschaft infrage stellen, deshalb muss er auch die Deutschen gar nicht extra bitten sich europatreu zu gebärden oder gar in einem solchen Zusammenhang zu erwähnen. Er muss als Präsident nur weiterhin dafür sorgen dass die Deutschen ja niemals dazu befragt werden.

So erübrigen sich dann Appelle und Bitten an die Völker, wenn man sie bereits unterjocht hat. Deshalb auch bleibt es dem Gauck erspart aufzuzählen wofür die Deutschen nun in Europa noch so alles gut sein könnten. Wir ahnen es nur und prüfen fix noch einmal ob unser Portmonee noch dort ist wo wir es hingelegt haben, bevor wir fortfahren uns präsidiale Weisheiten anzutun.

Und natürlich, hier noch der präsidiale Schenkelklopfer des Tages

Diese Passage seiner Rede ist so gut, so genial, dass man sich zurecht um Jahrzehnte in der deutschen Geschichte zurückkatapultiert fühlt. Gauck war sich scheinbar auch der großartigen Wirkung seiner Worte bewusst, weshalb er die Damen und Herren hier jetzt direkt anredet und wohlwissend die „Exzellenzen” bei dieser Anrede aussparte. Deshalb hier nochmals ins Original, mit der Anrede:

Sehr geehrte Damen und Herren,
mehr Europa fordert: mehr Mut bei allen! Europa braucht jetzt nicht Bedenkenträger, sondern Bannerträger, nicht Zauderer, sondern Zupacker, nicht Getriebene, sondern Gestalter.

Gut, jetzt könnte man fies sein und sagen, warum soll er auch die Nutznießer des Systems jetzt direkt ansprechen, das wäre verräterisch. Er muss ja in diesem Part nur diejenigen inspirieren, die schuften sollen. Aber weiter im Text und in der Auswertung. Die Bedenkenträger hatten es zu allen Zeiten schwer. Erinnern wir uns an die 30er Jahre? Die Bedenkenträger wurden radikal aussortiert, mundtot gemacht oder gar eliminiert. An deren Stelle dann vermehrt Bannerträger auf die Straße geschickt, die dann nicht zauderten, sondern zupackten, die nicht getrieben waren, sondern den Rest trieben und gestaltet haben sie nach den Wünschen einer kleinen kaputten Elite. Dasselbe wiederholte sich dann unter anderen Vorzeichen abermals hinterm Zaun, in dem Sperrbezirk in dem Gauck selbst lange Zeit wirkte. Man nannte die Region einstmals „Sowjetisch besetzte Zone“, alias DDR.

Kann man so etwas alles vergessen? Oder reden wir tatsächlich nur noch über Parolen? Da muss doch die Alterssenilität schon ziemlich fortgeschritten sein wenn man derlei Aussagen tätigt und den Anspruch erhebt dies sei nicht nur gut gemeint, sondern auch noch ein gangbarer Weg. Wiederholung der Geschichte in dieser Form kann nicht sonderlich gut gelingen. Auch wenn wir statt Hakenkreuz oder Hammer und Zirkel, jetzt die Euro-Sichel mit den 12 Sternchen unser Maskottchen nennen, der Griff ins Klo war einfach zu tief.

Aber die Deutschen werden schon darüber hinwegsehen. Im Zweifel helfen abermals die Medien dabei, indem sie diese Sätze nochmals richtig übersetzen und politisch korrekt deuten. Weniger zu deuteln gibt es dann beim Kernproblem unseres ach so feinen und geeinten Europas, darauf ist aber unser oberster Kronleuchter nicht mit einem Satz eingegangen.

Das Problem der ungleichen Leistungsfähigkeit der unterschiedlichen Volkswirtschaften. Es ist tatsächlich ein Problem welches sich auf Dauer überwinden ließe. Das bei weitem größere Übel allerdings, ein weltweit kaputtes Geldsystem, das lässt sich nicht mehr, auch nicht durch ein geeintes Europa überbrücken. Und solange die Menschen nur dafür bluten sollen, werden sie wohl kaum echte Freude an diesem Europa entwickeln. Nicht zuletzt deshalb, weil es ihnen auch niemand wirklich erklärt. Gut als Präsident zum Thema Europa kann er sich damit herausreden, dass ihm die Nummer zu groß und zu global ist. Aber es ist einer der wesentlichen Stolpersteine an dem das Europa des Geldes zerbrechen wird.

Was wäre wenn …

Letzteres wäre eine sinnvolle Grundlage für eine interessante und inspirierte Rede eines würdigen Präsidenten der Menschen gewesen. Aber ganz im Einklang mit den großen Geldsäcken macht auch Gauck weiterhin fleißig mit bei der Verdunkelung rund um die Menschen. Er macht sich schlicht zum Gehilfen dieses sterbenden Systems, statt zu mahnen und zu warnen. So einen Frühstücks-Präsidenten von Merkels Gnaden braucht das Land nicht. Da ist man geneigt ihm einen aufrechten Gruß zu erwidern:

Sehr geehrte Herr Bundespräsident Gauck,
authentisches Deutschland fordert: mehr Mut des Bundespräsidenten! Deutschland braucht jetzt nicht Gaukler, sondern Streiter, nicht Dampfplauderer, sondern Aufklärer, nicht Durchtriebene, sondern Menschenfreunde.

Und unter solchen Voraussetzungen sollte dann irgendwann einmal ein Europa der Menschen möglich sein, in dem die Europäer selbst das Tempo und die Art und Weise bestimmen wie schnell und in welchem Umfang sie miteinander verwachsen wollen.

Die konzernmäßige Zusammenführung der europäischen „Konsum-Enten-Einheiten“ (man nannte die früher einmal Menschen), nach den Vorstellungen der Wirtschaft, wird trotz der präsidialen „Nullrede“ keine besseren Ergebnisse zeitigen. Nur mehr Unglück wird es bringen, absehbar und zum wiederholten Male in der Geschichte Europas. Und ein Präsident, der soweit nicht sehen kann oder will, der verdient diese Bezeichnung nicht und auch nicht das Vertrauen des Volkes welches ihn nicht einmal gewählt hat. Ein Präsident, der sein Amt dem Parteienklüngel verdankt und nur dank der Medien brauchbare Umfragewerte gefixt bekommt. Armes Deutschland, armes Europa, so kann das nichts werden.

Gauck gibt den Kronleuchter: Mehr Banner-, weniger Bedenkenträger
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