Todeskammer in den USA … • Quelle:https://secure.wikimedia.org/wikipedia/commons/wiki/File:SQ_Lethal_Injection_Room.jpg

USA: Glück im Unglück – die Frage war nur für wen? Wir wissen alle, dass Hinrichtungen in den USA, wenn sie erst einmal angesetzt sind, pünktlicher vonstatten gehen als jeder deutsche ICE. Der Farbige J. Clark wurde im Jahre 1960 in Texas zum Tode verurteilt weil er den Farmer William Smith (seinen Arbeitgeber) in Gooseville ermordet haben soll. Er war damals 17 Jahre alt und alle Indizien sprachen gegen ihn. In seiner Unterkunft wurden Brot, weitere Lebensmittel und einige Wertgegenstände aus Beständen der Farm gefunden, sodass eindeutig von einem Raubmord auszugehen war. Er bestritt bis zuletzt der Mörder zu sein und versicherte immer wieder den Farmer nicht getötet zu haben. Von 1960 bis 2010 saß er in der Todeszelle, die 50 Jahre dort hat er locker rumgebracht, aus dem Jugendlichen war inzwischen ein Gefängnisgreis geworden.

Langsam sollte es jetzt an der Zeit sein, ihn nach Recht und Gesetz aus diesem Leben zu verabschieden, zumal er im Alter von 67 Jahren auch zusehends gebrechlicher wurde und die Behandlungskosten die Gefängnisleitung schon zu nerven begannen. Gerne hätte man ihn auch schon Jahrzehnte früher hingerichtet, nur leider ging zwischendurch irgendwo ein Teil seiner Akte verloren und so geriet er über die letzten 2 Jahrzehnte etwas in Vergessenheit und eine korrekte Hinrichtung nach den Vorgaben des Gesetzes konnte deshalb nicht angesetzt werden.

Dies änderte sich durch den glücklichen Fund eines Verwaltungslehrlings des Gefängnisses Ende 2009, der den fehlenden Teil der Akte durch Zufall in einem entlegenen Gefängnisarchiv wiederfand, unter einem Stoß von Papieren wo dieser Akt logischerweise nicht hingehörte. Die Freude bei der Gefängnisleitung war groß und zur Feier des Tages wurde sogleich gerichtlich ein Hinrichtungstermin für den 15.4.2010 um 21:00 Uhr Ortszeit beantragt, richterlich bestimmt und dieser Zeitpunkt dem todgeweihten J. Clark sogleich mitgeteilt, damit er sich langsam auf sein Ende vorbereiten konnte. Erstes Unglück. Die Herstellerfirma eines der Gifte welches für die Todesspritze benötigt wird konnte nicht liefern, nur mit 5 Monaten Verzögerung. Gut, ohne Gift keine Todesspritze, also wurde der Termin um exakt 5 Monate verlegt und am 15.9.2010 zur selben Zeit sollte es dann soweit sein.

Termingerecht traf das bestellte Gift nun im Gefängnis ein, alles sollte fortan nach Plan verlaufen, nur dass tat es nicht! J. Clark erlitt nach dem Mittagsmahl kurz nach 12:00 Uhr am 15.9.2010 einen schweren Herzinfarkt – man vermutete wegen der Aufregung. Eigentlich war er schon gut 1 Minute tot als das erste medizinische Personal eintraf, um sofort mit einer intensiven Wiederbelebung zu beginnen. Aber es gab Komplikationen. Er sollte sich nicht so ohne weiteres zurückholen lassen. Schließlich gelang es einem Team aus sechs Ärzten bestehend, über gut 5 Stunden ihn soweit zu stabilisieren, dass er unter medizinischen Gesichtpunkten außer Lebensgefahr war, ganz sicher waren sich die Ärzte allerdings noch nicht, sie wollten ihn noch eine Weile beobachten. Gut eine Stunde später war er wieder bei Sinnen und den Umständen entsprechend normal ansprechbar, nur noch ein wenig entkräftet. Was für ein Glück für J. Clark, denn notgedrungen und völlig widerwillig verschob der Gefängnisdirektor in Abstimmung mit dem Gouverneur nun die Hinrichtung um 2:59 Stunden (man wollte das Datum nicht mehr ändern), bis dahin sollte er sich ausreichend erholt haben, um für die Hinrichtung fit zu sein. Auch wollte die Gefängnisleitung keine längere Hinauszögerung der Hinrichtung, denn nach Angaben der Ärzte läge durchaus ein weiterer Infarkt im Rahmen des Wahrscheinlichen, was dann zu weiteren unliebsamen Verzögerungen der Hinrichtung hätte führen können oder gar das ungesetzliche Ableben von J. Clark hätte zur Folge haben können.

Weiteres Glück für die Anstalt. Drei der sechs anwesenden Ärzte waren ohnehin für die Hinrichtung einbestellt, sodass hier keine weiteren Kosten für deren Anfahrten entstehen sollten. Sie konnten in der Gefängniskantine bis zur Hinrichtung warten. Die Überstunden sollten regulär vergütet werden. Es konnten auf diese Weise rund 600 Dollar gespart werden.

Zirka gegen 23:00 wurde J. Clark in die Todeskammer verbracht, dort auf die Liege geschnallt und alles für seine Exekution mittels Giftinjektion um 23:59 vorbereitet. Die einbestellten Zeugen für die Hinrichtung waren planmäßig anwesend und hatten es sich bereits gemütlich gemacht; wie üblich hinter einer Glaswand vom Todeskandidaten getrennt in einem leicht abgedunkelten Raum. Der Rest war jetzt reine Formsache. Nachdem alle Giftkanülen korrekt gesetzt und angeschlossen waren, wurde exakt um 23:59 mit der Injektion des dreiteiligen Todescocktails in den bekannten 3 Phasen begonnen und in J. Clarks Körper geleitet. Er leistete kaum Gegenwehr, nur einige unvermittelte Zuckungen deuteten ein unbewusstes Widerstreben des Delinquenten an. Die Ärzte stellten übereinstimmend um 0:16 seinen Tod fest – 17 Minuten nach Beginn der Exekution … und annähernd 50 Jahre nach seiner Verurteilung zum Tode. Der Gefängnisdirektor konnte noch in derselben Stunde seinem Gouverneur den gesetzmäßigen Vollzug der Todesstrafe an J. Clark vermelden. Alles wäre nach Recht und Gesetz und in bester Ordnung planmäßig durchgeführt worden. Sein Leichnam wurde tags darauf eiligst auf dem Gefängnisfriedhof verscharrt.

Das alles wäre jetzt nicht so dramatisch und kaum eines Berichtes wert, hätte es da nicht eine Woche später eine seltsame Begebenheit gegeben. In einem kleinen Provinzkrankenhaus unweit von Gooseville bestellte der schwer krebskranke Alex Smith die Polizei zu sich. Er hatte über die Zeitung von der Exekution des J. Clark erfahren. Er habe die Sache verdrängt, wie er der Polizei mitteilte, aber die Notiz zur Hinrichtung J. Clarks habe ihn erinnert. Er wolle nicht mit dieser Belastung sterben. In kargen und schwachen Worten gestand der vom Tod gezeichnete Mann den Mord an William Smith – seinem Bruder – aus Habgier. Er hatte ihn damals beerbt und die Farm noch gut 45 Jahre lang geführt, bis er an Krebs erkrankte. Am Tag darauf verschied er im Krankenhaus ruhig und friedlich im Alter von 81 Jahren an seinem Krebsleiden. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn hatte sich damit erübrigt. Er wurde unter großer Anteilnahme der gesamten Gemeinde in Gooseville fünf Tage später feierlich beigesetzt unter christlicher Würdigung seiner Lebensleistung und seines Engagements für die Kirche des Ortes über viele Jahrzehnte hinweg. Der kleine Fehltritt in seinem Leben fand auch keine weitere Erwähnung in dem ihm gewidmetem überwältigenden Nachruf der Lokalpresse.

Weiteres Glück in dieser Sache für den Staat. Der damals mit 17 Jahren dingfest gemachte J. Clark hatte keine Kinder und inzwischen auch keine Familie mehr, deshalb erübrigten sich alle denkbaren Entschädigungen und die Sache war somit gänzlich erledigt. Am Ende siegte somit wieder einmal das Gesetz und wie die gerade noch rechtzeitige Lebensbeichte des Alex Smith beweist … auch das Gute im Menschen. Ohne seine Beichte hätte J. Clark nie rehabilitiert werden können, aber jetzt ist die Welt wieder in Ordnung.

So, und jetzt bitte einmal ganz tief durchatmen! Diese Geschichte ist frei erfunden. Nicht erfunden hingegen ist die Verschiebung von Hinrichtungen in Ermangelung von Gift, die Wiederbelebung von Todeskandidaten nach lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Selbstmordversuchen, ähnlich lange Wartezeiten bis zu den Hinrichtungen und die Hinrichtung von Unschuldigen. Das alles ist tägliche und gängige Praxis in den USA, die sich bis heute als Musterdemokratie auf diesem Planeten feiern lässt und unablässig bemüht ist ihre Wertvorstellungen weltweit zum Maßstab zu erheben.

Hinrichtung von J. Clark um 3 Stunden verschoben
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