E17 Der Bürger hält wie im Wahn eine Beziehung zur Politik für möglich, die sie um alles in der Welt nicht will
Oder so tut, als wolle sie sie. Fragt sich nur, wie auf den »Schwachsinn« der Politik, dargestellt in (Witsch 2026/08/02), ganz konkret, etwa auf einen Menschen wie Bundeskanzler Merz, reagieren, nicht zuletzt mit dem Ziel, eine Beziehung zu ihm zu wahren? Sie ist eigentlich wichtig, weil der Bürger sich von der Politik beschützt fühlen möchte; regressierend; zumal er nicht davon abzubringen ist, in der besten aller möglichen Welten zu leben.
Das gilt auch und gerade für AfD-Wähler. Auch sie wünschen sich, von der Politik beschützt zu werden und wählen deshalb die AfD an die sogenannten Schalthebel der Macht, wobei die AfD – auch in Regierungsverantwortung tatsächlich ohne wirkliche Macht – mit der Aufrüstung längst versöhnt ist – nicht gegen Russland, wohl wahr, aber doch gegen Migranten, um sie mit ausreichenden militärischen Mitteln zurück in ihre Herkunftsländer zu treiben.
Damit zeigt die AfD in der Tat ein ziemlich widerliches Gesicht.[1] Sie möchte schließlich nicht weniger als alle anderen Parteien, dass das Gefühl der Bürger, von der Politik – genauer: vom Staat – beschützt zu werden, sich nicht auflöst, ein Zusammengehörigkeitsgefühl – »Alles für Deutschland« (Höcke) – gewahrt bleibt.
Nun, Zusammengehörigkeitsgefühle ausleben zu können – ich spreche von Bestandsregungen, die sich auf Bestandsinteressen (sozialer Strukturen) ergießen –, erzeugen für gewöhnlich große Gefühle, die freilich den Blick für die Realität trüben können, auch schon mal bis hin zu Wahnvorstellungen, die dann einer medizinischen Indikation zugänglich wären. Ja, es gibt tatsächlich einen allgemein akzeptierten Wahn im Kontext einer »Normalisierung der Störung« (Witsch 2009, S. 18), dem Augenschein nach einen solchen in der Nazizeit, der erst nach dem Zweiten Weltkrieg den Deutschen langsam bewusstwurde.
Ein solches emotional hochgradig aufgepumptes Zusammengehörigkeits- oder Gemeinschaftsgefühl gilt es gegen seine Feinde zu verteidigen, wie das schon bei den Nazis im sogenannten »Dritten Reich« gegen Andersdenkende, vor allem aber Juden, Kommunisten und Sozialdemokraten der Fall war.
Nur dass Gefühle frei nach Luhmann »flüchtig sind« (Kap. 1.1, S. 3), mit der Zeit immer wieder ausdünnen, und deshalb einer beständigen Erneuerung, Luhmann sagt: einer Re-Aktualisierung durch Kommunikation, bedürfen. Ich möchte hinzufügen: sie brauchen in grausamen Zeiten eine stets höhere Dosis, schnelle Siege gegen Polen und Frankreich, nicht zuletzt um ungute Gefühle, bzw. Ängste vor Krieg in Kriegsbegeisterung zu verwandeln, die durch unablässige Propaganda beständig gefüttert werden muss, wie bei der Drogensucht in immer höheren Dosen, um immer wieder drohende ungute Gefühle nicht heraufzubeschwören.
An dieser Stelle wird deutlich, dass das, was Freud in »Massenpsychologie und Ich-Analyse« (1921) über das sogenannte Innenleben der Massen sagt (er spricht wie Le Bon und andere seiner Zeitgenossen von Massenseele), sich in jedem einzelnen Menschen auslebt. Nur dass die Masse selbst nichts täte, wenn nicht jeder einzelne Mensch in ihr exakt das denkt und tut, was sich dann wohlfeil in die Abstraktion »Masse« projizieren ließe. Mit anderen Worten: Freud neigt ausdrücklich dazu, »die Masse mit den Attributen des Individuums auszustatten« (S. 81f). Eine Kritik, die er ganz bewusst zur Kenntnis nimmt und zwar einer »scharfsinnigen Kritik von Hans Kelsen (1922)« zufolge. Dieser spricht von »Hypostasierung«[2] derselben«, das heißt ganz richtig von der »Zuerkennung einer Unabhängigkeit von den seelischen Vorgängen im Individuum« (siehe Anm., S. 82). Seine Verbindung zur Masse belässt Freud indes im Ungefähren, bzw. er spezifiziert sie für die Masse als habe er ein zu analysierendes Subjekt vor sich.
Merkwürdig – Freund nimmt diese Kritik ganz bewusst zur Kenntnis, um sie dann aber in seiner Analyse hartnäckig zu ignorieren. So weiß er nicht zu ermessen, dass die Masse, vor allem in Gestalt des Mitläufers, eine Vorgeschichte hat, die in jedem einzelnen Menschen beginnt und zwar noch bevor das Grausame zur Macht gelangt, das heißt aufgrund einer Prägung durch soziale Verhältnisse, die wir vor der Machtergreifung der Nazis »Demokratie« nennen, die sich in der Tat auf der Beziehungsebene mit dem Grausamen versöhnte, das heißt mit einem Innenleben, das auf grausamste Abreaktionen – bis hin zu Mord und Totschlag – gepolt ist im Vorfeld der sogenannten Machtergreifung.
Das hat sehr viel damit zu tun, dass der Einzelne in der Lage ist zu regressieren in Gestalt seiner Liebe zu symbolischen Abstraktionen, mithin zu Führungspersönlichkeiten, die quasi-symbolhaft das gesellschaftliche Ganze repräsentieren, unbenommen davon, dass es immer wieder Menschen wie Friedrich Merz gibt, die das Ganze ganz und gar nicht repräsentieren können. Sie werden dann ersetzt durch Personen, die es besser können, zum Beispiel Alice Weidel. Regressierend, um nicht zu sagen »kindisch«: von ihnen erwartet man das Unmögliche: eine »Erneuerung Deutschlands«. Eine Erwartungshaltung, der sie lediglich in der gleichsam infantilen Fantasie von Führern und Geführten gerecht werden können.
Nun, die Nazizeit zeigte uns allzu deutlich, dass die Realität uns Kinder am Ende immer wieder einholt: eines Besseren belehrt, so auch heute: Die Gewalt wird zunehmen, und zwar in dem Maße, wie der ökonomische Spielraum für immer mehr Menschen immer enger wird, sodass ein friedliches Zusammenleben in dem, was man gemeinhin als »Gesellschaft« oder »Gemeinschaft« bezeichnet, immer weniger wahrscheinlich ist; ja, der Eindruck sich unweigerlich aufdrängt, dass die Politik ein friedliches Zusammenleben nicht will, so sie – nun auch im Namen der AfD gegen Migranten – unausgesetzt damit beschäftigt ist, Gewalt auf den Straßen bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen zu inszenieren, der Ukrainekrieg von der Politik ja auch nachweislich angezettelt worden ist. Eben weil sie eine konstruktive Beziehung auf Augenhöhe zum Bürger weder hat noch sucht.
Sie kann es nicht vor dem Hintergrund, dass sie instinktiv, ohne es zu begreifen, spürt: der Kapitalismus ist nicht zivilisierbar, also sucht sie den »Zoff« mit dem Bürger, Abreaktionen gegen ihn nach allen Regeln der Kunst – nach innen, aber vor allem nach außen, zurzeit gegen Russland, um vom inneren Zoff, bzw. von ihrer Unfähigkeit, auf der Beziehungsebene zu kommunizieren, abzulenken; indem sie Spannungen, die der Bürger immer unerträglicher in sich verspürt, in einen äußeren Feind projiziert. Es darf nicht auffallen, dass sie sich für den Bürger und schon gar nicht für seine Kritik an den herrschenden Verhältnissen interessiert; währenddessen sich dieser, ich sagte es schon, unausgesetzt um eine Beziehung zur Politik bemüht, die sie nicht will, die es aber zumindest in der regressierenden Fantasie des Bürgers geben muss, um Zugehörigkeit zu ihr, resp. die Illusion zu simulieren, sich von ihr beschützt, bzw. (von Vati und Mutti) nicht im Stich gelassen zu fühlen.
Auf diese Weise lässt sich der Bürger auch schon mal geduldig den fortgesetzten Abriss des Sozialstaats gefallen, der unweigerlich mit der Aufrüstung einhergeht, und folgt damit der Politik, propagiert von den Massenmedien, gleichsam wie im Halbkoma in den Abgrund; eben um Spannungen, die Bürger eigentlich gegen die Politik hegen müsste, wohlfeil gegen einen äußeren Feind abreagieren zu können, ohne gelernt zu haben, Abreaktionen (die ja den Blick auf die Realität trüben, gewissermaßen verkindlichen) in sich auf der Beziehungsebene zu reflektieren.
Das triff auch, nur weit weniger auffällig, auf Ulrike Eifler zu: der trübe Blick; unbenommen davon, dass sie etwas dagegen einzuwenden hat, dass die Politik uns durch Hochrüstung und Militarisierung in den Abgrund manövriert. In einem Gespräch mit Germain-foreign-policy.com ist die engagierte Gewerkschafterin ganz richtig überzeugt, dass wir
»einen Krieg in Europa« nicht überleben werden«. Außerdem »führe die Militarisierung wegen ihrer hohen Kosten unmittelbar zu einem ’Sozialkahlschlag‘« (Gfp 2026/09/11).
Einer Rezension ihres Buches »Die Rechnung zahlen wir« zufolge beschreibt sie ferner die
»Folgen der ’Zeitenwende‘ für die Gewerkschaftsbewegung – und erläutert, weshalb gerade gewerkschaftlicher Widerstand gegen Militarisierung und Krieg unverzichtbar ist« (Gfp 2026/09/11a).
In einem Gespräch mit Jan Richter heißt es schließlich, man müsse Strukturen
»aufbauen, die es uns erlauben, uns als Partei stärker zur Welt der Arbeit in eine Beziehung zu setzen. Deshalb haben wir als BAG [Betrieb & Gesellschaft] auch einen Antrag gestellt, der die Einrichtung einer Abteilung Gewerkschaftspolitik in unserer Parteizentrale fordert« (Eifler 2024/ 10/11).
Nur dass es aus meiner Sicht nicht nur um die Beziehung »zur Welt der Arbeit« gehen darf, sondern viel mehr als bislang um die Beziehungen zu immer mehr Menschen, die als Verlierer des gesellschaftlichen Ganzen angesehen werden können. Die sind für die Gewerkschaften sowie die sogenannte »Welt der Arbeit« nicht interessant. Eifler gibt damit indirekt zu verstehen, dass sie allen anti-neoliberalen Verbalradikalismen zum Trotz mit dem Kapitalismus versöhnt ist, wiewohl der unübersehbar in wachsendem Maße nicht mehr ausbeutbare Menschen produziert, das sind die wahren Verlierer der Gesellschaft, die das Kapital frei nach Marx ausspuckt. Sie gehören aus der Perspektive des Kapitals auf den Müll und landen dort auch beschleunigt durch die Politik des herrschenden Parteienkartells. Die AfD wird daran nichts ändern. Auch sie mag keine Verlierer. Sie sind das schwächste Glied in der Kette. Sie werden von uns für gewöhnlich mehr oder weniger auffällig verachtet – oftmals noch mit einer Träne im Knopfloch, indem die Kultur ihrer gedenkt.
Sich aber für die Verlierer der Gesellschaft nicht zu interessieren, bedeutet, sie als Wähler der AfD zum Fraß vorzuwerfen, eben weil sie Spannungen nicht weniger abreagieren müssen, und sei es auch nur in Form von Messerstechereien oder indem sie in Schulen wild um sich schießen. Dafür dann Gedenkveranstaltungen inszeniert werden. Sie ändern nichts daran, dass mehr oder weniger auffällig Spannungen, die wir eigentlich gegen die Politik hegen müssten, wohlfeil gegen innere und äußere Feind (welcher Art auch immer) abreagiert werden können. Ein Teufelskreis, den wir unentwegt zeichnen, weil wir ganz generell nicht gelernt haben, Abreaktionen, die ja den Blick auf die Realität trüben, in sich auf der Beziehungsebene zu reflektieren.
Die Wähler mögen sich an Bundeskanzler Merz abreagieren, indem sie ihm bei Wahlen einen Denkzettel verpassen. Zu Recht, sagt man. Schließlich führt er Deutschland in den Abgrund. Nur dass er den Weg in den Abgrund – schlimm genug – lediglich beschleunigt. Das tut er im Bewusstsein, dass er Verlierer (des gesellschaftlichen Ganzen) nicht mag, nur eben weit auffälliger als Frau Eifler, die glaubt, wenn sie sich für die Arbeiterklasse einsetzt, sie sich automatisch auch für die Verlierer einsetzen würde. Sie irrt hier ganz gewaltig, und sie weiß, dass sie irrt. Eine Verlogenheit, die umso perfider, je weniger Menschen von ihr wissen (wollen).
Die AfD macht keinen Hehl daraus, dass sie Migranten – ebenfalls Verlierer des gesellschaftlichen Ganzen – nicht mag. An ihnen möchte sie sich zusammen mit ihren Wählern natürlich wohlfeil abreagieren. Hier sind sich AfD und das herrschende Parteienkartell einig. Abreaktionen, wohin man blickt; sie gehören gewissermaßen zu unserem Leben, sind der tiefere Grund, warum das, was wir als Gesellschaft und Gemeinschaft bezeichnen, keine Zukunft hat, mehr noch: nicht verdient, eine Zukunft zu haben wie Klaus-Jürgen Bruder im Vorwort zu (Witsch 2013a, S. 12) aus dem Munde von Freud verlautbaren lässt. In »Die Zukunft einer Illusion« (1927) heißt es bei ihm denn auch:
»Es braucht nicht gesagt zu werden, daß eine Kultur, welche […] es nicht darüber hinausgebracht hat, daß die Befriedigung einer Anzahl von Teilnehmern die Unterdrückung einer anderen, vielleicht der Mehrzahl, zur Voraussetzung hat, und dies ist bei allen gegenwärtigen Kulturen der Fall«, »weder Aussicht hat, sich dauernd zu erhalten, noch es verdient«.
Anmerkungen
[1] In (TaSp 2026/09/11) heißt es: der Wahlgewinner von Sachsen-Anhalt, Siegemund, »will Rüstungsgüter als ’Hilfsmittel‘ für ’Remigration‘ und Abschiebungen nutzen«.
[2] Laut Wikipedia prägte Kant »das Verb hypostasieren für all diejenigen Fälle, in denen das Denken real gar nicht existierender Objekte mit deren angeblicher Erkenntnis verwechselt wird«.
Quellen
Eifler, Ulrike (2024/10/11). Eifler im Gespräch mit Jan Richter: »Die Zeitenwende ist ein Generalangriff auf meine Klasse!«
Freud, Sigmund (1921). Massenpsychologie und Ich-Analyse. In (Freud 1974, S. 61 – 134).
Freud, Sigmund (1974). Kulturtheoretische Schriften. Frankfurt/Main. S. Fischer Verlag.
Gfp (2026/09/11). »Einen Krieg in Europa werden wir nicht überleben«. Interview mit Ulrike Eifler über das Entstehen einer europaweiten Anti-Kriegs-Bewegung und die Rolle der Gewerkschaften in ihr.
Gfp (2026/09/11a). Rezension: Die Rechnung zahlen wir.
Homburg, Stefan (2025/12/17). Spahn vor der Corona-Enquetekommission.
Horkheimer, Max (1947) »Eclipse of Reason«. Ins Deutsche übersetzt von Alfred Schmidt unter dem Titel »Zur Kritik der instrumentellen Vernunft«. Frankfurt/Main (zitiert nach der Ausgabe von 2007).
TaSp 2026/09/11). AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt: Siegmund will Rüstungsgüter als »Hilfsmittel« für »Remigration« und Abschiebungen nutzen.
Witsch, Franz (2009). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Erster Teil: Begriff der Teilhabe. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2015).
Witsch, Franz (2012). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Zweiter Teil: Mehrwert und Moral. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2017).
Witsch, Franz (2013). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Dritter Teil: Vom Gefühl zur Moral. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2017).
Witsch, Franz (2013a). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Vierter Teil: Theorie der Gefühle. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2015).
Witsch, Franz (2015). Materialien zur Politisierung des Bürgers. Band 1: Ökonomische und moralische Voraussetzungen einer sozialverträglichen Gesellschaft. Norderstedt. BoD-Verlag.
Witsch, Franz (2015a). Materialien zur Politisierung des Bürgers. Band 2: Kommunikation unter Verdacht. Norderstedt. BoD-Verlag.
Witsch, Franz (2025/07/13). E1 Leerbegriffs-Psychoanalyse ohne Realitätsbezug. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/07/29). E2 Zirkelschluss-Analyse oder wie es die Psychoanalyse (Freud) schafft, den Realitätsbezug aufzulösen. QPress.de.
Witsch, Franz (2025/08/10). E3 Realitätsphobien, eingelassen in die Psychoanalyse sowie Sozialtheorien (Detel, Habermas, Bruder, etc.) generell. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/08/24). E4 Konfliktpositionen regressiv (realitätsphobisch) verarbeiten. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/09/11). E5 Mit Abreaktionen Zugehörigkeitsbedürfnisse ausleben. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/09/27). E6 Zum Begriff der Empathie in scharfer Abgrenzung zum Begriff des Mitleidens. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/10/06). E7 »Skotomisation« (Freud 1926, S. 86) oder wie Menschen ihre Existenz dystopisch verdunkeln. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/10/20). E8 Sozialtheorien als Totengräber des Sozialen. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/11/07). E9 Neigung zum strukturellen Desinteresse im Kontext einer »Institutionalisierung des menschlichen Gemüts«. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/12/01). E10 Menschen erzeugen in sich eine Verbindung zur Gesellschaft, die gestört ist. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2026/01/22). E11 Bürger transportieren in sich einen Gesellschaftsbegriff, durch den hindurch sie ihr eigenes Grab schaufeln.
Witsch, Franz (2026/02/16). E12 Zerstörung und Chaotisierung sozialer Strukturen.
Witsch, Franz (2026/03/19). E13 Über Bösartigkeiten auf der Beziehungsebene und wie sie sich im Innenleben erst ausbilden und dann ausleben.
E14 Probleme der Subjektbildung
Witsch, Franz (2026/03/29). E14-0 Vorrede. Schutz suchen im eigenen Grab.
Witsch, Franz (2026/04/14). E14-1 Die Krankheit zum Tode« (Kierkegaard).
Witsch, Franz (2026/05/02). E14-2 Kierkegaard oder vom Wagnis, ein Einzelner zu sein, dabei Ruf und Ehre zu verlieren sowie den Verlierer in sich zu spüren.
Witsch, Franz (2026/05/05). E14-3 Modalitäten der Subjekt- und Begriffsbildung.
Witsch, Franz (2026/05/10). E14-4 Zum Problem einer Zirkelschlussbegründung des gesellschaftlichen Ganzen.
Witsch, Franz (2026/05/29). E14-5 Gegenstandsebene versus Beziehungsebene oder was ist ein Diskurs.
Witsch, Franz (2026/07/05). E15 Beziehungsebene getrennt von der Sach- oder Gegenstandsebene analysieren.
Witsch, Franz (2026/07/14). E16 Schleichende Täter-Opfer-Umkehr oder wie das Opfer zum Täter werden kann.
Witsch, Franz (2026/08/02). Wie es kommt, dass der Schwachsinn die Welt regiert.
Hinweis
Der Text ist der 17. Teil einer Reihe von Arbeitstexten. Sie sollen in eine »Kritik der Psychoanalyse im Kontext einer Psychoanalyse des alltäglichen Nahbereichs« (vorläufiger Arbeitstitel) eingehen.


Paßt und ist rund! Nur diese eine kleine Beanstandung, bitte, bezüglich der hier folgenden Zitation aus dem Beitrag: „…wie das schon bei den Nazis im sogenannten »Dritten Reich« gegen Andersdenkende, vor allem aber Juden, Kommunisten und Sozialdemokraten der Fall war.“
Tatsächlich nun aber hat die Nazi-Propaganda „den“ Juden (oder Zigeuner) auf die selbe Weise dargestellt, wie die mediale Propaganda dies zuzeiten der rot-grünen Regierung mit „Arbeitsscheuen“ tat. Nämlich als faul, treulos, unehrlich und sittlich liederlich. Während auch Marx sein „Lumpenproletariat“ ähnlich portraitierte und sogar schlimmer, hat Lenin hingegen ordentlich unterschieden zwischen einer politisch in der Sozialdemokratie verorteten, gewerkschaftlich gut organisierten und darum gut gesicherten und zu vergleichsweise guten Bedingungen bei Monopolisten/Großkonzernen beschäftigten „Arbeiteraristokratie“ (O-Ton Lenin) und jenen Arbeitern, die sonstig beschäftigt, schlecht entlohnt und vermehrt von Armut und Arbeitslosigkeit bedroht sind und deshalb in der Gefahr stehen, in die untersten Etagen abzurutschen, in das von Marx so bezeichnete „Lumpenproletariat“.
Klar, daß der „arbeiteraristokratische“ Sozi sein Glück auf seine höhere Sittlichkeit zurückführt und nicht etwa auf seinen Dusel, gut untergekommen zu sein — war und ist der „anständige“ Arbeiter doch typischer Sozisprech! Und so mußte (und muß) der „nichtaristokratische“ Arbeiter, und dies unvergleichlich weit mehr noch als der glückliche Sozi, in die Versuchung geraten, den ihn beschämenden versteckten Vorhalt eines moralischen Makels wegzuprojezieren auf ihm vom Regime avisierte ethnisch Randständige. Was mit der Zunahme von Arbeitslosigkeit und Armut auch heute wieder immer virulenter wird.
Und da Wasser den Berg hinabfließt… . Psychologisch darum ganz logisch der neoliberale (bzw. rot-grüne) migrations- und sozialpolitische Sound der AfD: Es wandern ihr Wähler zu nicht nur von der CDU, sondern auch von der SPD. Ist immer so, wenn die soziale Kacke richtig dampft, da hatte Freud vollauf recht: Unter längerdauerndem und wachsendem sozialen Streß kommt es zu „Rekollektivierung“ (Begriff übrigens von Erich Neumann), sprich: vormalige Individuen nehmen plötzlich – Erich Neumann sprach darum von „Umschlagsphänomen“ – eine neue Identität an, die eines Kollektivs. Eine kult(ur)historisch um Jahrtausende retardierte, die eines archaischen Kollektivs: Blut-und-Boden war Fruchtbarkeitskult von menschheitsfrühen bzw. von noch wenig bis nicht individuierten bzw. kollektivistisch denken, fühlen und wollenden Ackerbauern — siehe die „Venus von Willendorf“. Kann auch mit Luft und Himmel gespielt werden das Spiel, mit CO2 und Klima.
Was alles die Herrschenden wissen. Und sicherlich seit langem. Seit langem schon ist, und dies mit großem Vorsprung, das Militär, also der „Mob“, Hauptauftraggeber der großen psychologischen Fakultäten. Zumal diese faktische politische Exekutive namens Mob/OK bestens weiß, den politisch-ökonomischen Absturz nicht verhindern zu können. Ist der doch Selbstläufer: Produktivitätszuwachs ruiniert Rendite und treibt die Staatsverschuldung immer weiter nach oben — bis in schwindelnde Höhen: derzeit ein 40000 km hoher Stapel von 100$-Noten allein in den USA. Dann hilft allein noch Plan-, Zwangs- und Kommandowirtschaft. Also Sozialismus oder Korporatismus. Oder Technokratie — wie nennt Prof. Hamamoto das? Siehe hier weiter unten.
Da liegt unmittelbar der Gedanke nahe, die Mobster würden die Migration installiert haben, um einen großen Bürgerkrieg unausweichlich und heftig zu machen. Und sie würden die AfD installiert haben, um diesen Bürgerkrieg kontrollieren bzw. so kanalisieren zu können, daß ein hübsch geordneter Faschismus bei herauskommt — mit Prof. Hamamoto gesagt, ein techno-brahmanischer digitaler Gulag.
Ein solcher Bürgerkrieg aber ließe sich nur mit Hilfe von außen niederkämpfen, ist mit eigenen Soldaten schwierig bis unmöglich. Und wer wohl wird da beistehen, falls die NATO, was sich als immer wahrscheinlicher abzeichnet, nicht wollen oder können wird? Schöne Rätselfrage. Mit deren Beantwortung auch bereits bekannt ist, wer den techno-brahmanischen digitalen Gulag machtlich managen wird hier in Dschörmanie und anderswo in Ost- und Mitteleuropa, östlich des Rheins und nördlich von Italien. Mir fällt da nur einer ein. Zumal der seit 2022 bereits kräftig übt. Und ein Young Global Leader der allerersten Stunde ist.
Ist, wie es ist, geht nicht anders. Und wird dieses Mal nicht nach 12 Jahren schon wieder ausgestanden sein. Diesmal werden es wohl 120 werden. ABER ES WIRD ZUENDE GEHEN.
Fürchtet euch nicht. Goethe: Stirb und werde.
Danke für Ihren Kommentar. Richtig, Marx unterschied zwischen Arbeiter und dem sog. Lumpenproletariat. Weil er vom Arbeiter noch überzeugt war, dass er die Gesellschaft in bessere Zeiten führen werde. Da irrte er sich gewaltig. Er hat sich nicht vorstellen können, nicht wollen, was aus dem Arbeiter einmal werden würde. Vom Bürger hat er es gewusst, er war zu seiner Zeit ein Schatten seiner Existenz in den Zeiten der Aufklärung, die im 19. Jh. immer mehr ausdünnte und in den sogenannten Fortschrittsoptimismus sich entwickelte, um im 20. Jh bis heute im sogenannten Rationalisierungswahn unter anderem mit Habermas zu enden. Mit dem Arbeiter verhält es sich analog. Er ist heute ein Schatten seiner damaligen Existenz im 19. Jh. dank u.a. der Sozialdemokraten, mit denen der Internationalismus zum Ende des 19. Jh. in einem unerträglichen Nationalismus verendete; der sorgte dafür, dass die SPD den Kriegskrediten für den 1. Weltkrieg fast geschlossen zustimmte, weil sie keine Vaterlandsverräter sein wollten.
Wenn wirtschaftshistorisch betrachtet, war die Industriearbeiterschaft bis etwa 1860 hin, also in der Ära des Liberalismus‘ – endete etwa mit dem amerikanischen Bürgerkrieg, welcher den Beginn der Ära des Monopolismus markiert – zahlenmäßig vergleichsweise winzig. Erst mit dem Monopolismus wurden Geldwirtschaft und industrielle Produktion flächendeckend; ab 1860 erst und bis 1900 hin wuchs die Industriearbeiterschaft langsam und stetig an bis auf die uns heute geläufige und nennenswerte Größe.
Jene alte Industriearbeiterschaft vor 1860 war aber nicht nur klein, sie war auch fein. Weil noch nicht staatsbeschult, waren der Industriearbeiter, so wie auch alle anderen Nachfahren von Adam und Eva, noch nicht zu einem mit sich selbst in Zerwürfnis gebrachten Menschen hinkonditioniert worden — siehe Anne Querrien mit ihrer mit «l’ensaignement» betitelten Recherche zur Entstehungsgeschichte der Staatsschule: Er war noch nicht zum denk- und willensschwachen Untertanen konditioniert worden. Was dann ab 1860 und bis 1900 hin für immer mehr Menschen leider zutraf in dem Maße, wie die staatszwangliche Schule nach und nach flächendeckend wurde. Hier zu erwähnen, war die amerikanische Staatsschule allbekanntlich unmittelbares Mobster- bzw. Monopolisten- bzw. Rockefeller-Projekt. Dürfte anderswo nicht viel anders gewesen sein.
Nein, die Geschichtsschreibung der Moderne ist mitnichten abgeschlossen. Laut den Recherchen von Anne Querrien ging der frz. Staatsschule übrigens ein Ende des 17. Jahrhunderts in der nordfranzösischen Stadt Rouen von dortigen städtischen Bediensteten gegründeter und von wohlhabenden Bürgern jener Stadt gesponsorter Laienorden voraus, nämlich die Frères de la doctrine chrétienne, die Brüder von der christlichen Lehrweise. Welcher Orden bald schon in allen größeren frz. Städten Fuß faßte. Und bis heute hin tätig ist! Und da heute international tätig bzw. verbreitet, werden wohl meine besonderen Freunde ihre Finger im Spiel haben, die Jesuiten, also der Top of the mobs. Und das von allem Anfang an. Da wette ich drauf!
Solange die AfD-Wähler die von Trump=AfD verursachten hohen Spritpreise zahlen läuft doch der Laden, egal wer die Regierung stellt/Verantwortung trägt—schön dumm