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Analyse11. September 2026

Tatverdächtig, aber statistisch schwierig

tatverdächtig

Deutschlands politische Debatte über Kriminalität kennt zwei sorgfältig befestigte Schützengräben. Auf der einen Seite beweist jeder nichtdeutsche Tatverdächtige angeblich das vollständige Scheitern der Migration. Auf der anderen Seite verschwinden auffällige Zahlen regelmäßig hinter einem Nebel aus komplizierten Fußnoten, bis das Publikum glauben soll, Kriminalität sei hauptsächlich ein Missverständnis der Tabellenkalkulation.

Beide Seiten bedienen sich derselben Statistik und wählen jeweils die Hälfte aus, die ihnen gefällt. Die Wirklichkeit besitzt jedoch die unangenehme Angewohnheit, gleichzeitig eindeutig und kompliziert zu sein.

42,9 Prozent bei der Gewaltkriminalität

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 verzeichnete rund 5,5 Millionen Straftaten. Gegenüber dem Vorjahr entsprach das einem Rückgang um 5,6 Prozent. Auch die Zahl der Tatverdächtigen sank um 5,9 Prozent auf etwa 2,05 Millionen.

Gleichzeitig waren nichtdeutsche Tatverdächtige bei der Gewaltkriminalität nach Angaben der Bundesregierung zur PKS 2025 mit 42,9 Prozent vertreten. Ihr Anteil an der Bevölkerung lag Ende 2025 bei knapp 15 Prozent.

Diese Differenz muss benannt werden. Wer sie verschweigt, bekämpft keinen Rassismus, sondern die Glaubwürdigkeit amtlicher Statistik. Eine Überrepräsentation bleibt eine Überrepräsentation, auch wenn eine Regierung zwanzig Erklärtafeln danebenstellt.

Verdächtig bedeutet nicht verurteilt

Die PKS erfasst Tatverdächtige nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen und bei Abgabe des Vorgangs an die Staatsanwaltschaft. Ein Tatverdacht ist noch keine rechtskräftige Verurteilung. Ermittlungsverfahren können eingestellt werden, Gerichte können freisprechen und Tatvorwürfe können sich verändern.

Dieser Hinweis wird gelegentlich als Versuch verstanden, Kriminalität kleinzureden. Tatsächlich gilt er für deutsche wie nichtdeutsche Tatverdächtige. Ein Rechtsstaat unterscheidet aus gutem Grund zwischen Verdacht und Schuld.

Umgekehrt macht der Hinweis die Zahlen keineswegs wertlos. Polizeiliche Tatverdächtigenzahlen zeigen Belastungen, Entwicklungen und Auffälligkeiten. Wer jede Statistik wegen der Unschuldsvermutung für bedeutungslos erklärt, könnte konsequenterweise auch Arbeitslosen-, Unfall- und Infektionszahlen abschaffen, weil noch nicht jeder Einzelfall gerichtlich geprüft wurde.

Alter und Geschlecht erklären viel – aber nicht alles

Kriminalität wird überdurchschnittlich häufig von jungen Männern begangen. Die ausländische Bevölkerung ist im Durchschnitt jünger und männlicher als die deutsche. Ein unveränderter Vergleich der Gesamtbevölkerung vergrößert deshalb Unterschiede.

Hinzu kommen soziale Lage, Wohnumfeld, Bildung, Erwerbstätigkeit, Aufenthaltsunsicherheit und die Zusammensetzung einzelner Herkunftsgruppen. Diese Faktoren können einen beträchtlichen Teil der Überrepräsentation erklären.

„Erklären“ bedeutet jedoch nicht „entschuldigen“. Ein Messerangriff wird weder für das Opfer noch für die Gesellschaft erträglicher, weil der Täter jung oder sozial benachteiligt  war. Ursachenforschung ist notwendig, darf aber Strafverfolgung und politische Konsequenzen nicht ersetzen.

Ähnlich absurd wäre die gegenteilige Behauptung, Kultur, Integration und Migrationspolitik hätten grundsätzlich keinen Einfluss. Menschen bringen Erfahrungen, Normen und Konflikte aus ihren Herkunftsgesellschaften mit. Gescheiterte Integration kann sie verstärken.

Die Statistik wird zum politischen Werkzeugkasten

Die frühere Frage, ob Trump die deutsche Polizeistatistik besser kannte als Merkel, zielte bereits auf das eigentliche Problem: Zahlen werden selten nur gelesen. Sie werden ausgewählt, eingerahmt und anschließend für politische Zwecke eingesetzt.

Die Regierung betont sinkende Gesamtzahlen. Kritiker weisen auf den hohen Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger bei schweren Delikten hin. Beide Aussagen können gleichzeitig stimmen.

Messerscharfe Analyse beginnt deshalb dort, wo man keine der beiden Tatsachen unterschlägt. Gesamtkriminalität kann sinken, während einzelne Delikte steigen. Eine Gruppe kann überrepräsentiert sein, obwohl die große Mehrheit ihrer Mitglieder niemals straffällig wird. Altersstruktur kann Unterschiede erklären, ohne sie vollständig aufzulösen.

Ehrlichkeit wäre die radikalste Lösung

Deutschland benötigt eine Kriminalstatistik, die Staatsangehörigkeit, Aufenthaltsstatus, Alter, Geschlecht, Mehrfachtäter, Wohnsitz und Verurteilungen verständlich miteinander verknüpft. Ebenso braucht es transparente Langzeitvergleiche und nachvollziehbare Bezugsgrößen.

Vor allem benötigt die Politik den Mut, Ergebnisse auszusprechen. Überrepräsentation darf weder pauschalisiert noch wegmoderiert werden. Straffällige Ausländer mit fehlendem Aufenthaltsrecht müssen konsequent ausgewiesen werden, soweit Recht und Vollstreckbarkeit dies erlauben. Gleichzeitig bleibt jeder Mensch individuell verantwortlich; Herkunft ersetzt kein Urteil.

Die Zahlen sind statistisch schwierig. Politisch unerwünscht werden sie erst dadurch, dass sie Fragen aufwerfen, auf die Regierungen seit Jahren keine überzeugenden Antworten geben.

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Stimmen aus dem Maschinenraum

3 Kommentare

  1. War immer schon so, die meiste Kriminalität kam aus den untersten Rängen der Gesellschaft, und ganz logisch: Unsicherheit macht risikobereit.

    Und jetzt die Preisfrage, bitte: Wer besetzt heute die untersten gesellschaftlichen Ränge?

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