SCHMALSPUR-TECHNOKRATEN
Wollen wir uns auf menschliche Roboter reduzieren lassen oder wollen wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen?
Wiederveröffentlichung meines Kommentars im Kritischen Netzwerk:
Titelbild: Hat der Mensch einen freien Willen?
- SCHMALSPUR-TECHNOKRATEN WOLLEN DAS WUNDER DES LEBENS AUF EINEN BAUKASTEN REDUZIEREN
Die Welt wird zunehmend von Schmalspur-Technokraten, Rationalisten und von der Hybris der Allmächtigkeit verfallenen Geistern beherrscht. Sie sind anmaßend von der Manie besessen, der gesamte Mikro- und Makrokosmos, seine Entstehung, seine Evolution und die darin ablaufenden Prozesse könnten mit naturwissenschaftlichen Methoden erklärt werden. Anscheinend glauben sie immer noch wie ihre mittelalterlichen Vorgänger an die Erschaffung eines Homunkulus, womit sie einem fundamentalistischen religiösen (Aber-) Glauben, dem sie ja eigentlich abgeschworen haben, wieder sehr nahe kommen. Denn sie sind besessen von der Annahme, daß sie gottgleich künstliche Intelligenz erschaffen und die letzten Geheimnisse des Lebens und der Genetik verstehen könnten, womit sie in der Lage wären, die Bestandteile des Lebens wie einen (Kinder-) Baukasten zusammen zu setzen und wieder auseinander zu nehmen. Diesem Denken liegt eine abstruse mechanistische Ideologie zugrunde, die annimmt, daß lebendige Systeme aus Teilen bestehen, deren Summe das Ganze ergäbe. Peter Kern spricht mir aus dem Herzen, wenn er feststellt:
- „Auch hier können sich die Phänomene nicht von sich aus zeigen wie sie sind, jedenfalls dann nicht, wenn sie unter die Herrschaft eines kategorialen Rahmens einer Wissenschaft gepresst werden: Biologie, Hirn- und Genforschung bleiben im Rahmen ihrer Zugriffsweisen prinzipiell unzureichend, um uns die Phänomene „Liebe“, „freier Wille“ oder „Mensch“ in ihrer Ganzheit verständlich zu machen. Wer das behauptet, kennt die Bedingungen nicht, unter denen seine Erkenntnisse zustande kommen. Aus solcher Unkenntnis wird der Mensch letztlich auf die Funktionsweise von Lurchen herunter interpretiert. Entsprechend gehen wir dann auch mit uns und mit dem Du um, wie auch mit der Natur überhaupt: respektlos, hochnäsig, machtförmig, zerstörerisch.“
Phänomene wie „Liebe“, „freier Wille“ oder das Wunder „Mensch“ kann man nicht schmalspurig lediglich als Abfolge und Wirkung von chemischen, neuronalen oder physikalischen Prozessen erklären. Wer das tut, der gibt sich selbst ein schlechtes Zeugnis, beweist damit seine geistige Beschränktheit und reduziert sich selbst auf eine gut funktionierende Maschine, der die Krone der Schöpfung total abhanden gekommen ist. Erich Fromm hat in „Jenseits der Illusionen“ die Thematik des „menschlichen Maßes“ aufgegriffen, von dem technokratische Naturwissenschaftler anscheinend keine Vorstellung besitzen. Fromm hat den Kontext wie folgt formuliert:
- „Der naturalistische Grundsatz, daß der Mensch das Maß aller Dinge sei, ist in unserer Epoche vor allem durch die Frage „Was ist das Maß des Menschen?“ ins Wanken geraten. Der Mensch nach dem Anbruch der modernen Zeit ist von einer tiefen Unsicherheit über das Wesen des Menschen erfüllt, als es seine Vorfahren waren. Er steht am Rande des geistigen und moralischen Wahnsinns. Er weiß nicht mehr, wer er ist. Und da er das Gefühl dafür verloren hat, wer und was er ist, begreift er auch das Wesen seiner Mitmenschen, die Bedeutung seines Berufs und Zweck und Sinn des Wissens selbst nicht mehr.
- Denn das, was man nicht versteht, kann man auch nicht wissen. Und eben diese kognitive Fähigkeit möchte die „Wissenschaftstheorie“ häufig abschaffen, diese Theorie, die sich weigert, die Existenz umfassender Entitäten anzuerkennen, welche etwas anderes sind als ihre Bestandteile. Tatsächlich ist ja der zentrale Wissensakt jene Form des Begreifens, die in keinem Wissensprozeß fehlt und die diesen letzten Endes erst rechtfertigt.
- Die Naturwissenschaft selbst erkennt eine ganze Reihe von Entitäten an, die mit materialistischen und mechanistischen Begriffen nicht völlig zu beschreiben sind, und dieses Hinausreichen über das Gebiet der reinen Naturwissenschaft in einen Bereich, von dem aus die Naturwissenschaft selbst bewertet werden kann, hoffen wir in den Credo-Perspektiven (siehe „Credo eines Humanisten“ – Es gibt zwei, in einem „Credo“ gefasste, bekenntnishafte Ausformulierungen von Fromms Menschen-, Gesellschafts- und Geschichtsbild. Das eine steht am Ende seines 1962 veröffentlichten Buches „Jenseits der Illusionen“, das zweite, hier veröffentlicht, entstand wenige Jahre später. ) definieren zu können. Denn Ebbe und Flut unserer Erfahrungen, unserer Sinneswahrnehmungen und der ganze Reichtum unmittelbarer, frisch erworbener Kenntnisse, die metaphysische Substanz dessen, was unser ganzes Wesen ergreift, machen den Akt unserer Wahrnehmungen und Gemütsbewegungen aus und sind daher mit dem Netz rationaler Analysen nicht einzufangen, während sie zu jedem kognitiven Akt in inniger Beziehung stehen.“
Wir sollten uns vor der Pathologie und Schizophrenie von Machbarkeitsfanatikern hüten, die davon überzeugt und willens sind, alles technisch Machbare auch umzusetzen. Vor solchen Menschen graut mir, denn sie haben den Glauben an das Vorhandensein von natürlichen Ordnungen und selbstregulierenden Systemen verloren, die auf eine Erfahrung von Milliarden von Jahren zurückblicken können. Was noch schlimmer ist, sie leben in einer gedanklich entgrenzten Welt, in der sie die Wunder des Lebens nicht wahrnehmen können. Sie sind derartig emotional verarmt und regrediert, daß sie verkrampft versuchen, das Lebendige in Dingliches zu transformieren und es in berechenbare mathematische Formeln zu pressen. Diese Geisteskrankheit hat Dr. Rainer Funk treffend in seinem Anfang 2011 veröffentlichten Buch „Der entgrenzte Mensch: Warum ein Leben ohne Grenzen nicht frei, sondern abhängig macht“ wie folgt beschrieben:
- „Die zweite fragwürdige Auswirkung des Angezogenseins vom entgrenzten Rechnen und Messen hat mit der bereits angesprochenen Quantifizierung sämtlicher Lebensbereiche zu tun. Alles soll berechnet werden könne, auch das Unwägbare, nur Gefühlte, die Stimmung, die menschliche Atmosphäre, das Intuitive, die »Chemie« in der Beziehung, das liebevolle Vermögen, die Fähigkeit zu trauern, die Unsicherheit des Lebens, die Glaubwürdigkeit und Authentizität eines Menschen. Was immer Begleiterscheinung und Wirkung eines lebendigen Vollzugs sind, muss hierzu in ein Ding, in etwas Lebloses und Totes verwandelt werden, denn nur Dinge und das zum Zwecke des Messens Verdinglichte lässt sich messen und dann berechnen. Der Fetischismus des Dinglichen und Berechenbaren ist dann zumeist mit einer Verdinglichung des Lebendigen gepaart.“
Ich kann nur empfehlen: Mensch, bleibe bei deinen Leisten! Glück, Zufriedenheit, menschliches Wohl und Vollkommenheit lassen sich nicht erreichen, indem man für alle Phänomene der sichtbaren und unsichtbaren Welt eine wissenschaftlich-rationale Erklärung findet und glaubt, dieses durch Messen und Berechnen zu realisieren. Seien wir doch mal ehrlich: Was wäre denn eine Welt ohne Geheimnisse und Wunder? Es wäre die Verurteilung, auf ewig in einen mit grellem Neonlicht erhellten Raum ohne Differenziertheiten und phantasieerregendes Zwielicht eingesperrt zu sein.
https://kritisches-netzwerk.de/forum/liebe-freier-wille-und-der-mensch


Dumm, dümmer, Transhumanismus… Es passt, daß alle Lebensbereiche „durchdigitalisiert“ werden sollen. Denn dann kann man endlich alles in ein deterministisches Universum transformieren, in dem die Bausteine aus 0 und 1 bestehen. An Aus, rein raus… Gib uns mehr „smarte Assistenz-Systeme“, die in unsere individuellen Reflexe eingreifen und uns langsam aber sicher umerziehen. Assistenz ist etwas für Behinderte. Du bist noch nicht behindert? Aber mit uns kannst du das schon mal üben…
Transhumanismus ist, wenn aufgeblähte Hanswürste von Rückkehr ins Paradies träumen und alles Ringen um Wachsen und Werden, um Entwicklung und Erschaffung aufgeben wollen. Ist Regression, Infantilismus, in große Pose gesetztes Neinsagen zum Leben.
Musk, Thiel und Konsorten sind Posterboys des Pentagons. Wer den albern-tollen Phantasien dieser billigen Idioten Aufmerksamkeit schenkt, geht psychologischer Kriegsführung in die Falle.
Don’t!
Ein bißchen jetzt mal neben dem Thema, bitte, aber nicht neben der Spur, Kommissar Alles Klar ermittelt in Sachen PENTAGON. Und sofort denkt er an? Genau, an eine große schreckenerregende Medusa des Imperiums, an Donald Rumsfeld. Deutschstämmig, Familie kommt aus einem Städtchen an der Weser nicht weit von der nordseeischen Hafen- und Handelsstadt Bremen. Ja, Weserrenaissance, Aneinanderreihung von Pfeffersack-Residenzen, von Herrensitzen!
Honi soit, qui mal y pense, vergißt die offizielle Geschichtsschreibung der Hansestadt Bremen zu erwähnen, zu Zeiten der Weserrenaissance einer der weltwichtigsten Umschlagsplätze gewesen zu sein für den internationalen Sklavenhandel. Der statt hatte an einem Hafenkai, der bis heute hin den schönen Namen Schlachte trägt. Ganz in der Nähe das Rathaus und der Dom.