Man muss den Mut von Außenminister Johann Wadephul einfach bewundern. Da kämpft ein Land seit Jahren um das schiere Überleben, verfeuert Munition an allen Fronten und bettelt in der Welt um Luftverteidigung – und der deutsche Chefdiplomat reist nach Kiew, um den Herrschaften dort erst einmal die Grundlagen solider schwäbischer Haushaltsführung zu erklären.
Exportquote vor Existenzkampf
Man stellt sich die Szene im Präsidentenpalast bildschön vor: Draußen heulen die Sirenen, drinnen entfaltet Wadephul die Excel-Tabelle. „Lieber Wolodymyr“, möchte man ihn raunen hören, „wir stehen natürlich felsenfest an eurer Seite. Für Freiheit, Demokratie und das Völkerrecht. Aber mal ganz ehrlich: Hast du eigentlich mal auf das Label deiner Haubitzen geschaut? Ist das etwa französisch?“
Es ist die hohe Kunst der christdemokratischen Außenpolitik, die uns hier offenbart wird. Warum langwierig über Friedensverhandlungen, Diplomatie oder strategische Auswege nachdenken, wenn man das Ganze viel eleganter als Konjunkturprogramm für den heimischen Maschinenbau aufziehen kann? Krieg ist schließlich erst dann ein richtiger Wertekrieg, wenn am Ende die Quartalszahlen von Rheinmetall stimmen.
„No Support without Export“
Dass Wadephul dieses Meisterwerk der Diplomatie ausgerechnet im Podcast von Bild-Vize Paul Ronzheimer platzieren musste, unterstreicht die historische Tragweite. Dem deutschen Steuerzahler – also jenem Bürger, dem man sonst bei jedem Panzerkauf erklärt, es gehe um die Rettung des Abendlandes – muss man schließlich reinen Wein einschenken: Nächstenliebe gibt es bei uns nicht auf Pump.
Wenn wir schon die europäische Friedensordnung auf dem Schlachtfeld verteidigen lassen, dann bitte mit ordnungsgemäß in Niedersachsen gefertigter Munition. Rabattmarken gibt es ab einer Bestellung von 100 Leopard-Panzern.
Reklamationsabteilung statt Friedensinitiative
Besonders charmant ist der Wink mit dem Zaunpfahl gen Kiew: „Wir haben die ukrainische Regierung gebeten, das zu überprüfen und dafür zu sorgen, dass es besser wird.“ Wohl dem, der solche Freunde hat. Wer braucht schon Friedensinitiativen oder diplomatische Kanäle nach Moskau, wenn man stattdessen eine Reklamationsabteilung für ukrainische Beschaffungsmaßnahmen einrichten kann?
Frieden durch Frieden? Viel zu altmodisch. Die neue Leitlinie deutscher Diplomatie lautet kurz und bündig: „Kaufen statt Handeln“. Wenn die Waffen schweigen, bevor alle Auftragsbücher abgearbeitet sind, wäre dem deutschen Steuerzahler schließlich beim besten Willen nicht mehr zu vermitteln, wofür das alles gut war.


Ganz im Ernst, alles wahr vom Pandora! Nein, kein Scherz, denn was wären wir ohne Arbeitsschweiß und SchMERZ.
So begreift doch endlich, wie gut wir es alle haben!
Sogar die Mietmäuler bemerkten Wadephuls Betteln um Rüstungsaufträge.
Wenn der deutsche Steuerzahler schon nicht mehr weiß, wie er über die Runden kommt, dann soll er sich doch erfreuen, wenn Selenski Rüstungsgüter in der Vereinigten Verwaltungszone bestellt.