Sven Schulze brachte den unfreiwillig ehrlichsten Satz des gesamten TV-Duells selbst mit: „Ich labere nicht nur, ich liefere auch.“ Das stimmt. Die CDU liefert in Sachsen-Anhalt derzeit zuverlässig Gründe, weshalb 42 Prozent der Befragten ihr Kreuz bei der AfD machen wollen.
Beim MDR traf der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze auf AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Migration, Wirtschaft, Bildung, politische Glaubwürdigkeit und das übliche Weihwasser des Verfassungsschutzes standen auf dem Programm. Heraus kam ein Duell, bei dem beide Kandidaten Treffer landeten, beide gelegentlich ins Schwimmen gerieten und die CDU vor allem an einem Gegner scheiterte, den sie selbst seit Jahrzehnten aufbaut: ihrer eigenen Regierungsbilanz.
Ein Ministerpräsident verteidigt 24 Jahre CDU-Regierung
Sven Schulze ist erst seit Januar 2026 Ministerpräsident. Seine Partei regiert Sachsen-Anhalt allerdings seit 2002. Wer nach 24 Jahren CDU-Führung noch immer erklärt, er müsse nun endlich Wirtschaft, Schulen, Infrastruktur, Sicherheit und Verwaltung auf Vordermann bringen, klingt wie ein Hausmeister, der nach zwei Jahrzehnten den tropfenden Wasserhahn entdeckt und dafür einen Innovationspreis beantragt.
Schulze verwies im Duell auf Investitionen, Arbeitsplätze und seine Kontakte zur Wirtschaft. Sein Satz „Ich labere nicht nur, ich liefere auch“ sollte Tatkraft vermitteln. Bei einer CDU von 22 Prozent wirkte er eher wie die stolze Präsentation eines Pakets, das der Kunde längst zurückgeschickt hat.
Die aktuelle Lage ist schließlich keine geheimnisvolle Laune des ostdeutschen Wählers. Im jüngsten Sachsen-Anhalt-Trend liegt die AfD bei 42 und die CDU bei 22 Prozent. Die AfD erreicht damit fast das Doppelte der Regierungspartei.
Für die CDU ist das kein Warnschuss mehr. Der Einschlag steckt bereits im Konferenztisch.
Siegmund musste Schulze gar nicht zerlegen
Die zugespitzte Videoanalyse zum TV-Duell zwischen Schulze und Siegmund spricht davon, Siegmund habe seinen CDU-Kontrahenten „zerlegt“. Ganz so eindeutig verlief der Abend zwar nicht. Siegmund geriet bei konkreten Fragen stellenweise ins Ungefähre und ersetzte einen belastbaren Finanzierungsplan gern durch Begriffe wie „Vision“, „Veränderung“ und „unser eigenes Volk“.
Doch Siegmund musste Schulze auch gar nicht vollständig zerlegen. Den Großteil der Arbeit hatte die CDU bereits erledigt.
Der AfD-Kandidat konnte sich auf die politische Stimmung stützen: Unzufriedenheit mit der Migration, steigende Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Unsicherheit, ausgedünnte Infrastruktur und der Eindruck, dass Regierungen bevorzugt über die Bürger sprechen, während diese die Rechnung bezahlen.
Schulze verteidigte dagegen ein System, das seit Jahren verspricht, genau diese Probleme nun wirklich bald ernsthaft anzugehen. Die CDU fordert im Wahlkampf plötzlich eine strengere Migrationspolitik, weniger Bürokratie und mehr Sicherheit. Der Wähler darf höflich rätseln, welche unbekannte Partei die Umsetzung dieser Vorhaben während der vergangenen 24 Jahre verhindert hat.
Die Flachzange und das politische Niveau
Für den größten Empörungshappen sorgte Siegmunds Bezeichnung Schulzes als politische „Flachzange“. Menschlich sei Schulze natürlich keine, politisch hingegen schon. Diese feine Trennung ist ungefähr so belastbar wie die Behauptung, man habe jemanden ausschließlich fachlich mit der Bratpfanne geschlagen.
Schulze reagierte staatsmännisch gekränkt. Ihm würde eine solche Bezeichnung niemals einfallen, erklärte er und mahnte ein gewisses Niveau an.
Damit bekam das Publikum wieder jene politische Kernkompetenz vorgeführt, die Deutschland groß gemacht hat: Während Unternehmen um Energiepreise kämpfen, Kommunen unter Kosten ächzen und Bürger an der Regierung zweifeln, diskutiert die politische Klasse über die korrekte zoologische Einordnung einer Flachzange.
Siegmunds Formulierung war unnötig. Sie half Schulze, sich kurzzeitig als besonnener Landesvater zu inszenieren. Wer einen Gegner politisch schlagen will, braucht jedoch keine Baumarktbeleidigungen. Zahlen reichen völlig aus: 42 zu 22.
Der Verfassungsschutz als letztes Argument im Werkzeugkasten
Schulze griff erwartungsgemäß zur Einstufung der AfD durch den Verfassungsschutz. Der Landesverband gilt als gesichert rechtsextremistisch. Auf die Frage, ob er Siegmund persönlich für rechtsextrem halte, wich Schulze allerdings aus. Er könne dies für die Person nicht beurteilen, verwies aber auf Siegmunds politisches Umfeld.
Diese Konstruktion gehört mittlerweile zur Standardausstattung deutscher Wahlkämpfe. Der Kandidat selbst wird nicht eindeutig beschuldigt, aber großzügig mit dem Verdachtsnebel seines Umfelds eingesprüht. Das erspart die Auseinandersetzung mit der Frage, weshalb so viele Bürger trotz jahrelanger Warnungen weiterhin AfD wählen.
Die Antwort könnte unangenehm sein: Ein erheblicher Teil der Bevölkerung hält die Politik der etablierten Parteien inzwischen für bedrohlicher als deren Warnungen vor der Opposition.
Die wachsende Angst vor der AfD erklärt sich auch dadurch, dass mit ihrem Erfolg politische Geschäftsmodelle, Förderstrukturen und fest eingerichtete Gewissheiten zur Disposition stehen. Plötzlich droht Opposition nicht mehr nur zu protestieren, sondern tatsächlich über Haushalte, Institutionen und Personal zu entscheiden.
Siegmunds Schwachstelle: Stimmung ersetzt keinen Haushaltsplan
Ulrich Siegmund punktete dort, wo Schulze verwundbar war. Er sprach über Bevormundung, Migration und den Wunsch nach einem grundlegenden Kurswechsel. Seine Aussage, Sachsen-Anhalt könne zum Ausgangspunkt einer politischen Veränderung in Deutschland werden, passt zur Stimmung vieler AfD-Anhänger.
Bei der Frage nach konkreten Prioritäten wurde es dünner. „Das Richtige für das eigene Land und das eigene Volk“ klingt auf einer Wahlkampfveranstaltung kraftvoll, lässt sich in einem Haushaltsplan aber nur schwer einer Titelgruppe zuordnen.
Eine Partei mit 42 Prozent kann sich dauerhaft kaum darauf beschränken, berechtigten Unmut sprachlich einzusammeln. Sie muss erklären, welche Maßnahmen das Land tatsächlich umsetzen kann, welche Entscheidungen auf Bundesebene fallen und wie ihre Versprechen finanziert werden sollen.
Gerade darin liegt die eigentliche Herausforderung für Siegmund. Die AfD kann sich nicht mehr bequem als kleine Protestpartei behandeln lassen. Bei 42 Prozent bewirbt sie sich um die Regierung. Daraus folgt ein Anspruch auf konkrete Antworten.
Der Unterschied zur bisherigen politischen Praxis sollte dann allerdings darin bestehen, diese Antworten vor der Wahl zu liefern.
Brandmauer mit eingebauter Fluchttür nach links
Besonders absurd wird die Lage bei den möglichen Mehrheiten. Die AfD liegt klar vorn, erreicht laut Umfrage aber keine absolute Mehrheit. Eine Regierung gegen sie könnte nur zustande kommen, wenn sich CDU, SPD, Grüne und Linke gegenseitig politisch beatmen.
Die CDU müsste damit ausgerechnet auf die Unterstützung jener Linken setzen, von denen sie sich durch einen Unvereinbarkeitsbeschluss fernhalten will. Eine Mehrheit der Befragten lehnt eine solche Konstruktion ab.
Die Brandmauer produziert damit genau jene Koalitionsakrobatik, die das Vertrauen weiter beschädigt. Der Wähler stimmt für einen Kurswechsel und erhält anschließend eine Vier-Parteien-Notgemeinschaft zur Verhinderung seines Wahlergebnisses. Anschließend erklären ihm dieselben Parteien, diese Konstruktion sei ein besonders wertvolles Beispiel gelebter Demokratie.
So wird aus dem Schutz der Demokratie langsam der Schutz der Regierung vor dem Wähler.
Schulze kämpfte ordentlich – gegen die Bilanz seiner eigenen Partei
Sven Schulze trat im Duell keineswegs völlig hilflos auf. Er war angriffslustig, brachte konkrete Projekte ins Spiel und traf Siegmund bei dessen ausweichenden Antworten. In einem gewöhnlichen Wahlkampf hätte das reichen können, um einen Herausforderer unter Druck zu setzen.
Dieser Wahlkampf ist jedoch nicht gewöhnlich.
Schulze kämpft gegen 24 Jahre CDU-Regierung, gegen bundespolitische Enttäuschungen und gegen den Eindruck, dass seine Partei im Wahlkampf jene Positionen entdeckt, die sie nach der Wahl wieder im Aktenschrank verstaut. Siegmund verkörpert für viele Bürger dagegen die Aussicht, den gesamten Schrank aus dem Fenster zu werfen.
Ob danach Ordnung entsteht oder nur ein größerer Trümmerhaufen, bleibt die entscheidende Frage.
Sachsen-Anhalt entscheidet über mehr als einen Ministerpräsidenten
Das TV-Duell zeigte den eigentlichen Konflikt deutlich: Schulze wirbt für Erfahrung, Stabilität und schrittweise Verbesserungen. Siegmund verspricht Bruch, Neuordnung und ein Ende der bisherigen politischen Routine.
Die Wahl wird deshalb weniger durch einzelne Fernsehargumente entschieden als durch die Frage, wem die Bürger das größere Risiko zuschreiben. Für die CDU ist der Gedanke verheerend, dass viele Menschen mittlerweile den Fortbestand ihrer Regierung für gefährlicher halten als einen Machtwechsel zur AfD.
Siegmund hat Schulze im MDR vielleicht nicht so eindeutig zerlegt, wie es manche Videoüberschrift behauptet. Die Umfrage zerlegt jedoch die Erzählung, Sachsen-Anhalt wünsche lediglich ein vorsichtiges Weiter-so mit etwas härterer Wahlkampfrhetorik.
Schulze liefert tatsächlich.
Aktuell liefert er der AfD 42 Prozent.


Mag sein, daß das jetzt etwas besserwisserisch klingt, also blöd und dumm, aber der folgende Satz ginge auch kürzer. Jedenfalls der Teil nach dem Komma: „Plötzlich droht Opposition nicht mehr nur zu protestieren, sondern tatsächlich über Haushalte, Institutionen und Personal zu entscheiden.“
Nach dem Komma könnte es heißen: „…, sondern auch zu profitieren.“ Und nicht nur, weil es sich reimt.
Heute beim Aufwachen. Da war sie endlich, die geniale Idee. Und ich rätselte über mein Schicksal, wieso sie ausgerechnet mir als allererstem eingefallen sei — Genialität kann Fluch sein! Hier ist sie: BRANDMAUER IST TEILE-UND-HERRSCHE!
Ja, da staunt ihr jetzt aber alle, wa!?
Gestern unterhielt ich mich mit der K., die ist ein süßes Mädchen und meinte zu meinen staats- und bürgerkritischen Ausführungen: „Alles Verschwörungstheorie!“ Selbstverständlich ist keine Verschwörungstheorie die Aussage, Kritik an Staat und Bürgern sei alles Verschwörungstheorie.
@UnbetreutDenken
„BRANDMAUER IST TEILE-UND-HERRSCHE!“
Nein, Brandmauer heißt Spalte und Herrsche. Ergänzend das Credo unserer Kapitaldiktatur;
Halt Du sie dumm, ich halt sie arm. 😉
#MeinKopf — Danke für Hinweis! Denn stimmt, spalten allein paßt hier, und nicht teilen. Teilen ist sogar mißverständlich, etwas miteinander teilen ist ganz was Nettes sogar: „Hier, für dich, meine halbe Currywurst, nimm!“
Kommt ursprünglich aus dem lateinischen Divide et impera. Und wird landläufig mit teilen übersetzt das Divide. Meint aber eher zerteilen als verteilen.
@Unbetreutes Denken
„Danke für Hinweis!“
Gerne geschehen. 😉
„Teilen ist sogar mißverständlich …“
Seinerzeit hat irgendein U-Boot diesen Spruch absichtlich verdreht und immer wieder muß ich erleben, daß die Menschen nicht wirklich nachdenken. Immerhin wissen sie, was wirklich gemeint ist. Hoffe ich.
Gestern am frühen Nachmittag zwei Stunden auf dem Fahrrad, und mit Fahrradanhänger. 28 Grad, und die Sonne knallte mir auf den Schädel. Was aber keine Entschuldigung sein soll. Denn ich dachte an 40 Billionen Dollar. Genau, US-Staatsverschuldung, eine 40 mit 12 Nullen.
Ein 100 Dollarschein ist 0,1 mm dick. Flach aufeinandergelegt nun: Wie hoch der Turm? 40000 Kilometer. Am Äquator einmal um die Erde sind 42000. Nur die Annalena weiß das nicht.
Nullen zusammenzählen: 2 Nullen für die 100; 1 für den Millimeter; 3 für den Meter; nochmal 3 für den Kilometer. 2+1+3+3 = 9. Diese 9 Nullen von den 12 abgezogen gibt 3. Die ergeben 1000. Fertig: 40 mal 1000 sind 40000.
Was AfD und AntiFa wohl dazu sagen? Aber Schauspieler müssen ja nicht rechnen können.
Wenn Trump jetzt nicht bald liefert und den Ukraine-Krieg beendet ist er spätestens im November’26 weg vom Fenster und mit ihm die AfD, d.h. ohne Trump auch keine AfD! We shall overcome trumpschen Kaputtalismus ! Wählt die humanityparty.com! Viel Erfolg!
Ich kann mich nicht entscheiden, einerseits wäre es ein längst überfälliger Neustart mit der AFD. Andererseits ist die Bunte Republik Dummschland noch nicht kaputt genug für einen Neuanfang. Insofern kann ich mir auch einen links/ grünen Totalitarismuns im bDaZ lebhaft vorstellen. Erst wenn wirklich nur noch verbrannte Erde vom links/ grünen „unsere Demokratie“- Geschmeiß aus CDU, Roten, Dunkelroten und Grünen und deren total verblödeten Anhängern über ist, könnte ein Neustart mit einer AFD Erfolg haben. Naja, könnte. Ich schätze tatsächlich dass in Sachsen Anhalt eine Blutwurst- Koalition aus CDU, Roten und Grünen den Weg in den Abgrund weitergeht. So ähnlich wie in Thüringen, wo heute die ekelhaften Dunkelroten dem Mett- Mario ihre Treue geschworen haben.
Der weltweite trumpsche Finanz- Mussolini bestimmt darüber welche Entscheidung die jeweiligen Regierungen treffen und das wird unter einer ehemaligen finanz-/Banken-H nicht anders laufen—-dummm gelaufen für die Unterstützer/Trump-/AfD-Wähler der perversen Epstein-Klasse, pfui Teufel! We shall overcome den trumpschen Finanz-Kapputalismus/Mussolini! Wählt die humanityparty.com! Viel Erfolg!