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Aktuell15. August 2026

Goldene Zeiten (Teil 2) – 1959: Chroniken der Zärtlichkeit und Wetterfühligkeit auf dem Kopf

Chroniken der Zärtlichkeit – KI-generiert

GARDELEGEN-WALDSCHNIBBE – Nach den bahnbrechenden anatomischen Studien an Freundin Inge, berichte ich im zweiten Teil, wie Konflikte noch biologisch-dynamisch mit der Blechschippe gelöst wurden.

Widmen wir uns also einem weiteren Kapitel angewandter Früherziehung im Jahr 1959: Der Zementierung von Eigentumsrechten mittels stumpfer Gewalt.

Die Hierarchie der Epoche zum Ende der 1950er Jahre

Pünktlich zum Wochenende, als der Mief von echtem Bohnenkaffee und politischer Korrektheit des Sozialismus neu erfunden wurde, erschien Tante Lotti. Im Schlepptau: Mein Cousin Roland, der öfter mal zur „Aufbewahrung“ bei uns abgegeben wurde.

Um die Fakten nüchtern zu betrachten: Ich, Berndchen war acht Monate älter als Roland. In diesem Alter ist das kein Altersunterschied, das ist eine evolutionäre Epoche. Ich war der Silberrücken im Strampelanzug, Roland war bestenfalls ein geduldeter Trainee.

Mein Onkel Herbert glänzte – wie es sich für ein männliches Vorbild seinerzeit gehörte – durch Abwesenheit. Er hatte einen unaufschiebbaren Sonntags-Termin beim „Frühschoppen“. Ein hochoffizielles Amt, bei dem die Leberwerte der neuen Republik im kollektiven Delirium stabilisiert wurden.

Die Rollen waren klar: Oma Frieda hatte Hefekuchen für den Kaffeeplausch gebacken, Vati war bei seinen Studenten, Herbert gab sich die Kante, und wir Kinder machten … Erfahrungen.

Der Eber-Prototyp

Nachdem auch Vati zu uns stieß, stand der obligatorische Familien-Spaziergang durch Wald und Flur der Letzlinger Heide an. Ziel, wie sooft, die nahe Schweinemastanlage. Sie war quasi unser Tierpark. Damals nannte man das noch „Erlebnispädagogik“.

Es war faszinierend zuzuschauen, wie sich die Sauen im Dreck sülzten. Roland, der damals schon einen Hang zur radikalen Integration zeigte, nahm sich ein Beispiel an den Borstenviechern. Er überwand flux die Absperrung, um eine enge Symbiose mit der Gülle einzugehen.

Das Ergebnis war ein Triumph der Kontraste. Berndchen: In Sonntagskleidung, wie aus dem Ei gepellt, steif wie eine Schaufensterpuppe, aber gesellschaftsfähig. Roland: Mit der dicken, duftenden Kruste eines ausgewachsenen Ebers an Hemd und Hose. Roland stank so sehr, dass Vati ihn mit einem Stock vor sich hertrieb, um den direkten Kontakt zu vermeiden.

Rote Linien und Kampf bis aufs Blut

Doch das eigentliche Drama spielte sich am nächsten Tag im Sandkasten ab. Meinem Sandkasten!

Heutzutage lernen Kinder „Sharing“ und „Empathie“. Wir lernten damals noch das Kriegshandwerk. Ich war der uneingeschränkte Herrscher über Schippe, Eimer und Förmchen. Meine Schippe war nicht einfach ein Spielzeug, sie war eine Extension meiner Macht, sozusagen meine nukleare Abschreckung.

Ja natürlich, ich liebte Roland – auf Distanz und solange er meine Oberhoheit anerkannte. Aber es gab diese rote Linie. Eine Linie, die Roland in suizidaler Absicht überschritt, als er wagte, die Hand nach meiner Schippe auszustrecken.

Ich zögerte nicht. Diplomatie war für Weicheier ohne Schippe. Wer mein Revier bedroht, wird eines Besseren belehrt – kompromisslos. Die Schippe traf Rolands Schädeldecke mit dem satten Klang eines deutschen Stahlhammers.

Die Täter-Opfer-Umkehr

Das Geschrei war groß, der Familienauflauf vorprogrammiert. Mutti und Oma waren tierisch besorgt, wegen dieser paar Blutspritzer. Wie ein Lauffeuer ereilte das Ereignis meinen Vater, der gerade in der nahen „Reutter-Villa“ seine Studenten unterrichtete.

Die Schuldfrage wurde mit erschreckender Oberflächlichkeit geklärt: Ich war der „Attentäter“. Roland war das blutende Opfer. Dabei hätte ich das Ritterkreuz mit goldenem Eichenlaub Schwertern und Brillanten verdient.

Welch eine Farce! Bis heute weigere ich mich, diese Stigmatisierung zu akzeptieren. Ich war kein Aggressor. Ich war ein Verteidiger. Ein Präventivschlag-Stratege im Sandkasten-Krieg. Darum bin ich später auch Soldat geworden. Ich habe lediglich meine persönlichen Interessen (meine Schippe) gegen einen imperialistischen Eindringling (Roland – nicht Russland) verteidigt.

Roland trägt diese Narbe bis heute mit Stolz. Sie ist ein ewiges Mahnmal dafür, dass in unserer Kindheit Eigentumsrechte noch ernst genommen wurden. Wenn er heute Kopfschmerzen kriegt, weiß er wenigstens, woher sie kommen: Vom Fundament unserer Erziehung.

Anmerkung: Die Geschichte ist autobiographisch. Sie ist ein Zeugnis aus einer anderen Zeit. Jetzt jeden Samstag eine Geschichte aus meiner Kindheit.

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Stimmen aus dem Maschinenraum

3 Kommentare

  1. „Der Zementierung von Eigentumsrechten mittels stumpfer Gewalt.“

    Habe ich auch praktiziert. Damals um 1958. Nachfahre deutscher Ur-Militaristen (lt. linker Definition). Arbeitersohn mit Wohnhaft im Haus eines Kapitalisten mit einem LKW. Die Garage dazu befand sich im hinteren Teil des Hauses wo wir 2 Zimmer bewohnten. Ein Spielfreund, Sohn eines Druckerei-Kapitalisten fing mit mir einen Streit an, in dessen Verlauf er mich wohl auf unseren Standesunterschied aufmerksam machen wollte. Er bewarf das Garagentor mit Schlamm, der sich davor am Boden schlämmte. Mein Haus, in dem ich wohnte! Der hatte einfach keinen Respekt und ließ sich nicht davon abhalten.
    Ich weiß nicht, woher ich das kannte und auch konnte: wutentbrannt rammte ich ihm meine Rechte ins weiche Mittelfeld.
    Gekrümmt verließ er das Spielfeld und taumelte nach Hause, gleich gegenüber. Später hörte ich nur, es sei ihm schlecht geworden. Ein Nachspiel gab es nicht. Feigling. In diesem Fall ein klarer Sieg der Arbeiterklasse. Kommt ja sonst kaum vor…

  2. Jetzt kommt es raus, die rechten Stalinisten versuchen sogar mit/als fake Linke den Humanismus der linksgrünen zu diskreditieren, siehe:

    https://www.breitbart.com/politics/2026/08/16/marxist-hasan-piker-called-out-for-using-defense-bingo-card-to-downplay-extreme-comments/

    Soviel zur ehemaligen DDR die von Rechten Stalinisten geführt wurde und zu dem stalinistischen Kadavergehorsam, der schon Mao/Stalin/Xi/Putin usw.usf und jetzt auch Trump zur absoluten Macht verholfen/verhelfen hat/soll, d.h. wer Trump/AfD wählt ist ein Massenmörder so wie Stalin/Mao usw.usf We shall overcome stalinistischen Kadavergehorsam! Wählt die humanityparty.com! Viel Erfolg!

  3. Das KI-Bild stellt die damalige Stimmung gut dar. Eine Gaststätte auf einer Waldlichtung. Ein sonniger Sonntagsnachmittag. Hinter dem Haus befinden sich Holzbänke und -tische und ein Sonnenschirm. Das erinnert mich an ein Foto, bei dem ich selbst jedoch noch im Kinderwagen lag. Bei der heutigen bleiernen, depressiven Stimmung sind die witzigen Formulierungen leider wie Perlen vor die Säue. Es entsteht keine Freude sondern nur Melancholie aufgrund der immensen Verluste sowie der Ohnmacht, den Kurs mehr als nur eine Winkelsekunde ändern zu können.

Senf dazugeben

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