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Analyse22. Juli 2026

Tomatenalarm und Messerrelativierung: Deutschlands seltsame Rangordnung der Empörung

Tomatenwurf auf Söder im Kontrast zu Messergewalt und gescheiterten Abschiebungen

Deutschland hat seine Prioritäten im Griff. Das erkennt man daran, wie zuverlässig der Staat zwischen gefährlichem Gemüse und harmlosen Messern unterscheiden kann. Fliegt eine Tomate gegen einen Ministerpräsidenten, werden Sicherheitskräfte, Ermittler und politische Empörungsbeauftragte unverzüglich aktiviert. Wird dagegen ein Bürger mit einem Messer niedergestochen, beginnt nicht selten die behutsame Ursachenforschung: War der Täter traumatisiert? Hatte er eine schwere Kindheit? War die Unterkunft zu laut? Hat die deutsche Mehrheitsgesellschaft möglicherweise nicht freundlich genug Guten Morgen gesagt?

Der Unterschied liegt offenbar im Tatwerkzeug. Eine Tomate ist rot, rund und politisch eindeutig einzuordnen. Ein Messer besitzt dagegen einen Griff, eine Klinge und einen komplexen sozioökonomischen Hintergrund.

Die Tomate von Bernau: Staatskrise in Fruchtform

Am 19. Juli 2026 wurde Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bei einer Veranstaltung in Bernau am Chiemsee von einer Tomate getroffen. Der mutmaßliche Werfer sprang Berichten zufolge aus einem Gebüsch, wurde umgehend überwältigt und in Gewahrsam genommen. Söder blieb unverletzt, das Motiv war zunächst unklar. Der Verdächtige soll ein 31-jähriger Deutscher sein. Auch Tage später beschäftigte sich die Berichterstattung noch mit dem Tomatenwurf und seinem ungeklärten Motiv.

Das ist rechtsstaatlich vollkommen in Ordnung. Wer Politiker bewirft, muss damit rechnen, dass die Polizei eingreift und der Vorgang untersucht wird. Tätliche Übergriffe werden nicht dadurch zu akzeptabler Meinungsäußerung, dass das Tatmittel vorher in der Gemüseabteilung lag.

Bemerkenswert ist vielmehr die Geschwindigkeit. Die Tomate hatte Söders Ohr vermutlich noch nicht vollständig erreicht, da lag der Werfer schon am Boden. Kein Runder Tisch, kein Sozialarbeiter, keine monatelange Prüfung der Frage, ob ihm die Rückkehr ins Gebüsch zugemutet werden könne. Der Staat funktionierte. Plötzlich, sichtbar und mit erstaunlicher Beweglichkeit.

Man möchte jedem Bürger wünschen, im Augenblick eines Angriffs wenigstens symbolisch den Status eines bayerischen Ministerpräsidenten zu besitzen.

Beim Messer beginnt die politische Traumatherapie

Nach schweren Gewalttaten durch illegale Flüchtlinge erleben wir dagegen häufig eine völlig andere öffentliche Dramaturgie. Natürlich wird auch dort ermittelt, angeklagt und eventuell verurteilt. Doch parallel setzt eine sprachliche Polsterung ein, als müsse nicht nur das Opfer behandelt werden, sondern vor allem das gesellschaftliche Bild des Täters.

Dann hören wir von psychischen Auffälligkeiten, Fluchterfahrungen, mangelnder Integration und kultureller Entwurzelung.

Nur bleibt eine schlichte Wahrheit bestehen: Ein Trauma hält keine Stichwunde auf. Eine schwere Kindheit näht keine Arterie zusammen. Und eine Erklärung ist keine Entschuldigung.

Beim deutschen Täter akzeptiert die Öffentlichkeit diese Unterscheidung mühelos. Niemand würde einen einheimischen Gewalttäter deshalb laufen lassen, weil seine Eltern lieblos, die Schulnoten schlecht und die Miete zu hoch waren. Sobald jedoch ein ausländischer Täter einen ungeklärten oder prekären Aufenthaltsstatus besitzt, wird dieselbe Konsequenz plötzlich als moralisch bedenkliche Zumutung behandelt.

Der Rechtsstaat ist kein kostenloses Erlebnisbad

Wer in Deutschland Schutz sucht, hat Anspruch auf ein rechtsstaatliches Verfahren und menschenwürdige Behandlung. Das ist keine Schwäche, sondern eine zivilisatorische Errungenschaft. Daraus folgt aber kein Anspruch darauf, nach schweren Gewalttaten dauerhaft in Deutschland zu bleiben.

Rechtmässiges Asyl ist Schutz vor Verfolgung, keine staatliche Vollkaskoversicherung gegen die Folgen eigener Straftaten. Ein Ausländer, der Menschen mit einem Messer angreift, muss selbstverständlich strafrechtlich verfolgt werden. Besteht keine Bleibeberechtigung oder wird infolge der Straftat ein Ausweisungsinteresse festgestellt, muss die Rückführung konsequent vorbereitet und umgehend vollzogen werden.

Der Steuerzahler übernimmt die Nachsorge

Haft und psychiatrische Unterbringung kosten Geld. Viel Geld. Bewachung, medizinische Betreuung, Justiz, Dolmetscher, Gutachter und Verwaltung werden vom Steuerzahler finanziert. Das lässt sich in einem Rechtsstaat nicht einfach vermeiden. Auch der widerlichste Täter verliert nicht sämtliche Rechte, nur weil seine Behandlung teuer ist.

Doch der Bürger darf fragen, warum der Staat bei der Durchsetzung einer Ausreisepflicht regelmäßig den Eindruck eines überforderten Reisebüros vermittelt. Für neue Überwachungsbefugnisse, Steuerbescheide und Geschwindigkeitskontrollen findet Deutschland Personal, Technik und Termine. Bei der Beschaffung eines Passersatzpapiers hingegen beginnt eine Odyssee, gegen die Homers Werk wie eine Busfahrt zum Nachbarort wirkt.

So entsteht der Eindruck, dass der Staat gegenüber dem gesetzestreuen Bürger äußerst konsequent und gegenüber dem ausreisepflichtigen Gewalttäter erstaunlich verständnisvoll auftritt. Der eine bekommt wegen einer verspäteten Zahlung Mahngebühren. Der andere bekommt ein Fallmanagement.

Auch bei früheren Debatten um die Folgen von Messergewalt und gescheiterter Abschiebung zeigte sich dieses Grundproblem: Deutschland produziert entschlossene Ankündigungen und anschließend Verwaltungsvorgänge mit der Halbwertszeit von Atommüll.

Was die Kriminalstatistik tatsächlich sagt

Die Debatte über Ausländerkriminalität wird gern auf zwei gleichermaßen bequeme Positionen reduziert. Die eine behauptet, Migration habe grundsätzlich nichts mit Kriminalität zu tun. Die andere behandelt jeden Ausländer wie einen noch nicht überführten Straftäter. Beides ist statistischer Unfug.

Für 2024 registrierte die Polizeiliche Kriminalstatistik 217.277 Fälle von Gewaltkriminalität. Unter den ermittelten Tatverdächtigen waren nach Angaben der Bundesregierung 112.335 Deutsche und 85.012 Nichtdeutsche. Damit waren Nichtdeutsche unter den Tatverdächtigen prozentual deutlich stärker vertreten, als es ihrem Anteil an der Wohnbevölkerung entsprechen würde. Die amtlichen Zahlen zur Gewaltkriminalität lassen sich nicht  mit der Behauptung wegwedeln, es gebe überhaupt kein Problem.

Täter sind Individuen, politische Fehler sind systematisch

Die große Mehrheit der Ausländer in Deutschland begeht keine Gewalttaten. Viele arbeiten, zahlen Steuern, gründen Unternehmen und führen ein vollkommen unauffälliges Leben. Es wäre ebenso falsch wie dumm, sie für die Taten anderer verantwortlich zu machen.

Politische Verantwortung beginnt aber dort, wo vorhersehbare Risiken ignoriert werden. Wer ohne geklärte Identität einreist, mehrfach gewalttätig auffällt, ausreisepflichtig ist oder als gefährlich eingestuft wird, darf nicht jahrelang zwischen Ausländerbehörde, Gericht, Unterkunft und Psychiatrie hin- und hergereicht werden, bis der nächste Zwischenfall genügend Kerzen für einen öffentlichen Trauerplatz produziert.

Eine rationale Politik würde Risikofälle priorisieren, Identitäten frühzeitig klären, Straf- und Ausländerbehörden besser vernetzen und Rückführungen bereits während eines Strafverfahrens vorbereiten. Sie würde Herkunftsstaaten mit diplomatischem und wirtschaftlichem Druck zur Rücknahme ihrer Staatsangehörigen bewegen.

Das Opfer braucht keine soziologische Fußnote

Nach einer Messerattacke konzentriert sich die öffentliche Kommunikation auffällig schnell auf die Biografie des Täters. Über das Opfer erfahren wir häufig nur Alter, Geschlecht und Verletzungsgrad. Der Täter erhält dagegen einen vollständigen gesellschaftswissenschaftlichen Begleitband.

Er war traumatisiert. Er fühlte sich ausgegrenzt. Er hörte Stimmen. Er hatte Zukunftsängste. Möglich, dass all das stimmt. Trotzdem ist der niedergestochene Bürger kein Kollateralschaden eines misslungenen Integrationsprojekts.

Mitgefühl ist keine begrenzte Ressource. Man kann psychische Erkrankungen ernst nehmen und trotzdem das Opfer an die erste Stelle setzen. Man kann Flüchtlingen Schutz gewähren und gleichzeitig schwere Straftäter ausweisen. Man kann Herkunft und Aufenthaltsstatus nüchtern benennen, ohne Millionen unbescholtener Menschen unter Generalverdacht zu stellen.

Nur die deutsche Politik scheint für solche Mehrspurigkeit nicht konstruiert zu sein. Dort gibt es entweder grenzenlose Humanität ohne Konsequenzen oder grenzenlose Empörung ohne Differenzierung. Dazwischen liegt der vernünftige Rechtsstaat – vermutlich wegen Personalmangels geschlossen.

Konsequenz ist kein Rassismus

Wenn ein deutscher Staatsbürger eine schwere Gewalttat begeht, muss er hier bestraft und gegebenenfalls dauerhaft verwahrt werden. Deutschland kann ihn nirgendwohin abschieben. Bei einem ausländischen Täter ohne dauerhaftes Aufenthaltsrecht besteht dagegen nach Verbüßung der Strafe grundsätzlich eine zusätzliche Möglichkeit: die Aufenthaltsbeendigung.

Diese rechtliche Unterscheidung ist keine rassistische Schikane. Staatsangehörigkeit und Aufenthaltsrecht haben nun einmal rechtliche Folgen. Sonst könnte man beide Konzepte abschaffen und den Reisepass künftig als Bierdeckel verwenden.

Konsequente Abschiebung bedeutet auch nicht, auf ein Strafverfahren zu verzichten oder einen Täter einfach am Flughafen abzuladen, bevor Beweise gesichert wurden. Sie bedeutet, dass der Staat die Entfernung aus dem Bundesgebiet als verbindliches Ziel behandelt und nicht als unverbindlichen Wunsch für den Sankt-Nimmerleins-Tag.

Deutschland schützt das Gemüsefach

Der Tomatenwerfer von Bernau wurde sofort gestoppt. Gut so. Politiker müssen öffentliche Termine wahrnehmen können, ohne beworfen oder angegriffen zu werden. Aber dieselbe Entschlossenheit schuldet der Staat auch dem Bürger am Bahnhof, auf dem Stadtfest und im Regionalzug. Vielleicht sollten unsere Politiker sich aber auch mal Gedanken drüber machen warum das Volk so sauer auf sie ist.

Die eigentliche Doppelmoral besteht nicht darin, dass der Tomatenwurf verurteilt wurde. Sie besteht darin, dass der Staat bei einem symbolischen Angriff auf seine Repräsentanten seine ganze Handlungsfähigkeit vorführt, während er bei erheblich gefährlicheren Fällen gern auf komplizierte Zuständigkeiten, fehlende Dokumente und schwierige Biografien verweist.

Eine Tomate am Ohr eines Ministerpräsidenten aktiviert den Apparat. Ein Messer im Bauch eines Bürgers aktiviert die Kommentatoren.

Vielleicht sollte der gewöhnliche Deutsche künftig eine kleine Tomate bei sich tragen. Nicht zum Werfen, selbstverständlich. Sondern als Hinweis an den Staat, dass hier möglicherweise jemand geschützt werden möchte, obwohl er kein Regierungsamt bekleidet.


 

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Stimmen aus dem Maschinenraum

12 Kommentare

  1. Diese Politärsche sollen lieber froh sein, dass sie (noch) nicht mit Ziegelsteinen beschmissen werden.
    Ich persönlich glaube, dass der Tag nicht mehr so fern ist.

  2. Ich finde es immer wieder lustig, wenn deutsche Politiker stolz verkünden, dass ausländische Straftäter abgeschoben wurden. Und wenn man nachfragt wohin, kommt die Erkenntnis, natürlich in die Freiheit.

    1. Schönes Eigentor, wenn das Ausland deutsche Straftäter als verurteilte religiöse Unruhestifter in die Freiheit abschiebt.

  3. Dem Deutschen kann ein Minarett
    schon stehen vor dem Ehebett,
    ein Windrad tüchtig lärmt dazu,
    wählt er Rotgrün und CDU.
    Für Invasoren zahlt er gerne,
    so bleibt Vernunft in weiter Ferne,
    regiert der Mangel an Verstand
    weiter im deutschen Gagaland.

  4. Sehr gut formulierte Analyse, Torben.
    Geistreich artikuliert, jedoch legal nicht angreifbar.
    Zumindest in einem RECHTS-Staat.
    Mille Grazie!

  5. DIE können das! Warum?
    Das ‚Staatsbürger‘ müssen wir ersetzen durch: Personal.
    Da die BRD durch den/mit Bund(GG) verwaltet wird (GG), können wir ebenfalls den ‚Staat(simulation)‘ ersetzen durch Verwaltung (GG, Verwaltung der Wirtschaftsgebiete).
    Bleibt noch die Frage: Wer sind die Verwalter? Das sind die Besatzer (GG,Besatzungskosten)! Vertreten durch die verwaltenden Politiker (Vasallen und Kollaborateure)!

    Mit tomatenwefendem Personal kann ‚man‘ halt ruckzuck agieren – nach den AGB´s der BRD.

    Bei Ausländern, also, welchen, die kein Personal sind, das sind ALLE, die keinen Personalausweis beantragt haben, muss die Rechtslage geklärt werden. Ist diese nicht klar, beruft ‚man‘ sich auf die Psychatrie – das ist die einfachere Lösung. Wenn ‚du‘ keine Patientenverfügung hast, welche die psychatrische Untersuchung, und Behandlung, AUSSCHLIEßT.

    Diese Verwaltung ….
    (das Deutsche Reich seit 1914, mit der Mobilmachung, dem Art. 68 aus der ‚Preußischen Verfassung‘ von 1850 verwaltet
    https://www.verfassungen.de/de67-18/verfassung71-i.htm )
    …. Deutschlands, durch die BRD, streicht Gesetze (des Deutschen Reich) z.B. §15 GVG ( weggefallen (1950)). Dort stand Gerichte sind Staatsgerichte.

    DIESE Verwaltung ändert Gesetze, des Deutschen Reich, obwohl das Verfassungsgericht, der BRD, schon 1956 festgestellt hat das die Wahlen, zum Buntentag, fehlerhaft und ungültig sind.
    Die Staatssimulation lässt immer noch wählen.

    DIESER Verwaltung wurden die Geltungsbereiche 2006,2007, 2010, in diversen Gesetzen gestrichen
    http://zds-dzfmr.de/data/uploads/2007%20BGBl%20Teil%20I%20Nr.59,%20S%202614.pdf
    DIE urteilen immer noch – mit Richtern ohne hoheitlichen Befugnissen (staatliche Beamte)!

    Nicht ‚wundern‘, mit einem Perso in der Tasche- nachdenken bzw. nachforschen, zu seinem Status. Gruß Karl

  6. Deutsche und Ausländer ist ein sehr vielschichtiges Thema. Im Deutscheland entwickelt, in der ganzen Welt von Ausländern genutzt: Dieselmotor, Raketentechnik, verschiedenste Kernenergie-Techniken, die Magnetschwebebahn. Und dann noch all die Paperclipper, die zu unseren amerikanischen Freunden rübergemacht haben! Einschließlich des Herren Feindaufklärers Reinhard von Gehlen. Den sie uns aber gnädig wieder zurückgeschickt haben. Hatte der doch schon den Adolf hereingelegt, siehe Viktor Suworov. Auch ein zweiter armer Adolf konnte nicht mit zu unseren amerikanischen Freunden. Der Eichmann kam aber wenigstens noch ein bißchen in die Nähe. Von dem anderen ist nix Näheres bekannt außer, daß das in Moskau wohl nicht sein Schädel sein soll.

    Aber wir wollen ja nicht zu weit abschweifen. Fakt ist, daß ganz viele Ausländer hierher zu uns nach Dschörmanie kommen. Aber in die meisten anderen EU-Staaten auch. Sonst könnte man glatt denken, nur der dschörmanische Mohr hätte seine Schuldigkeit getan. Auch wer kein vielfältiges technisches Wissen exportiert hat, hat es mit viel Glauben heimgezahlt bekommen.

    Aber jetzt mal ganz im Ernst, bitte, so haben die Windkrafttechnik ganz sicher nicht die Chinesen entwickelt! Die bauen bloß die technisch hochwertigste Komponente davon, die Nabenkästen, und exportieren die Dinger nach Gorleben und anderswo in die große weite Welt — genau, Peter Stuyvesant, mit dem fing das alles an! Und mit dem guten alten Holger Strohm(ann) ging’s wieder zuende. Nein, so blöd, Windkraft oder auch Solar in großem Stil zu nutzen, ist China nicht. Nur anderswo macht froh!

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