»Massenpsychologie und Ich-Analyse« (Freud) oder wenn der Wahn die Massen ergreift (E15)

sigmund freud by max halberstadt

Allgemeiner Hinweis: Der folgende Text ist der 15. Teil einer Reihe von Arbeitstexten. Sie sollen nach und nach im Vordruck auf QPress.de in eine »Kritik der Psychoanalyse im Kontext einer Psychoanalyse des alltäglichen Nahbereichs« (vorläufiger Arbeitstitel) eingehen. Der 15. Teil steht unter dem Arbeitstitel »Beziehungsebene getrennt von der Sache- oder Gegenstandsebene analysieren«. Die einzelnen Teile von E1 bis E14-5 sind im Quellverzeichnis aufgeführt.

E15 Beziehungsebene getrennt von der Sach- oder Gegenstandsebene analysieren

Große und kleine Verlogenheiten auf der Beziehungsebene

Im letzten Beitrag E14-5 sind wir zu dem Ergebnis gekommen, demzufolge ein Diskurs, der seinen Namen verdient, nicht möglich ist genau dann, wenn die Beziehungsebene in der Sachebene aufgeht, bzw. in ihr versteckt oder verdrängt wird; wiewohl die Sachebene unstrittig grundlegende Bedingung für analytische Bemühungen auf selbiger Beziehungsebene ist.

Ich deute Jürgen Habermas diesbezüglich so, dass er auf ihr die Möglichkeit eines die soziale Realität verzerrenden Diskurses zwar sieht, gleichwohl nicht hinreichend, um nicht zu sagen: exakt an besagter sozialer Realität, wie sie auf der Beziehungsebene konfliktträchtig leibt und lebt, vorbei: er blendet den wichtigsten Aspekt des menschlichen Lebens aus, der uns bei der Bewältigung unserer Beziehungen – und damit des menschlichen Lebens – zur Seite steht. Jener Aspekt erzählt uns von der Fähigkeit, sich selbst sowie die eigenen Beziehungen, resp. Konfliktpositionen (selbst‑) kritisch zu reflektieren, mithin das Innenleben explizit einzubeziehen, das heißt zu fragen: was ist hier eigentlich los? Wie sind wir in unserem Inneren gestrickt, bzw. mental disponiert, dass wir so miteinander umgehen (müssen).

Es sind, um es weniger aufgeregt zu sagen, die unscheinbaren Verlogenheiten, die uns mit dem Grausamen verbinden, sozusagen im Kontext der Banalität des Bösen (Arendt). Gemeint sind nicht die sichtbar großen Verlogenheiten, etwa solche aus der Nazi-Zeit, deren Repräsentanten man heute ungestraft »geisteskrank« nennen darf; jene Verlogenheiten werden in der westlichen Wertegemeinschaft unablässig produziert, lange Zeit unscheinbar, heute zunehmend dem Augenschein nach; dabei sogar die Sicht auf die Nazi-Zeit verzerrend, in der Historiker es geradezu zwanghaft für notwendig erachten zu betonen, es gebe keine medizinischen Anzeichen (Indikationen), Hitler die Schuldfähigkeit abzusprechen.

Als hätte wir es mit Hitler tatsächlich nicht mit einem zwar gemeingefährlichen, aber dennoch geisteskranken Menschen zu tun, einer Geisteskrankheit, von der die Politik, namentlich Friedrich Merz, in immer stärkerem Maße sichtbar geschlagen ist, wie gesagt auf der Beziehungsebene. Auf der Sachebene ist Merz mit Hitler, eine Trivialität, nicht vergleichbar, geschweige denn gleichzusetzen.

Das, was auf Merz zutrifft, könnte auf viele Geschichtswissenschaftler genauso zutreffen: auch sie mentalisieren in meinen Augen gestört vor dem Hintergrund, dass sie in ihren Analysen den Akzent auf narrative Trivialitäten legen, namentlich auf eine solche, derzufolge der Nationalsozialismus verharmlost werde, wenn man ihn mit der heutigen Zeit vergleicht; meinen tut man tatsächlich »gleichsetzt«; das passiert nun wieder nur dann, wenn ausschließlich auf der Gegenstandsebene mentalisiert wird, sodass in dieser die Beziehungsebene sich aufgelöst sieht und damit für sich genommen einer Analyse entzogen ist. Sie gerät damit aus der Schusslinie der Kritik. Genau darauf kommt es unseren Ideologen implizit, das heißt unausgesprochen und damit verlogen, an, ohne dass die Verlogenheit, ausschließlich am Faktischen orientiert, begreift, dass es ihr darauf ankommt.

Und es begreifen auch die Richter des Bremer Landgerichts nicht, die Rudolph Bauer wegen Volksverhetzung am 22.06.2026 schuldig sprachen. Urteil und seine Begründung sind in wesentlichen Teilen auf (WeltnetzTV 2026/06/25) dokumentiert: Es wurde eine

»Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 100 Euro (dazu die Kosten des Berufungsverfahrens)« ausgesprochen. »Das Landgericht verhängte kein Urteil, sondern sprach eine ’Verwarnung mit Strafvorbehalt‘ aus, das heißt die Strafe wird für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Verhält sich der Verurteilte während dieser Zeit ’unauffällig‘, muss er die Strafe nicht zahlen«.

Ich habe die Rechtsprechung für den Offenen Verteiler, in dem auch Rudolph Bauer gelistet ist, wie folgt kommentiert:

»Liebe Freunde*innen des Offenen Verteilers, das Urteil gegen Rudolph Bauer ist eine Ungeheuerlichkeit, den interessierten Lesern zur Kenntnis.
Ich werde Teile der Urteilsbegründung im nächsten Beitrag zur ’Kritik der Psychoanalyse …‘ einbauen und deuten, resp. illustrieren oder plausibel machen, warum man die Rechtsprechung vielerorts, namentlich die Richter, die das Urteil ausgesprochen haben, für geistig heruntergekommen halten kann. Ich meine für ’mental gestört‘ im Sinne einer ’Normalisierung der Störung‘, sodass die Störung weitgehend einer Diagnose nicht zugänglich ist, auf jeden Fall nicht in den Institutionen, die für die Indizierung psychischer Störungen zuständig sind. Das ist noch freundlich ausgedrückt, denn stuft man die zuständigen Richter für geistig nicht gestört ein, müsste man sie für kriminell erachten.
Ich halte diese Aussage in gewisser Weise für gerechtfertigt, weil das Urteil gegen Herrn Bauer bestimmte Essentials der Philosophie schlichtweg ignoriert, nicht begreift oder nicht begreifen will mit ganz üblen Folgen für die soziale oder gesellschaftliche Entwicklung ganz allgemein.
Prof. Schwab, der Herrn Bauer zur Seite steht, sagt ganz richtig: ’Die deutsche Justiz begreift es nicht‘.
Mehr noch, das, was die Richter nicht begreifen, stellt ein Mosaik­stein unter mehreren dar. Alle passen sie zusammen in Richtung Untergang des Gemeinwesens. Die Richter – »furchtbare Juristen« (Rolf Hochhuth) –, sie gehörten mit ihrem Urteil vor Gericht, nicht Rudolph Bauer..
Und man sollte außerdem bedenken, dass dieses Urteil kein Einzelfall ist. Man will unter sich sein und bleiben, uns ein für alle Mal das Maul stopfen. Demokratie war gestern, und weil sie immer nachweislicher gestern war, hat es sie faktisch nie gegeben! Es ist daher sinnlos, sich frühere Zeiten zurückzuwünschen. Eine ganz einfache (sozialphilosophisch motivierte) Denkfigur, die zum Beispiel Herr Prof. Heribert Prantl (im Verteiler präsent, will immer noch nicht raus) vollkommen fremd scheint. Herzliche Grüße. Franz Witsch«.

Natürlich vergleiche ich die Juristen der Nazizeit mit den heutigen Juristen in der Tat, freilich auf der Beziehungsebene; und setze sie damit auf der Gegenstandsebene keineswegs gleich! Damit würde ich die Juristen der Nazizeit verharmlosen. So ist das Urteil gegen Rudolph Bauer mit den vielen Todesurteilen der Nazizeit natürlich nicht vergleichbar, es sei denn auf der Beziehungsebene. Sie erzählt uns, wie Menschen mental (im Innenleben) disponiert sein müssen, sodass sie solche (»furchtbaren«) Urteile aussprechen zu können. Ich sprechen hier von einer mentalen Fähigkeit oder Eigenschaft, in die Menschen hineinsozialisiert werden, und das werden sie in ihren Beziehungen von Kindheit an. Ist das so schwer zu begreifen? Nun, Rudolph Bauer gab mir zu verstehen, dass er mir nicht immer folgen könne. Andere lehnten es ab von mentalen Störungen, die mit besagten inkriminierten Urteilen verbunden sind, überhaupt zu sprechen, etwa Hanna Thiele, ebenfalls im Offenen Verteiler gelistet; sie sagte das Folgende:

»Lieber Franz, liebe Leser, das ist keine mentale Störung der Justiz, sondern die Erkenntnis, daß die Legitimationskrise des Staatsapparates offensichtlich ist, er nur mit Draufschlagen und AfD-Verbot noch scheinbar für Ruhe sorgen kann. Warum schüttest Du das Kind mit dem Bade aus, in dem Du die Demokratie schlechtmachst? Die Bürger informieren sich doch längst durch ihre eigenen Informationsquellen! Sieh einfach hin, wer da die AfD verbieten will, wieder einer der steinreichen ’Philanthropen‘, deren globales Geldmachen nicht mehr so locker laufen würde, wenn politische Entscheidungen in nationaler Kompetenz fallen würden. In diesem Fall ist es der Ebay-Gründer, der Franzose Pierre Omidyar, der die Stiftung ’Luminate‘ gründete, natürlich zum ’Schutz der Demokratie‘. Luminate wiederum finanziert die ’Gesellschaft für Freiheitsrechte‘ (GFF), die wiederum hat ein Gutachten erstellt, das ’BEWEIST‘, daß die AfD verfassungswidrig ist. Aufgrund dieses obskuren ’Gutachtens‘ fordert die regierungsgeförderte Kampagnenorganisation ’campact‘ einen Verbotsantrag gegen die AfD. Die digitalen Bürgerstimmen liefert sie gleich mit, erst vorgestern hat campact den Aufruf gestartet, schon stehen fast 700.000 Bürgerstimmen dahinter. So läuft digital gesteuerte Placebo-Demokratie. Und die echte Demokratie sollten wir nicht im Vorfeld mies machen, sondern dafür kämpfen, durch ständige Aufdeckung all der Kungeleien und Bürgervergewaltigungen. Mit herzlichen Grüßen. Hanna Thie­le«.

Ich reagierte auf Hanna Thieles Kritik wie folgt:

»Danke, liebe Hanna, für deine Antwort (…). Du sprichst zurecht von einer Legitimitätskrise des Staates. Vergisst aber, dass sie nicht vom Himmel fällt, sondern eine Vorgeschichte hat. Ihre Existenz ist in meinen Augen nicht von der Informationsbeschaffung und den Quellen derselben abhängig, also ausschließlich auf der Gegenstandsebene beschreib- und analysierbar, sondern auch davon abhängig, wie Menschen im Diskurs – auf der Beziehungsebene – aufeinander reagieren.
Um es ganz deutlich zu sagen: Es gibt keine hinreichende Verbindung zwischen Politik und Bürgern. Sie leben in unterschiedlichen Welten, die sich nicht berühren, die größtenteils geradezu zwanghaft – ich meine mit Freud ’neurotisch gestört‘ – nichts miteinander zu tun haben wollen. Diese Menschenphobie geht zum viel größeren Teil von der Politik, bzw. vom Staat aus und ist so fest wie unerkannt gestört in unserer Kultur verdrahtet (das wiederum verkennt Freud). Das Urteil gegen Rudolph Bauer (gegen Volksverhetzung) spricht hier eine deutliche Sprache. Diese Probleme auf der Beziehungsebene sind durch noch so akribische Informationsbeschaffung nicht aus der Welt zu schaffen.
Im Übrigen geht es für mich nicht darum, der AfD eine Chance zu geben. Aus meiner Sicht hat sie diese schon mit Ihrem Parteiprogramm verspielt, das sich gegen die Verlierer der Gesellschaft richtet. Sei’s drum, die AfD ist (noch) für Verständigung und Frieden mit Russland. Deshalb plädiere ich dafür, sie zu wählen. ’Die Linke‘ kann man diesbezüglich vergessen. Sie plädiert vollmundig für ein AfD-Verbot. Ohne zu merken, dass sie allein gegen die anderen Parteien nichts ausrichten kann. Also schleimen ihre Vertreter sie an. Die wollen ihre Mundwerkzeuge nur sinnlos bewegen.
Das BSW kann man bundesweit wohl auch vergessen. Frau Wagenknecht beweist seit Jahren: sie kann es nicht, ohne ihre Inkompetenz zu thematisieren, und ohne dass ich behaupten möchte, dass ich es besser machen würde (…) Es reicht mir, wenn sich ein paar Menschen von mir anregen lassen. Herzliche Grüße. Dein Franz«.

Andere waren mit meinen Ausführungen auch nicht einverstanden. René Sternke reagierte verwundert. Er schrieb:

»Ich habe mich sehr darüber gewundert, lieber Herr Witsch, dass Sie das Verhalten der Gerichte nur psychologisch deuten und dann auch noch so falsch. Diese Leute handeln bewusst und vorsätzlich und genauso, wie ich es erwartet und befürchtet hatte. Das psychologische Vorgehen des Gerichts ist vollkommen lesbar: Herr Bauer soll nicht bestraft, sondern nur eingeschüchtert und für die Herrschenden unschädlich gemacht werden: Wenn er von nun an still ist, passiert ihm nichts. Und das sollen auch die Zuschauer des Prozesses begreifen: Wer die Herrschenden nicht kritisiert, dem passiert nichts«.

Das eigentliche Verbrechen der Politik ist auf der Beziehungsebene induziert

René Sternke hat ja Recht. Aus dem Urteil geht recht unverblümt hervor, dass Menschen eingeschüchtert werden sollen. Eine Feststellung auf der Sachebene, die einer eingehenden Analyse auf der Beziehungsebene, auf die es wesentlich ankäme, nicht bedarf. Auf der Sachebene gibt es zwischen mir und Sternke keine Differenzen. Das dürfte aus meinen Ausführungen klar ersichtlich hervorgehen. Mich interessiert allerdings über die Sachebene hinaus die Beziehungsebene, über die Menschen miteinander verbunden sind. Ich sagte an Herrn Sternke gerichtet denn auch, dass es

»eine Verbindung zwischen Bürgern und Politik« gebe, »die sich allerdings dadurch auszeichnet, dass es sie immer weniger gibt, heute auf dem Weg in die Diktatur sichtbar gar nicht mehr vorhanden ist, weil vor allem die Politik sie nicht will«.

Das ist in meinen Augen das eigentliche Verbrechen der Politik. Sie will von »ihren« Bürgern bewundert werden, keine emanzipierte oder emanzipierende Verbindung, und begreift nicht, dass sie uns auf diese Weise in eine Diktatur nötigt: in einen Faschismus, in welcher Ausprägung auch immer, hineintreibt. Diese Entwicklung vollzieht unsere Kultur auf der Beziehungsebene. In ihr spiegelt sich die Summe aller Beziehungen und wie diese sich immer weniger konflikt- oder beziehungsfähig ausleben. Genau das gilt es, analytisch herauszuarbeiten. Ich analysiere, mehr nicht, ohne mich in endlosen Wiederholungen zu verlieren, den Akzent in martialischen Worten auf das lenkend, was ins Auge springt. In diesem Zusammenhang sage ich nicht, dass ich Beziehungen besser gestalten kann als andere. Scheue mich aber nicht, soziale oder interaktive Inkompetenzen herauszuarbeiten oder zu reflektieren.

Auch Hanna Thiele mentalisiert ausschließlich auf der Sachebene, auf dieser wurde auch das Urteil gegen Herrn Bauer ausgesprochen, in der sich, weil »ausschließlich«, die Beziehungsebene auflöst, und damit nicht zur Sprache kommen kann, wie problematisch das Urteil auf der Beziehungsebene ist, sodass die Richter mit ihrem Urteil nicht selbstkritisch erkannten, dass sie einer Täter-Opfer-Umkehr das Wort redeten. Nicht Herr Bauer, sondern der Staat ist Täter und mit ihm die Richter selbst, die für den Staat Recht sprechen, weit entfernt zu ermessen, dass man die Bürger vor Übergriffigkeiten des Staates, einschließlich seiner furchtbaren Richtern schützen sollte. So sieht es der Geist des Grundgesetz wesentlich vor.

Und nun sei noch einmal eine identitätskritische, mithin wesentliche bedeutungsphilosophische Denkfigur für unsere Historiker zum Mitschreiben illustriert: Eine Gleichsetzung (auf der Sachebene) zwischen der Nazizeit und der heutigen Zeit findet genau dann nicht statt, wenn man beide Zeiten miteinander vergleicht. Ein solcher Vergleich ist moralisch motiviert auf der Beziehungsebene und setzt daher voraus, dass beide Zeiten exakt nicht gleich sind; das sind sie ohnehin nie. Setzte man sie indes gleich, wäre ein Vergleich gegenstandslos, um nicht zu sagen, er wäre noch nicht einmal trivial, sondern nur dummes Zeug. Setzt doch ein Vergleich zweier Sachverhalte S1 und S2 voraus, dass S1 und S2 unterschiedliche Strukturen mit unterschiedlichen Eigenschaften aufweisen.

Dergestalt verdinglichen unsere Historiker menschliche Beziehungen; sie denken (zum Beispiel auf ZDFinfo oder Phönix), wenn sie die NS-Zeit beschreiben, nicht in Strukturen im Sinne von Beziehungen zwischen Menschen und wie sie sich ausleben, und damit nicht in analytischen Denkfiguren, sondern erzählen Geschichten auf dem geistigen Niveau von Kindern. Ich sage, sie regressieren mental.

Zu befürchten steht, sie mentalisieren noch unter dem Niveau von Geschichtenerzählern, weil sie nicht gewahren, dass ausbleibende Vergleiche ganz unvermeidlich dazu führen, den sogenannten Anfängen möglicher (faschistischer) Grausamkeiten nicht wehren zu können, die heute durchaus in anderer Ausprägung sich entwickeln als während oder, mehr noch, vor der Nazizeit, der Weimarer Republik, und man dennoch heute von einem Weg in faschistische Strukturen hinein sprechen kann, indes zu einem solchen Faschismus mit anderer Ausprägung als der Nationalsozialismus.[1]

Wie heißt es doch gleich frei nach Marx? Ach ja: Geschichte wiederholt sich nicht oder vielmehr zweimal: zuerst als Tragödie und dann als Farce. Aber sie wiederholt sich eben nie wie gehabt.

In (Kap. 12, S. 283) spreche ich von einer »Psychoanalyse des Alltags im Widerstand gegen faschistische Gesinnungen«, mithin einer solchen gewalttätiger Abreaktionen gegen Außenseiter und Andersdenkende, die sich in uns allen mehr oder weniger ausleben, freilich ohne dass die meisten Menschen dies auf der Beziehungsebene (selbst-) kritisch reflektieren. Das macht sie zu Mitläufern und, ausgestattet mit institutionellen Machtbefugnissen, zu Mittätern grausamster Entwicklungen. Das trifft durchaus den Kern im Denken und Verhalten des Inspekteurs der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann. Er droht Russland im Konfliktfall mit verheerenden Angriffen, sollte ein NATO-Staat »von Russland angegriffen werden«. In diesem Fall verspreche er

»eine Reaktion, die Verwüstungen auslösen wird« dann werde »Russland den Zorn der NATO zu spüren bekommen. Als mögliche Ziele einer NATO-’Gegenreaktion‘ nennt Neumann die Kola-Halbinsel in der russischen Arktis, Sankt Petersburg, die Exklave Kaliningrad und die russische Schwarzmeerflotte. Der Inspekteur der Luftwaffe gibt sich dabei siegesgewiss. Ein solcher (aus seiner Sicht) Vergeltungsschlag der NATO würde überwältigend ausfallen, da die Relation nach Anzahl der NATO-Länder ’32 gegen X‘ entspräche. Das russische Außenministerium spricht in diesem Zusammenhang von entfesseltem Revanchismus und einer Wiederbelebung der Nazi-Instinkte« (RtDe 2026/06/17).

Wachsende Deindustrialisierung. Währenddessen interessieren die meisten Menschen sich ausgerechnet für die Allerärmsten nicht.

Menschen wie Neumann leben in Parallelwelten, die mit der »wirklichen« Welt nicht mehr das Geringste zu tun haben, gleiches gilt für einen Politiker wie Bundeskanzler Friedrich Merz, der einer solchen Kriegshetze nicht widerspricht; ich meine, er ist geisteskrank, mithin in einer Parallelwelt zu Hause, ohne Kontakt zu uns Bürgern, die wir uns über existentielle, namentlich sozial-ökonomische Sachfragen auseinandersetzen, die unser Leben, resp. unsere Beziehungen bis in unser Intimleben hinein berühren. Sie zeugen von Strukturen (der Kapitalverwertung), die von der Politik zu unserem Leidwesen bis zum Abwinken bedient werden. Wobei die meisten sogenannten Normalbürger sich – absurd, aber wahr – ausgerechnet für die Ärmsten der Armen nicht interessieren, so wie die meisten Menschen während der Nazizeit sich für die Juden nicht interessierten, in beiden Fällen bis zu einem Punkt, wo es de facto ein Leben vor allem für jene Verlierer der Gesellschaft kaum mehr gibt. Davon zeugt die wachsende Zerschlagung des Sozialstaates, welche die Ärmsten hierzulande ganz besonders hart trifft, wiewohl sie irgendwann auch uns alle treffen wird. In (RtDe 2025/09/04) heißt es dazu einleitend:

»Begleitet von der Mär vom aufgeblähten Sozialstaat bereitet eine neue Kommission unter dem Dach des SPD-geführten Arbeitsministeriums ein neues Verarmungsprogramm vor. Im Visier hat sie den Kinderzuschlag, das Bürger- und Wohngeld«.

Und ganz sicher noch einiges mehr. Eine durchaus sachgerechte Beschreibung, gleichwohl die Bezeichnung »Mär« durchaus fragwürdig sein mag, gibt es doch aus der Perspektive der Kapitalverwertung zur wachsenden Zerstörung menschlicher Lebensgrundlagen, resp. zur Zerschlagung des Sozialstaates, keine Alternative. Diese wird von einem weiteren Artikel durchaus tatsachengerecht beschrieben. Dort heißte es, die wachsende Verarmung werde kommen; sie sei – ohne dass der Artikel tiefere Ursachen der Kapitalverwertung benennt – die Folge einer Ausdünnung ziviler Produktionsstrukturen zugunsten ihrer wachsenden Militarisierung:

»Immer mehr deutsche Unternehmen erwägen eine Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie. All dies geschieht vor dem Hinter­grund einer beschleunigten Militarisierung Deutschlands und der gesamten EU. Analysten zufolge belastet die Umstellung der EU-Wirtschaft auf militärische Zwecke die Steuerzahler und erhöht das Risiko von Konfrontationen in der Region« (RtDe 2026/06/11).

Und zwar vor dem Hintergrund, heißt es im Text weiter, dass, »wenn die EU auf den Ausbau des Rüstungskomplexes setzt«, »die neuen Waffen irgendwo untergebracht«, ich meine verkauft werden müssen.[2] Die Frage dränge sich auf, wie

»sie eingesetzt werden? Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius sagt bereits ganz klar, dass mit einem ’Angriff Russlands‘ zu rechnen sei. Dieses Thema wird auch in anderen EU-Ländern aufgegriffen« (RtDe 2026/06/11).

Parallel dazu, heißt es in einem weiteren Artikel, schrumpfe die deutsche Wirtschaft vornehmlich aufgrund der sogenannten Energiewende munter weiter:

»’Bosch gibt Deutschland strukturell auf‘, titelte am Donnerstag das Nachrichtenmagazin ’Focus‘. Der Autor und Podcaster macht sich viele Gedanken über die Bredouille, in der die deutsche Automobilindustrie steckt. Was ihr den Todesstoß gab, hat er leider überse­hen« (vgl. RtDe 2026/05/24).

Diesbezüglich wären insbesondere hohe Energiepreise, der Ukrainekrieg und Russlandsanktionen zu nennen, mit denen sich die Politik ganz unvermeidlich ins eigene Knie, vor allem aber in das der Bürger schießt. Das spricht sich im Lande mittlerweile herum, eben nur in der Politik nicht.

Und weil die Automobilindustrie weltweit immer weiter zurückfällt, sucht sie ihr Heil in der Rüstungsindustrie (RtDe 2026/06/09) oder in der Abwicklung der Produktion deutscher Modelle mit Hilfe der Chinesen. Schon erschallt der Ruf »’China, übernehmen Sie‘ – VW-Werke könnten bald chinesische Autos« produzieren. Diesbezüglich möchte

»Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies prüfen lassen, ob in deutschen VW-Werken künftig chinesische Autos montiert werden können. Das soll die gebeutelte deutsche Automobilindustrie pushen« (RtDe 2026/04/23).

Nur eben nicht in auf deutschem Boden; sodass von einer

»schleichende Deindustrialisierung« gesprochen werden kann, »die den Blick erneut auf die Energiepolitik der vergangenen Jahre« lenke (RtDe 2026/06/09).

Schließlich sei noch ein weiterer Artikel von Rainer Rupp zitiert, in dem es ziemlich deutschnational, ich meine unerträglich fremdenfeindlich heißt, dass die Basis insbesondere in Deutschland schwinde, nämlich dann,

»wenn ein hochbezahlter Ingenieur, Arzt, Unternehmer, Softwareentwickler oder Finanzprofi Deutschland verlässt«. Dann »verliert der Staat nicht nur einen Einwohner. Er verliert einen Nettosteuerzahler, einen Beitragszahler zur Rentenversicherung, Kaufkraft, künftige Investitionen und oft auch unternehmerische Dynamik.
Umgekehrt gewinne der Staat bei der Zuwanderung geringqualifizierter Menschen zwar einen neuen Einwohner, aber nicht unbedingt einen Beitragszahler. Dieser brauche häufig Unterstützung bei Wohnung, Sprachkursen, Schulbildung, Sozialleistungen, Gesundheitsversorgung und Arbeitsmarktintegration. In manchen Fällen setze der Beitrag erst Jahre später ein – in vielen Fällen bleibe er dauerhaft negativ oder falle ganz aus.
Am Ende kommt der Artikel im ’Global Risk-Reward Monitor‘ der Asia Times zu dem bedauerlichen Schluss, dass dieses Kernproblem für die wirtschaftliche und soziale Zukunft Deutschlands niemand in politischer Verantwortung offen diskutieren will« (RtDe 2026/07/04).

Rainer Rupp führt den ökonomischen Niedergang also im Wesentlichen auf die Migration zurück, im Austausch großer Bevölkerungsteile: Unqualifizierte wandern ein, Hochqualifizierte gehen ins Ausland. Und verbinden diesen Befund noch unerträglicher auch noch mit dem Niedergang des deutschen Fußballs. Dieser stehe symptomatisch für Fehlleistungen in der deutschen Wirtschaft.

Geistiger Nachholbedarf auch bei Dr. Werner Rügemer

Dieser Befund steht für etwas anderes: nämlich für die wachsende (strukturelle) Verblödung auch unter sogenannten alternativen RtDe-Journalisten, die nicht beim Namen genannt wird. Selbst von Werner Rügemer nicht. Und warum nicht? Weil auch er Teil der Verblödung ist, um bei RtDe weiterhin eine Rolle zu spielen (siehe RtDe 2026/07/04a). Also ordnet er sich beziehungstechnisch dem RtDe-Geist unter, anstatt seine Beziehung zu RtDe zu problematisieren. Ich nenne so etwas »korrupt«, wenn auch weitgehend dem Augenschein entzogen, sozusagen im Westentaschenformat. Er sieht den eigenen Splitter in seinem Auge nicht. Das wäre aber wichtig, um auf überzeugende Weise den Balken in den Augen von Politikern und Wirtschaftsführen anzuprangern. Kurzum: es reicht nicht, die sozialen und ökonomischen Probleme ausschließlich auf der Gegenstandsebene anzusprechen, bzw. eine Analyse der Verdinglichung zu betreiben.

Beide Artikel argumentierten ausschließlich und damit oberflächlich auf der Sach- oder Tatsachenebene (»Das da ist ein Stachelschwein«). Damit lassen sie es zu, dass sich die Beziehungsebene in der Gegenstandsebene auflöst, sodass die Beziehungen der Menschen für sich genommen nicht ins Zentrum der Analyse rücken können. Richtig ist zwar, dass die Menschen, wenn sie aus- oder einwandern, der Spur des Geldes folgen. Dies ist allerdings nur der oberflächliche Grund der Deindustrialisierung. Der tiefere Grund besteht darin, dass die Wirtschaft der Spur des Geldes, mithin höherer Profite (im Ausland) folgen, ja folgen muss, um auf den Weltmärkten zu bestehen. Die deutschen Arbeiter sind der deutschen Wirtschaft, insbesondere den großen Konzernen schlicht zu teuer. Hinzu kommen hausgemachte Probleme in Gestalt exorbitant hoher Energiepreise, insbesondere der Verzicht von russischem Öl und Gas. Die wachsende Aufrüstung und die Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland mit Milliardenbeträgen tun ihr Übriges, den ökonomischen Niedergang Deutschlands und die Zerschlagung seiner sozialen Infrastruktur (des Sozialstaats) zu beschleunigen. .

Daneben spielen Migrationsprobleme eine Nebenrolle; sie sind eher eine Folge der eben genannten tieferen Ursachen und keineswegs der Grund einer industriellen Ausblutung Deutschlands. Den Akzent auf die Migrationsprobleme zu legen, dient aber weitgehend dazu, von den grundlegenden Beziehungsproblemen im (globalen) Kapitalverwertungsprozess abzulenken, der wiederum dazu führt, dass der ökonomische Spielraum von immer mehr Menschen immer enger wird, und das wird er, weil vor allem die großen Konzerne ihr Heil im Ausland suchen.

Und die Menschen reagieren darauf, indem sie mit der AfD ein Gemeinschaftsgefühl anmahnen (»Alles für Deutschland«), das es in diesem Wirtschaftssystem, auch im chinesischen Kapitalismus, werter Herr Rügemer, nicht geben kann. Ein solches Gefühl ist deshalb dazu verurteilt, lediglich im Innenleben der Menschen herumzugeistern. Der Wahn der Menschen besteht dann darin, dass sie etwas, nämlich Gemeinschaft, für real halten, das lediglich in ihrem Geist als sehnsüchtiges Bedürfnis herumspukt. Und sie glauben daran, weil sie (auf der Gegenstandsebene) überall Menschen sehen, die in Gemeinschaften leben (»Das da ist eine Gemeinschaft«), die sie dann ungebremst auf das gesellschaftliche Ganze übertragen, als sei die Gesellschaft insgesamt nichts anderes als eine große Familie. Schon mal gehört? Ist sie nicht, werter Herr Rügemer. An dieser Stelle existiert bei Ihnen geistiger Nachholbedarf.

Auch Heribert Prantl (SZ) im argumentationstheoretischen Blindflug

Wir haben es im öffentlichen Diskurs also mit auf der Oberfläche analysierten ökonomischen Strukturproblemen auf der Gegenstandsebene zu tun, die gleichwohl die sozialen Beziehungen sowie die mentale Disposition der Bürger, ihr Innenleben, so sichtbar wie notwendig in Mitleidenschaft ziehen, und zwar auf die grausamste Art wie es die Menschen im Dritten Reich erlebten, die ihr Beziehungsleben an die geistesgestörte Person Hitlers banden, während ihre Alltagsbeziehungen sich nach der Machergreifung grundlegend zu ihrem Schaden über Nacht änderten. Sie verdrängten den Schaden, indem sie die Flucht nach vorn antraten in die Anbetung einer (leeren) Abstraktion, resp. eines Führer, dem sie in wachsendem Maße zujubelten, während sie die Qualität einer konkreten Liebe, selbst zu einem Intimpartner, daran maßen, ob dieser die Gefühle zum Führer zu teilen verstand. So konnte das Denunziantentum selbst in engsten Familienkreisen gedeihen, im Tagebuch zum Beispiel von Franz Schall dokumentiert (»Hitlers Volk – ein deutsches Tagesbuch« 2025).

Jene Tagebücher illustrieren sehr schön, dass die Menschen der Nazi-Zeit weitgehend in Parallelwelten lebten, die sich immer weniger berührten. Eine Katastrophe, die in den Massenwahn führt im Sinne einer »normalisierten Störung«[3], die von sich selbst nichts weiß, weil sie allgegenwärtig ist.

Heute sind wir wieder so weit. Selbst ein so kluger Kopf wie Heribert Prantl zeugt davon, so wie er sich am 07. Juni 2026 in »Prantls Blick – Die politische Wochenschau« äußerte. Er ignoriert schlichtweg die vielen Indizien, die anzeigen, dass wir in einer Meinungsdiktatur leben[4], in der Menschen massenhaft strafrechtlich verfolgt werden, zuweilen im Gefängnis landen, wenn sie Meinungen gegen die herrschende Kriegspolitik zum Ausdruck bringen. Er glaubt tatsächlich, dass die sogenannten seriösen Medien um die Wahrheit auf der Grundlage von Meinungsvielfalt ringen. Er findet es übertrieben,

»wenn Menschen auf Demos und bei Diskussionen in Sorge um den inneren oder äußeren Frieden schiefe Vergleiche ziehen und von einer angeblichen Autokratie in Deutschland fabulieren, wenn sie nicht mehr von der Regierung oder der Regierungskoalition, sondern von einem ’Regime‘ reden und wenn sie die Medien pauschal als ’Lügenpresse‘ titulieren. Der Eifer und das (oft auch falsche) Gefühl der Protestierer, gegen einen mächtigen Mainstream zu stehen, führen zu so böser und geschichtsblinder Übertreibung. Das schadet dem Protest. Aber es kann trotzdem gefährlich sein, diesen Protest pauschal zu verachten. Warum? Wer dauernd Idiot genannt wird, fängt womöglich dann an, einer zu werden«.

Wieso schiefe Vergleiche? Das begründet Prantl durchaus nicht einmal »schief«, um nicht zusagen, gar nicht, weil er im argumentationstheoretischen Niemandsland weit entfernt ist, den Unterschied zwischen Gegenstands- und Beziehungsebene, und wie sie miteinander verbunden sind, zu reflektieren. Was auf der Gegenstandsebene, von den bloßen Tatsachen her, in der Tat nicht zu vergleichen ist, ist auf der Beziehungsebene sehr wohl vergleichbar[5]; etwa wenn, wie eingangs zitiert, in »deutschen Militärkreisen sich die Rhetorik« für einen Krieg gegen Russland verschärfe und der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, »Russland im Konfliktfall mit verheerenden Angriffen« drohe. In diesem Zusammenhang spricht das russische Außenministerium zurecht von »einer Wiederbelebung der Nazi-Instinkte« (RtDe 2026/06/17); wie gesagt auf der Beziehungsebene. Es liegt nahe, dass Prantl das, im Blindflug ausschließlich auf der Gegenstandsebene argumentierend, nicht begreift. Da fragt es sich doch gleich, wer hier der Idiot ist.

Auf der Beziehungsebene sind verschiedene Zeiten vergleichbar, dagegen gleiche Sachverhalte (S1 und S2) nicht

Außerdem will er ganz offensichtlich nicht wissen, in welchem Staat er lebt, der die sozialen Strukturen oder Beziehungen sich längst einverleibt hat, als gehörten sie ihm, dessen Politiker längst dabei sind, sie grundlegend, das Beziehungsverhalten von immer mehr Menschen, auf eine Weise zu vergiften, wie die Menschen es im Dritten Reich erlebten. Dabei darf man das Dritte Reich auf der Sachebene durchaus als einzigartig grausam bezeichnen. Dem gegenüber sind Vergleiche auf der Beziehungsebene dennoch richtig, um den Prozess der Vergiftung von Beziehungen – Prozesse der Kannibalisierung unter den Menschen – freizulegen. Das passiert hierzulande vergleichbar wie während der Nazizeit, mehr noch: schon im Vorfeld dazu in der Weimarer Republik.

Für mich der entscheidende Grund, die Beziehungsebene sowie die mentale Verfassung der Bürger für sich genommen zu betrachten. Schon in (Witsch 2009) ist – allerdings noch recht abstrakt[6] (wenig anschaulich) – von der Beziehungs- oder Metaebene, und wie sie das (politische) Bewusstsein des Bürgers beeinträchtigt, die Rede. Mit ihr weiß er (wie Herr Prantl) für gewöhnlich nicht viel anzufangen, weil er sie grundlegend »von der Sachebene nicht zu trennen vermag«, sodass er sie für sich selbst, getrennt von der Sachebene, nicht zu identifizieren, geschweige denn, für sich selbst (-kritisch) zu analysieren vermag. Er

»weiß nicht, dass, wenn er über Sachen spricht, notwendig über Beziehungsmäßiges, Beziehungsfähigkeiten, spricht, und sei es auch nur, dass er zum Ausdruck bringt, dass ihn (…) sein Gegenüber nicht interessiert«, oder »er ihn allenfalls für eigene Zwecke instrumentalisiert (…), selbst wenn er spürt, dass viele Handlungssituationen nur zu bewältigen sind, wenn die Beziehungsebene bewusst einbezogen wird«. Und »weil er das spürt, meidet er instinktiv das politische Engagement. Ihm wird schlecht, wenn er nur an Politik denkt. Er müsste dem Politiker ins Gesicht sagen können, was ihm einfiele, dass seine (Hartz-IV-) Politik so massiv in sein Intimleben eingreift, und zwar auf eine Weise, wie es sich kein Politiker gefallen lassen würde. Diesen Vorwurf kann er guten Gewissens nicht aussprechen, denn er findet es durchaus richtig, dass die Politik dem einen oder anderen Sozialschmarotzer in den Arsch tritt. Ihm selbst müsse man nicht in den Arsch treten, schließlich gehe es ihm unverdientermaßen schlecht. Hierbei gerinnt sein Gerechtigkeitsbegriff zu einer Angelegenheit des Gefühls, eigener Befindlichkeit. Der Maßstab, an dem er Politisches misst, ist die eigene Selbsteinschätzung: ich bin besser als der andere, ich verdiene nicht, dass man mich schlecht behandelt« (Witsch 2009, S. 202f).

Ja, und Prantl muss als Privilegierter nicht befürchten, dass der Staat unbotmäßig sein Intimleben berührt. Um es im Volksmund zu sagen: er argumentiert wie beinahe alle Menschen verlogen an der Beziehungsebene vorbei, sodass sie nicht bemerken müssen, wie grausam sie ihre Beziehungen/ihr Innenleben gestalten, das heißt, wie sie auf das Grausamste »mentalisieren« (Kap. 1.1, S. 2)[7], mithin ihren Geist verwenden: verblö­det bis zum Abwinken.

Die Verblödung ist strukturell: dem menschlichen  Bewusstsein von oben nach unten durchgereicht appliziert

Wir haben es hier mit einer Unfähigkeit zu tun, über sich selbst nicht immer nur selbstgerecht zu sprechen, von der auch Prantl (von der SZ) befallen ist. Das ist auch schwierig, weil sie buchstäblich in jedem von uns, auch in mir, der ich davon spreche, resp. in jeder Pore des sozialen oder gesellschaftlichen Kontextes präsent ist.

Und weil jene Unfähigkeit so überaus »normal«, bzw. normalisierbar ist, sprechen die meisten Menschen nicht über sie problemorientiert, eben weil sie dann sich selbst, ihr Innenleben, kritisch reflektieren, das heißt, sich selbst als Problem auf der Beziehungsebene wahrnehmen müssten, zum Beispiel sich eingestehen, dass sie mental gar nicht so anders disponiert sind als der NS-Massenmörder Adolf Eichmann, ohne dass man seine Taten auf der Sachebene mit denen von Heribert Prantl vergleichen (gleichsetzen) kann. Genau das begreift Prantl nicht, auch nicht, dass jene besagte Unfähigkeit die zentrale Bedingung einer um sich greifenden Verblödung darstellt, die ich übrigens aus diesem Grund »strukturell« nenne[8]. Eine solche erleben wir unreflektiert im sogenannten »Offenen Verteiler«. Dort schreibe ich zum Beispiel Martin Wendisch ins Stammbuch, es sei

»schon bemerkenswert, mit welcher Beharrlichkeit Sie an dem, was zum Beispiel ich schreibe, vorbeilesen. Sie sprechen von (Un-) Wissenschaftlichkeit. Eine zwingende Voraussetzung jeglicher Wissenschaftlichkeit ist allerdings das genaue Lesen, zumal das Deuten des Gesagten nach dem philosophischen ’Prinzip der Nachsicht‘ (Do­nald Davidson). Stattdessen kolportieren Sie – die Nase ganz schön weit oben – Klischees ohne Ende. Doch was die Lesekompetenz betrifft, gibt es bei Ihnen mächtig Luft nach oben. Und wenn diese leidet, ist es mit der Beziehungs- oder Konfliktkompetenz auch nicht weit her. Das müssten Ihnen als praktizierender Therapeut geläufig sein.
Und an Herrn Sternke gerichtet, möchte ich erwähnen, dass ich das schlechte Wetter des ökonomischen und politischen Niedergangs nicht vorbeiziehen sehe. Die Wirtschaft entwickelte sich ab den 1950er Jahren in (Konjunktur-) Wellen in einer nach oben gerichteten Tendenz. Heute gibt es diese Entwicklungspotentiale nicht mehr in einer für die Wirtschaft mittlerweile zu kleinen Welt, sind wir so weit, dass es mit der kapitalistischen Wirtschaft nur noch bergab geht. Deshalb sieht sie ihren von ihr selbst bewirkten Tod von innen her heraufziehen; und zwar nunmehr an Hanna Thiele und Reiner Vogels gerichtet: völlig unabhängig davon, wie böse der Menschen schon immer gewesen sein mag«.

Die Verblödung ist also »strukturell oder systemisch organisiert«, gewissermaßen von oben nach unten – durch Politik, veröffentlichte Meinung, bzw. von den Institutionen (einschließlich des Wissenschaftsbetriebs) – dem menschlichen Bewusstsein (Innenleben) appliziert und zwar bis zu einem Punkt, wo sie mittlerweile immer wahrscheinlicher im Bewusstsein neuronal und damit vielleicht unumkehrbar fest verdrahtet ist.

Das alles legt nahe, dass der Weg in den Faschismus wohl immer weniger, ich meine, kaum noch zu vermeiden ist. Für diesen grausamen mentalen und sozialen Sachverhalt steht Björn Höcke von der AfD, allerdings auf der Beziehungsebene, während er auf der Sachebene die Dinge sogar »richtig« zu beschreiben in der Lage ist. Etwa wenn er davon spricht, dass der Kapitalismus in die Kriegsbereitschaft namentlich gegen Russland treibt. Das hören die Bürger und wählen die AfD, weil auch sie, wie Höcke, ausschließlich auf der Sachebene mentalisieren, in der sich die Beziehungsebene aufgelöst sieht, sodass das Grausame in ihr nicht mehr freigelegt werden kann.

Hinzu kommt, die meisten Politiker, so sehr wahrscheinlich auch Höcke, sprechen die sozialen Probleme auf der Sachebene in Abhängigkeit davon an, ob sie für persönliche Karriereinteressen instrumentalisierbar sind. Lassen sie sich nicht instrumentalisieren, dann interessiert das Geschwätz von gestern ganz schnell nicht mehr, wie gesagt, in Abhängigkeit davon, ob der Politiker in der Politik mit seinem Geschwätz seine in Geld ausdrückbare Beziehungsfähigkeit zu wahren imstande ist.

Anmerkungen

[1] In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen interessanten Artikel hinweisen, in dem von »einem blinden Fleck der Linken« die Rede ist. Sie analysieren wie Rechte, der mediale Mainstream sowie (sozial-) wissenschaftliche Institutionen und der Kulturbetrieb ganz allgemein auf der Grundlage von Identitäten, dazu gesinnungsethisch motiviert auf der Grundlage »symbolischer Anerkennung«, als wären jene Identitäten oder moralische Denkfiguren zeitunabhängig in Stein gemeißelt. »Aus Sicht der Kritischen Theorie ist das ein erkenntnistheoretisches Problem, kein bloß politisches. Adornos Identitätskritik richtet sich gegen Denkweisen, die gesellschaftliche Vermittlungen durch unmittelbare Identitätszuschreibungen ersetzen. Identitätsdenken ist für ihn eine Form des Verfalls, kein Privileg der Rechten« (Steglich 2026/06/30). Damit sagt Steglich implizit, ohne es ausdrücklich auszusprechen, dass das, was uns in den Faschismus welcher Ausprägung auch immer treibt, nämlich autoritär motivierte Gewalt und damit Autoritätshörigkeit, im Innenleben von Linken wie Rechten sich auslebt, ich meine sogar: mehr oder weniger in uns allen. Wobei, und der Einwand würde von Steglich kommen, mentale Vorgänge nicht die tiefere Ursache einer Rechtsradikalisierung und Militarisierung sozialer Strukturen sind, aber diese begleitet sie im Sinne einer notwendigen Bedingung. Sich dem Autoritätshörigkeitsgebot so gut es geht zu verweigern, würde zumindest Sand ins Getriebe ökonomischer Prozesse der Kapitalverwertung streuen und wäre damit in meinen Augen als sozialverträgliche politische Tat zu werten.
[2] An dieser Stelle kommen Imperative der Kapitalverwertung als tiefere Ursache nur wenig sichtbar zum Tragen. Ihnen zufolge müssen Kriege geführt werden, um den beständigen Verbrauch und damit den Absatz der Rüstungsgüter zu gewährleisten. Mit ihrer Produktion kann die Kapitalverwertung besonders profitabel gestaltet werden. Dies gelänge weit weniger effektiv, wenn Nahrungsmittel zur Befriedigung realer Überlebensbedürfnisse produziert würden. Das werden sie weiterhin, aber zunehmend zu Lasten einer Kriegswirtschaft zur Bedienung privilegierter Einkommensschichten.
[3] Zum Begriff einer »Normalisierung der Störung« vgl. Witsch 2009, S. 18f, 76f, 207; Witsch 2013a, S. 207f. In Witsch 2013, S. 77 sehe ich faschistische Gewalt »aus unserer Mitte« wachsen, »indem das »Kranke und Krankmachende normalisiert« werde.
[4] Das meint auch die überaus seriöse Internetzeitung »Germain-foreign-polic.com« unter der Überschrift »Austerität und Militarisierung« (Gfp 2026/06/22). In ihrem Artikel heißt es einführend: »Stark frequentierte internationale Anti-Kriegs-Konferenz in London wendet sich gegen Hochrüstung in Europa und Abriss der Sozialsysteme. Proteste nehmen europaweit zu. Parallel hebelt die EU mit Personensanktionen den Rechtsstaat aus«.
[5] In der heutigen Zeit gibt es, anders während des Zweiten Weltkriegs, keinen industriell betriebenen Massenmord. Das ist von den Tatsachen her, also auf der Gegenstandsebene, unbestritten und führte in der Tat dazu, den industriell betriebenen Völkermord der Nazis zu verharmlosen.
[6] Im Jahre 2009 waren wir noch nicht so weit, von einem Regime der Meinungsdiktatur zu sprechen. Wer das heute immer noch nicht sieht, sollte zum Augenarzt gehen.
[7] Dort heißt es: »Zu mentalisieren bedeutet, Vorstellungen zu entwickeln über etwas, was in der sozialen Welt der Fall ist und zwar auf eine Weise, dass jene Vorstellungen der Verarbeitung in einem sprachgestützten interaktiven (Innen-Außen-) Kontext zugänglich sind«. (Hervorhebung nicht im Original). In diesem Satz geht es um »Sachverhalte« (Sachebene) sowie um innere Vorstellungen über dieselben, die es interaktiv, auf der Bezie­hungsebene, zu verarbeiten gilt. Dabei schließt die Gestaltung einer Beziehung die Gestaltung des Innenlebens in einer Art von Innen-Außen-Mechanismus ein.
[8] In den Büchern zur »Politisierung des Bürgers« spreche ich immer wieder vom Phänomen der Verblödung auf eine Weise, in der das Strukturelle zum Vorschein kommt, ohne den Strukturbegriff explizit zu verwenden. In (Witsch 2012, S. 152f) heißt es, mich auf Marx beziehend, zum Beispiel: »Die Maschine allein vermag nichts, noch nicht einmal ihren Wert aufs Produkt zu übertragen. Das ist der Grund, warum die lebendige Arbeitskraft stets die Zeche für die Krise zahlt. Das wollen weder Linke noch Gewerkschafter wahrhaben. Die denken, man könne den Kapitalbesitzern etwas wegnehmen und alles würde besser. Wie naiv. Das macht eine politische Zusammenarbeit mit ihnen schwer. Nun, wenn es Linke und Gewerkschafter nicht gäbe, die Kapitalisten müssten sie im Interesse fortschreitender Verblödung erfinden. Hat man sich eigentlich mal gefragt, warum Gysi und Lafontaine unentwegt in der Öffentlichkeit auftreten und endlos dummes Zeug reden dürfen?« (Hervorhebung nicht im Original).

Quellen

Gfp (2026/06/22). Austerität und Militarisierung.
RtDe (2025/09/04). »Hartz-Kommission 2.0«: Ein Gremium bereitet Sozialkahlschlag vor.
RtDe (2026/04/23). »China, übernehmen Sie!« – VW-Werke könnten bald chinesische Autos pro-duzieren.
RtDe (2026/05/24). Neid und Gier haben Deutschlands Industrie zerstört.
RtDe (2026/06/09). Sinkende Auftragseingänge verschärfen Sorgen um Industriestandort Deutschland.
RtDe (2026/06/11). Operation »Militarisierung«“: Welche Risiken birgt der Anstieg der Militärausgaben in Europa?
RtDe (2026/06/17). »Haben Erfahrung in Befreiung von Lagern« – Russische Botschaft warnt Niederländer.
RtDe (2026/07/04). Deutschland ist nicht mehr Deutschland – Die unbequeme Rechnung hinter der Migrationsdebatte.
RtDe (2026/07/04a). »Das Land Gottes« ‒ Werner Rügemer zum 250. Geburtstag der USA.
Steglich, Manfred (2026/06/30). Faschisierung oder autoritäre Regression?
WeltnetzTV (2026/06/25). Rudolph Bauer in zweiter Instanz verurteilt.
Witsch, Franz (2009). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Erster Teil: Begriff der Teilhabe. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2015).
Witsch, Franz (2012). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Zweiter Teil: Mehrwert und Moral. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2017).
Witsch, Franz (2013). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Dritter Teil: Vom Gefühl zur Moral. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2017).
Witsch, Franz (2013a). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Vierter Teil: Theorie der Gefühle. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2015).
Witsch, Franz (2015). Materialien zur Politisierung des Bürgers. Band 1: Ökonomische und moralische Voraussetzungen einer sozialverträglichen Gesellschaft. Norderstedt. BoD-Verlag.
Witsch, Franz (2015a). Materialien zur Politisierung des Bürgers. Band 2: Kommunikation unter Verdacht. Norderstedt. BoD-Verlag.
Witsch, Franz (2025/07/13). E1 Leerbegriffs-Psychoanalyse ohne Realitätsbezug. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/07/29). E2 Zirkelschluss-Analyse oder wie es die Psychoanalyse (Freud) schafft, den Realitätsbezug aufzulösen. QPress.de.
Witsch, Franz (2025/08/10). E3 Realitätsphobien, eingelassen in die Psychoanalyse sowie Sozialtheorien (Detel, Habermas, Bruder, etc.) generell. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/08/24). E4 Konfliktpositionen regressiv (realitätsphobisch) verarbeiten. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/09/11). E5 Mit Abreaktionen Zugehörigkeitsbedürfnisse ausleben. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/09/27). E6 Zum Begriff der Empathie in scharfer Abgrenzung zum Begriff des Mitleidens. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/10/06). E7 »Skotomisation« (Freud 1926, S. 86) oder wie Menschen ihre Existenz dystopisch verdunkeln. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/10/20). E8 Sozialtheorien als Totengräber des Sozialen. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/11/07). E9 Neigung zum strukturellen Desinteresse im Kontext einer »Institutionalisierung des menschlichen Gemüts«. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/12/01). E10 Menschen erzeugen in sich eine Verbindung zur Gesellschaft, die gestört ist. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2026/01/22). E11 Bürger transportieren in sich einen Gesellschaftsbegriff, durch den hindurch sie ihr eigenes Grab schaufeln.
Witsch, Franz (2026/02/16). E12 Zerstörung und Chaotisierung sozialer Strukturen.
Witsch, Franz (2026/03/19). E13 Über Bösartigkeiten auf der Beziehungsebene und wie sie sich im Innenleben erst ausbilden und dann ausleben.
E14 Probleme der Subjektbildung
Witsch, Franz (2026/03/29). E14-0 Vorrede. Schutz suchen im eigenen Grab.
Witsch, Franz (2026/04/14). E14-1 Die Krankheit zum Tode« (Kierkegaard).
Witsch, Franz (2026/05/02). E14-2 Kierkegaard oder vom Wagnis, ein Einzelner zu sein, dabei Ruf und Ehre zu verlieren sowie den Verlierer in sich zu spüren.
Witsch, Franz (2026/05/05). E14-3 Modalitäten der Subjekt- und Begriffsbildung.
Witsch, Franz (2026/05/10). E14-4 Zum Problem einer Zirkelschlussbegründung des gesellschaftlichen Ganzen.
Witsch, Franz (2026/05/29). E14-5 Gegenstandsebene versus Beziehungsebene oder was ist ein Diskurs.
Witsch, Franz; Kahrs, Wilfried (2022/04/30). Erstes Gespräch vor der Kamera.
Witsch, Franz; Kahrs, Wilfried (2022/04/30). Zweites Gespräch vor der Kamera.

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Über Franz Witsch 58 Artikel
Franz Witsch, geb. 1952, lebt in Hamburg und ist Lehrer für Politik, Geografie und Philosophie. Zwischen 1984 bis 2003 arbeitete er in allen Bereichen der freien Wirtschaft als Informatiker und Unternehmensberater. Heute schreibt er sozialphilosophische Texte und Bücher.

9 Kommentare

  1. Im Text zwei Kernaussagen:

    „…gibt es doch aus der Perspektive der Kapitalverwertung zur wachsenden Zerstörung menschlicher Lebensgrundlagen, resp. zur Zerschlagung des Sozialstaates, keine Alternative.“

    „Das alles legt nahe, dass der Weg in den Faschismus wohl immer weniger, ich meine, kaum noch zu vermeiden ist.“

    Politische Ökonomie (volksmundlich „Volkswirtschaft“) weiß um die Tendenz von Kapitalrendite zu fallen sowie von sich verschärfendem „Investitionsnotstand“. Dies beides tritt ein, weil Produktivitätszuwachs Nichtmonopolisten nötigt, billiger zu verkaufen. Zudem führen Übergewinne von Monopolisten zu Inflationierung. Um alldem gegenzuhalten, müssen Staat und Unternehmen sich immer mehr verschulden. Wo solches Wissen aber absent ist und es allermeist nichteinmal – Hand aufs Herz! – ein klares Verständnis gibt von Produktivitätszuwachs, verliert politische Debatte sich in Mutmaßungen, Vorhalten, Anschuldigungen und leerem Sinnieren und Hoffen.

    Die zwei Kernaussagen oben sind schlicht wahr. Es endet Renditewirtschaft unweigerlich mit Kollaps des Finanzsystems, welchem Stillstand der Warenproduktion folgt, also Chaos und Barbarei. Folgen WÜRDE, falls eine globale Machtelite nicht um den soeben beschriebenen Zusammenhang wüßte und rechtzeitig daranginge, politisch gegenzusteuern. Indem sie – siehe WK2 und danach – erst Weltkrieg, dann Neustart des Weltfinanzsystems sowie wirtschaftlichen Wiederaufbau bewerkstelligt. Und/oder indem sie eine Plan-, Zwangs- und Kommandowirtschaft errichtet. Deren politische Formen – UdSSR und Ostblock waren, und China ist ein solches Elite-Projekte – können sein Sozialismus (Lenin, Mao), Korporatismus (Mussolini, Hitler) und Technokratie (Thiel, Musk). Heute nun aber stehen Technologien zur Verfügung, eine Plan-, Zwangs- und Kommandowirtschaft digital zu betreiben, technokratisch, ganz ohne Partei, Planungsbürokratie, Stasi und Eduard von Schnitzler. Was Herrschaftsausübung mechanisch automatisiert, mithin sehr erleichtert und geradezu bequem sein läßt. Da freut sich das Elitenherz. Hierfür stehen das WEF, die großen Vermögensverwalter, die von China aus tätige Global Governance Initiative usw., you name it.

    Niemand ist schuld. Es ist ganz schlicht, wie es ganz schlicht ist. Da der Mensch aber gewöhnt ist, nach Bösewichten zu suchen, werden böse Epstein-Zauberer und grausame Maxwell-Hexen verfolgt… .

    Der iranischstämmige deutsche YouTuber B-Lash erzählt bisweilen die Anekdote von der Bitte an Rudi Dutschke um konkrete Vorschläge für eine neue Gesellschaft. Er habe geantwortet, für solche Vorschläge sei es zu früh, dazu brauche es zuerst ein adäquates Bewußtsein.

    Bewußtsein ist Wissen um, ist das, wovon einer weiß, daß er es weiß. Auf der Sachebene zu nennen das Wissen um eine politische Ökonomie, welche Renditewirtschaft bzw. Kapitalismus hinreichend kritisch erfassen kann. Auf der Beziehungsebene zu nennen das Wissen, sich herzlich freuen zu dürfen, sollen, müssen über einen jeden händisch arbeitenden Menschen, der dem Joch der Maxime namens „Warenstückzahl pro Zeiteinheit“ entkommt, indem er – Produktivitätszuwachs nun nicht mehr Geißel, sondern Erlösung – seinen Arbeitsplatz in Fertigung oder Transport von Waren verliert bzw. aufgeben kann. Nur um sich sodann in den Künsten oder Wissenschaften zu betätigen, oder seine Lebenskraft sonstigen gesellschaftlichen Belangen zu widmen, oder um für längere Zeit durch die große weite Welt zu radeln oder die Weltmeere zu erkunden.

    Scheiß‘ auf Arbeit und Kapitalrendite, wofür haben wir denn die verdammten Maschinen!

  2. Der verfassungsrechtlich verbriefte deutsche Sozialstaat wurde nicht durch die Parteien abgeschafft sondern von den von Neid-/Missgunst zerfressenen CDU-/AfD-Wählern die den Armen nicht einmal den Dreck unterm Fingernagel gönnen, mit der Abwahl der linksgrünen haben die deutschen Großkotze aus dem Sozialstaat bewusst einen Armutsstaat erzwungen an dem sie selbst zugrunde gehen werden—–dummm gelaufen für die Narzissen

    • Prozesse der Kapitalverwertung erzwingen die Armutsgesellschaft, die Politik exekutiert den Gang in die Verarmung, moralisch motiviert: „kriegt seinen Arsch nicht hoch, wenn man ihn in denselben nicht tritt“. Die Verarmung vollzieht sich ggf. gegen Proteste der Bürger. Diese sind auf Dauer völlig vergeblich, wenn das Wirtschaftssystem sich nicht grundlegend ändert: der Kapitalismus nicht abgeschafft wird. Dieser Zusammenhang will in die Köpfe der Bürger einfach nicht rein.

    • #Cource — Generalverdächtiger Nr. 1 ist nicht CDU und nicht AfD, sondern immer der Produktivitätszuwachs. Der bedeutet weniger Unternehmensgewinn, weil mehr Arbeitslose (= mehr Sozialabgaben) plus weniger Kosten, deretwegen am häßlichen Ende dann ja – ach, wie dumm doch! – auch noch billiger verkauft werden muß von unter Wettbewerb Gestellte bzw. von Nichtmonopolisten — was für eine Scheiße, da tut man und macht man, und was kommt am Ende bei heraus: nur Ärger!!! Weil das alles den Gewinn GESENKT hat am Ende.

      Ja, so ist Renditewirtschaft: Es bleibt weniger übrig für Zahlung von Steuern und Sozialabgaben. Richtig sprengen tun den Sozialstaat vor allem aber höhere Energiekosten. Welche zweierlei tun: Sie nötigen, zwecks Deckung der gestiegenen Kosten die Preise zu erhöhen, ohne daß dies den Unternehmensgewinn erhöhen würde. Im Gegenteil wird der nun weiter sinken, weil noch billiger als ohnehin schon verkauft werden muß, um den Umsatz bei sinkender Kaufkraft des Markts halten zu können: Denn höhere Energiepreise saugen Kaufkraft ab aus der marktlichen Nachfrage.

      Und so kommt es am Ende, wie es leider kommen muß: Ende im Renditegelände, und es geht nur noch zu Fuß und auf dem Esel weiter, nur noch mit brachialem Sozialabbau! Denn nur noch bei Steuern und Sozialabgaben läßt sich dann noch einsparen und so die Unternehmenspleite hinauszögern. Geht also nicht ohne Sozialabbau, wenn anderenfalls Unternehmensstillstand eintritt, sprich: Kollaps der Warenproduktion, Chaos und Barbarei.

      Was alles ja nun einfach zu verstehen ist. Weswegen alle Parteien gleich handeln werden, auch wenn einige sich einen schicken Heiligenschein aufsetzen. Wobei der Cource diesen Täuschern und Tricksern ja hilft mit seiner Propaganda, anstatt auf die tatsächlichen Gegebenheiten zu verweisen, wie es der Unbetreut Denken tut. Im Grunde macht der Cource sogar Propaganda für Renditewirtschaft und Kapitalismus, wenn er so tut, als müßten nur die „richtigen“ Parteien an die Macht gelangen, und alles wäre ganz wunderbar.

      Was anderes jetzt. Wenn es keine Kostenschocks gäbe, könnte es einen bürgerlich-freiheitlichen bzw. nichtfaschistischen Kapitalismus auf Dauer UND sozialverträglich geben. Wenn die durch Produktivitätszuwachs eingesparten Kosten einfach in Sozialabgaben verwandelt würden, indem entlassene Beschäftigte ihre Lohn- und Gehaltszahlungen weitergezahlt bekämen, dann wäre Produktivitätszuwachs kein Renditekiller mehr. Aber dann müßten ja einige arbeiten, während andere sich die Eier schaukeln würden. Würde einen RIESEN-Volksaufstand geben, kein Stein würde mehr auf dem anderen bleiben, nur Pest und Hunnen zusammen wären schlimmer!!! Dann doch lieber das Volk vor dem Volk retten durch Faschismus.

  3. Die linksgrünen hatten ja vergeblich versucht mit dem Deutschlandticket und dem Bürgergeld die Schröderschen Verbrechen wieder gut zu machen und jetzt versucht die CDU mit Steuererleichterungen die Besserverdiener bei der Stange zu halten, das wird aber die weltweite Rezession nicht aufhalten——dummmm gelaufen für die weltweiten Narzissen

  4. Nachtrag: die systemimmanente Perversität des Profitsystem zeigt sich auch in dem verzweifelten Versuch der Unternehmen der Konsolidierung/Verdrängungswettbewerb zu entkommen, siehe:

    https://www.proplanta.de/agrar-nachrichten/unternehmen/angeklagte-schweigen-zum-wilke-wurst-skandal-mit-elf-toten_article1783411934.html

    Soviel zu den zahlreichen Wegen das sozialverträgliche Frühableben zu forcieren und das wird unter Alice im Wunderland auch nicht anders laufen

    • #Cource — Proplanta ist Propagandist der Mär vom bösen Klimagas CO2 und mithin Steigbügelhalter des digitalen Techno-Faschismusses. Mit welchem das Pleitenelend geldbasierter Renditewirtschaft ersetzt werden soll durch das Sklavenelend einer auf CO2-Bilanzierung basierten digital dirigierten Plan-, Zwangs- und Kommandowirtschaft. Welche von der BIZ, der Zentralbank aller Zentralbanken, mithilfe von KI global dirigiert werden wird. Übrigens soll die bäuerliche Landwirtschaft ersetzt werden durch Nahrungserzeugung in von Großkonzernen betriebenen Agrarfabriken. So der Plan. Reduziert das böse CO2.

      Ach ja, ich Dummerchen vergaß: Wirklicher, wahrer und echter Sozialismus ist ja Vergesellschaftung der Produktionsmittel, also wenn keiner mehr welche hat, weil alle sie haben! Beziehungsweise gaaanz-ganz wenige, aber jedenfalls andere.

      Die dann wertlos gewordenen landwirtschaftlichen Flächen werden von den großen Vermögensverwaltern gnädig aufgekauft werden für’n Appel und ’n Ei. Um auf diesen Flächen dann CO2-Senken zu betreiben, sog. NAC, Natural Asset Companies. Deren Geschäft es ist, CO2-Zertifikate zu erwirtschaften.

      Mit denen man einkaufen gehen kann. Und hurra, endlich wissen wir jetzt auch, warum Bill Gates mittlerweile zum größten Landbesitzer der USA geworden ist. Billy-Boy denkt voraus.

      Ob der darum vielleicht auch Proplanta sponsort? Möglich ist alles, aber wir wissen es nicht, Hauptsache, alle sind gleich bzw. keiner hat mehr was Eigenes. Ist wegen der sozialen Gerechtigkeit. Für Sklaven allemal großer Imperativ: „Nichts mehr besitzen und glücklich sein.“

      Nur Bayer im Himmel sein ist schöner, „Luja, soag’i!“

  5. Die verzweifelten Kapitalisten/Epstein-Klasse versuchen jetzt überall mit Strandtourismus das perverse Profitsystem zu retten, siehe Albanien/Gaza usw.usf:

    https://www.vox.com/podcasts/494431/jared-kusher-ivanka-trump-albania-sazan-protest-movement-explained

    Soviel zum sterbenden Kapitalismus der selbst für die Epstein-Klasse zur Bedrohung wird, weil alle weltweiten Märkte exorbitant gesättigt sind mit all dem unnötigen Konsumscheiss, We shall overcome trumpschen Kapitalismus ! Hoch die internationale Solidarität! Viel Erfolg in Albanien und sonst Wo!

    • #Cource — Der viele Konsum ist den Sklaven doch nicht Genuß, sondern hehre moralische Pflichterfüllung. Man konsumiert nicht aus Gier und Lust, sondern damit Arbeitsplätze entstehen, Lebenssinn für die Sklavenheit — damit die Sklaverei weitergehen kann. Konsum ist reine Nächstenliebe. Damit es glückliche Sklaven geben kann.

      WISSE: Sklaverei ist Freiheitsglück. Freiheitsglück ist, wenn einer nicht erst in behördlich verordneten Maßnahmen „aktiviert“ werden muß durch Training seiner Sitzmuskulatur. (Bin selbst einmal sitzlich-moralisch aufgepeppt worden. Lang‘ ist’s her, war in einem arbeiterbildungscentralvulkanischen Großbetrieb, einem gewerkschaftseigenen. Es haben dort an die 1000 aktive Sklaven passive Sklaven aktiviert. Wahnsinnsnummer mit allem Schick und Mick, sogar mit Stempeluhr beim Kommen und Gehen: Bildungsstückzahl pro Zeiteinheit — ja, Sklaven halten auf sich! Bin dort supervulkanmäßig aktiviert worden, kannte mich garnicht mehr wieder, puhhh!)

      Das mit Gaza als Ferienressort ist zwar zutreffend, aber nur Randangelegenheit. Siehe bei Heiko Schöning zu Nicole Junkermann, Gattin eines italienischen Oligarchen — ja, Oligarch, NICHT Mafioso, heißt Bracchetti (oder so ähnlich). Der wird Öl und Flüssiggas nach Italien einführen und von dort über Pipelines in Westeuropa verteilen — NICHT in Dschörmanie, östlich vom Rhein ist bekanntlich MITTELeuropa.

      Und wo wird das alles herkommen? NICHT vom Hafen Haifa, wie immer zu hören ist, vor Haifa ist die Küste viel zu flach für Großschiffe. Ja, genau, kommt aus dem IN PLANUNG STEHENDEN Großhafen der Stadt Gaza. Die weg mußte, um Platz zu haben für eben jenen Großhafen. Doch ein bißchen Platz bleibt noch übrig für ein Ferienressort, allein schon wegen der Ferien-Romantik.

      Ja, weiß ich doch, ist viel zu viel wirkliche Wirklichkeit für fromme christliche Linksgrüne.

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