
Allgemeiner Hinweis: Der Text führt in den Zweiten Abschnitt zum 14. Teil einer »Kritik in die Psychoanalyse« ein. Er steht unter der Überschrift »Kierkegaard oder vom Wagnis, ein Einzelner zu sein«. Der Zweite Abschnitt selbst führt den Ersten Abschnitt über »Probleme der Subjektbildung« weiter.
Kierkegaard oder vom Wagnis, ein Einzelner zu sein, dabei Ruf und Ehre zu verlieren sowie den Verlierer in sich zu spüren
In der heutigen Zeit erodierender mentaler, sozialer und ökonomischer Strukturen bis hin zu ihrer vollständigen Auflösung oder Zerstörung ist das Subjekt dazu verdammt, sich diesen Strukturen individuierend zu verweigern, um wie auch immer von außen sich gegen ihre interne Zerstörungswut kritisch zu positionieren, da diese ihm selbst schwer zu schaffen macht.
Die interne Zerstörungswut des kapitalistischen Wirtschaftssystems macht sich zurzeit im Krieg der Israelis und USA gegen den Iran bemerkbar – mit katastrophalen Folgen für die weltweite Nahrungsmittelproduktion (vgl. RtDe 2026/04/27), und zwar weil, um es frei mit Marx zu sagen, nicht mehrwertfähige – im Sinne des Kapitals »überflüssige« – Menschen im Müll zu entsorgen sind. Im RtDe-Artikel heißt es einführend:
»Der anhaltende Konflikt im Iran führt die Menschheit in eine globale Nahrungsmittelkrise, so die Prognose von Experten. Und zwar schon Ende 2026, in vollem Umfang jedoch mit Sicherheit im Laufe des gesamten Jahres 2027«.
Das Internetportal Germain-foreign-policy.com kommt zum gleichen Ergebnis. In (Gfp 2026/04/28) heißt es ergänzend unter der Überschrift »Die Militarisierung der Welt« einführend:
»Neue SIPRI-Zahlen zeigen: Deutschland und Europa treiben die globale Hochrüstung mit zweistelliger Steigerung ihrer Militärhaushalte voran. Die Militärausgaben weltweit haben 2025 Rekordhöhe erreicht. Armut und Hunger grassieren weiter«.
Natürlich muss massive Kritik gegen die allgemeine Zerstörung möglichst früh, bzw. nicht erst dann erfolgen, nachdem alles zu spät ist, indes, ganz wichtig, stets versöhnungsbereit, so ich es gleich zu Beginn im Zweiten Gespräch vor der Kamera ausdrücklich betone (Witsch/ Kahrs 2022/07/03).
Nur dass eine solche Kritik die politischen Repräsentanten (jener Strukturen) ganz und gar nicht dulden, vornehmlich weil sie im Prozess von Zerstörungen und Chaotisierungen im Trüben fischen können, um Macht- und Herrschaftsverhältnisse abzusichern, dies in Begleitung psychischer Störungen in Gestalt einer »Krankheit zum Tode« (E14 Erster Abschnitt 2026/04/14), die ich in unsere Strukturen eingelassen sehe, in denen eine individuierende Autonomisierung des Subjekts, kurz, eine selbstbestimmte Subjektbildung, die ihren Namen verdient, eigentlich kaum möglich ist in dem Maße, wie grausames Mitläufertum in jeder Pore des gesellschaftlichen Kontextes präsent ist; im Sinne einer »Normalisierung psychischer Störungen«[1]. Die darf es in der NS-Zeit aus heutiger Sicht gegeben haben. Man darf sagen: es gab eine Massenpsychose, die in der NS-Zeit nicht diagnostizierbar war, weil die meisten ihr ausgeliefert waren.
Ja, und wer will schon wissen, was Menschen in Zukunft über uns sagen werden, wenn sie auf unsere Zeit blicken? Wohl wahr hört man vereinzelt schon jetzt, dass Donald Trump verrückt oder psychisch gestört ist. So richtig überzeugend klingt das in den Ohren der meisten Menschen allerdings nicht; genauso wenig möchte man die Frage ernst nehmen, wie es um Menschen psychisch bestellt sei, die ihn unterstützen oder wählen; sodann als gewählten US-Präsidenten als Gesprächspartner ernst nehmen. Für mich sind solche Fragen diskussionswürdig. Auch wenn Gerhard Kugler fragt, wie es um unsere ganz
»normalen« Beziehungen bestellt sei, was es mit »der Neigung vieler Menschen zum raschen Abbruch von (…) Beziehungen« auf sich habe. Er fragt: »sind diese Störungen zu häufig, um (…) therapierbar zu sein?« (Kugler 2023/01/04).
So gesehen scheint es mir für das Subjekt unmöglich zu sein, sich nicht nur hinter vorgehaltener Hand verantwortlich zu zeichnen für seine soziale Umgebung, um sie im Zuge seiner individuierenden Autonomisierung als »sein Werk« begreifen zu können. Wie soll das auch möglich sein, wenn ihm von den herrschenden Machtverhältnissen – dem Staat – unentwegt Beziehungen auf das Grausamste behavioral, ich würde sogar sagen: behavioristisch, aufgenötigt werden – nach der Methode »Zuckerbrot und Peitsche« oder »willst Du nicht mein Freund sein, schlage ich dir den Schädel ein«, oder wir lassen dich verhungern, wenn Du deinen Arsch nicht hochkriegst.
Wirksame Kritik am System aus einer Perspektive, die in der Weltsicht des Systems nicht aufgeht, setzt allerdings voraus, dass das Subjekt im Zuge seiner Individuierung begreift, was es intern mit der Funktionalität des Systems auf sich hat, bzw. dass das Subjekt es für möglich erachtet, dass das (kapitalverwertende) System sich von innen her in dem Maße, wie es seinen Zenit überschreitet, zerstört, vor allem aber begreift, wie es »seine« Menschen« sozial in Prozesse der Zerstörung einbindet; sie veranlasst, Prozesse der Zerstörung und Chaotisierung auch eigener Beziehungen selbst zu betreiben, ohne sich verantwortlich zu fühlen, ohne allerdings tatsächlich für diese Prozesse tiefergehend verantwortlich zu sein. Die tieferen Ursachen liegen diesbezüglich in ihrer wachsenden Mehrwertunfähigkeit begründet, mit Marx eingehender diskutiert in (Witsch 2012) unter Überschrift »Mehrwert und Moral«.
Verantwortlich ist das Subjekt lediglich im Gegenstandsbezug, weitgehend oberflächlich, solange er jene Zerstörungen nicht auf der Beziehungsebene, das eigene Innenleben einbeziehend, zu analysieren in der Lage ist, sich davor fürchtet oder es einfach nicht will – wie wir es später bei Klaus-Jürgen Bruder sowie in der gesamten Sozialtheorie diagnostizieren können.[2]
Wozu sich opfern, würde Klaus-Jürgen Bruder sich vielleicht fragen, wenn man als »Einzelner in der Masse«[3] die Beziehungsebene einbezöge, ohne dabei die Welt im Großen und Ganzen besser zu machen. Das fragte sich übrigens schon Adorno, der sich von der Aktionswut der 1968er Bewegung nicht zum Opfer machen lassen wollte und sich deshalb von ihren zum Teil gewalttätigen Aktionen schon früh distanzierte. Am Ende würde er für nichts und wieder nichts als Verlierer dastehen, ohne Ehre, Stolz und guten Ruf.
Ich für meine Person meine: man muss auf Ehre, Stolz und guten Ruf scheißen, um möglichst unbestechlich zu bleiben. Vor diesem Hintergrund (auch zahlreicher Ehrungen) gibt es keine Psychologie oder Psychoanalyse des Sozialen, die ihren Namen verdient. Man qualifiziert das Innenleben anderer unentwegt (ab), so wie das für gewöhnlich in ganz trivialen Unterhaltungen geschieht, weigert sich aber, das eigene im gleichen Atemzug zur Disposition zu stellen und zwar exakt besonders dann, wenn es ganz und gar nicht trivial »um etwas« geht: wenn es schmerzhaft etwas zu verlieren gibt, wie gesagt vornehmlich Ruf, Ehre, Stolz, Geld, öffentliche Präsenz.
Um es ganz einfach zu sagen: die meisten glauben, wenn sie über andere sprechen, würde sie nicht auch gleichzeitig über sich selbst sprechen. Die das glauben, sind für mich furchtbare (Sozial-) Psychologen oder Psychoanalytiker. Ich ziehe es daher vor, von einer Psychoanalyse des alltäglichen Nahbereichs oder des Alltags zu sprechen, um sie zugleich in eine generelle Kritik der Psychoanalyse oder psychologischen Disziplinen einfließen zu lassen; zumal es gemeinhin stets um Prozesse einer ätzenden behavioralen Anpassung des Subjekts an das, was ist, geht, und eben nicht um fundamentale Kritik des Systems, dessen interaktive Imperative wir Tag für Tag verinnerlichen, die das Innenleben also nicht unberührt lassen, sodass es kaum möglich ist, das System aus demselben heraus zu kritisieren, es sei denn affirmativ immerzu anpassungsbereit, also ohne das System in seinem Bestand zu berühren.
Anmerkungen
[1] Zum Begriff einer »Normalisierung der Störung« vgl. Witsch 2009, S. 18, 76).
[2] In (Kap. 5, S. 84 – 99) postuliere ich eine »nicht gesellschaftsfähige Sozialtheorie«, eine Unfähigkeit, die natürlich ganz besonders ihren Repräsentanten anhaftet.
[3] Hierzu Kierkegaard 2022/01/20: »Das Wagnis, ein Einzelner zu sein!«. Ergänzend Kierkegaard 2018/03/14: »Der Einzelne und die Massengesellschaft«.
Quellen
Gfp (2026/04/24). Zurück nach Preußen.
Gfp (2026/04/28). Die Militarisierung der Welt.
Kierkegaard, Søren (2018/03/14). Der Einzelne und die Massengesellschaft.
Kierkegaard, Søren (2022/01/20). Das Wagnis, ein Einzelner zu sein!
Kugler, Gerhard (2023/01/04). Das ist doch irre: Kann man im System noch psychisch gesund sein?
RtDe (2026/04/27). Nahrungsmittelkrise durch Iran-Krieg: In sechs Monaten droht laut Experten weltweite Hungersnot.
Witsch, Franz (2009). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Erster Teil: Begriff der Teilhabe. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2015).
Witsch, Franz (2012). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Zweiter Teil: Mehrwert und Moral. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2017).
Witsch, Franz (2013). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Dritter Teil: Vom Gefühl zur Moral. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2017).
Witsch, Franz (2013a). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Vierter Teil: Theorie der Gefühle. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2015).
Witsch, Franz (2015). Materialien zur Politisierung des Bürgers. Band 1: Ökonomische und moralische Voraussetzungen einer sozialverträglichen Gesellschaft. Norderstedt. BoD-Verlag.
Witsch, Franz (2015a). Materialien zur Politisierung des Bürgers. Band 2: Kommunikation unter Verdacht. Norderstedt. BoD-Verlag.
Witsch, Franz (2025/07/13). E1 Leerbegriffs-Psychoanalyse ohne Realitätsbezug. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/07/29). E2 Zirkelschluss-Analyse oder wie es die Psychoanalyse (Freud) schafft, den Realitätsbezug aufzulösen. QPress.de.
Witsch, Franz (2025/08/10). E3 Realitätsphobien, eingelassen in die Psychoanalyse sowie Sozialtheorien (Detel, Habermas, Bruder, etc.) generell. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/08/24). E4 Konfliktpositionen regressiv (realitätsphobisch) verarbeiten. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/09/11). E5 Mit Abreaktionen Zugehörigkeitsbedürfnisse ausleben. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/09/27). E6 Zum Begriff der Empathie in scharfer Abgrenzung zum Begriff des Mitleidens. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/10/06). E7 »Skotomisation« (Freud 1926, S. 86) oder wie Menschen ihre Existenz dystopisch verdunkeln. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/10/20). E8 Sozialtheorien als Totengräber des Sozialen. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/11/07). E9 Neigung zum strukturellen Desinteresse im Kontext einer »Institutionalisierung des menschlichen Gemüts«. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/12/01). E10 Menschen erzeugen in sich eine Verbindung zur Gesellschaft, die gestört ist. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2026/01/22). E11 Bürger transportieren in sich einen Gesellschaftsbegriff, durch den hindurch sie ihr eigenes Grab schaufeln.
Witsch, Franz (2026/02/16). E12 Zerstörung und Chaotisierung sozialer Strukturen
Witsch, Franz (2026/03/19). E13 Über Bösartigkeiten auf der Beziehungsebene und wie sie sich im Innenleben erst ausbilden und dann ausleben.
Witsch, Franz (2026/03/29). E14 Vorrede: »Probleme der Subjektbildung«: Schutz suchen im eigenen Grab.
Witsch, Franz (2026/04/14). E14 Erster Abschnitt: Probleme der Subjektbildung: »Die Krankheit zum Tode« (Kierkegaard).
Witsch, Franz; Kahrs, Wilfried (2022/04/30). Erstes Gespräch vor der Kamera.
Witsch, Franz; Kahrs, Wilfried (2022/04/30). Zweites Gespräch vor der Kamera.

Die andressierte Selbstkritik/Selbstzerfleischung/-verurteilung ist der Grundstein/Existenz für die göttliche Vergebung/Erlösung, d.h. mit der Vermeidung von Selbstkritik/Selbstverurteilung benötigt man auch keine göttliche Vergebung——-soviel zur Macht des Subjekts/Individuum über seine eigene Gedankenwelt, wer sich die positiven Dinge im Leben immer wieder vor Augen führt der bekommt den sogenannten „Gute-Laune-Autopilot“ nach diesem psychologischen Prinzip scheint heutztage jeder Machthaber/Trump/Putin/Netanyahu/AfD usw auf Kosten der weltweiten Erdenwürmer zu agieren! We shall overcome den trumpschen Kapitalismus! Hoch die internationale Solidarität!
In der Tat auffällig bei sehr vielen bis fast allen Zeitgenossen der Unwille, die sozialen Folgen der Mechanismen von industrieller Renditewirtschaft zu konstatieren. Namentlich den Ersatz händischer Arbeitskraft durch billigere maschinelle Arbeit im Zuge des vom marktlichen Wettbewerb erzwungenen permanenten Bemühens um Kostensenkung bei den Waren produzierenden und transportierenden Unternehmen. Was resultiert in immer weniger Bedarf an händischer Arbeit, sprich: in gesamtgesellschaftlich wachsender Arbeitslosigkeit.
Hier insbeondere interessant, daß die Propaganda der Nazis den Juden die mit Blick auf Arbeitsmoral selben Charaktereigenschaften zuschrieb, welche die bürgerlich-demokratische, und da insbesondere die sozialdemokratische Propaganda der Regierung Schröder/Fischer den sog. Sozialschmarotzern zugeschrieben hat — ein Stichwort hier wäre „Florida-Rolf“.
Daß Gesellschaften, deren Individuen überwiegend geistig-moralische Dreckshaufen sind, zerfallen und in Chaos und Barbarei untergehen, wundert nicht nur nicht. Es ist sogar eine geist-seelische Wohltat, solches Pack untergehen zu sehen.
Finde ich.
Axel Burkart, verbandsunabhängiger Anthroposoph, weist unermüdlich auf die Forderung Rudolf Steiners hin nach der sog. sozialen Dreigliederung. Diese sei nicht etwa Vorschlag von Rudolf Steiner gewesen, sondern unabdinglich umzusetzende Forderung. Axel Burkart betont, GOTT WÜRDE SICH NICHT VERSPOTTEN LASSEN. Macht der Mensch, Ebenbild Gottes, sich zu einem Affen, macht er Gott zu einem Affen.
Ergänzend. BigTech lügt. Siehe Florian Homm am heutigen Morgen, Zeitstempel 02:42, seine These: Die in den vergangenen 10 Jahren vom NASDAQ100 erzielte Wertsteigerung in Höhe von 1,7 Billionen Dollar beruht auf Bilanzierungstricks, ALLES LÜGE. Alles Fake, das Kartenhaus wird 2026/27 zusammenbrechen.
https://youtu.be/pVvjpsJu6_c