
Es ist eine der größten Errungenschaften der westlichen Zivilisation: die Befreiung des Individuums aus dem klebrigen Sumpf der Sippe. Wer möchte schon in einer Großfamilie von einem Dutzend Menschen leben, wie es unsere Vorfahren, diese primitiven Homo sapiens, für lächerliche 300.000 Jahre taten? Zum Glück hat uns die christliche Tradition seit dem Frühmittelalter gelehrt, dass man für das vollkommene Glück nur eines braucht: Eine bessere Hälfte, ein paar Bälger und eine unüberwindbare Hecke zum Nachbarn.
Die Kirche wusste es schon immer
Wahre Spiritualität gedeiht am besten im lokalen Staub-Reservat einer Kleinfamilie. Weg mit den lang gewachsenen Sippenstrukturen! Wer braucht schon Großeltern, Tanten oder Cousins, die einem bei der Kindererziehung reinquatschen? Es ist doch viel erfüllender, wenn Mama und Papa als „Doppel-Malocher“ in einer 80-Quadratmeter-Zelle versuchen, gleichzeitig Karriere zu machen, die Windeln zu wechseln und die eigene geistige Gesundheit mit Yoga-Apps zu retten. Hilfe bei resultierendem Burnout gibt es ja bei „Dr. Google“ oder in der Therapie von „Dr. Ego Zentrik“.
Die Frau am Herd ist out
Zum Glück muss man sich inzwischen die Arbeit im Haushalt nicht mehr teilen. Die Gleichstellung hat dafür gesorgt, dass „Frau“ nicht mehr am Herd steht, weil man auch für ein paar Euro im Monat externe Dienstleistungen einkaufen kann, von Görenabgabe, Haushaltsperle bis Rasen mähen, während man selbst das Geld dafür verdient.
Und hier kommt die Genialität der modernen Marktwirtschaft ins Spiel. Man stelle sich vor, ein Dutzend Leute würden sich ein Auto, einen Rasenmäher und eine Waschmaschine teilen. Ein Albtraum für das Bruttoinlandsprodukt! Jede Kernfamilie braucht ihren eigenen Fuhrpark, ihre eigene voll ausgestattete Küche und am besten drei verschiedene Streaming-Abos. Diese „Atomisierung der Gesellschaft“ ist der Treibstoff, der den Motor der Wirtschaft am Laufen hält. Wenn wir nicht mehr isoliert voneinander konsumieren würden, wüssten die Werbeagenturen am Ende nicht, was sie uns noch einreden sollen. Denn ein neuer Thermomix für 1.500,00 Euro füllt schließlich die Leere in jeder kleinen Familie.
Depression als Statussymbol
Kritiker behaupten, dass die Nähe von mehreren Generationen, unter einem Dach, die „emotionale Stabilität“ fördere oder die „Mortalität“ senke. Was für ein Unfug! Die moderne Depression ist ein Statussymbol – sie zeigt, dass man es sich leisten kann, so individuell zu sein, dass man niemanden mehr braucht, der einen auffängt. Wer will schon Ressourcenteilung, wenn man individuell für alles einen Kredit aufnehmen kann? Das stärkt das eigene Selbstbewusstsein, die Wirtschaft und die Banken.
Zum Schluss: „Kacken an der Havel“
Abschließend lässt sich sagen: Die Rückkehr zum „natürlichen Lebensraum“ in kleinen Gruppen wäre ein Verrat an 500 Jahren Missionierungsarbeit. Wir haben hart dafür gearbeitet, psychologisch so transformiert zu werden, dass wir uns in einer vollen U-Bahn einsamer fühlen als ein Homo erectus in der Wüste. Bleiben wir also tapfer in unseren „Gummizellen“. Denn am Ende des Tages gibt es nichts Schöneres, als völlig erschöpft vor der Glotze zu sitzen und sich „Kacken an der Havel“ auf Netflix reinzuziehen. Alles mit der Gewissheit: Ich habe es ganz alleine geschafft. Niemand hat mir geholfen. Ich bin frei und verdammt müde.

So hervorragend, daß auch ich dem nichts hinzuzufügen vermag. Wäre überflüssig.
Dankeschön Pandora. 😉
#MeinKopf
Immer wieder gerne 🙂
Die natürliche Sucht nach dem Kuschelhormon/Oxytocin machts möglich, freiwillig ein Klotz am Bein zu erleiden: zuerst trampelt der Nachwuchs auf den Eltern herum und im Alter müssen die Eltern sich nach den Launen der nun erwachsen Kinder richten, We shall overcome Religionen/Zwangs-Ehe/-Nachzucht! Internationale Solidarität!
Wohl was vergessen. Nach der Kirche kam die Staatsschule, und die produziert die frömmsten Christenschäfchen ever: geist-materie-dualistische Indoktrination per Stillsitze-Folter.