Deutschland: Nochmal nachdenken?

Deutschland: „Merz unbeliebtester Kanzler aller Zeiten“, heißt es in den Schlagzeilen seit Monaten. „Trump mit den niedrigsten jemals gemessenen Popularitätswerten in den USA“, heißt es außerdem. Was heißt es sonst noch?

„Israel global zunehmend isoliert“ und „Terror-Regime der Mullahs in Teheran“. „Putins Krieg“ heißt es auch noch. „Volkswagen und Porsche – Vom Autohersteller zum Waffenproduzenten.“ – „Walexpertin aus Hawaii reist wutentbrannt aus Deutschland ab.“ – „Rente höchstens noch Basisversorgung.“ – „Spritpreise auf Rekordhoch“ – „90 Milliarden für die Ukraine.“ – „Mitversicherung von Familienmitgliedern bei den Krankenkassen vor dem Aus.“ – „Hessen plant Strafbarkeit für die Leugnung des israelischen Existenzrechts“ – „Jede achte Frau wurde bereits Opfer von finanzieller Gewalt.“ – und so vieles mehr.

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„Schock“ – Screenshot „threads“

Merz ist immer noch Kanzler, Trump ist immer noch US-Präsident, Netanyahu ist immer noch am Leben, Selenskyj ist immer noch Präsident der Ukraine, Russland noch immer nicht besiegt – und Freiheit samt Demokratie der Europäer werden in der Ukraine verteidigt, nachdem der Verteidigungskrieg am Hindukusch bereits gewonnen worden ist. Ach ja – und BILD-„Journalist“ Julian Röpcke, „leitender Redakteur Sicherheitspolitik und Konflikte“, wechselt dieses Jahr noch von BILD zu einem ukrainisch-deutschen Waffenproduzenten. Ursula von der Leyen ist nach wie vor EU-Kommissionspräsidentin.

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Selenskyj & Ursula v.d. Leyen in Kiew – Foto: Imago

Es ist enorm wichtig, daß der Sufferän das alles erzählt bekommt. Warum? – Damit es demokratisch zugeht und der Sufferän eine Meinung haben kann? – Nicht ganz falsch. Ganz richtig: Der Sufferän bekommt es erzählt, damit er meint, es käme darauf an, was er zu wissen glaubt, weil er schließlich nicht der Sufferän, sondern der Souverän sei – und daher wichtig.
Das läuft unter dem schönen Begriff „demokratische Teilhabe“. Auch das ist nicht ganz falsch, aber noch lange nicht richtig. Die Teilhabe des Sufferäns besteht darin, daß er die Ressourcen erwirtschaftet, dank derer alles so bleiben kann wie es ist, außer für ihn selber.

Darüber darf er dann ein wenig meckern – auf die Wortwahl achten, sonst Anzeige! – und weil er im gesitteten Rahmen meckern darf, glaubt er auch an die Existenz einer Demokratie und damit einhergehend an diejenige seiner eigenen Wichtigkeit. Die Medien sind sein diesbezügliches Lebenselixier. Sie hängen existentiell davon ab, daß der Medienkonsument auch weiterhin davon überzeugt bleibt, es käme darauf an, daß er Bescheid weiß. Sie geben ihr Bestes.

Ich bin speziell

Der Deutsche glaubt gern, daß sein Leben mehr zähle, als das eines Ukrainers, eines Afghanen, eines Russen, eines Iraners, eines Syrers oder Irakers, weswegen schon niemand so mit ihm umspringen würde wie mit den Vorgenannten. Woher er diese Gewißheit nimmt, kann er vermutlich selbst nicht erklären. Die US-Basen in Ramstein und Spangdahlem sind schließlich dazu da, sein Leben vor denjenigen zu schützen, von denen er aus den Medien weiß, daß sie ihm seine ganze Freiheit, seine Westwerte, seine Demokratie und den famosen Rechtsstaat nehmen wollen. Die Araber in den Golfstaaten werden schließlich auch durch US-Basen geschützt. Ja-haa! Verdammter Terror-Putin. Verdammte Terror-Mullahs.

Dabei ist es ganz anders. Alles, was sich der Sufferän als Nachrichten und Meinungsartikel andrehen läßt, ist Produkt einer Vorauswahl. Es sind Andere, die entscheiden, was Nachrichten sein sollen und was nicht.

Es geht darum, den Sufferän von etwas Bestimmtem zu überzeugen, damit er sicher ist, eine eigene Meinung zu haben, auf die es ankommt. Auf die kommt es aber nur insofern an, als daß sie den Wertewestler davor bewahrt, sich für einen verarschten Trottel zu halten, der absolut nichts zu melden hat, während er ausgenommen wird die Weihnachtsgans. Es geht darum, ihn mit der Illusion zu beschäftigen, das System biete ihm die Chance, alles nach seinem Willen zu gestalten. Weil er ja wählen kann zwischen allem, was ihm zur Wahl gestellt wird. Kreuzchen machen – schon ist gewählt und der Beweis erbracht, daß er etwas zu melden hat, der Sufferän.

Palantir, Google, AIPAC, ADL, Mossad, CIA, NSA, Verfassungsschutz, BND, NGOs, Politische Parteien, die Medienkonzerne, Rheinmetall, Präsident und Kanzler – alle, alle sind sie dazu da, dem Sufferän die ganze Freiheit, die famose Demokratie, seine Rechte und die edlen Westwerte zu erhalten.

alex karp

Wenn ihm unbescheidenerweise noch immer nicht gefällt, was dabei herauskommt, weil wesentliche Weichenstellungen von Leuten vorgenommen werden, die niemand gewählt hat – Larry Ellison, Alex Karp, Peter Thiel, Elon Musk, Jared Kushner und anderen z.B. – was macht er dann, der Deutsche? – Er plädiert für die Wahl einer anderen Partei im deutschen System.
Dabei wäre die Lösung des ganzen Problems ziemlich einfach: Der Sufferän müsste damit aufhören, zu glauben, er sei, wofür er sich aus durchsichtigen Gründen halten will – und sich weigern, weiterhin den Teilhabesimulanten abzugeben. Er müsste erst einmal werden, wofür er sich heute schon hält.

Ich bin wichtig!

Von einer derartig schmachvollen Einsicht ist er allerdings noch so weit entfernt wie die Sonne vom Mond. Kaum etwas dürfte schwieriger sein, als einen Bundesdeutschen zu der Einsicht zu bewegen, daß er ein Trottel ist, der sich seit Jahrzehnten hat verarschen lassen – und daß er das Gewicht, von dem er glaubt, daß er es bereits hätte, erst einmal bekommen müsste.
Freilich könnte meinereiner damit fortfahren, ellenlange Artikel zum politischen Zeitgeschehen zu veröffentlichen. Aber spätestens seit den Umständen der „Kanzlerwahl“ vergangenes Jahr kann ich darin keinen anderen Sinn mehr erkennen, als mich in einem System selbst zu promoten, das für sich genommen das reinste Theater ist, da es auf Grundannahmen fußt, die selbst im luftleeren Raum stehen.

Jahrelang hing ich selbst der Illusion nach, daß sich alles zum Positiven wenden ließe, wenn erst einmal die gesinnungsdiktatorische, linksdrehende Klima-, Gender-, Zensoren- & feministische Volkspädagogenpest mit ihren ideologiegetriebenen Narrativen in Deutschland überwunden sei und abgelöst wurde durch eine „Alternative von rechts“. Ausgeträumt!
Zwar geht es dem Deutschen naturgemäß um Deutschland, nur: Global betrachtet ist Deutschland kein Spielmacher, sondern einer der Spielbälle. Eine systeminterne „Alternative von rechts“ ändert daran gar nichts. Und wenn sie versuchen wollte, das zu ändern, würde der Deutsche vermutlich sehr schnell merken, was seine Illusion bezüglich der Achtung für sein „höherwertiges“ Leben im Vergleich zu dem eines Ukrainers, eines Palästinensers, eines Russen, eines Iraners, Syrers oder Irakers gewesen ist: Eine Illusion eben. Die wahre, ungewählte Macht interessiert sich nicht für die Eigenwahrnehmung anderer Leute.

Der Glaube, wir Deutsche seien nicht bombardierbar und ermordungswürdig, weil wir schließlich „unersetzlicher“ als Andere seien, korrespondiert trefflich mit der Illusion des Sufferäns von seiner eigenen Wichtigkeit.

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Gaza: Bombardiert & ermordet – Screenshot Facebook

Mir geht dieses ganze Geschwalle von der verteidigungswürdigen Freiheit, dem Schutz der Demokratie und der Menschenrechte nur noch auf den Geist. Weswegen es dann auch schon egal ist, ob sich der Sufferän die Zeit mit seinem Interesse am Nahen Osten vertreibt, mit der Ukraine, der Walrettung in der Ostsee oder jeder achten Frau, die schon einmal Opfer von finanzieller Gewalt geworden ist. Oder mit den Familiengeschichten aus europäischen Königshäusern. Die Medienlandschaft hält für jeden etwas Passendes bereit.

Ich merke es ja an mir selber: Da gäbe es schon noch dieses oder jenes interessante Interview zur Weltlage anzuschauen oder einen bestimmten, längeren Artikel zu lesen. Sind ja kluge Köpfe, die da schreiben und sich unterhalten. Aber dann frage ich mich oft auch, wozu noch. Es ist egal, was ich weiß und welche Meinung ich worüber auch immer habe. Klar würde ich deutsche Kriegstreiber und Genozid-Exkulpatoren von links bis rechts am liebsten aus dem Land werfen, anstatt so zu tun, als müsste ich ihre „Meinungen“ tolerieren. Ich habe es soooo satt.
Dann schaue ich mir eine Reisereportage an oder die Zusammenfassug eines alpinen Abfahrtslaufs, ein Musikvideo oder eines von der Rallye-World-Championship. Medial gibt es schließlich für jeden etwas, das zu seiner augenblicklichen Stimmungs- und Interessenlage passt. Wenn es nicht gar die Desinteressenslage ist.
So vergeht die Zeit, in der Andere die wesentlichen Entscheidungen treffen, die Rahmenbedingungen meines Daseins neu setzen – und heute ist schon wieder der 22. April. Irgendetwas wird schon wieder passieren.

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Über Max Erdinger 181 Artikel
Max Erdinger schrieb seit 2016 als freier Autor und Kolumnist täglich für "Journalistenwatch" und "Ansage". Er begreift sich als einen konservativen Freigeist, der sich nicht auf bestimmte "Narrative" festlegen läßt. Wichtig ist nicht, wer etwas sagt, sondern was jemand sagt.

9 Kommentare

  1. „Der Sufferän bekommt erzählt….“ Das liest sich wie DDR Geschichte.
    Die Betriebsparteileitung meldet an den Kreis. Der Kreis meldet aufgebessert an den Bezirk. Der Bezirk bessert noch bisschen auf und meldet dem Zentralkommitee. Das ZK verschönt noch ein bischen. Und voll positiviert kommt es beim Politbüro an wo die Partei Greise unter Honni in blinder Glückseligkeit schwelgen…. Und 1989 fielen sie aus allen Wolken. Was heute in Berlin und Brüssel als Realität gilt ist noch wesentlich Weltferner. Nur die Motivation ist etwas anders…
    Ob sie bald auch aus allen Wolken fallen werden ????

  2. Boykott des Eurovision Schlager-Wettbewerb in Wien’26: Irland/Niederlande/Slowenien/Spanien /Island haben sich bereits aus dem Wettbewerb zurückgezogen, weil Israel teilnehmen darf——–soviel zu den freiwilligen Veranstaltungen, vielleicht kann man mit unabhängiger Kunst/Sport usw. mehr bewirken als mit abhängiger Regierungs-Politik! We shall overcome! Internationale Solidarität!

  3. Ich denke, es ist längst alles gesagt.
    Die herrschende Klasse verhehlt es doch gar nicht5 mehr, was sie vorhaben.
    Man(n)/Frau will es nur nicht wahrhaben, das die ganze westliche Erzählung eine einzige Lüge ist.
    Weil die Leute sich einfach nicht eingestehen können. die ganze Zeit das falsche Leben gelebt zu haben.
    Die herrschende Klasse will uns loswerden, weil sie die letzten Ressourcen zukünftig nicht mehr mit uns teilen wollen.
    Deswegen führen die jetzt auch diese Kriege, die ausnahmslos alle gegen UNS gehen.

  4. Sufferän – eine originelle Wortschöpfung. Kommt wahrscheinlich von to suffer. Und leiden wird die hiesige indigene Bevölkerung auch mal wieder lernen müssen.

  5. Wer sich hier vermeintlich für Frieden einsetzt aber gleichzeitig sein ergaunertes Geld in Kriegs-/Rüstungsindustrie-Firmen anlegt ist ein Heuchler/verlogenes Pack——-soviel zu der Ursache das demnächst ein Atomkrieg ansteht, genau jeder der das perverse Profitmaximierung System mit seinem ergaunerten Geld unterstützt ist schuldig an einem Atomkrieg, Mörder!

    • Nicht jeder hat das Glück, Land zu besitzen, welches er an Betreiber von Wind- und Solaranlagen vermieten kann. Ein Bauer aus meiner Gegend hat elf Aufstellflächen vermietet und mir verraten, wieviel Pacht er monatlich einnimmt pro Windanlage.

      Da begriff ich endlich. Alles begriff ich: Grün bzw. Klima ist Umkehr der Industrialisierung, ist Rückkehr zu Grundherren und Leibeigenen. Und Scheiße, wie wird das schön werden!!! Das oberste Sagen haben werden wieder Päpste. Und Ayatollahs natürlich.

      Ja, warum eigentlich nicht. Ein bißchen Sklaverei kann doch nicht Sünde sein. Meine Rüstungsaktien werde ich jetzt verkaufen und dann in Impfstoffhersteller investieren, strategisch passend, schließlich braucht es jetzt drastische Bevölkerungsreduzierung!

      Ist leider unumgänglich wegen der bei Leibeigenschaft geringen Produktivität. Ja, ist schlimm, ist nicht schön und tut mir auch ein bißchen im Herze weh! Aber da müssen jetzt welche wech von den armen Sünderlein, sind einfach zu viele, geht nicht anders!

      • Habe ganz das Fazit vergessen, darum hier nun ergänzend und mit der großen Bitte, das Thema vertraulich zu behandeln. Denn garnicht auszudenken, was alles passieren könnte, wenn Hinz und Kunz Wind davon bekommen würden oder sogar Sonnenschein! Also:

        Bei Lichte besehen, handelt es sich bei Klimaschutz um eine neue Sportart. Bei welcher ein möglichst hoher Geldgewinn erzielt werden soll aus Grundbesitz.

        Die Schäfchen verstehen das noch nicht so richtig. Wobei ich den Cource allerdings in dem dringenden Verdacht habe, das alles nicht nur zu verstehen, sondern auch verschleiern zu wollen — ein Blick in seine Steuererklärung wäre da sicherlich interessant.

        Wie es heißt, sei Bill Gates mittlerweile der in den USA größte Landbesitzer. Wir denken jetzt einfach mal kurz und scharf nach… . Und GENAU, was für ein Zufall, fallen uns jetzt CO2-Senken ein! Und die CO2-Zertifikate, die sich damit einfahren lassen. Und die man in Geld umtauschen kann, mit dem sich bei Aldi oder Porsche einkaufen läßt.

        Aber wie gesagt: Bitte psssttt!!! Damit das bloß die Untertänlein nicht erfahren! Denn nur eins darf zählen für gute und fromme sozialdemokratische, christliche und sonstwie liche, ische und istische Untertanen und Sklävchenschäfchen: Gut fürs Klima ist Hauptsache!

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