
ÜBER DEN SINNGEHALT VON ARBEIT, BESCHÄFTIGUNG UND KONSUM
Dies ist eine Überarbeitung und Reaktivierung eines Beitrags, den ich bereits vor längerer Zeit auf qPress veröffentlicht habe. Vorweg möchte ich zum Ausdruck bringen, daß ich mit meinem heutigen Beitrag nicht der Faulenzerei und dem Müßiggang Vorschub leisten will. Aber es ist doch relevant, einmal zwischen der Qualität von Beschäftigungen zu unterscheiden.
Es gibt überbezahlte, gerecht bezahlte und unterbezahlte Arbeit – und darüber hinaus die selbständige, also die unternehmerisch begründete Betätigung. Aber es läßt sich nicht leugnen, daß in all diesen Bereichen der Anteil der Bullshit-Jobs nicht unbeträchtlich ist und mittlerweile ins Unermeßliche anwächst. Und da haben wir noch den Begriff einer sinnvollen Beschäftigung, wobei es gegenstandslos ist, ob diese reines Hobby und Leidenschaft unentgeltlich oder abhängig bezahlt ist, was auch für die Selbstständigkeit gilt. Leider zeigt die Realität, daß frei gewählte unentgeltliche Betätigungen eher den Anspruch einer Selbstbestimmung genügen. Ich bin zwar kein Bibel-Experte, finde es jedoch interessant, sich dort einmal zum Thema umzuhören.
- Unter Gesetz wiederholt Gott den Auftrag, daß die Menschen arbeiten sollen. In 2. Mose 20,9 lesen wir: „Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk tun. “
Eine Vorstellung über die verschiedenen Kriterien zu Arbeit ist dort nicht zu erkennen. Wahrscheinlich geht man von der Annahme aus, daß die Arbeit von Gott persönlich gerecht verteilt und entgolten wird. Aber in den Zeiten des Kapitalismus oder Neoliberalismus ticken die Uhren anders, denn es gibt so gut wie keine Mitbestimmung über die Bewertung und die Bezahlung von individueller Arbeit.
- Bullshit-Jobs
Bullshit-Jobs sind nicht immer auf den ersten Blick zu identifizieren. Aber wenn man daran schnuppert, dann sondern sie einen unangenehmen Geruch ab. Was gibt es nicht alles an Dienstleistungen und Produkten, die kein Mensch braucht und die darüber hinaus gesundheits- und umweltschädlich sind. Oder die, die nur aus Imagepflege und Prestiggründen, Eitelkeit oder Angeberei ver- und gekauft werden – oder weil es Markenartikel und Markenklamotten sind. Wer braucht schon die ganzen Versicherungen im Angebot, die Computerspiele, die teuren Reisen oder den Autoboliden vor der Haustür? Wenn ich mir die Apothekenpreise von Bio und veganen Nahrungsmitteln mitsamt ihren billigen Ingredienzen sowie chemischen Zusatzstoffen betrachte, dann bin ich mit den traditionellen Produkten besser bedient. Auch muß es nicht ein Apple sei, denn ein Xiaomi ist genau so gut und weniger als halb so teuer.
Die gesamte Marketing- und Werbungsindustrie mit ihrem milliardenschwerem Etat ist ausschließlich darauf angelegt, uns ein X für ein U vorzumachen und uns Waren oder Dienstleistungen anzudrehen, für die es überhaupt kein natürliches Bedürfnis gibt. Durch psychologische Tricks werden uns Luxusbedürfnisse eingeimpft und künstliche Bedürfnisse geweckt, die uns davon abhängig machen sollen. Es wird vorgespiegelt, daß die Erfüllung dieses Verlangens Glück und Zufriedenheit schafft. Dies ist jedoch höchstens kurzfristig der Fall, denn es wird ein Suchtverhalten erzeugt, das zur Gier führt, und im Endeffekt zu ständiger Unzufriedenheit und Neidverhalten führt.
- Propaganda und Werbung
Wir sollten uns bewußt machen, daß bei der Konsumwerbung die gleichen psychologisch ausgeklügelten Strategien angewandt werden wie bei politischer Propaganda. Folglich sollten wir unser Bemühen darauf konzentrieren, uns ein Immunsystem dagegen zuzulegen, damit wir widerstehen können. Wir haben es mit zwei Maschen zu tun, die beim Volk am besten ziehen und erfolgversprechender sind, je geringer das und Selbstwertgefühl ist: Erstens das Versprechen, daß die gekaufte Ware den eigenen Status und das Selbstbewußtsein aufmöbelt und das eigene Ansehen damit automatisch wächst. Und zweitens die verführerische Heilsbotschaft, daß man sich das ewige Glücksgefühl mit Geld erwerben kann, ohne dafür sein Herzblut herzugeben. Denn jegliche Investition und Verausgabung in eingeredete Erfolgserlebnisse, die nicht dem inneren Frieden dient, ist ein Baustein der Selbsterniedrigung.
Um mal auf meine persönliche Erfahrung zurück zu greifen – mir ist es bereits in frühen Jahren gelungen, mein Bewußtsein so auszubilden, daß ich kaum noch auf die Einflüsterungen der Produktwerbung hereingefallen bin. Ganz im Gegenteil habe ich mir vergegenwärtigt, daß jedes Markenprodukt, für das sündhaft teure Werbung veranstaltet wird und für das ein Prominenter seine Visage in die Kamera hält, hinterher auch überteuert an die Konsumenten gebracht wird und diese die Zeche dafür zu zahlen haben. Weil mich das immer gewurmt hat, kaufe ich die Produkte möglichst gar nicht, für die viel Rummel getätigt wird. Die Werbeaktionen besitzen daher für mich eine abschreckende Wirkung. Da der Werbeaufwand der Branche aber nach wie vor in die Milliarden geht, scheint es noch ausreichend Dumme zu geben, die alles glauben, was man ihnen erzählt. Sonst fielen auch diese Kosten dem Sparzwang zum Opfer. Insofern ist es von da an, wenn man den ersten Schritt getan hat, auch kein weiter Weg mehr, politische oder andere Ideologien zu entzaubern und Propaganda schon von weitem zu wittern. Das trägt zur psychischen Gesundheit bei und reichert das Wissen an.
- Die negativen Auswirkungen des Konsumzwangs auf die Qualität der bezahlten Arbeit
Wenn wir einmal dem ungestillten Konsumzwang verfallen sind, der uns in ein Abhängigkeitsverhältnis gebracht hat, dann ist guter Rat teuer. Eine Psychotherapie ist nicht billig und vor allem mit langen Wartezeiten verbunden. Aber freiwillig kommt sowieso kaum ein Süchtiger auf die Idee, sich therapieren zu lassen. In diesem Kontext erhebt sich die Frage,
- ob wir für die Arbeit leben oder leben, um zu arbeiten. Vielleicht ist das auch die falsche Fragestellung und wir (sollten) leben, um das Leben zu genießen und uns an seinen Details zu erfreuen.
Wir sollten den neoliberalen zwanghaften Heilsbotschaften von „Leistung muß sich noch lohnen“ mißtrauen und und ihnen das Motto entgegen setzen „Das Leben muß sich noch lohnen.“ Der Nachteil dieser Befriedigungssucht nach nicht lebensnotwendigen Artikeln und Dienstleistungen ist der, daß sie viel und unnützes Geld kostet, das uns an wichtigerer Stelle fehlt. Insofern sind wir dann gezwungen, bei unserer Suche nach einem Job zumindest bei dessen Qualität erhebliche Abstriche zuzulassen, wenn die Entlohnung einigermaßen stimmt. Denn das Geld brauchen wir nicht nurzur Selbstbefriedigung wie die Junkies die Drogen oder die Alkis den Alkohol sondern leider auch zum Überleben, weshalb wir erpreßbar geworden sind. Wir sind geneigt, moralische Bedenken über die Art der Beschäftigung oder die Zumutung der Arbeitsbedingungen zu verdrängen und uns ein gutes Gewissen einzureden, wenn die Kohle einigermaßen stimmt. Mit anderen Worten: Wir machen uns freiwillig oder teilweise gezwungen zu nützlichen Prostituierten.
Wir sind dann, wenn wir ganz ehrlich sein wollen, bereits in der Unfreiheit der aufgezwungenen Beschäftigung angekommen. Diese hat ihren klassischen Ursprung in der Sklaverei, die jedoch noch nicht ausgestorben ist. Denn es gibt viele Übergangs- und Ausprägungsformen davon, so daß wir uns der Abhängigkeit, auf die wir uns eingelassen haben, nicht mehr bewußt sind und es auch überhaupt nicht wahrhaben wollen. Kann sich überhaupt jemand von euch vorstellen, daß bezahlte Arbeit sich von Prostitution nicht grundsätzlich unterscheidet? Aber sich das einzugestehen, kann wehtun. Daher ist der Mensch nicht umsonst ein Meister der Verdrängung.
- Lohngerechtigkeit unter dem neoliberalen Motto „Leistung und Arbeit muß sich lohnen“
Auch bei dieser Maxime gibt die Bibel ihren Senf dazu, allerdings wieder nicht in neoliberaler Auslegung:
- Auf einen kurzen Merksatz gebracht heißt das: “Du sollst und kannst vor Gott nichts leisten. Gottes Liebe bekommst Du – anders als von den Menschen – nicht für Deine Leistung, sondern ganz umsonst. Die ganze Liebe Gottes gibt es umsonst für den, der sie haben will.”
Hört sich doch gut an, oder nicht? Wer wie die neoliberalen Politiker und Parteien behaupten, daß bei uns eine soziale Marktwirtschaft und Leistungsgerechtigkeit vorherrsche, der belügt sich selbst und andere. Auch die daraus resultierende Forderung, daß Faulenzer bestraft und sanktioniert werden müssen, um eine Gerechtigkeit gegenüber den willigen Arbeitnehmern herzustellen, ist bei genauerer Betrachtung nur heuchlerisch. Es ist nichts Anderes als eine dürftige Ablenkungsstrategie vom eigenen Versagen und üblen unsozialen Machenschaften. Die praktische Realität im Land spricht eine ganz andere Sprache, wie das nächste Kapitel zeigen wird. Denn nichts ist ungerechter verteilt als Vermögen und Einkommen.
- gerechte Bewertung von Arbeit nach Qualität, gesellschaftlichem Wert und Höhe des Einkommens
Die scheinheiligen Gutsverwalter von Leistungsgerechtigkeit besitzen nicht das geringste Interesse daran, die unsozialen Verhältnisse zu ändern, denn dann müßten sie sich auf einen Systemwechsel einlassen und auf ihre hausgemachten Privilegien verzichten. Und das wollen sie wie der Teufel das Weihwasser unbedingt verhindern. Das Problem beginnt mit der Fragestellung, welche Art der Beschäftigung für die Gesellschaft am wertvollsten ist und logischerweise auch am höchsten entlohnt werden sollte. Die ganz Schlauen rücken dann mit der Relativierung an, daß ja wohl auch die Last der Verantwortung mit in die Waagschale geworfen müsse. Das ist schon wieder problematisch, weil man „Verantwortung“ nicht objektiv bewerten kann. Verantwortung ist eigentlich ein neutraler Begriff, weil man für Positives wie Negatives Verantwortung übernehmen kann. Ob ich ein siegreicher Kriegsherr, ein erfolgreicher Spekulant, ein Kämpfer gegen Ungerechtigkeit oder ein engagierter Heiler bin – immer ist die Aktivität mit Verantwortung verbunden. Hier beispielsweise auf die Schnelle eine zufällige Auswahl von Berufsgruppen, die zur Bewertung stehen:
- Straßenreiniger
- Fließbandarbeiter in der Industrie
- Beschäftigte in der Gastomie oder Einzelhandel
- Handwerker und Techniker
- kaufmännische Angestellte
- Beamte und Politiker
- Ärzte und Akademiker
- medizinisches und Pflegepersonal
- mittelständische Unternehmer
- Vorstände, Aufsichtsräte und CEOs
- Kapitaleigner
- reiche Erben
Wie soll man damit umgehen, diese Personengruppen gerecht zu bewerten und leistungsgerecht zu entlohnen? Oder wie soll verhindert werden, daß es krasse Mißverhältnisse zwischen tatsächlicher Leistung und Einkommen gibt? Besonders augenfällig ist dieses Phänomen bei völlig leistungslosen oder nicht leistungsadäquatem Einkommen wie Zinseinkünften, Dividenden oder riesigen Erbschaften. Wenn man einen glücklichen Milliardenerben fragen würde, ob es gerecht und billig sei, daß ihm rein wegen der zufälligen Umstände der Geburt ein derartiges Vermögen in die Hände fällt, wurde er es bejahen.
- unbezahlte und unabhängige Beschäftigungsformen
Ohne die Abermillionen an unbezahlten Jobs und ehrenamtlichen Tätigkeiten wäre ein Staat und eine Gesellschaft nicht überlebensfähig, weshalb es sich lohnt, einmal darüber nachzudenken, wie wir dieser Personengruppen bei unserer Bewertung behandeln. Tätigkeiten der Haushaltsführung wie das Zubereiten von Mahlzeiten, die Instandhaltung von Haus und Wohnung, Kinderbetreuung, häusliche Pflege, die Textilpflege, handwerkliche DIY-Tätigkeiten, Gartenarbeit und das Einkaufen stellen vom Umfang her einen größeren Teil der menschlichen Betätigungen noch vor den bezahlten Arbeiten dar. Und natürlich die gesamte Bandbreite des Ehrenamts, ohne die eine Gesellschaft nicht funktionieren und zusammenbrechen würde. Wer sich in diesem Bereichen freiwillig oder notgedrungen engagiert, der verzichtet auf einen angemessenen Lohn für seine Arbeit. Das tut den Leuten nicht weh, die darüber hinaus über ein ausreichendes Vermögen oder andersweitige Einkommen verfügen. Doch die Menschen wie viele Frauen, die gezwungen sind, z. B. weil sie Alleinerziehende sind, auf Lohneinkommen zu verzichten und über keine Reserven verfügen, sind die Gekniffenen. Ist das ein Schicksal, über das man einfach hinweg sehen darf?
Das Thema Konsumverzicht ist oben bereits erwähnt worden. Unbezahlte Tätigkeiten kann sich in der Regel nur der leisten, der Luxusbedürfnisse in den Wind schreibt und mit einer Grundzufriedenheit ausgestattet ist. Es sei denn, er besitzt Reserven oder erhält eine angemessene bedingungslose Rente. Deshalb bildet wohl die Hauptbedingung für mehr Unabhängigkeit und Freiheit eine Lebenseinstellung, die auf einer verhältnismäßigen Anspruchslosigkeit beruht, die befreiend wirkt. Das bedeutet kein Zurückstecken der Lebensqualität sondern nur eine Mäßigung bei den materiellen Ansprüchen. Dazu gehört auch die Erkenntnis, daß es meist nicht die Dinge sind, die Geld kosten, die am glücklichsten machen. Natürlich kann man von Luft und Liebe nicht existieren, deshalb ist ein wenig Geld schon beruhigend.
- Arbeitszeitverkürzung
Als ich meinem Sohn erzählte, daß ich an diesem Beitrag arbeite, fragte er mich, ob ich in diesem Kontext schon mal über die Vorteile der Arbeitszeitverkürzung nachgedacht hätte. Das Thema paßt nämlich hervorragend zu meinen Überlegungen in diesem Essay. Beispielsweise wäre eine 4-Tage-Woche doch eine – zumindest auf freiwilliger Basis – Lösung, um dem Arbeitsstreß zeitweise zu entgehen und wieder auftanken zu können. Bekanntlich klagen viele Arbeitnehmer über den zunehmende Belastung in ihrem Job, weil die Ansprüche und Erwartungen steigen und durch Personalreduzierung Kosten eingespart werden sollen. Der zu verrichtende Arbeitsaufwand verringert sich jedoch nicht, so daß er auf weniger Köpfe verteilt werden muß. Die Folge ist eine erschreckende Zunahme von psychischer Erkrankungen und auch von Krankheitstagen. Aber was ist heutzutage widersinnigerweise en vogue und wird von den leistungsgeilen Neoliberalen wieder propagiert? Am besten 48-Tage-Woche und Pflichtarbeitsjahr für Rentner – und das bei rasanten Jobverlusten!
Es gibt sicherlich Jobs und Branchen, wo eine Arbeitszeitverkürzung durchaus ohne Lohnkürzung praktiziert werden könnte. Falls nicht, wären wohl nicht wenige Beschäftigte bereit, freiwillig einen Abschlag hinzunehmen, wenn sie mit dem Rest des Salärs ihr Dasein noch ganz glücklich fristen könnten. Das wiederum hängt auch wiederum mit dem bereits behandelten Thema Konsumverzicht, Zufriedenheit und Anspruchsreduzierung zusammen. Es ist eine wissenschaftlich und durch Erfahrung belegte Tatsache, dass motivierte Arbeit mit weniger Wochenstunden effektiver ist als lustlose Mehrarbeit. Wenn man den aktuellen Trend in der Politik und Öffentlichkeit betrachtet, wo noch mehr Arbeitszeit gefordert wird, dann muß man sich an den Kopf fassen. Angesichts von steigenden Arbeitslosen-Zahlen und grassierenden Jobverlusten aufgrund von Massenentlassungen , kann man nur schließen, dass nicht die neoliberalen Apologeten im Dunstkreis von BlackRock-Merz nicht nur eine Schraube locker haben.
- Kreativität und Lebensfreude, die selbstbestimmte Tätigkeiten verursachen
Was bereitet dem Menschen mehr Lust und Freude, als eine selbstbestimmte Beschäftigung, bei der er nach eigenen Vorstellungen kreativ ohne Vorschriften von anderer Seite arbeiten kann? Kaum etwas Anderes! Denn bezahlte und beschäftigte Arbeit ist nicht identisch mit Beschäftigung, die über wesentlich mehr Sinn und Selbstbestätigung verfügen kann. Um dieses Glück zu genießen, sind allerdings einige Vorausetzungen erforderlich. Wer über keine finanzielle Substanz verfügt und mit goldenen Löffeln geboren wurde, um sich seine Unabhängigkeit leisten zu können, der hat von vorne herein die Arschkarte gezogen. Manche besitzen auch das Glück über bestimmte Fertigkeiten zu verfügen und eine gefragte Ausbildung vorweisen zu können, so daß sie sich selbst in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis relativ frei bewegen können und auch noch gerecht dotiert werden. Aber ich schätze, daß das eine Minderheit darstellt.
Um nochmal mein persönliches Beispiel zu bemühen. Ich habe kein besonderes Glück, sondern ich bin einfach nur ein Rentner, der mit seiner Durchschnittsrente auskommt, weil er niemanden durchfüttern muß und außerdem über ein eigenes Häuschen verfügt und nicht dem heutigen Mietwucher ausgesetzt ist. Deshalb kann ich mir Gott sei Dank ein bescheidenes Leben ohne Luxus leisten und meine Hobbys frei wählen, ohne gezwungen zu sein, zur Rente etwas dazu zu verdienen. Denn das würde wieder ein Rückfall in die Abhängigkeit bedeuten. Meine Leidenschaft ist das Schreiben, das mir aber überhaupt keinen Spaß machen würde, wenn ich wie ein Journalist dafür bezahlt würde und ich meine Meinung dem Verleger und dessen politischer Ausrichtung anpassen müßte. Auf den Medien, auf denen ich meine Posts hinterlasse, habe ich freie Hand und muß keine Zensur oder Sperrung befürchten. Da treibt mich an und gibt mir die Motivation, meine Zeit für diesen selbst auferlegten Job zu bereit zu stellen. Daher ist es kein Opfer, sondern es befriedigt mich und gibt mir das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Dabei bilde ich mir noch nicht einmal ein, daß ich die Welt dadurch verändern oder andere Menschen umstimmen kann.
- Der Segen des Nichtstuns
Ein Himmelreich für eine Hängematte! Ich kenne bemitleidenswerte Leute, die sind von einem derartigen Aktivismus getrieben, daß sie es nicht fertigbringen, mal eine Stunde auszuspannen und gar nichts zu tun. Diese Menschen unterliegen einem inneren Zwang, ständig etwas erledigen zu müssen und reden sich ein schlechtes Gewissen ein, wenn sie versuchen, in Ruhestellung zu gehen. Sie können auch nicht ungeniert ausschlafen und den lieben Gott eine guten Menschen sein lassen, weil sie stets glauben, daß sie etwas verpassen. Es bedeutet pure Freiheit und Unabhängigkeit, vorgegebene Normen und Zwänge links liegen lassen zu können!
Was sind das bloß für arme Geschöpfe, die es nicht vermögen, den Segen des Nichtstuns auszukosten? Versteht mich bitte nicht falsch – es geht nicht um immerwährendes Faulenzen. Ich glaube sogar, daß es eine Kunst ist, die die meisten erst erlernen müssen, mal ein paar Stunden oder gar einen Tag lang mal die Beine lang zu machen, um herum zu dösen, Musik zu hören oder stumpf Aktionfilme zu sehen. Und das nicht nur dann, wenn es draußen dunkel ist oder regnet und stürmt. Auch bei blauem Himmel und Sonnenschein leiste ich mir manchmal dieses billige Vergnügen und lache innerlich darüber, jeden Zwang besiegt zu haben. Keine Sorge – die Sonne scheint auch weiter, wenn man im Bett liegt und sich noch mal umdreht, zumindest über den Wolken!

„Sechs Tage sollst du arbeiten und einen Tag sollst du frei machen.“ – Laut Bibel.
Das ist Schwachsinn, denn so erschafft man mehr, um es selbst zu verbrauchen oder zu tauschen.
Also arbeite nur einen Tag und genieße sechs Tage, und verbringe die Zeit mit echten Freunden.
Beschäftige dich mit was dich glücklich macht. Versuche aber nie glücklicher als glücklich zu sein.
Nett geschrieben, als Zustandsbericht eines kapitalitisch geprägtem Arbeitsprozesses, indem m.E. mimdestens 50% aller Abeit kein Mensch braucht, respektive sie die Menschheit in keiner form weiterbringen, sondern eher wichtige Ressourcen verbrauchen.
Mir fehlt bei diesem Beitrag ein wenig die Hamdlungsalternativen, um diesen allgegenwertigen kapitalistischen Verwertungsprozess zu stoppen, und/oder andere Lebensmodelle aufzuzeigen.
Sehr guter Artikel lieber Peter A. Weber. 😉
@Publicviewer
„Mir fehlt bei diesem Beitrag ein wenig die Handlungsalternativen …“
Handlungsalternativen ergaben sich in meinem Fall aus dem Hinterfragen meines gegenwärtigen Daseins als Geknechteter. Da ich meinen Beruf liebte, erlag ich den Bedingungen des heutigen sog. Arbeitsmarktes. Totz voller Auftragsbücher und meiner hohen Erfüllungsrate warf mich mein Arbeitgeber nach extremen Mobbing einfach aus der Firma, um mich gegen eine billigere Leihkraft zu ersetzen. Ich begann den Sinn und Unsinn sowie Ansprüche und tatsächliche Notwendigkeiten zu hinterfragen und suchte dann aktiv nach einer Lücke im System. Ich studierte geradezu das Sozialrecht und untersuchte meinen alternden Korpus nach Schäden, die ich geltend machen könnte. So stellte ich mich der Schulmedizin und erwirkte ein Atest welches mich körperlich dahinsiechend erscheinen lies. In der Folge landete ich in einer Schmerzklinik an deren Diagnose sich diverse Rehas ergaben. So gerüstet profitierte ich als Bürgergeldempfänger mit diversen gesundheitlichen Einschränkungen von den Grauzonen des Sozialrechtes, welches Arbeitfähigkeit, Gesundheit, Anspruch und Wirklichkeit regelmäßig durcheinander bringt. Ich zog in eine Umgebung mit hoher Arbeitslosenquote und Ruf, eine Urlaubsregion zu sein. 50qm Wohnung einer Genossenschaft angemietet und Ehrenamt in einer örtlichen Kita ermöglichten mir Integration und Anerkennung im neuen Ort. Alle Versicherungen gekündigt, zur gebührenfreien Onlinebank gewechselt, PKW gegen E-Bike getauscht – ließen das magere Bürgergeld als ausreichend wirken. So habe ich die letzten 12 Jahre vor der Frührente verbracht, ohne getriebener Sklave zu sein. Ich hatte endlich viel Zeit, mich neu anzupassen aber auch wichtigeren Dingen nachzugehen.
Zu meinem Glück hatte ich mit drei Ausbildungsberufen im ersten Leben 36 Jahre in die Kassen eingezahlt und mir den Anspruch auf Frühverrentung erworben. Ich konnte die schlechten Bedingungen des sog. Arbeitsmarktes erfolgreich umschiffen und sogar meine eingezahlten Beiträge zurückholen. Menschen, welche meine Geschichte kennen, können sich das aber schwer vorstellen, weil sie auf dieses oder jenes nicht verzichten können oder wollen. Nein, Nichtstun ist nicht das Ziel eines solchen Lebenswandels. Jeder Mensch braucht eine Beschäftigung und auch ich suche täglich nach neuen Aufgaben. Aber ich selbst bestimme Art und Umfang solcher Beschäftigung. Z.B. kaufte ich mir eine Nähmaschine, brachte mir den Umgang damit selbst bei und nähe nun Kleinigkeiten für die Nachbarschaft. Mein gelerntes Fachwissen wende ich heute in kleine Raparaturen diverser Geräte für Nachbarn und Bekannte an und erzeuge damit Anerkennung und Umweltbewußtsein. So etwas funktioniert nur, wenn es Betroffenen gelingt, gelernte Ansprüche aufzugeben bzw. durch neue Ziele zu ersetzen.
Weshalb tut nicht jeder so leben, wie Sie, Herr Weber?
Haben Sie eine Antwort?
Am Ende bleibt das Existenzrecht eines Sklaven von dessen Nützlichkeit abhängig. Darum sollten Sklaven für jeden Bullshit-Job dankbar sein und jede noch so absurde arbeits- und sozialpolitische Maßnahme dankbar und mit tiefer innerer Genugtuung begrüßen.
Ließe sich so sagen. Altes Testament ist für Sklaven. Die leben in einer von Mangel, Not, Elend, Leid und Tod regierten Welt. (Haben Adam und Eva sich selbst eingebrockt mit ihrem Ungehorsam gegenüber Gott in Sachen Äpfelkonsum.)
So ganz sklavenlogisch ist das alles aber nicht, denn es gibt da noch das göttliche Gebot, sich die Erde untertan zu machen. Was ja dann doch den ganzen Sklavenspaß verderben muß, also den ganzen Spaß mit dem Mangel, der Not, dem Elend, dem Leid und dem um die nächste Ecke lauernden Tod.
Da kommt einer nicht so ohne weiteres hinter. Weswegen Theologie ein sehr langwieriges Studienfach ist. Aber wer sich gerne lange und ausgiebig quälen mag… .
Womit wir nun bei Bernhard von Clairvaux und den Zisterziensern angekommen wären. Und bei den mit Bernhards Beistand gegründeten Tempelrittern. Radikale Asketen waren die alle, ja, aber weltabgewandt waren sie nicht. Als erstes eroberten die Tempelritter Seehäfen in Palästina. Und die Zisterzienser entwickelten Technologien. Sie seien die ersten modernen Kapitalisten gewesen.
Alles weitere hier, dicker Bildband mit sparsamem aber höchst informativem Text: Die Zisterzienser — Geschichte und Architektur, ISBN 3-89508-893-5
Kann man zum größten Teil bestätigen, a b e r, ist ihnen auch klar, das ‚ehrenamtliche‘ Beschäftigung anderen die Arbeit nimmt?!
In unserer überbevölkerten Zeit/ BRD ist ehrenamt erhöhen der Arbeitslosigkeit.
Schon die, sogenannten, Reinigungstage, in den Gemeinden, Anfang des Jahres stossen mir immer wieder übel auf. Weil die, sogenannten, Gemeinden, die gar keine mehr sind, sondern Firmen, Personal sparen, sollen die Gemeindemitglieder, vorwiegend Kinder (LOL), kostenlos den Dreck in Stadt und Land entfernen.
Wieviele Gemeindearbeiter könnte man dem Arbeitsmarkt zuführen, wenn schon mal diese/ solche Maßnahmen unterbleiben.
So gibt es viele Sparten, wo das ‚Ehrenamt‘ Arbeitsplätze vernichtet. Gruß Karl
„Wieviele Gemeindearbeiter könnte man dem Arbeitsmarkt zuführen, wenn schon mal diese/ solche Maßnahmen unterbleiben.“
Richtig. Doch wer soll das wovon bezahlen? Die klammen Kommunen? Was meinen Sie denn, aus welchem Grund im SGB II die sog. Arbeitsgelegenheiten eingeführt wurden? Mir wurde auch solch eine AGH-Stelle „angeboten“. Auf genau diese Stelle habe ich mich dann beworben. Was meinen Sie, habe ich diese Stelle bekommen?
Es geht im Leben ja auch nicht um „Arbeitsplätze“…aber das verstehen sie sicher nicht… lächel
Also gut, dann hier jetzt in aller Kürze, wie das mit der ganzen großen Sklaverei von Kapital, Arbeit und Rendite genau funktioniert. Impfe den Menschelein von klein auf an ein, daß es ein Makel sei, einen Körper zu haben. Weil der den Geist sabotieren würde.
Zu eben diesem großen Behufe schicke man die Menschelein in die Stillsitzschule. Und wenn sie dann groß sind, gebe man ihnen die ganz unwiderstehliche Gelegenheit, die den armen Geist sabotierenden Energien ihres Körpers zu verausgaben in der Arbeit. Und dafür auch noch belohnt zu werden mit Geld. Schlau, denn auf diese Weise wird aus Arbeit Gottesdienst, und aus Geldesdienst Geistesdienst.
Der Clou nun ist, daß die moderne Gesellschaft tatsächlich ganz genau so blöd und dumm funktioniert. Und kein bißchen anders. Akademisch ausgedrückt, wird die Kosmologie eines gut-böse konnotierten Geist-Materie-Dualismusses indoktriniert: Geist = Gott = gut; Materie = Teufel = böse. (Dies übrigens Kernidee der Zisterzienser.)
Siehe auch Friedrich Nietzsche zum Christentum als „Sklavenreligion par excellence“, Erich Neumann zur Tiefenpsychologie hinter der Ethik des abendländischen Menschen, und Anne Querriens «l’ensaignement» zur Entstehungsgeschichte der Grundschule.
Zu ergänzen wäre nur noch folgende große Frage, was denn der arme Donald dazu kann. Oder die armen Xi, Wladimir, Chamenei. Oder der arme Fritze und all die andern bemitleidenswerten Jungs und Mädel, die diesem ganzen Wahnsinn alle völlig hilflos gegenüberstehen. Aber die Illusion verbreiten müssen, dieser ganze große Superspuk sei lenk- und beherrschbar.
Ursprünglich waren es nur die Fixkosten/Miete usw. die den Ausbeutungsgrad bestimmen aber seit der anhaltenden Weltwirtschaftskrise 2008, erhöht die Inflation/Geldentwertung exorbitant den Ausbeutungsgrad und nur ein Wohlstands-/Konsum-/Statusverzicht verhindert eine Selbstausbeutung——soviel zum Ehe-/Nachzucht-Zwang der genau diese Freiheit des Status-Konsum/-Verzichts ausschließt, deshalb lasst euch nicht nur von der andressierten romantischen Liebe/Zweisamkeit verleiten und haltet eure Aufmerksamkeit für den Zugang zum eigenen Herzen und für alle Mitmenschen offen, denn das Konzept der „Ehe“ ist nicht natürlich/Gott gewollt, sondern von einem Volkswirt in die Bibel gepresst, we shall overcome Religionen! Internationale Solidarität!