
Heute probiere ich was Neues auf qpress aus….
Ich kann mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Sie war immer da, in guten Zeiten und in schlechten, als Hintergrund und als Vordergrund, als Trost und als Anstoß. Und ich bin dabei durch keine Schublade begrenzt. Country, Electronic, Folk, Klassik, Singer-Songwriter, Techno – wenn mich etwas erwischt, spielt die Kategorie keine Rolle. Ich picke mir die Perlen raus wo ich sie finde.
Ob ich das regelmäßig mache hängt von Euch ab. Wenn die Musik des Tages ankommt, gibt es mehr davon. Wenn nicht, war es ein schöner Versuch.
Musik : Manchmal braucht man keine Nachrichten. Manchmal reicht Musik.
Iron & Wine feat. Calexico – He Lays in the Reins
2005 trafen sich Sam Beam von Iron & Wine und die Tucson-Band Calexico im Studio. Drei Tage. Sieben Songs. In drei Tagen aufgenommen, in Tucson, Arizona, in einer Hitze die man beim Hören fast spürt.
Das Ergebnis war die EP „In the Reins“ und der Eröffnungstrack ist bis heute einer der schönsten Momente beider Künstler – ein Stück das klingt als hätte es schon immer existiert und man es nur endlich gefunden hat.
„He Lays in the Reins“ ist ein Lied über Erschöpfung. Über einen Mann und sein Pferd die beide am Ende ihrer Kräfte sind. Die Zügel zu fest gehalten, zu lange gehalten, bis keiner von beiden mehr kämpft. Beams Stimme flüstert über Calexicos Mariachi-Bläsern und einem Flamenco-Gesang der aus einer anderen Welt klingt. Aus dem tiefsten amerikanischen Süden, mit einer mexikanischen Seele und einem Staubkorn Spanien mittendrin.
Das ist der seltsame Zauber dieser Zusammenarbeit. Iron & Wine allein ist introvertiert, kammermusikalisch, nah. Calexico allein ist weit, kinematografisch, raumgreifend. Zusammen entstehen drei Minuten und vierundvierzig Sekunden die beides auf einmal sind. Eng und weit. Flüstern und Orchester.
Musik für den Moment wenn man endlich loslässt. Wenn man merkt dass das Festhalten mehr Kraft kostet als das Gehen.
Der Titel trägt das Bild in sich. Ein Pferd das in den Zügeln liegt. Nicht mehr kämpft. Sich ergibt. Nicht aus Schwäche sondern weil der Körper einfach nicht mehr kann. Manchmal ist das die ehrlichste Form von Frieden. Nicht der triumphale Abschluss. Nur das Aufhören.
Wer diesen Song noch nicht kennt hat heute Glück. Man kann ihn nur einmal zum ersten Mal hören.
Luke Combs – When It Rains It Pours
Die Entstehungsgeschichte ist fast so gut wie der Song selbst.
Luke Combs sitzt 2017 in einer Schreibsession in Nashville, frisch getrennt, und textet heimlich seiner Ex. Sein Mitschreiber Jordan Walker schaut ihm dabei zu. Schüttelt den Kopf. Und sagt: Lass uns einen Song über sie schreiben. Damit sie sauer wird.
Combs: Das wird sie furchtbar wütend machen. Walker: Genau.
Was dabei herauskam ist einer der besten Country-Songs der letzten zwanzig Jahre. Ein Mann der sich nach der Trennung plötzlich als Glückspilz wiederfindet. Hundert Dollar auf einem Rubbellos. Vier Tage Strandurlaub gewonnen. Und das Beste: er muss seine zukünftige Ex-Schwiegermutter nie wieder sehen.
Combs selbst sagte später er wollte einfach kein trauriges Lied schreiben. Es gebe schon genug davon. Seine Mitschreiber wollten etwas Tanzbarkeit. Etwas das man im Truck aufdrehen kann. Etwas das im Frühlings-Country-Radio funktioniert ohne aufgesetzt zu klingen.
Es klang nicht aufgesetzt. Es klang wie Wahrheit in guter Laune.
Der Song wurde Nummer Eins. Zweimal. Auf zwei verschiedenen Charts. Er wurde dreizehnfach Platin zertifiziert. Einer der meistverkauften Country-Songs überhaupt. Und die Ironie dabei: das Geld aus dem Song hat Combs den Verlobungsring für seine damalige Freundin finanziert. Die Freundin die heute seine Frau ist. Die Ex-Freundin aus der Songinspiration hat das sicherlich mitbekommen.
Das Leben schreibt manchmal die besseren Pointen.
Was den Song so langlebig macht ist nicht der Witz. Es ist die Wahrheit dahinter. Dass ein Ende oft nur deshalb wie ein Ende aussieht weil man noch nicht weit genug gegangen ist. Dass das was sich im Moment wie Verlust anfühlt im nächsten Kapitel wie Befreiung aussehen kann. Combs singt das nicht philosophisch. Er singt es über ein Rubbel-Los und einen Angelausflug in Panama. Aber die Botschaft sitzt.
Die Moral ist simpel. Was sich anfühlt wie das Ende ist manchmal der Anfang des Glücks. Man muss nur lange genug am Steuer sitzenbleiben.
Pilatus – Träumer
Die Musik ist Electronic. Der eigentliche Song ist der Text.
Zwei Stimmen. Eine fragt. Eine antwortet. Und was sie sagen ist so simpel dass es fast schmerzt.
Was war deine Fata Morgana? Welche Lüge hat man dir erzählt?
Die Lüge lautet: Es ist nicht so einfach.
Und dann die Auflösung: Nein. Das war die Lüge. Dass es nicht so einfach wäre.
Pilatus baut den ganzen Song um diesen einen Moment. Den Moment in dem jemand begreift dass das Hindernis nicht die Welt war. Das Hindernis war der Satz den andere so lange wiederholt haben bis man ihn selbst geglaubt hat. Es ist nicht so einfach. Du schaffst das nicht. Das ist unrealistisch. Sei vernünftig. Bleib wo du bist.
Diese Lüge erzählen sie dir immer und immer wieder.
Wer sind sie? Eltern. Lehrer. Chefs. Gesellschaft. Das System. Alle die ein Interesse daran haben dass du bleibst wo du bist weil dein Aufbrechen ihre Ordnung stört.
Der zweite Strang des Textes ist noch deutlicher. Ein Dialog der direkt aus der Matrix zitiert ohne den Namen zu nennen: eine Scheinwelt die man dir vorgaukelt um dich von der Wahrheit abzulenken. Ein Gefängnis das du weder anfassen noch riechen kannst. Ein Gefängnis für deinen Verstand.
Das klingt nach Verschwörungsdenken wenn man es falsch liest. Es ist das Gegenteil. Es ist eine Einladung zur Selbstermächtigung. Der Feind ist nicht da draußen. Der Feind ist die internalisierte Stimme die dir sagt du kannst nicht. Die dir sagt warte. Die dir sagt sei realistisch.
Wenn du das tust was sie dir erzählen kriegst du nichts hin. Dann merkst du dass es ganz einfach ist.
Vier Minuten und sechs Sekunden. 143 BPM. Und ein Satz der nach dem Aufwachen hallt.
Warum diese drei heute
Iron & Wine flüstert über Erschöpfung und Loslassen. Luke Combs lacht über Verlust und gewinnt trotzdem. Pilatus erinnert daran dass die größte Lüge die ist die du dir selbst erzählst.
Drei verschiedene Wege zum gleichen Punkt. Das Festhalten macht müde. Der Verlust ist manchmal Glück in Verkleidung. Und das einzige Gefängnis das wirklich hält ist das im eigenen Kopf.
Und jetzt …. Laut aufdrehen und geniessen.

Musik des Tages – passt – mal was Neues.
Pilatus – Träumer – hat mich sehr berührt …
Danke Torben.
He’s correct, when it rains it pours, either way. Danke für den tollen Sound, es geht nichts über gute Country’n Western Musik. Der „Träumer“ trifft ins Mark.
Passt auch wie der Arsch auf den Eimer.
Achtung! Ist rächtz- Geschwurbel 🙂
https://www.youtube.com/watch?v=bSEZZfEFCLg
Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum – Der gute alte Nietzsche hatte das richtig erkannt. Doch gilt das leider nur für Menschen wie Torben, oder mich. Man muss Musik fühlen können, nicht einfach nur hören. Wenn sie berührt ist sie perfekt. Für jeden mehr oder weniger anders, denn mich berührt alles Mögliche. Klassik, Jazz, Punk, Heavy Metal, auch die ganzen ‚Zwischenwelten‘, die aufzuzählen den Rahmen sprengen würde. Musik war und ist mein treuesten Begleiter in 68 Jahren, hat mich auf meinen Höhen begegleitet, und aus tiefen Löchern gezogen. Danke, dass es Dich gibt. Den meisten Zeitgenossen reicht das ewigimmergleiche Tralala und Hopsasa aus dem Äther… Kleine persönliche Anmerkung dazu:
Tralala und Hopsasa
tingeln tagtäglich
Durch tausende Sender
zum fröhlichen Stelldichein
Tralala liebt Beliebigkeit
Hopsasa die Macht des Banalen
Spaliert mit guter Laune
Moderiert von Nichtssagenden
Öde und blöde penetrieren
Tralala und Hopsasa
Keimendes Selbst
In endloser Schleife
Unehrlich, lebensfern,
Prägend, schleifend, lenkend,
Indoktrinant, systemkonform
Missionierung des Doofen
#chrizadler, der ‚gute, alte Nietzsche hatte zum Ende einen Knacks in der Birne. Da sollte man fragen, ob vor dem Gift im Schützengraben, oder später? Gruß Karl
Wenn wieder in den Astralraum übergegangen, ist die Musik eines der Dinge, die am meisten vermisst werden.
Sollten die Aliens auf diesem Planeten landen, so werden sie wohl nur wegen der Musik die Menschen nicht ausrotten.
Wie wär es mit einem Oldie? Preußens Gloria!
Oder wir sollten die Firmenhymne der BRD überdenken: Als erste Strophe
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel, (!!!!!!)
Von der Etsch bis an den Belt – (!!!!!!)
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!
……..
Und es geht noch weiter:
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!
………
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben am 26. August 1841 auf Helgoland geschrieben.
Deutscher Sang‘! Gruß Karl
Vielen Dank für Euer positives Feedback. Ich werde es beibehalten, allerdings als „Musik der Woche“ – Der nächste ist bereits in Arbeit.