
Allgemeiner Hinweis: Der folgende Text ist der Erste Abschnitt zum 14. Teil einer Reihe von Arbeitstexten. Sie sollen nach und nach im Vordruck auf QPress.de in eine »Einführung in die Kritik der Psychoanalyse im Kontext einer Psychoanalyse des alltäglichen Nahbereichs« (mittlerweile nur vorläufiger Arbeitstitel) eingehen. Der 14. Teil selbst steht unter dem Arbeitstitel »Probleme der Subjektbildung«. Er ist sehr umfangreich und soll deshalb den Lesern nacheinander in einzelnen Abschnitten zur Kenntnis gegeben werden. Der folgende Erste Abschnitt folgt einer Vorrede zum 14. Teil und steht unter dem Arbeitstitel »Die Krankheit zum Tode (Søren Kierkegaard)«.
E14 Probleme der Subjektbildung. Erster Abschnitt: »Die Krankheit zum Tode« (Kierkegaard).
Probleme der Begriffsbildung
Kommen wir zum Eingemachten, dem Konkreten im Austausch von Argumenten, in dem sich gemeinhin Probleme oder Defizite der Begriffsbildung verbergen. Er ist im »Offenen Verteiler« (OV) nicht zuletzt deshalb dokumentiert, um auch mal ganz konkret am Beispiel Ross und Reiter zu nennen, damit es – frei nach (Adorno 1970, S. 22f) – überhaupt um »etwas geht« im Kontext von Begriffsbildungsbemühungen[1], im Volksmund: um etwas, was Lesern auf den Nägeln brennen könnte, erst so sie sich angesprochen fühlen können, andernfalls sie sich in leeren Abstraktionen verlieren würden, sie dann jene Abstraktionen mit ihrem eigenen Innenleben, mithin ihren Erfahrungen nicht in Verbindung bringen können.
Können sie es nicht, denken sie vielleicht: ganz interessant das alles, bin aber selbst nicht gemeint, jedenfalls völlig anders als in jenen Abstraktionen beschrieben, analog wie die Abstraktion »Gott«, um nicht leer zu sein, in den Evangelien abergläubisch konkretisiert worden ist in Gestalt von Gottes Sohn Jesus, des fleischgewordenen Menschensohnes. Dieser darf laut Søren Kierkegaard mit dem Menschen nicht gemein gemacht werden. Er muss als »der ganz und gar Andere« (Gute) überzeitlich oder gänzlich a-historische Figur, also leer, begriffen werden, einem Wandel seiner mentalen und sozialen Existenz nicht unterworfen; im Sinne einer feststehenden Identität, mit sich selbst identisch. Diese ist, wie sie ist, mit Jesu Geburt vorherbestimmt. Schließlich ist er über alle Zeiten hinweg der immerzu Gute, der die Menschen mit seinem Opfertod von ihren Sünden erlöst hat, damit sie mit ihm ins Paradies, aus dem sie mal von Gott vertrieben, wieder einkehren können, indes viele Menschen dennoch von ihren Sünden, bis hin zum ganz und gar Bösen, nicht lassen wollen.
So fühlen sich – im übertragenden Sinne, ohne darüber nachzudenken – auch unsere Widerständler: paradiesisch gut gegen die satanisch Bösen da oben. Deshalb passte Eugen Drewermann als Referent auch so gut ins Konzept des Kongresses der »Neuen Gesellschaft für Psychologie« (NGfP.de), der auf mich, als ich ihn so dastehen sah und die Kurzfassung seines Vortrages gewahrte, den Eindruck machte, als finge er gleich zu beten an vor seinen Zuhörern, die sich in der Tat als die Guten gegen die ganz und gar Bösen da oben verstehen, die uns mit ihrer Kriegstreiberei ja auch in der Tat in den Untergang nötigen werden, weil weit und breit niemand da, der ihnen wirksam in die Parade fährt.
In einem solchen, die mentalen, sozialen und ökonomischen Strukturen simplifizierenden Kontext braucht es keine Beziehungsebene als eine bewusst zu analysierende Entität, gleichwohl sie hinter dem Rücken der Beziehungs- oder Interaktionsteilnehmer immerzu präsent ist, freilich quasi-religiös einer ausdrücklich bewusst-materialistischen Analyse entzogen, die, wenn tatsächlich bewusst betrieben, das Innenleben zwingend einbeziehen würde; eben weil der Mensch – sein Innenleben – nicht ist wie er ist: entweder böse oder gut, vielmehr im Ergebnis das »Ensemble gesellschaftlicher Verhältnisse«, so es Marx in seiner sechsten Feuerbachthese sagt.
Wozu auch sich mit dem eigenen Innenleben befassen, wenn in ihm gute Eigenschaften, sozusagen paradiesische Verhältnisse herrschen, die nach dem Jüngsten Gericht den Wiedereinzug ins Paradies quasi vorwegnehmen, und zwar kontrafaktisch zu den ganz und gar bösen Eigenschaften im Innenleben der Menschen da ganz oben, die in der Hölle der ewigen Verdammnis anheimfallen werden.
Um diesen Konflikt in und mit sich selbst zu verdrängen, ihm nicht ausgesetzt zu sein (in einem sprachgestützten intersubjektiven Kontext), verlieren sich unsere Widerständler in Details, was alles nicht stimmt in der Gesellschaft, ohne Kraft zur Abstraktion, ohne zu sagen, was sie für ein beliebiges (abstraktes) Subjekt wollen[2], namentlich unmittelbar einklagbare Grundrechte, die es dem Subjekt erlauben, sich dem gesellschaftlichen Kontext zu entziehen, um ihn von außen kritisieren zu können, was nicht gelingen kann, wenn jener Kontext das widerspenstige Subjekt in eine Beziehung nötigt, in der es verhungern soll, wenn es seinen Arsch nicht hochkriegt, zumal ohne dass man es in den Allerwertesten tritt, und zwar ausgiebig so lange und so oft, bis es sich schließlich selbst entsorgt, geschweige denn, dass es unter diesen Bedingungen seine Zähne gegen die da oben – die herrschende Klasse – auseinanderkriegt.
Hoch abstrakt in einem Satz formuliert: Das Subjekt muss sich anpassen oder sterben. So etwas könnte man dann – frei nach dem gottesfürchtigen Kierkegaard – als »Krankheit zum Tode« bezeichnen, dagegen Klaus-Jürgen Bruder, so ließe er sich deuten, nichts einzuwenden hat, zwangsläufig, weil er von der Beziehungsebene im Sinne einer analytischen Entität nichts wissen will. Und weil er, an dieser Stelle unfähig zum abstrakten Denken, diesen Zusammenhang nicht sieht, würde er dem selbstverständlich widersprechen, ich würde sagen: nicht besonders überzeugend, solange er der Meinung ist, man könne, ja müsse in der politischen Auseinandersetzung die Beziehungsebene und damit die Beziehung eines beliebigen Subjekts zum gesellschaftlichen Kontext außen vorlassen.
Warum auch nicht? Schließlich muss Klaus-Jürgen Bruder, und damit kommen wir wieder vom Abstrakten zum Konkreten, wohlversorgt sich einer solchen Beziehung zum gesellschaftlichen Kontext nicht ausgesetzt fühlen. Zu befürchten steht, wie gesagt, dass er diesen Zusammenhang nicht versteht vor dem Hintergrund, dass er – ohne Kraft zur Abstraktion – sich gegenstandsbezogen in den Details konkreter Mechanismen der Unterdrückung verzettelt. Stichwort: »Diskurs der Macht«, und was er alles mit uns anrichtet mit dem Ziel, dass paradiesische Verhältnisse in der Gesellschaft und in uns sich nicht durchsetzen sollen.
Das alles läuft recht trivial auf ein manichäisches Weltbild hinaus. Es zeichnet sich dadurch aus, dass Klaus-Jürgen begriffsdefizitär, um nicht zu sagen: begriffsstutzig, nicht möchte, dass das Innenleben, und damit auch das seinige, im Austausch von Argumenten (Diskurs) zur Sprache kommt, weil er vielleicht denkt, sein Innenleben, und wie er es (für sich) gestaltet, gehe niemanden etwas an, selbst wenn er mit seinem sozialen und politischen Engagement das Innenleben anderer, und zwar nicht nur das von Trump oder Merz, unentwegt manichäisch mit negativen (bösen) Eigenschaften versehen sieht. So er auch mein Innenleben abqualifiziert, wenn er sich weigert, mit mir zu reden, natürlich gut begründet: weil ich ihn nicht zu Wort habe kommen lassen.
Protokoll einer Krankheit (zum Tode)
Kurzum, Klaus-Jürgen argumentiert, ohne es wahrhaben zu wollen, manichäisch im Gut-Böse-Denken. Ich möchte behaupten, dass es gute Gründe gibt, zu behaupten, dass er uneingestanden mental so disponiert ist, das Innenleben anderer zuweilen ungebremst als ungehörig zu qualifizieren, und zwar, wie auch nicht, in Abgrenzung zu seinem eigenen, das nicht zur Disposition steht, ein mental-sozialer Sachverhalt, den ich in einer an ihn gerichteten E-Mail zur Sprache gebracht habe, wenn auch vielleicht mehr schlecht als recht dokumentiert im Offenen Verteiler (OV150 vom 09.02. 2024).
Dort geht es, auf den Punkt gebracht, um gescheiterte Verstehens- und Verständigungsbemühungen zwischen mir und Klaus-Jürgen. Im Beitrag ist einigermaßen sichtbar die Beziehungsebene und damit auch die Qualifizierung meines Innenlebens sowie das von Klaus-Jürgen Bruder eingelassen. Davon möchte Klaus-Jürgen Bruder, wie später in weiteren Beiträgen dokumentiert, nichts wissen, obwohl es auf der Hand liegt, dass Zeichen, Worte, Sätze, Texte, Bücher beim Lesen einer Deutung, die sich aus dem Innenleben der Autoren speist, zugänglich sind. Wir haben es hier mit einem Essential der Hermeneutik zu tun, das einem Psychoanalytiker eigentlich geläufig sein müsste.
Dass Klaus-Jürgen im Gegenstandsbezug diesbezügliche Defizite in sich transportiert, versuche ich im folgenden E-Mail-Beitrag an den Offenen Verteiler herauszuarbeiten, der vor allem an Klaus-Jürgen gerichtet zu verstehen ist. Er referenziert weitere Beiträge an den Offenen Verteiler und lautet leicht verändert zum Zwecke besserer Lesbarkeit wie folgt:
» (…) Das mit dem Verstehen ist allerdings so eine Sache, darum bemühen sich die meisten Menschen nicht hinreichend (…), wusste schon Friedrich Schlegel in Beiträgen zur (früh-) romantischen Ironie zu sagen: Das Nicht-Verstehen ist Schlegel zufolge notwendiges und integrales Moment (Element) menschlicher Kommunikation, mit dem sich trefflich leben lasse, mehr noch: die Kommunikation überhaupt erst so unterhaltsam wie spannend werde. Kinder sind bis zu einem gewissen Alter mental noch nicht so disponiert, dass sie Ironie vertragen oder mit ihr konstruktiv umgehen können. Sie ist aber auch unter Erwachsenen nicht immer angebracht, wenn sie den tieferen psychosozialen Hintergrund ironischer Aussagen nicht verstehen, der zu Friedrich Schlegels Zeit (um 1800 herum) noch nicht hinreichend gewürdigt werden konnte. Und zwar weil zu Schlegels Zeit sich das Problem der Kommunikationsverweigerung noch nicht in seiner ganzen Schärfe stellte wie heute, die ich bei meinem Freund Klaus-Jürgen Bruder einmal mehr in einem Zwiegespräch mit ihm erleben konnte – in Hamburg, beim gemütlichen Beisammensein in einer Kneipe, am 07.02.2024, nach einem Vortrag, den Klaus-Jürgen vor »linken Gewerkschaftsmitgliedern und -freunden« gehalten hat.
Er hat das Gespräch mit mir schlichtweg und ganz offen verweigert: er interessierte sich nicht weiter für meine (…) Äußerungen, weil ich – leidenschaftlich zu dominant – ihn nicht zu Wort kommen ließe. Diese Verweigerung begleitete er mit ironischen Bemerkungen – ich denke aus einer Schwäche heraus, um auf meine Äußerungen nicht reagieren zu müssen (…) Vielleicht ja aus Verzweiflung, (…) weil er im Laufe seines Lebens, insbesondere in den letzten Jahren, zu oft von einstigen Weggefährten verletzt worden ist, und erwartete, dass er Verletzungen mit mir endlich mal nicht ausgesetzt ist.
Wie dem auch sei, Klaus-Jürgen ist nicht der Einzige, der meine Dominanz nicht zu Unrecht als mentale Schwäche deutet. Seit meiner Kindheit lebe ich mit ihr; meine Umgebung (in Schule und während meines Studiums bis heute) sah sich mit ihr unentwegt konfrontiert. Einige hassten mich dafür (indem sie nichts mit mir zu tun haben wollten – bis heute), andere akzeptierten sie, weil sie das Kontroverse und Lebendige in der Auseinandersetzung mochten; während Klaus-Jürgen ganz offensichtlich von mir erwartet, dass ich den Gedankenaustausch mit ihm »schmallippig« gestalte, um nicht zu sagen: unterwürfig. Andersherum würde vielleicht der Schwanz mit dem Hund wedeln. Das mögen Professoren gemeinhin nicht besonders.
Ich denke, eine solche Deutung ist nicht ganz von der Hand zu weisen, auch wenn sie Klaus-Jürgen gewiss für seine Person nicht gelten lassen würde. Nur ist es an ihm zu zeigen, dass diese Deutung aus der Luft gegriffen ist, zum Beispiel indem er Äußerungen, sie mögen wie auch immer rüberkommen, zur Kenntnis nimmt, um auf sie allen Verletzungen zum Trotz einzugehen. So etwas lehnte er ausdrücklich ab mit Bemerkungen in der Art: Wolle er nicht; habe er nicht nötig.
Ich erzähle diese Anekdote, um zu illustrieren, wie Theorien oder Begriffe sich ausbilden, neu entstehen oder neu belebt werden. Sie bilden sich heraus im Kontext eines Austauschs von Argumenten in Form von Rede und Gegenrede, die ganz zwangsläufig verletzen, wenn der Austausch nicht belanglos sein will. Ohne einen solchen Austausch entstehen keine Theorien oder es entstehen lediglich schlechte (belanglose) Theorien, die in eine affirmative Kritik führen, über die sich Klaus-Jürgen im Vortrag beklagte; bewirkt durch Theorien, die sich rechthaberisch im Gegenstandsbezug gefallen, in richtigen oder unrichtigen Forderungen, als könnten Theorien auch aus einem einsamen Subjekt heraus entstehen oder neu belebt werden; so wie ein Gemälde oder Statue entsteht, an dem sich ein Betrachter erfreuen kann, ohne ihren Entstehungsprozess zu reflektieren. Aber selbst Kunstgegenstände setzen einen lebendigen Austausch im Vorfeld oder während ihrer Entstehung voraus: einen kollektiven Prozess in Rede und Gegenrede. Wer diesen Prozess unterbricht oder sich ihm aus welchen Motiven auch immer verweigert, setzt die Entstehung und Neubelebung von Theorien aufs Spiel; schlimmer: er trägt zur allgemeinen Verblödung bei, wie wir sie gerade in der Öffentlichkeit erleben. Dort dominiert das Gegenständliche, als sei die Theorie so etwas wie ein aparter Gegenstand, frei nach Adorno: mit sich selbst identisch. Darauf ging Klaus-Jürgen nicht hinreichend ein. Stattdessen zitierte er den Faust auswendig, in dem geschrieben stehe: »Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen«. Sich bemüht als einsames Subjekt? Oder vielleicht doch als Subjekt, das sich um Theorie im Rahmen seiner Beziehungen bzw. eines lebendigen Austauschs von Argumenten bemüht. Das müssen wir in der Tat in unseren Bemühungen um eine so lebendige wie wahrhaft kontroverse Öffentlichkeit, die sich nicht nur in belanglos-affirmativer Kritik gefällt.
Doch was folgt daraus: Menschen der Politik oder solche, die, wie Frau Wagenknecht, nach (parlamentarischer) Macht streben, leben in einer ganz besonderen (inneren und äußeren) Welt, die mit mir, meiner Welt, der ich vollkommen ohnmächtig bin, nichts, aber auch gar nichts zu tun hat, selbst wenn Frau Wagenknecht uns die Ehre erweist, nicht aus dem Offenen Verteiler herauszuwollen. Man wird ihr die Auseinandersetzungen im Offenen Verteiler aber vielleicht um die Ohren hauen können – später, in einigen Jahren, nachdem auch ihre Partei, das BSW, wie andere Parteien schon zuvor, einmal mehr gescheitert ist. Für mich so sicher wie das Amen in der Kirche, unbenommen davon, dass Frau Wagenknecht mich glücklich machen würde, wenn es ihr mit ihren handverlesenen Mitstreitern tatsächlich gelänge, nicht zu scheitern, wie schon zuvor die Grünen oder ihr Mann Oskar mit der Partei »Die Linke«, um es jetzt mit seiner Frau erneut zu versuchen, um ohne zureichenden Theoriebegriff auch nur das geringste dazugelernt zu haben.
Ich meine, das Dazulernen ist mit dem Bemühen um mehr (parlamentarische) Macht unvereinbar. Im Bemühen einer Institutionalisierung erstarrt jede Bewegung mit ihrem vorgeblichen Ziel, Öffentlichkeit und Gesellschaft sozialverträglicher zu gestalten. Immer eingedenk, dass die Öffentlichkeit so etwas ist, wie das Bewusstsein einer Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund finde ich Rudi Dutschkes Aufruf nach einen Marsch (der Linken) durch die Institutionen geradezu haarsträubend.
Und was für die Bewegung gilt, gilt auch für eine einzelne Beziehung wie die von Klaus-Jürgen und mir. Das heißt, Beziehungsfähigkeit oder Sozialkompetenz ist die Voraussetzung dafür, dass sozial engagierte Bewegungen sich dessen bewusst werden im Hinblick darauf, was sie über den Gegenstandsbezug einzelner Forderungen hinaus wollen: eine menschliche Gesellschaft, die alle einbezieht, selbst Straftäter, auch Frau Wagenknecht, ja selbst Robert Habeck, den ich im »Zweiten Gespräch vor der Kamera« eine »kriminelle Drecksau« genannt habe. Ich habe ihn vor dem Hintergrund so genannt, weil er als Machtpolitiker wie auch Frau Wagenknecht im Bemühen um mehr (parlamentarische) Macht nicht erreichbar, nicht ansprechbar sind, selbst Frau Wagenknecht über den Offenen Verteiler nicht, in dem sie ja präsent ist.
Warum ist das so? Nun, es gibt psychische Mechanismen (Fähigkeiten, Dispositionen) in uns, wie zum Beispiel eine Auseinandersetzung, die nicht schmeckt, zu ironisieren. Sie sorgen dafür, dass sich die eigene (innere) Welt wieder schließt, nachdem sie sich von anderen Welten in Gestalt zufälliger Ereignisse bedroht fühlte. Wobei (sich bedroht) »fühlen« schon reicht, um psychische Mechanismen zur Abschirmung unserer inneren Welt vor dem Fremden oder Angstbesetzten zu aktivieren. Und ich möchte Klaus-Jürgen ausdrücklich sagen, bevor er wieder zur Ironie oder Retourkutsche neigt, dass diese Abwehrmechanismen auch in mir präsent und wirksam sind; muss ich deshalb Unrecht haben, wenn ich behaupte, dass es solche Mechanismen zu unserem Leidwesen gibt? Das zu behaupten, wäre allerdings ein schlimmer Fehlschluss, eines Sozialwissenschaftlers nicht würdig.
Um es nun endlich kurz und schmerzhaft auf einen Punkt zu bringen: Argumente verlieren sich für gewöhnlich im Gegenstandsbezug, drehen sich in ewigen Wiederholungen im Kreis, bis sie keiner mehr hören kann. Es ist verlorene Liebesmüh, Frau Wagenknecht (…), Habermas, beliebige Politiker oder Mainstream-Journalisten anzusprechen (…). Ich nehme wahr (…), dass man Außenseiter nicht zureichend in den öffentlichen Diskurs einbindet. So etwas gab es früher in der DDR. Und gibt es, wenn auch weniger auffällig in kleinerer Münze unter Widerständlern wie Klaus-Jürgen und mir. Das ist tödlich für die Gesamtheit aller vernetzten oder aller einzelnen sozialen Strukturen, aller menschlichen Beziehungen. Das ist die Krankheit unserer Zeit, die irgendwann in den Massenwahn – wie schon im Dritten Reich – wächst, und uns in den Untergang treibt. Wie es zurzeit aussieht, denke ich: unvermeidlich«.
Im Beitrag kommt zum Ausdruck, auf welche Weise Klaus-Jürgen Trivialitäten auslebt, die in seiner Art zum Ausdruck kommen, Beziehungen, mithin den Austausch von Argumenten, und damit sein Innenleben zu gestalten. Wir haben es hier mit so allgemeingültigen Problemen zu tun, dass man sagen kann: sie treffen mehr oder weniger sichtbar auf alle zu; nur dass die meisten Menschen jene Probleme nicht in die Analyse einbeziehen wollen. Ob ich sie immer hinreichend zur Sprache bringe, weiß ich nicht – frei nach Luhmann, der sagt, der Beobachter (Kritiker) können sich beim Beobachten (Kritisieren) nicht selbst beobachten (kritisieren). Er sei das ausgeschlossene Dritte beim Beobachten (vgl. Kap. 1, S. 6).
Ob ich die allgemeinen Probleme des Austauschs von Argumenten hinreichend reflektiere, erweist sich indes erst und nur im Austausch von Argumenten, und zwar im Sinne einer notwendigen (nicht hinreichenden!) Bedingung, die nicht mehr gegeben ist, wenn der Austausch unterbrochen ist oder nur fortgeführt wird, wenn er nicht verletzt.
Wir haben es hier also primär nicht mit einem Problem der Erkenntnis an sich, also im Gegenstandsbezug, zu tun, wie Kommunikationsverweigerer uns immer gern weismachen, sondern damit: wie gehen wir miteinander um, also mit konkreten Beziehungsproblemen, die massiv zu schaffen machen können, wenn die kollektive Suche nach Erkenntnissen gänzlich unterbrochen wird.
Hass und Gewalt im Kontext einer Verschiebung des Gefühls im Objektbezug
Ich glaube allerdings zu wissen, dass wir Probleme der Wahrheitssuche, die kollektiv, also auf der Beziehungsebene stattfinden, ansprechen müssen, gerade auch in politischen Auseinandersetzungen, andernfalls Widerstands-Bewegungen immer genauso schnell ausdünnen wie sie begonnen haben, bzw., wenn sie nicht ausdünnen, sie sich im Prozess ihrer Institutionalisierung[3] in ihr Gegenteil verwandeln können, in eine Fortsetzung ursprünglicher Unterdrückung oder Gewaltherrschaft, die es eigentlich zu überwinden galt und dann unter veränderten Vorzeichen sich wieder ausbildet.
Im Hinblick auf Revolutionen heißt es im übertragenden Sinne, sie würden irgendwann ihre Kinder fressen, aus meiner Sicht eine Folge ihrer Institutionalisierung, euphemistisch sprechen orthodoxe Marxisten von einer vorübergehenden »Diktatur des Proletariats«. Das passiert im Kontext einer »Verschiebung des Gefühls im Objektbezug«. Wie das im Einzelnen verstanden werden kann, habe ich in einem Telefongespräch mit Wilfried Kahrs vor rund vier Jahren erörtert (WKg19 2022/03/15).
In diesem Gespräch ging es ungefähr ab der 33. Minute darum, auf welche Weise oder unter welchen Bedingungen sich ein positives Gefühl für eine Bewegung gegen Unterdrückung in ein negatives Gefühl (Hass) verwandeln kann, sodass eine Widerstandsbewegung, mit der man, während der Widerstand sich bewegt, positive Gefühle (Aufbruchsstimmung) verbindet, im Zuge ihrer Institutionalisierung (Unbeweglichkeit) vergleichbare Formen der Unterdrückung ausbildet, die sich dann natürlich auch hasserfüllt auslebt.
In einer solchen Phase des Widerstandes befinden wir uns immer sichtbarer und im wachsenden Maße seit der Wende vor mehr als 35 Jahren: Die Menschen, überfordert, Enttäuschungen zu verarbeiten oder zu kommunizieren, ziehen sich immer mehr in sich zurück, so wie jetzt Klaus-Jürgen einmal mehr mir gegenüber, seitdem er sich einmal mehr so massiv wie ungerecht von mir kritisiert fühlte. Sodass man nun befürchten kann, dass in dem Maße, wie seine (positiven) Gefühle mir gegenüber ausdünnen, sie sich, bevor sie ganz verschwinden, in negative Gefühle mir gegenüber verwandeln, möglicherweise bis ich in seinen Augen nun ganz und gar nicht mehr der Rede wert bin; nur dass der Edelmann in ihm verbietet, dass er sich mir gegenüber offen in Hass ergeht. Stattdessen, sagte er mir, sei man gezwungen, sich zurückzuziehen in dem Moment, wo man zu sehr enttäuscht worden sei.
Um nicht zu sagen, dann bleibe nur noch, die Kommunikation zu verweigern. Ich glaube, dass er in dieser Denkfigur seine Überforderung verbirgt, negative Gefühle zu kommunizieren: widerspenstige Gesprächspartner im Bemühen zu kritisieren, sie vielleicht doch noch zu erreichen. Wozu, wird er sich sagen, man erreiche sie ja ohnehin nicht. So seien die Verhältnisse nun mal im Kontext des »Diskurses der Macht« gestrickt. Nur dass dieser den Verlierer sozialer und ökonomischer Kontexte in eine Beziehung nötigt, die der Verlierer für sich zu reflektieren nicht umhinkommt.
Hier kommen wir auf zwei Begriffe, die für Klaus-Jürgen Bruder inkommensurabel nicht in einem Atemzug verwendet werden können, und auf die ich später noch eingehender zu sprechen kommen werde. Da haben wir zum einen den Begriff (anonym) »herrschender Verhältnisse« und zum anderen den Begriff einer konkret sich auslebenden »Beziehung«, die man zum Beispiel zu einem Intimpartner entwickelt.
Halten wir erst einmal nur fest, was es damit auf sich hat, sich zurückzuziehen. Es läuft gemeinhin auf »Anpassung« hinaus, und zwar nicht nur für den Verlierer, der nicht umhinkommt, sich als einen solchen zu begreifen, sondern auch für Klaus-Jürgen Bruder, der von diesem nichts wissen, ihn in sich lieber nicht entdecken will (vgl. Witsch 2013, S. 92); gleichwohl in beiden Fällen in der kranken und krankmachenden, zumal oft noch vergeblichen Hoffnung zu überleben. Man kann so etwas auch die Krankheit zum Tode nennen, der wir in diesem Sozial- und Wirtschaftssystem, dem Kapitalismus, alle mehr oder weniger ausgesetzt sind.
Dann hat die liebe Seele endlich Ruh’
Ich sage es immer wieder: das, was wir in einem umfassenderen sozialen Kontext, damit auch mit oder in einer Widerstandsbewegung erleben, erleben wir vergleichbar in einem sozialen Kontext, in den nur zwei Menschen involviert sind, sodass im Klappentext von (Witsch 2013) der Satz Sinn macht, demzufolge die »Moral der heutigen Gesellschaft im Innenleben« eines Menschen als krank freigelegt werden könne. Nur dass nicht nur Klaus-Jürgen exakt diese Krankheit nicht diskutieren möchte, um nicht zu gewahren, dass er, um sie nicht zum eigenen Leidwesen in sich transportieren zu müssen, sie in sich transportiert zum Leidwesen von Menschen, mit denen er in einer Verbindung (Beziehung) steht. Mit anderen Worten, er projiziert oder entsorgt das, was er in sich so fremd wie schmerzhaft erlebt, in andere Menschen. Und lernt dabei nicht das Geringste hinzu.
Gewahren wir aber die Krankheit in uns (zum Tode einer Beziehung), können wir leichter ermessen, was es mit unseren Widerständlern auf sich hat. Ich glaube, vor dem Hintergrund des eben Gesagten, gibt es gute Gründe zu behaupten, dass sie, um jene Krankheit in sich zu verdrängen, sich in ihren Möglichkeiten maßlos überschätzen, die Gesellschaft insgesamt (also nicht nur vereinzelt soziale Beziehungen oder Verhältnisse) sozialverträglicher zu gestalten.
Und sie überschätzen ferner, dass mit den sogenannten Revolutionen, zumal im Kapitalismus (in Russland, China etc.), die sozialen und ökonomischen Strukturen sozialverträglicher gestaltet werden können. Richtig ist: anstatt in sich stimmig zu analysieren, indem man die Beziehungsebene einbezieht, redet man Revolutionen regelmäßig schön. Und verkennt, dass im Kapitalismus alles mit oder ohne Revolutionen meist – nicht immer! – nur schlimmer geworden ist. Heute stehen wir vor einem möglichen finalen Abgrund, und zwar nicht nur, weil wir es mit einem Vollblutpsychotiker im Amt des US-Präsidenten und seinen Vasallen zu tun haben. Sondern auch weil immer noch zu viele Bürger von einem immer wahrscheinlicheren Abgrund noch gegen jede Augenscheinlichkeit lieber nichts wissen wollen, wie im Grunde von Marx vor 150 Jahren prognostiziert wurde.
Gleichwohl wollte Marx von dieser pessimistischen Prognose nichts wissen, wohl deshalb, weil sie bei seinen Lesern – süchtig nach Hoffnung – nicht gut angekommen wäre. Gegen seinen Pessimismus brachte er daher die Arbeiterklasse als Allheilmittel in Stellung, die heute, wenn man sie noch so nennen mag, sich wie paralysiert in ihr Schneckenhaus zurückzieht, um sich und die Menschheit irgendwann zu Grabe zu betten. Dann hat die liebe Seele Ruh.
Anmerkungen
[1] Vgl. ergänzend Anm. 11 in (Kap. 6.9, S. 121: »Enttabuisierung des Innenlebens: Über den Film ’Capernaum‘«).
[2] Die herrschende Sozialtheorie scheitert ganz generell am Subjektbegriff. Man will von einem abstrakten Subjekts absolut nichts wissen. Diesbezüglich heißt es in (Witsch 2012, S. 190): »Erklärungen bewegen sich im Kreis, solange in der Analyse der (soziale) Körper über das, was wir alle wollen: das Allgemeininteresse, triumphiert. Letzteres kann man nur wollen, nicht begründen, womit wir beim Punkt wären: wie Habermas und der gesamte sozialwissenschaftliche Diskurs sagt auch Elias auf Hunderten von Seiten nichts Definitives: nicht ein einziges Mal, was er will und nicht zur Disposition steht. Warum auch? Erklären will man, sonst nichts. Nicht dass man ausdrücklich nichts will. Aber das, was man will, soll sich gefälligst mit welchen Erklärungen auch immer ins Benehmen setzen; lieber versteckt man das, was man will, in der Erklärung, und sich selbst gleich mit, um sich nicht aus dem Fenster hängen zu müssen, zu verpissen, wenn Gefahr ist im Verzug: Diskriminierung und Ausgrenzung drohen. Man sieht sich als Teil der Erklärung; genauso begreift man das Subjekt; es soll in der Erklärung begraben werden, wie zuvor in der Etikette. Man erträgt nicht einen ’wahren Wunsch‘ (Anti-Ödipus). Aus gutem Grunde: ggf. bekommt das Subjekt Hartz-IV und gehört dann, auf dass der Mehrwert lebe, auf den Müll. Man sagt nicht: hinweg mit dir; nein, das wäre inhuman. Besser ist, das Subjekt in der Erklärung zu terminieren, dem Subjekt zu sagen, was es laut Erklärung zu wollen hat«. Um sich am Ende selbst zu entsorgen.
[3] Zum Begriff einer »Institutionalisierung des menschlichen Gemüts« vgl. Kap. 13, 1 – 66.
Quellen
Adorno, Theodor W. (1970). Negative Dialektik. Frankfurt/Main. Verlag: Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft (zitiert nach der Ausgabe von 2003).
Witsch, Franz (2009). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Erster Teil: Begriff der Teilhabe. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2015).
Witsch, Franz (2012). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Zweiter Teil: Mehrwert und Moral. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2017).
Witsch, Franz (2013). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Dritter Teil: Vom Gefühl zur Moral. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2017).
Witsch, Franz (2013a). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Vierter Teil: Theorie der Gefühle. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2015).
Witsch, Franz (2025/07/13). E1 Leerbegriffs-Psychoanalyse ohne Realitätsbezug. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/07/29). E2 Zirkelschluss-Analyse oder wie es die Psychoanalyse (Freud) schafft, den Realitätsbezug aufzulösen. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/08/10). E3 Realitätsphobien, eingelassen in die Psychoanalyse sowie Sozialtheorien (Detel, Habermas, Bruder, etc.) generell. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/08/24). E4 Konfliktpositionen regressiv (realitätsphobisch) verarbeiten. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/09/11). E5 Mit Abreaktionen Zugehörigkeitsbedürfnisse ausleben. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/09/27). E6 Zum Begriff der Empathie in scharfer Abgrenzung zum Begriff des Mitleidens. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/10/06). E7 »Skotomisation« (Freud 1926, S. 86) oder wie Menschen ihre Existenz dystopisch verdunkeln. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/10/20). E8 Sozialtheorien als Totengräber des Sozialen. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/11/07). E9 Neigung zum strukturellen Desinteresse im Kontext einer »Institutionalisierung des menschlichen Gemüts«. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/12/01). E10 Menschen erzeugen in sich eine Verbindung zur Gesellschaft, die gestört ist. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2026/01/22). E11 Bürger transportieren in sich einen Gesellschaftsbegriff, durch den hindurch sie ihr eigenes Grab schaufeln. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2026/02/26). E12 Zerstörung und Chaotisierung sozialer Strukturen. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2026/03/19). E13 Über Bösartigkeiten auf der Beziehungsebene und wie sie sich im Innenleben erst ausbilden und dann ausleben. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2026/03/29). E14 Vorrede zu »Problemen der Subjektbildung«: Schutz suchen im eigenen Grab. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz; Kahrs, Wilfried (2022/03/15). WKg19 Gespräch am Telefon: Über den Begriff »Verschiebung des Gefühls im Objektbezug« sowie wachsende Leseschwächen: die mangelnde Bereitschaft, sich beim Lesen »zu quälen«, um Texte zu ergründen.
Witsch, Franz; Kahrs, Wilfried (2022/04/30). Erstes Gespräch vor der Kamera.

Bis zur Finanzkrise 2008 war für die Mehrheit der Erwerbstätigen das Leben erschwinglich, danach nur noch für die Besserverdiener und jetzt müssen selbst die Kapitaleigner sehen wo sie bleiben, die Umverteilung von unten nach oben erfolgt jetzt über die Inflation in allen sozialen Schichten, weil ein Crash keine Option ist, erfolgt der Wohlstandsverlust schleichend——soviel zur Zerstörung der perversen Konsum-/Wegwerf-/Profit-gesellschaft durch die systemimmanente zyklische Weltwirtschaftskrise, auch ohne eine linksgrüne Politik—–dummm gelaufen für die Narzissen
Wunderschön die Einlassung zu Herrn Drewermann — denn ist es nicht immer wieder ganz herrlich, wenn Popenpose zu Popenposse wird. So sehr posisch betreibt der Herr Drewermann das Popige, als wolle er die selbstbetrügerische Natur der christlich-abendländischen Kultur offen zur Schau stellen: Wir tun jetzt einfach alle so, als verstünden wir nix und es sei elektrisches Licht der Sonnenschein. In Rede gestellt hier diese bestimmte Sache, also die mit dem Produktivitätszuwachs bzw. mit dem kontinuierlich sinkenden zeitlichen Volumen an händischer Arbeit in Warenfertigung und Warentransport.
Im Vergleich ist echte Dummheit geradezu harmlos. Und so muß der Herr Drewermann am Ende gar noch in den Verdacht geraten, heimlich Rebell zu sein. Institution und Revolte, welche sich in den Herren Bruder und Witsch in zwei Personen begegnen, begegnen sich in Herrn Drewermann vielleicht in einer? Man weiß es nicht. Und es sollen hier niemandem böse bzw. unabendländische Absichten unterstellt werden! (Wobei ich mich manchmal und durchaus auch frage, ob Herr D. nicht vielleicht der Societas Jesu angehört.)
Auch Marx, Engels und Lenin mußten hier passen. Im Fache politische Ökonomie unübertroffen, war ihre Geschichtstheorie billiger Schund. Jene die schöne Rendite – ach, wie unschön! – ruinierenden Folgen von Produktivitätszuwachs haben diese dreie klar herausgearbeitet und problematisiert. Nur leider war ihr Lösungsvorschlag, der Sozialismus, christlich-abendländischer bzw. faschistischer bzw. manichäischer bzw. gut-böse-konnotierter Geist-Materie-Dualismus pur.
Nein, kein Vorwurf, ich weiß es auch nicht besser! Denn nicht jedes mithilfe des logischen Verstandes beschreibbare Problem läßt sich mit den Mitteln eben jenes Verstandes auch lösen. Genau: Liebe ist nicht nur emotional, sondern auch unlogisch. Sehr sogar.
Wollen die Sklävchenschäfchen lieber Sklävchenschäfchen bleiben, sprich: weiterhin ganz logische Wesen sein, dann müssen sie sich wohl oder übel weiterhin dummstellen. Und so wird der Kampf zwischen Institution und Revolte wohl noch für längere Zeit das Abendprogramm dominieren. Bis es dann irgendwann doch langweilig wird.
Danke, lieb #UnbetreutDenken, für diesen wünderschönen Kommentar
Danke für Ihren wunderschönen Kommentar