Vorfreude auf den autofreien Sonntag

sonntag

Dieser Beitrag ist zuerst auf Egon-W-Kreutzer erschienen.

Der typische Deutsche, wie aus dem Bilderbuch der Vorurteile geholt, findet immer einen Anlass, sein Bedürfnis nach Geselligkeit auszuleben. Sei es beim Verzehr der geschenkten Bratwurst beim großen Impf-Event, sei es in gerade noch sicherer Distanz zur Sprengung intakter Kraftwerke oder maroder Brücken, und natürlich war er vor gut fünfzig Jahren auch in Massen auf den Beinen, als es galt, an den autofreien Sonntagen mitten auf der Autobahn einen Sonntagsspaziergang zu zelebrieren.

Von daher muss der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm vorgehalten werden, dass ihren Vorschlägen zur Energieeinsparung in der aktuellen Krise genau jenes zündende, mitreißende Element fehlt, das Sorgen und Nöte vergessen und stattdessen Begeisterung aufkommen lässt. Autos mit geraden Nummernschildern nur an geraden Tagen, ungerade Nummernschilder nur an ungeraden, das bringt kein verbindendes Gemeinschaftserlebnis. Auch als Karl Valentin vor 87 Jahren in einem seiner Sketche etwas Vergleichbares vorgeschlagen hat, erntete er, wie von ihm beabsichtigt, nur Heiterkeit und belustigtes Schenkelklopfen, aber keine Zustimmung. Auch ein Tempolimit ist ungeeignet die Stimmung zu heben, jedenfalls so lange, wie daraus nicht ein gemeinschaftsfördernder 95-Kilometer-Stau entsteht, der sich einfach nicht auflösen will. Lediglich die Tatsache, dass Frau Grimm die Frage nach staatlichen Eingriffen bei der Preisestaltung an der Tanke ganz weit links liegen gelassen hat, ist lobenswert. Lieber teures Benzin, für jene, die es sich noch leisten können, als gar kein Benzin mehr, weil sich’s alle bis zum letzten Tropfen leisten konnten. Hamlet. Alles entscheidende Frage. Ben zin or no Ben zin …

Autofreie Sonntage hingegen hätten für den Großteil der heute Lebenden einen echten Neuigkeitseffekt, könnten zu einer belebenden Spaltung der Gesellschaft beitragen und würden vor allem tatsächlich sehr viel Energie einzusparen helfen.

Es ist nämlich nicht möglich, einen Sonntagsausflug am Montag nachzuholen. Auch am Dienstag nicht. Erstens wäre ein Dienstagsausflug kein Sonntagsausflug mehr, und zweitens hat die Hälfte der Bevölkerung an Werktagen einen Job zu erledigen. Selbst wenn der Job im Homeoffice stattfindet, ist er mit Ausflügen schwer zu vereinbaren. Die andere Hälfte, zum Teil aus Grünen, zum Teil aus ehemaligen Hartz-IV- und ehemaligen Bürgergeldempfängern bestehend, die aktuell politisch korrekt als Grundsicherungsempfänger zu bezeichnen sind, fährt aus ideologischen oder pekuniären Gründen nicht Auto. Auch nicht sonntags. 

Diesen allen zu ermöglichen, sich sonntags zu Fuß oder auf dem Fahrrad, ggfs. per Lastenrad, ggfs. Kinderwagen schiebend, ggfs. den Bollerwagen nach sich ziehend, auf der autofreien Autobahn einzufinden und dabei an einem Stau-Event ohne störende Automobile teilzunehmen, könnte das Beste sein, was CDU und SPD noch tun können, um die Stimmung der gesamtdeutschen Bevölkerung wieder zu ihren Gunsten umzudrehen. Brot und Spiele! Dagegen sieht die Spaßbremse AfD alt aus.

Auch das Brot ließe sich finden.  Hubschrauber der Bundeswehr könnten abgelaufene EPAs, an kleinen Fallschirmen auf die begeisterten Massen auf den Autobahnen abwerfen, wie einst die Amis ihre Schokolade während der Berliner Luftbrücke. Auch damals war übrigens das Benzin knapp in Berlin. Auch damals wurde für das leibliche Wohl gesorgt, so gut es eben ging.

Wo eine gute Idee ihren Siegeszug beginnt, sind die Kritiker nicht fern.

Natürlich werden Unkenrufe ertönen, die sich um die Gastronomie und die Freizeitparks sorgen, denen gerade am Sonntag Umsätze in Milliardenhöhe entgehen. Denen kann man ganz klar entgegnen: In welchem Lande lebt ihr denn? Wenn es um die Dekarbonisierung geht, und darum geht es ja, dann muss selbstverständlich großzügig entschädigt werden. Wir zahlen jedes Jahr Milliarden für Strom, der nicht gebraucht und deshalb auch nicht erzeugt wurde, nur um die Windmüller und Solarfarmer am Leben zu erhalten. Da werden wir doch auch das Geld  übrig haben, um der Gastronomie das nicht getrunkene Bier, die nicht verzehrten Schnitzel, Currywürste und Pommes zu erstatten, ebenso wie den Vergnügungsparks die nicht gefahrenen Karussellrunden. Oder?

Der Staat sei pleite? Quatsch. Im Zweifelsfall werden halt an den Autobahnauffahrten Mautstellen für Fußgänger errichet. Die sparen sich schließlich nicht nur die Kosten für das nicht verbrannte Benzin, sondern auch den Restaurant-Preis für Bier und Schnitzel (einschließlich Mehrwertsteuer!) und dürfen daher selbstverständlich an diesen Kosten beteiligt werden. Das sehen die schon ein. Das muss man nur richtig erklären, oder, besser: überhaupt nicht erklären. Einfach machen. Da wird keiner nachfragen, was das soll, und falls doch, werden sich die Beauftragten für Hass und Hetze schon drum kümmern.

Also, bitte: Ein bisschen mehr Mut!

Für das Warten darauf, dass die EU etwas verordnet, braucht es weder Kanzler noch Vizekanzler.

Ø Bewertung = / 5. Anzahl Bewertungen:

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

96ce7e3c5d3848478c7b574f6cb6267c
Avatar für Torben Botterberg
Über Torben Botterberg 3419 Artikel
Torben Botterberg verbindet Gegensätze mit einem Augenzwinkern: schwarzer Humor trifft auf Perfektionismus, ein erklärter Hang zur Prokrastination auf Texte, die erst dann das Licht der Welt sehen, wenn jedes Detail sitzt. Freiberuflich in Vermittlung und Verleih unterwegs, bewegt er sich beruflich zwischen Menschen, Projekten und Möglichkeiten, und privat am liebsten zwischen Chrom, Stern und Benz.Torben schreibt, um zu verbinden: Erfahrungen mit Einsichten, Gegenwart mit Erinnerung, Technik mit Temperament. Wenn er lacht, dann tiefschwarz, wenn er zweifelt, dann gründlich und wenn er veröffentlicht, dann mit dem Anspruch, dass jedes Wort hält was es verspricht.

9 Kommentare

  1. Da gebe ich doch einen dicken Mittelfinger !
    Die können mich mal.
    Ich bim gesundheitlich stark eingeschränkt und komme ohne Auto nicht zu Hause fort.

  2. Achtung vor Acht

    Sie können’s zwar nicht leiden,
    aber nicht mehr vermeiden,
    dass ihre Taten sind bekannt
    und Täter beim Namen genannt.

    Sie wissen es jetzt ganz genau,
    bei Wende sitzen sie im Bau,
    der ist ein ganz besond’res Haus,
    kommt man schnell rein, aber nicht raus.

    Zerbröselt des Zeitgeistes Macht
    und schmiedet nicht mehr seine Ränke,
    dann schließt sich endlich eine Acht
    um ihre Handgelenke.

  3. Momentan beläuft sich das von Menschen gemachte CO2 in der Atmosphäre auf 0,00158 %.
    Ein paar autofreie Sonntage würde die Klimaerwärmung erheblich verringern – so „Experten“.

    • Vertrauen Sie den „Experten“, Deutschland muss karbonfrei werden. CO2 ist ein Killergas, (ausser im Bier). Die aussergewöhnliche Wetterlage ist auf die Klimaerwärmung zurückzuführen. Artemis II hat neue, lustige Globusbilder geliefert, wieder ein grosser Schritt für die Menschheit. Sie dürfen das nicht hinterfragen. Sie verlassen sonst die Zone des betreuten Denkens. Sie sind Hassredner, Hetzer oder am besten gleich Antisemit.

  4. Wer organisierte die Ölkrise der 70ger Jahre? Es waren nicht die Kameltreiber, sondern die Amis. Die Araber wurden mit einem hohen Ölpreis abgeschmiert, um die Landnahme Israel zu akzeptieren. Den hohen Ölpreis bezahlten letztendlich die Europäer und Asiaten. Die Amis waren und sind auch heute Selbstversorger.

  5. Ein Panzer wie in der Ukraine verbraucht etwa 500 Liter Diesel pro hundert Kilometer. Jeder einzelne Liter Diesel wiederum erzeugt ca. 3 Kg CO2, von allem sonstigen Wahnsinn hier mal abgesehen. Warum wird das unter Grünen nicht diskutiert? — Der Teufel meidet das Weihwasser, die Grünen einfachste Fakten.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*