Feuerwehrmann beim Retten geblitzt – willkommen in Deutschland

Feuerwehrmann

Es gibt Geschichten, die erklären ein ganzes Land. Nicht mit großen Worten, nicht mit Statistiken, nicht mit Expertenkommentaren im Morgenmagazin. Sondern mit einem einzigen Blitzerfoto.

Ray Lange, 55 Jahre alt, freiwilliger Feuerwehrmann aus Taucha bei Leipzig, saß am Steuer eines Feuerwehrwagens auf dem Weg zu einem Einsatz. Ordnungsgemäß Blaulicht an, Martinshorn an – und wurde geblitzt. Eine Brandmeldeanlage an einer Grundschule hatte ausgelöst. Lange eilte mit der Drehleiter zur Unterstützung seiner Kameraden. Das Ergebnis: 369,50 Euro Bußgeld, ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg.

Deutschland hat gesprochen.

Der Kompromiss, der keiner war

Bürgermeister Tobias Meier wollte ihm das Bußgeld zwar erlassen – dafür sollte der Feuerwehrmann aber etwas an eine Einrichtung für Verkehrserziehung spenden. Man lese das noch einmal langsam. Der Mann, der mit Blaulicht zum Einsatz rast, soll Geld an eine Einrichtung für Verkehrserziehung spenden. Als Lehre. Als Demutsgeste. Als bürokratische Satisfaktion für ein System, das nicht unterscheiden kann zwischen jemandem, der auf dem Weg zur Rettung ist, und jemandem, der spät zur Arbeit kommt.

Lange lehnte den Vorschlag ab, da er ihn als Schuldeingeständnis empfand. „Es war kein Mensch in Sicht – ich habe niemanden gefährdet“, betonte er. Ein Mann mit 34 Jahren Einsatzerfahrung, mehreren Fahrsicherheitstrainings und null Unfällen in drei Jahrzehnten – dem erklärt das Ordnungsamt Taucha jetzt, wie man verantwortungsvoll fährt.

34 Jahre. Vorbei.

Ray Lange quittierte nach 34 Jahren seinen Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr. Nicht nur er: Auch der Stadtwehrleiter von Taucha legte sein Amt nieder und begründete den Schritt mit einem gestörten Vertrauensverhältnis zur Stadtverwaltung.

Zwei erfahrene Männer weg. Ehrenamtlich. Unbezahlt. Jahrzehntelang für andere da. Und Deutschland hat sie mit einem Bußgeldbescheid verabschiedet.

Man könnte jetzt sagen: Recht ist Recht. Regeln gelten für alle. Und ja, nach Abzug der üblichen drei Kilometer Toleranz waren es immer noch 39 zu viel in der Baustelle. Das stimmt. Nur: Wer ein 14-Tonnen-Drehleiterfahrzeug zum gemeldeten Brand fährt, fährt nicht aus Jux zu schnell. Er fährt schnell, weil Menschen in Gefahr sein könnten. Weil das sein Job ist. Weil man ihn genau dafür ausgebildet hat.

Das System, das seine Helfer frisst

Deutschland hat ein strukturelles Problem mit seinen Ehrenamtlichen. Es braucht sie dringend – die freiwilligen Feuerwehren, die THW-Helfer, die Sanitäter – und behandelt sie gleichzeitig wie potenzielle Verwaltungsrisiken. Wer im Einsatz geblitzt wird, bekommt Post vom Ordnungsamt. Wer zu lange braucht, bekommt Kritik. Wer aufhört, bekommt einen Dankesbrief und das war’s.

Lange schildert, dass es regelmäßig passiert, dass Einsatzfahrzeuge geblitzt werden. Wenn man oft im Einsatz ist, summiere sich das schnell auf mehrere Dutzend Fälle im Jahr. Mehrere Dutzend Mal im Jahr also fährt irgendwo in Deutschland ein Feuerwehrmann an einem Blitzer vorbei. Und irgendwo in Deutschland sitzt ein Beamter, der entscheidet, ob er dafür bezahlen muss.

Was bleibt

Experte Prof. Dr. Dieter Müller hält die Bestrafung für überzogen und schlägt vor, die Strafe auf ein Verwarngeld von 55 Euro zu reduzieren, ohne Punkte oder Fahrverbot. 55 Euro statt 370, keine Punkte, kein Fahrverbot. Aber selbst das ist ein fauler Kompromiss.

Stattdessen: zwei Männer weniger in der Freiwilligen Feuerwehr Taucha. Ein Bürgermeister, der sich entschuldigt, aber trotzdem besteht. Und ein Blitzerfoto, das erklärt, warum immer weniger Menschen bereit sind, für andere einzuspringen.

Willkommen in Deutschland. Bitte zahlen Sie an der Kasse.

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Über Torben Botterberg 3378 Artikel
Torben Botterberg verbindet Gegensätze mit einem Augenzwinkern: schwarzer Humor trifft auf Perfektionismus, ein erklärter Hang zur Prokrastination auf Texte, die erst dann das Licht der Welt sehen, wenn jedes Detail sitzt. Freiberuflich in Vermittlung und Verleih unterwegs, bewegt er sich beruflich zwischen Menschen, Projekten und Möglichkeiten, und privat am liebsten zwischen Chrom, Stern und Benz. Torben schreibt, um zu verbinden: Erfahrungen mit Einsichten, Gegenwart mit Erinnerung, Technik mit Temperament. Wenn er lacht, dann tiefschwarz, wenn er zweifelt, dann gründlich und wenn er veröffentlicht, dann mit dem Anspruch, dass jedes Wort hält was es verspricht.

11 Kommentare

  1. Ist diese Provinzposse nun auch bei qpress angekommen?
    Wie ich schon geschrieben habe : jeder kleine Schreibtischtäter ist ein kleiner König in seinem Reich. Und Könige haben immer Recht. So absurd es auch werden mag…..

  2. An der Bahnschranke müssen sogar die Krankenwagen warten bis der Zug durch ist, nur wenn die Zügel locker/Demokratie sind gibt’s Widerstand/Widerspruch, deshalb erlaubt Trump ja auch keinen Widerspruch/Widerstand dann muss er auch kein impeachment fürchten——-soviel zu unserer Zukunft unter Trump/AfD, Tyrannei 2.0, We shall overcome!Internationale Solidarität!

  3. Die Feuerwehr darf mit Blaulicht und Martinshorn (Sonderrechte nach § 35 StVO) schneller als erlaubt fahren, jedoch gibt es kein festes Tempolimit. Die Geschwindigkeit muss so gewählt werden, dass andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden. Grundsatz ist: Höchste Vorsicht, wobei überhöhte Geschwindigkeit oft bei ca. 20 km/h über Limit endet.

    Hier stellt sich die Frage, um wie viel hat er das „Limit“ überschritten – er muss ja wohl zwischen 31….4o Kmh drüber gewesen sein. – War das wirklich nötig? Und das mit einer 14t Drehleiter.

      • @ Kurt Hövelmans
        Derartige Raserei ist absolut uncool. Wenn es gut geht ist man vielleicht etwas scheller am Ziel, aber häufiger kracht es auch, und man erreicht das Ziel erst gar nicht, und gefährdet damit nicht nur sich selbst, doch garantiert besonders andere.

        Zum Glück sind jetzt zwei Hektiker weniger auf der Feuerwache. Die Mehrzahl dort hat nun Grund zur Freude.

      • Man kennt doch deutsche Baustellen. Da wird meist nur von 12 bis Mittag gearbeitet.
        Und das ist kein April-Scherz.

        • @ Augusta Victoria
          Feuerwehren schleichen in Taucha tags schneller, als nachts auf Schienen.

  4. Französischer Ex-Präsident Hollande: Minsker Abkommen diente Aufrüstung der Ukraine

    https://www.unser-mitteleuropa.com/105576

    Der französische Ex-Präsident (2012 – 2017) François Hollande sprach nun erstmals offen aus:

    Das sogenannte „Minsker Abkommen“ wäre für den Westen ein internationales Täuschungsmanöver zum Zwecke der nachhaltigen Aufrüstung der Ukraine gewesen – und zwar in einem Interview für die ukrainische Staatszeitung „Kyiv Independent“.

    „Merkel hatte Recht“

    Er bezog sich dabei auch auf die deutsche Ex-Kanzlerin: „Angela Merkel hatte Recht.“

    Denn seit 2014 habe die Ukraine ihr militärisches Potenzial sukzessive gestärkt.

    „Die ukrainische Armee ist in der Tat ganz anders als 2014.

    Sie wurde besser ausgebildet und besser ausgerüstet.

    Es ist das Verdienst der Minsker Vereinbarungen, dass Kiew eine solche Gelegenheit gegeben wurde.“ (Hollande)

    Hollande zufolge wäre die geopolitische Situation nach 2014 nicht günstig für die Ukraine gewesen. Und auch der Westen brauchte eine Pause.

    „Euromaidan“-Putsch 2013 – 14

    Der Ukraine-Krieg hat aber seine Wurzeln im sogenannte „Euromaidan“ (ab 21. November 2013), in Wirklichkeit aber ein Putsch des Westens zur politischen Beeinflussung des Ukraine.

    Russische Unabhängigkeits-Referenden

    Ende September 2022 fanden durch Russland initiierte Referenden in den Volksrepubliken Donezk, Lugansk und den Regionen Herson und Saporischschje statt, wo eine überwältigende Mehrheit der Wähler den Anschluss an Russland unterstützte.

    Daraufhin unterzeichneten Putin und regionale Führer im Kreml Abkommen über die Aufnahme neuer ukrainischer Gebiete an Russland.

    „Spezielle Militäroperation“

    Seit dem 24. Februar läuft in der Ukraine eine von Präsident Putin so bezeichnete „spezielle Militäroperation“.

    Das Staatsoberhaupt nannte die Befreiung des Donbass und die Schaffung von Bedingungen, die die Sicherheit Russlands garantieren, sein oberstes Ziel.

    Stellvertreterkrieg des Westens

    Vor diesem Hintergrund unterstützen die USA und ihre Nato-Verbündeten mit Waffenlieferungen im Wert von mehreren zehn Milliarden Dollar Kiew.

    Moskau hat wiederholt erklärt, dass westliche Waffenlieferungen den Konflikt nur verlängern werden und Waffenlieferungen zu einem legitimen Ziel für das russische Militär werden. ALLES LESEN !!

  5. Wenn die Leute begreifen würden, das man solche ,,,Beamte,,, und das ganze korrupte System innerhalb einer Woche weghaben könnte.
    Aber 70% schauen und glauben immer noch den Mainstreammedien.

  6. Die Baufirmen bedienen oftmals mehrere Baustellen gleichzeitig um ihre sklaven optimal auszulasten/-beuten und die Aufträge/Einnahmen über das ganze Jahr zu garantieren, deshalb entsteht für den Aussenstehenden der Eindruck, dass nur bis Mittag gearbeitet wird so wie zu DDR-Zeiten, wo sogar Alkohol während der Arbeit Usus war und dann natürlich ab Mittag alle schwächelten, das Paradies auf Erden, welches die AfD-Wähler verraten haben, pfui Teufel

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