Warum ich nicht über den Fall Fernandes-Ulmen berichte

Fall Fernandes

Ich bekam eine Anfrage warum qpress nicht über den Fall Fernandes-Ulmen berichtet. Hier meine Antwort darauf:

Es gibt diese Themen, bei denen man schon nach den ersten Zeilen spürt, dass jede weitere Silbe zu viel ist. Nicht, weil sie zu komplex wären. Nicht, weil sie zu brisant wären. Sondern weil sie in ihrer ganzen Aufmachung vor allem eines sind: belanglos. Aufgeblasener Promi-Müll, künstlich beatmet von einer Medienlandschaft, die längst vergessen hat, den Unterschied zwischen öffentlichem Interesse und öffentlicher Neugier zu erkennen.

Genau deshalb berichte ich darüber nicht. Und genau deshalb wird es hier keine Nacherzählung, keine Häppchen, keine Spekulationsschleifen und kein empörtes Mitfiebern geben. Wer wissen will, welcher Name mit welchem Namen in welcher angeblich weltbewegenden Befindlichkeit verknüpft wird, findet dafür an jeder digitalen Straßenecke genug Clickbait-Schrott. Dort wird aus jeder Mimik ein Skandal, aus jedem Schweigen ein Statement und aus jeder Nebensächlichkeit ein nationaler Ausnahmezustand gebastelt.

Man könnte darüber lachen, wenn es nicht so unerquicklich wäre.

Denn das eigentlich Ärgerliche ist nicht einmal der Klatsch selbst. Klatsch hat es immer gegeben, und menschliche Neugier wird sich nie vollständig abschaffen lassen. Das Problem ist die schamlose Überhöhung solcher Belanglosigkeiten zum medialen Großereignis. Da wird mit großem Getöse ein Thema aufgeladen, das bei nüchterner Betrachtung kaum die Haltbarkeit eines Kaugummis unter der Parkbank hat. Hauptsache, es klickt. Hauptsache, es triggert. Hauptsache, irgendein Promi-Name hält die Maschine am Laufen.

Und während sich Redaktionen, Portale, Kanäle und Dauerkommentatoren auf diesen seichten Abfall stürzen, bleiben die wirklich relevanten Fragen irgendwo zwischen Werbebanner und Algorithmus liegen. Themen, die Menschen tatsächlich betreffen. Themen, die Substanz hätten. Themen, bei denen es um soziale Not, politische Fehlentwicklungen, wirtschaftliche Unsicherheit, Einsamkeit, Krankheit, Bildung, Pflege, Wohnungsmangel oder den ganz normalen Wahnsinn des Alltags geht. All das ist offenbar zu anstrengend, zu vielschichtig oder schlicht zu wenig glamourös für jene Teile der Medienwelt, die lieber in der warmen Pfütze des Promi-Gewässers plantschen.

Man muss sich das einmal in aller Ruhe vor Augen führen: Da draußen kämpfen Menschen mit Rechnungen, mit Ämtern, mit existenziellen Sorgen, mit psychischer Überlastung, mit dem Gefühl, von Politik und Öffentlichkeit längst nicht mehr gesehen zu werden. Familien wissen nicht, wie sie Monat für Monat über die Runden kommen sollen. Alte Menschen vereinsamen. Junge Menschen verlieren Orientierung. Arbeitnehmer werden bis zur Erschöpfung flexibilisiert, während man ihnen zugleich erklärt, sie müssten nur resilienter werden. Und mitten in diese reale Welt hinein dröhnt der mediale Lautsprecher mit der nächsten aufgedunsenen Promi-Posse, als hinge das Schicksal der Republik davon ab.

Nein, tut es nicht !

Es sagt allerdings eine Menge über die Verfassung unserer Medienkultur aus, wenn genau solcher Stoff derart hemmungslos verwertet wird. Offenbar gilt inzwischen jede Banalität als verwertbar, sofern nur ein paar bekannte Namen daran kleben. Das ist nicht nur unerquicklich, das ist auch eine Form der intellektuellen Verwahrlosung. Eine Öffentlichkeit, die sich im Minutentakt mit derartigen Nebelkerzen abspeisen lässt, verlernt irgendwann, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Dann wird Relevanz nicht mehr nach Bedeutung bemessen, sondern nach Reichweite. Und Niveau wird endgültig durch Lautstärke ersetzt.

Selbst für boulevardeske Verhältnisse ist manches davon kaum noch zu unterbieten. Man möchte fast sagen: Das hat schon zu wenig Substanz für die Schlagzeile, die sich sonst auch noch aus dem dünnsten Aufguss eine Sensation presst. Und ja, das will etwas heißen.

Qpress muss da nicht mitmachen. Ich muss da nicht mitmachen. Nicht jeder Köder, der im digitalen Schmutzwasser treibt, muss aufgenommen und wieder ausgespuckt werden. Es gibt keinen publizistischen Mehrwert darin, die hundertste Aufregungswelle über etwas zu reproduzieren, das außerhalb der Erregungsökonomie praktisch keine Bedeutung hat. Ich sehe nicht ein, warum ich meine Zeit und die Aufmerksamkeit der Leser an Themen verschwenden sollte, deren einziger Zweck darin besteht, für ein paar Stunden das Leerlaufprogramm der Empörungsindustrie zu füttern.

Wer das unbedingt konsumieren will, hat genügend Angebote. Es gibt ganze Mediensegmente, die sich darauf spezialisiert haben, aus Nichtigkeiten Dauerrauschen zu machen. Dort werden Gerüchte geschniegelt, Spekulationen gepudert und Belanglosigkeiten mit dramatischer Musik unterlegt, bis das Publikum glaubt, es sei Zeuge eines welthistorischen Moments. In Wahrheit schaut man nur dabei zu, wie Leere professionell vermarktet wird.

Hier soll es um etwas anderes gehen. Um Themen mit Gewicht. Um Entwicklungen, die Menschen betreffen, statt nur deren primitive Neugier zu bedienen. Um Dinge, die man nicht nach drei Tagen wieder vergessen kann, weil sie eben keine Wegwerfware der Aufmerksamkeitsindustrie sind. Vielleicht ist das weniger laut. Vielleicht ist das weniger massenkompatibel. Vielleicht bringt es auch weniger hysterische Klicks. Aber es ist am Ende allemal würdiger als sich in die Reihen jener zu stellen, die jeden Promi-Fetzen zu einem medialen Staatsakt aufblasen.

Deshalb bleibt es dabei: Über solchen Klatsch und Tratsch berichte ich nicht. Nicht aus Ahnungslosigkeit. Nicht aus Desinteresse an Gesellschaft. Sondern aus Respekt vor dem Unterschied zwischen Nachricht und Müll. Zwischen Relevanz und Resteverwertung. Zwischen Journalismus und dem, was davon übrig bleibt, wenn man jedes Niveau zugunsten schneller Aufmerksamkeit über Bord wirft.

Wer unbedingt im Promi-Keller nach Schmutz wühlen will, wird anderswo fündig.
qpress darf ruhig oberirdisch bleiben.

 

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Über Torben Botterberg 3440 Artikel
Torben Botterberg verbindet Gegensätze mit einem Augenzwinkern: schwarzer Humor trifft auf Perfektionismus, ein erklärter Hang zur Prokrastination auf Texte, die erst dann das Licht der Welt sehen, wenn jedes Detail sitzt. Freiberuflich in Vermittlung und Verleih unterwegs, bewegt er sich beruflich zwischen Menschen, Projekten und Möglichkeiten, und privat am liebsten zwischen Chrom, Stern und Benz.Torben schreibt, um zu verbinden: Erfahrungen mit Einsichten, Gegenwart mit Erinnerung, Technik mit Temperament. Wenn er lacht, dann tiefschwarz, wenn er zweifelt, dann gründlich und wenn er veröffentlicht, dann mit dem Anspruch, dass jedes Wort hält was es verspricht.

11 Kommentare

  1. Der Artikel enthält sehr schöne Redewendungen und Formulierungen.- Nach 15 Jahre Ehe doch eine Entsprechung, denn 7 Jahre gelten heute doch schon als olympisch. Von daher…

  2. War es nicht eine Story des SPIEGELs? Jenes zur Posse seiner selbst verkommenes Boulevard’p’latt, deren einstiger Gründer, der olle Augstein, aus dem Kotzen nicht mehr rauskäm, so er noch leben würde? Einer verkommenen Medienlandschaft trauen heute nur noch Blinde, oder deren Profiteure. Und,… hmmmmm,… was, wenn sich diese Story dann doch mal als Hype für die betreffende Dame erweisen sollte?
    Betont sei bitte noch, dass ich jegliche widerlichen Spielchen, die das Netz ungestraft bietet, schärfstens verurteile.

  3. „Aufgeblasener Promi-Müll“ ist eine sehr schöne Formulierung, auch wenn ich die Namen der beiden involvierten „Promis“ bis vor wenigen Tagen noch nie gehört habe. Ob die Affäre tatsächlich „belanglos“ ist darf aber bezweifelt werden: sie dient als Steilvorlage für neue gesetzliche Restriktionen im Netz – gegen Cybervergewaltigungen oder was die digital-virtuelle Welt an neuen grässlichen Schweinereien noch so bereit hält, die ein fürsorglicher Staat selbstverständlich „nachhaltig“ bekämpfen muß…

  4. Auch für Christian Ulmen gilt das dubio pro reo. Anscheinend hat der linke Mob nichts gelernt nach den Reinfällen bei Kachelmann, Lindemann, Ofarim und anderen. Es heißt, dass Fernandes, von Hodenberg und Ballon, die Vorsitzenden von HateAid, sich schon 2023 getroffen und über das Thema gesprochen hätten. Den Beiden wurde übrigens die Einreise in die USA verweigert. Auch soll sich Hubig schon im Oktober 2025 mit den Beiden getroffen haben, um über das Thema zu sprechen. Aber was tut man nicht alles für ein paar Klicks und mehr verkauft Postillen? Wenn dann alles doch nicht so war, geht man zur Tagesordnung über, aber das Leben eines Menschen ist unwiderruflich zerstört. Wenn er es doch war, sollte die Härte des Gesetzes mit voller Wucht zuschlagen, aber man sollte zumindest abwarten, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind.

  5. Der Legende nach begann die Euthanasie mit einem Hilfeersuchen an den Führer. Ein besorgter Vater wollte seinen Sohn von dessen Qualen erlösen.
    Später wurden die Angehörigen nicht mehr gefragt, wenn so ein Mündel an ganz natürlichen Krankheiten verstarb.
    Vielleicht sollten wir uns aber Fragen, was wird wirklich mit dieser perfekt vorbereiteten Gutmenschen-Aktion bezweckt? Sollen vielleicht satirische Bilder und Texte verboten werden? Vor allem wenn es sich dabei um Volksverwalter handelt?

    • Es soll damit bezweckt werden, dass man bei „Delegitimation des Staates“, womit sich die Politnieten meinen, der Staat sind aber wir, die Bürger, morgens um 6 gleich an die richtige Tür klopft. Klarnamenpflicht ist der feuchte Traum derer, anscheinend haben die die Hosen voll bis zum Gürtel.

  6. Geistige …

    Das Leben genießen,
    wenn ringsumher sprießen
    die Gier und der Neid
    in unserer Zeit,
    nicht nur nach Geld,
    nach Macht in der Welt,
    macht die Welt krank,
    sind Gott sei Dank
    davon nicht verhunzt,
    ansich eine Kunst,
    die man lernen muss
    bei all dem Stuss,
    den der Zeigeist verbreitet,
    der Dumme verleitet,
    nicht selber zu denken,
    lassen sich lenken
    von Freiheitsklauern,
    die überall lauern,
    Verstand zu vernichten,
    ihre Macht zu errichten.
    Doch wir sagen nein
    zum Wahnsinnsverein:
    Schmiert euch doch selbst an die Backe
    eure geistige Schlacke.

  7. Gülle in Hülle und Fülle

    Was schreiben die da für ein Blech
    mit allerlei Brimborium.
    Der Mediennutzer hat das Pech,
    man verkauft ihn für dumm,
    und die für dumm verkaufen gern
    leben, so scheint’s, in einer Hülle,
    die hat keine Substanz im Kern,
    nur woke gutmenschliche Gülle
    – in Fülle.

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