Markus Lanz und das Risiko von Extremsportarten: Möllemann lässt grüßen

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Bildquelle : heute.at

 

Man kann Markus Lanz vieles nachsagen – dass er sich um klare Worte drückt, gehört selten dazu. Doch was der beliebte ZDF-Talker im Podcast mit Richard David Precht abgeliefert hat, lässt selbst abgebrühte Zuschauer schlucken. In einem einzigen Satz schaffte es Lanz, gleich mehrere politische Minenfelder zu betreten – und das ohne Sicherheitsausrüstung. Wer sich an den Fall Jürgen W. Möllemann erinnert, weiß: Wer im deutschen Diskurs zu Israel die falschen Worte wählt, sollte Extremsportarten künftig meiden.

Ein Satz, viele Abgründe

Zur Erinnerung: Lanz äußerte in besagtem Podcast die Überlegung, es könne doch sein, „dass Israel diejenigen sind, diese israelische Regierung, Netanjahu um’s konkret zu machen, oder auch Leute wie Smotrich und andere, Ben-Gvir zum Beispiel, diese harten Fanatiker in diesem Kabinett, dass die genau dieses Chaos wollen. Weil es ablenkt von der Art und Weise wie sie im Westjordanland gerade unglaublich Fakten schaffen.“

Und er legt nach: „Sie sind sogar dabei Teile von Syrien zu besetzen, im Süden. Sie etablieren Pufferzonen im Libanon usw. Und wenn man es durch diese Brille betrachtet, dann wird das alles plötzlich ganz klar.“

Lanz stellt die Frage in den Raum, ob Israel bewusst Chaos stiftet, um von illegalen Siedlungsbauten und völkerrechtlich fragwürdigen Aktivitäten abzulenken.

Möllemann 2.0?

Da werden Erinnerungen wach: Jürgen W. Möllemann war Anfang der 2000er-Jahre das bekannteste politische Opfer des deutschen Tabus rund um Israel-Kritik. Damals wie heute galt: Wer zu weit geht oder auch nur den Anschein von Schuldzuweisung erweckt, riskiert nicht nur seinen Ruf sondern auch sein (politisches) Überleben.

Lanz ist kein Politiker. Doch als einer der bekanntesten Talkmaster des Landes trägt er eine Verantwortung für die gesellschaftliche Debatte, auch und gerade dann wenn es unbequem wird. Wer sich mit derart kühnen Thesen aufs Glatteis wagt, sollte sich über die Sprengkraft seiner Worte im Klaren sein.

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Der Preis der Provokation

Lanz steht nun dort, wo deutsche Meinungsmacher selten freiwillig hinwollen: Im Scheinwerferlicht einer Debatte über rote Linien und Meinungsfreiheit. Seine Aussagen sorgen für Empörung, zurecht oder unrecht spielt dabei kaum noch eine Rolle. Was zählt ist der Eindruck: Da spricht jemand aus dem Bauch heraus über ein Thema von historischer Sensibilität ohne Netz und doppelten Boden.

Keine Extremsportarten für Markus Lanz

Die Moral von der Geschicht’? Wer sich im deutschen Diskurs zur Israel-Frage weit aus dem Fenster lehnt, sollte zumindest wissen: Der Wind weht hier rauer als anderswo. Markus Lanz hat diese Erfahrung jetzt gemacht hoffentlich ohne Bruchlandung.

Vielleicht tut er gut daran, vorerst auf riskante Extremsportarten zu verzichten.

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Über Torben Botterberg 3419 Artikel
Torben Botterberg verbindet Gegensätze mit einem Augenzwinkern: schwarzer Humor trifft auf Perfektionismus, ein erklärter Hang zur Prokrastination auf Texte, die erst dann das Licht der Welt sehen, wenn jedes Detail sitzt. Freiberuflich in Vermittlung und Verleih unterwegs, bewegt er sich beruflich zwischen Menschen, Projekten und Möglichkeiten, und privat am liebsten zwischen Chrom, Stern und Benz.Torben schreibt, um zu verbinden: Erfahrungen mit Einsichten, Gegenwart mit Erinnerung, Technik mit Temperament. Wenn er lacht, dann tiefschwarz, wenn er zweifelt, dann gründlich und wenn er veröffentlicht, dann mit dem Anspruch, dass jedes Wort hält was es verspricht.

6 Kommentare

  1. Rate mal warum u.a. @Unbetreut Denken und @August hier nicht mehr posten!?

    Wenn die Kommentare nicht mehr unter Google aufrufbar sind, kann man sich die Recherche auch sparen——soviel zum 4. Reich Hitlers es ist vollbracht, und tschüss

  2. Israel ist berüchtigt dafür Kritiker und Gegner gnadenlos aus dem Weg zu räumen. Mit Drohung, Erpressung, Repressalien oder eben auch politischem Mord.
    Wenn dieser Lanz Auftritt nicht inszeniert war, aber davon gehe ich aus, wird Lanz nicht mehr lange moderieren.
    Pro und Contra Israel ist im Diskurs ohnehin sehr polarisiert. Während die einen Israel als Schurkenstaat sehen, sehen andere in Israel ein Bollwerk gegen den Islamismus. Dabei wird Hass auf Israel, Hass auf die Zionisten kräftig mit Antisemitismus vermengt.
    Und unsere Regierung und ihre Sprachrohre lavieren in den türkischen Gewässern zwischen den Lagern. Zwischen dem Holocsaust bedingten Gehorsam und der Angst vor dem importierten Islamismus. Eine Differenzierung findet kaum statt. Lanz hat den Versuch gewagt….. die Folgen bleiben abzuwarten

  3. Dieser Podcast diente dazu den ZDF-Talker M.Lanz in den Olymp zu befördern, der für die scheinbar als besonders kritisch nachdenkenden Moderatoren reserviert ist . Das ist ihm gelungen, indem er am Ende es letztlich noch schaffte, mit dem von der BBC in die Welt gesetzten „30 000 Toten Demonstranten Fake“ alles zuvor Gesagte zu relativieren und den Gruselfaktor bei den Zuhörern voll bediente. – Er hat nichts zu befürchten. Im Gegenteil

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