ARD – Reispapier-Jesus und das letzte Abendmahl der Kirchenbindung: Ein Nachruf auf den weihnachtlichen Sendeschock

Kirche
Die ARD übertrug an Heiligabend einen Weihnachtsgottesdienst aus der Kirche St. Maria in Stuttgart mit einer ungewöhnlichen Darstellung von Jesus als lebender Mensch in nassem Reispapier. ARD

Heiligabend, die Familie sitzt gespannt vorm Fernseher, das Lametta hängt schief am Plastikbaum, die Geschenke sind längst ausgepackt – was könnte den besinnlichen Abend noch toppen? Natürlich: ein öffentlich-rechtlich geförderter Gottesdienst mit einer Jesus-Darstellung, die selbst Salvador Dalí in den Wahnsinn getrieben hätte. Die ARD, stets bemüht um Innovation im Quotenloch, sendet aus Stuttgart einen Weihnachtsgottesdienst, bei dem Jesus nicht nur als Mensch, sondern als atmender „Alien“ in nassem Reispapier auf einem Strohbett liegt. Halleluja und Amen – die Austrittsformulare für die Kirche bitte gleich neben den Lebkuchen platzieren! Die Vorstellung eines Jesus in solch einer skurrilen Darbietung ist nicht nur ungewöhnlich, sie wirft auch Fragen auf: Was bedeutet es, den Messias in einer solch surrealen und verletzlichen Form darzustellen? Vielleicht ist es ein Spiegel unserer eigenen Unsicherheiten und Ängste in einer Zeit, in der die Institution Kirche mehr denn je angezweifelt wird.

Der neue Messias: Reispapier statt Leinen

Doch nicht nur die visuelle Darstellung löst Kontroversen aus. Vielmehr ist es die Frage, die sich viele stellen: Was stellen wir mit unserem Glauben an, wenn wir ihn auf diese Weise präsentieren? Es ist eine Herausforderung an die Betrachtungsweise des Publikums und eine Einladung, sich mit der eigenen Spiritualität auseinanderzusetzen. Es stellt sich auch die Frage, inwiefern Kunst und Religion miteinander verbunden sind und ob die Kirche bereit ist, sich für neue Ausdrucksformen zu öffnen oder ob sie an ihren Traditionen festhalten möchte, die immer weniger Menschen ansprechen.

Wer jetzt denkt, er habe versehentlich in eine Folge von „The Masked Singer“ gezappt, irrt. Was hier auf Stroh röchelt und durch einen Strohhalm Luft schnappt, ist keine vegane Sushirolle auf Abwegen, sondern laut der verantwortlichen Künstlerin Milena Lorek eine künstlerische Annäherung an „menschliche Verletzlichkeit“. Diese Darstellung ist sowohl faszinierend als auch verstörend. Während Oma noch nach dem Weihwasser greift und Opa das Reißverschlussfach für seine Kirchensteuerbeiträge sucht, erklärt Pfarrer Thomas Steiger tapfer: „Wir wollen nicht provozieren, aber auch nicht wegschauen.“ Diese Worte scheinen wie ein Hilferuf aus der Kirche zu klingen, die verzweifelt versucht, Relevanz zu bewahren. Man muss sich das bildlich vorstellen: Ein erwachsener Mann liegt nackig unter transparentem Reispapier – irgendwo zwischen Kaiseki-Küche und Performance-Theater – und atmet mit letzter Kraft durch einen Strohhalm. Wer braucht da noch Wunder? In einer Welt, die von digitalen Umsetzungen überflutet wird, scheint der traditionelle Glaube auf der Strecke zu bleiben. Diese Darbietung ist ein Zeichen der Zeit, eine Kunstform, die die Lücke zwischen modernen Ansichten und alten Traditionen versucht zu überbrücken.

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Die Szene zeigte den Darsteller nackt auf einem Strohbett liegend. ARD

Ist das noch Kunst oder kann das weg?

Die sozialen Netzwerke explodieren schneller als der Backofen zur Plätzchenzeit. Die einen schreien „krank“ und „abartig“, andere fühlen sich an eine feuchte Folge „Akte X“ erinnert. Die „Bild“ titelt genüßlich: „ARD zeigt Weihnachtsmesse mit Schleim-Jesus“. Diese Reaktionen sind nicht nur Ausdruck der Verwirrung, sondern auch der Enttäuschung vieler Gläubiger, die sich nach der traditionellen Weihnachtsbotschaft sehnen. Endlich hat man einen Grund mehr, bei der nächsten Familienfeier das Thema Religion zu meiden. Die Spaltung in der Gesellschaft wird durch solche Darstellungen jedoch nur verstärkt, anstatt zu einer gemeinsamen Diskussion über Glauben und Werte zu führen.

Natürlich lassen auch konservative Politiker nicht lange auf sich warten. CDU-Stadtrat Klaus Nopper spricht von „Wokeness“, gesellschaftlichem Untergang und Werteverfall. Maximilian Mörseburg (Ex-CDU-Bundestagsabgeordneter) vermutet gar den letzten Kontaktpunkt zur Kirche sabotiert – als wäre es bislang allein die Schuld der ARD gewesen, dass die Kirchenbänke leer bleiben und nicht etwa jahrzehntelanger Missbrauchsskandale oder weltfremde Dogmatik.

Die Debatte über Kunst und Religion wirft auch die Frage auf, wie die Kirche in der modernen Welt wahrgenommen wird. Während konservative Stimmen vor einem Werteverfall warnen, gibt es auf der anderen Seite eine wachsende Bewegung von Menschen, die nach neuen spirituellen Erfahrungen suchen. Es ist ein Balanceakt zwischen Tradition und Innovation, und die Kirche steht am Scheideweg.

Die Kirche: Kunstvoll vor dem Abgrund

Aber vielleicht ist genau das das Problem: Die Kirche steckt so tief in der Krise, dass sie jetzt wirklich alles ausprobiert. Nackte Darsteller auf Stroh? Check. Reispapier statt Windeln? Check. Atemnot als Metapher für spirituelle Sinnsuche? Doppelt-Check! Währenddessen verlassen Gläubige in Scharen die Institution – ganz ohne künstlerische Installation. Vielleicht hätten sie einfach mal fragen sollen: „Wollt ihr’s klassisch oder lieber avantgardistisch?“ Spoiler: Die Antwort steht längst im Mitgliederregister.

Die Verantwortlichen schweigen derweil eisern – SWR und Diözese Rottenburg-Stuttgart reagieren wie üblich: Man duckt sich ab, wartet auf den nächsten Shitstorm und hofft, dass bis Ostern alle wieder vergessen haben, wie Jesus diesmal aussah. Oder ob er überhaupt noch kommt.

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Pfarrer Thomas Steiger verteidigte die Darstellung als künstlerisches Mittel zur Darstellung von menschlicher Verletzlichkeit und Unsicherheit. Diözese Rottenburg Stuttgart

Zwischen Alien-Messias und Austrittswelle

Der Sog der Veränderung zieht viele mit sich. Dabei wäre es doch so einfach gewesen: Ein bisschen Kerzenschein, ein paar vertraute Lieder – vielleicht sogar ein Krippenspiel mit echten Kindern statt Kunststudenten im Sushi-Look. Aber nein: Weihnachten muss jetzt offenbar transzendental schockieren oder wenigstens für ein virales Meme taugen. Diese Tendenz zur Provokation scheint ein verzweifelter Versuch zu sein, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wer möchte da noch freiwillig Mitglied bleiben? Da hilft kein Weihrauch mehr – höchstens Räucherstäbchen gegen den Angstschweiß. Die Suche nach einem Platz in der heutigen Gesellschaft könnte die Kirche dazu zwingen, ihre Konzepte zu überdenken, um nicht weiter an Bedeutung zu verlieren.

Und während draußen die letzten Kirchgänger verstört ins Dunkel taumeln („War das jetzt Satire oder schon Blasphemie?“), reibt sich die ARD die Hände: Endlich mal wieder Einschaltquoten jenseits der Tagesschau! Die Austrittszahlen steigen weiter, aber hey – wenigstens reden alle drüber. Diese Aufmerksamkeit könnte sowohl Fluch als auch Segen sein.

Kunstfreiheit schön und gut

Vielleicht sollte man beim nächsten Mal überlegen, ob man nicht doch wieder zum guten alten Krippenkind zurückkehrt. Oder einfach ehrlich ist und sagt: Wir wissen auch nicht mehr weiter. Frohe Weihnachten! In einer Zeit, in der die Menschen mehr denn je nach Sinn und Gemeinschaft suchen, könnte es an der Zeit sein, dass die Kirche sich auf die wesentlichen Werte besinnt, die sie ausmachen. Ein Aufruf zur Rückkehr zu den Wurzeln könnte nicht nur die Gläubigen zurückgewinnen, sondern auch neue Generationen ansprechen, die auf der Suche nach authentischen spirituellen Erfahrungen sind.

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Über Torben Botterberg 3350 Artikel
Torben Botterberg verbindet Gegensätze mit einem Augenzwinkern: schwarzer Humor trifft auf Perfektionismus, ein erklärter Hang zur Prokrastination auf Texte, die erst dann das Licht der Welt sehen, wenn jedes Detail sitzt. Freiberuflich in Vermittlung und Verleih unterwegs, bewegt er sich beruflich zwischen Menschen, Projekten und Möglichkeiten, und privat am liebsten zwischen Chrom, Stern und Benz. Torben schreibt, um zu verbinden: Erfahrungen mit Einsichten, Gegenwart mit Erinnerung, Technik mit Temperament. Wenn er lacht, dann tiefschwarz, wenn er zweifelt, dann gründlich und wenn er veröffentlicht, dann mit dem Anspruch, dass jedes Wort hält was es verspricht.

10 Kommentare

  1. Da macht sich jemand Gedanken um diesen alten Glauben… Es sei ihm unbenommen.
    Genauer betrachtet ist es der Glaube an eine durch viele Geschichten zusammengeglaubte Kunstfigur namens Jesus, ins Leben gerufen durch einen, der diesen nie erlebt hat – und dessen Leben von einem Evangelium zum nächsten weiter ausgeschmückt wurde von Leuten, die nicht nur unbekannt bleiben, sondern die diesem Messias nie begegnet sein konnten. Von der Geburtsgeschichte (Sol Invictus, Mitras) bis zur Hinrichtung (Gottessohn Marduc aus Babylon, incl Stichwunde und 1100 Jahre älter) – alles nur geklaut! Und dank Konstantin des Kleinkarierten im 4. Jhd mutierte die ehemals recht friedfertige Bewegung in eine bestialisch alles andersgläubige dahinraffende Kriegsreligion. Die es genau betrachtet auch heute noch ist, allen klerikalen Friede-Freude-Eierkuchen-Beteuerungen zum Trotz.
    Was suchen die Menschen? Seit allen Zeiten bis heute? Hoffnung, Halt, Stärkung des Selbst, eben all das, was gerade die Kirche den Menschen genommen hat, um die Abhängigkeit von ihr zu stärken. Das Selbstbewusstsein, die Selbstheilungskräfte, die in uns allen stecken, aber (nicht nur vom Glauben!) verdeckt werden. Und jeder hat diese Kräfte in sich, die wenigsten erkennen sie. Keiner von uns, um es ein wenig radikal zu sagen, braucht einen anderen Gott neben sich.
    Und leider herrscht auch heute, in der in Deutschland die Zahl der Konfessionsfreien die der Christen übersteigt, im ÖRR-Raum die Arroganz vor, den Kirchen den Teppich auszulegen, statt gesellschaftskonform Weltanschauungsredaktionen einzurichten.

    Es gäbe Bände zu schreiben…. Ich reech mich nur uff, und besinne mich mal wieder auf mich, und meine Lieben.
    Guten Rutsch und ein erkenntnisreiches ’26.

  2. Diese Darstellung, der Kirche(!), habe ich auch gesehen- in ru.de.
    Aber ich habe mich entschlossen, die ‚Weihnachtsansprache‘ eines Verwandten des Otto von Bismark anzuhören. Hat mich aber auch nicht überzeugt.
    Für den Propagandafunk der BRD habe ich überhaupt nichts übrig, aber wenn sie es richtig sehen, hat die ARD die Darstellung der Kirche weiter gegeben. Man sehe erst in die Nachricht, bevor man dem Boten den Kopf entfernt.

    Der Ansicht meines Vor- schreibers schliesse ich mich an, das es eine tausendjährige Weiterführung der Geschichte/ Märchens Geburt bzw. Auferstehung IST – das Märchen und Kirche.
    https://www.youtube.com/watch?v=Prk87Aqxoas

    Abgesehen davon bin ich der Meinung, das es Menschen/ Gehirne gibt, die einen Gott brauchen, sonst werden die Irre.
    Da das Gehirn, speziell des Homo Sapiens, noch unerforschter ist, wie die Weltmeere, nehme ich an, der Mensch braucht diese Träume.
    Ja, Träume! Wer kann sich vorstellen traumlos zu schlafen?
    Genau so geht es scheinbar, auch hochintelligenten Individuen, mit dem Glauben.
    Das ist, wenn sie nicht einem Wahn verfallen, meiner Ansicht nach, etwas ganz natürliches. Der Wahn ist aber schon die Kirche! Mit der Kirche folgt die Indoktrination (der Kinder). Habe ich alles durch gemacht- Kommunion, Firmung, alles mit dem Ziel das Glaubensbekenntnis ‚im Schlaf‘ aufzusagen.
    Aber die Kirche war schon in meiner Jugend miserabel, bis schlecht- und durchschaubar. Bei mir haben die, glücklicherweise, versagt.

    Das ändert trotzdem nichts an meiner Ansicht, das manche Menschen an etwas Glauben wollen/ müssen/ können. Nur sollten sie keiner Kirche/ Sekte beitreten, denn dann sind sie Verloren. Gruß Karl

  3. Die Christen haben sich 10 Gebote gegeben – halten sich aber gewöhnlich nicht dran.

    Ich bin ein konsequenter Mensch mit diesen 10 Geboten – an die halte ich mich aber .
    1 ) Die Kunst des Lebens ist leicht zu lehren – du
    darfst nur nicht zu viel für dich begehren.
    2 ) Füge keinem Anderen zu, was du nicht willst, das
    man dir tue.
    3 ) Lass nichts Böses in deinen Gedanken sein.
    4 ) Versuche nie glücklicher, als glücklich zu sein.
    5 ) Wer Anderen nach dem Leben trachtet, verdient
    das eigene nicht.
    6 ) Nutze den Tag, denn bist du heute faul, wirst
    du morgen traurig sein.
    7 ) Spare in der Zeit – dann hast du in der Not.
    8 ) Sei nicht einfach nur gut, sondern sei gut für
    etwas und dabei stets für Frieden.
    9 ) Verlange viel von dir selbst und wenig von den
    Anderen.
    10) Eile ist immer der größte Feind bei allem.

  4. Wohlstand/Frieden im Kapitalismus führt zu weltweit ungebundenen kinderlosen Singlehaushalten die das perverse Profitsystem gefährden, deshalb haben sich Trump/Putin/AfD vorgenommen den Wohlstand/Frieden zu killen, damit die Erdenwürmer wieder gezwungen sind sich von ihren Kindern ernähren zu lassen so wie in den Entwicklungsländern——-soviel zur Förderung von christlichen prekären/dysfunktional/toxischen Familien, denn solche suboptimal/vernachlässigten Kinder sind die Hauptwählerschaft von Trump/AfD, diabolismus 2.0, pfui Teufel

  5. Nachtrag zum Nachtrag: Der sadistische Liebesentzug im Kindesalter ist die Hauptproduktivkraft im perversen Profitsystem, weil das total seelisch traumatisierte/verunsicherte Kind in seinem Leben alles unternehmen wird um Liebe/Anerkennung zu bekommen, egal Wodurch und von Wem——-soviel zur Bedeutung der Demokratie/Säkularisierung um sich von dem christlichen Ehe-/Nachwuchs-Zwang insbesondere für Erdenwürmer die nicht mal in der Lage sind für sich selber zu sorgen, zu befreien und solche christlichen Selbstmorde wie u.a. bei den Kessler-Zwillingen zu verhindern, we shall overcome, Internationale Solidarität

  6. Es gibt ja diesen Spruch sinngemäß: „wo viel Licht da viel Schatten“ der ja rein physikalisch/sonnenstand nicht stimmig ist, aber bei den sogenannten erfolgreichen fleißigen Erdenwürmern durchaus seine Berechtigung hat, denn wer sich ständig selber schlaucht/ausbeutet benötigt einen unersättlichen inneren Antrieb, siehe:

    https://www.huffpost.com/entry/mary-trump-theres-1-reason-why-trump-renamed-the-kennedy-center-and-its-a-tragedy_n_694ae11fe4b0d09497f9da61

    Soviel zur Bedeutung des Buddhismus/Hinduismus/Yoga usw. und dem inneren Frieden/Zufriedenheit die nur durch eine Selbstannahme/-akzeptanz/-liebe gefunden/gepflegt werden kann und sich insbesondere durch ein unbeschwertes/leichtfüßiges, sogenannten „faulen“ Buddha-Dasein äußer, siehe der zukünftige Präsident der USA und seine Frau:

    https://www.hindustantimes.com/world-news/us-news/isnt-usha-vance-hindu-jd-vances-christianity-is-america-s-dream-remark-sparks-reactions-101766362636993.html

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