»Massenpsychologie und Ich-Analyse« (Freud) oder wenn der Wahn die Massen ergreift. 10. Teil

2025 06 17 sigmund freudAllgemeiner Hinweis: Der folgende Text ist der 10. Teil einer Reihe von Texten, die nach und nach im Vordruck auf QPress.de in eine »Einführung in die Kritik der Psychoanalyse im Kontext des alltäglichen Nahbereichs« eingehen sollen. Die Kritik insgesamt wird in Ende 2027 in drei Bänden erscheinen. Die bisherigen Teile sind im Quellverzeichnis aufgeführt.

E10 Menschen erzeugen in sich eine Verbindung zur Gesellschaft, die gestört ist

Die bisherigen Teile zur »Einführung in die Kritik der Psychoanalyse« (E1 bis E9) möchte ich so zusammenfassen, dass psychische Störungen oder Krankheiten, die das Innenleben beschweren, als da sind (Zwangs‑) Neurosen, Psychosen, Borderline-, narzisstische Persönlichkeitsstörungen (BPS[1], NPS) etc., sich generell dadurch auszeichnen, dass sie vom Subjekt im Konflikt mit seiner sozialen Umgebung ausgebildet, mithin Konflikte krankhaft und krankmachend – also gestört – verarbeitet werden; mit Auswirkungen auf das Subjekt (in sich) wie auf die soziale Umgebung. Dabei liegt der Focus zunächst auf dem leidenden Subjekt, das sich für gewöhnlich überfordert sieht, Spannungen, die sich in der sozialen Umgebung immer mal zwangsläufig ergeben, sozialverträglich oder »normal« zu verarbeiten, auch weil die soziale Umgebung für gewöhnlich nicht hinreichend »intakt«[2] ist, sodass vor allem weniger privilegierte Subjekte, etwa Arbeitslose oder andere Verlierer der Gesellschaft, sich schnell überfordert zeigen.

Unbenommen davon mag es eine genetisch bedingte Veranlagung geben, die es wahrscheinlicher macht, dass psychische Störungen ausgebildet werden; zwar immer mehr, gleichwohl zum Teil weniger oder überhaupt nicht auffällig; dies vor dem Hintergrund, dass psychische Störungen nicht immer auf nämliche Weise ausgebildet werden, bzw. sie verändern ihr Erscheinungsbild in Abhängigkeit zum Zeitgeschehen, etwa Hysterien: sie sind heute vielleicht weniger beschwerlich für den, der sie zwanghaft auslebt, dafür indes nicht weniger beschwerlich für nicht sonderlich intakte soziale Umgebungen oder Strukturen, noch ohne dass die Subjekte wissen, wie ihnen darin geschieht, etwa wenn sie sich mit psychisch gestörten Politikern wie zum Beispiel Bundeskanzler Friedrich Merz zwar aus der Entfernung, dafür aber umso ohnmächtiger herumschlagen müssen.

Das kann in der Tat bedrücken oder komplett überfordern. Vor allem Subjekte sind betroffen, die ohne psychoanalytische Kenntnisse nicht in der Lage sind, ihren Leidensdruck kommunikativ abzufedern; und wenn sie meinen, sie seien es, nicht selten der Meinung sind, dass es so schlimm mit der sozialen Umgebung nicht sein könne oder kommen werde, wenn leidende Subjekte nur weniger starrsinnig »unangepasst« denken oder handeln würden. Dann zieht die Wohlfühl- oder Filterblase sich über den Köpfen beteiligter Kommunikationspartner zusammen, dort sie ihre Starrsinnigkeiten kultivieren.[3]

Wir haben es hier mit einem so betrüblichen wie komplexen mental-sozialen Sachverhalt zu tun, den Patrik Baab in (Baab 2025/11/06) auf knapp 1½ Stunden in einem Gespräch mit Simo Azzaoui (Meet your Mentor) versucht zu thematisieren. Er ist der Meinung, dass Politiker der EU in ihrem Verhältnis zu Russland verrückt geworden, um nicht zu sagen vom Wahn besessen sind. Er spricht von einer »Psychiatrie des Westens«, die sehr viel Ähnlichkeit aufweise mit einer in ihr »geschlossenen Abteilung«, wo Eliten ausschließlich unter sich sind, in einer Scheinwelt sich selbst bespiegeln ohne Kontakt zur Realität oder zum konfliktträchtig Realen.

Der Kontakt zum Realen löst sich schnell auf, sobald sie – siehe das BSW in Thüringen oder Brandenburg – Regierungsverantwortung übernehmen[4], um Kriegshysterien mit Unterstützung der Massenmedien indirekt zu legitimieren und alsbald auch mit zu verbreiten. Das mag auf Frau Wagenknecht noch nicht komplett zutreffen. Indes, was bislang noch nicht ist, kann – sie Joschka Fischer und die Grünen – noch werden. Letztere vor vierzig Jahren noch friedliebend aufgestellt waren.

Kurzum: man betritt die Welt der sogenannten Macht und dann interessiert das Geschwätz von gestern ganz schnell nicht mehr. So etwas nennt man dann Anpassung, ich meine eine der übelsten Art, um »dabeizubleiben«.

Im scharfen Kontrast zur Politik und Kriegsmedien gebe es, so Baab, indes immer mehr Menschen, die das Spiel nicht mehr ertragen, auch dagegen protestieren; sogar die jüngere Generation, sehr erfreulich, wache auf, weil sie sich durch die zu befürchtende Wehrpflicht in ihrer seelischen und physischen Existenz bedroht sehe. Wie sollte sie nicht? Schließlich muss man immer mehr davon ausgehen, dass Politiker, psy­chisch gestört, nicht ansprechbar sind, dazu immer verhaltensauffälliger, deshalb Empathie gegenüber leidenden Menschen vermissen lassen, unfähig, sich in die Welt von Bürgern hineinzuversetzen, die ihnen fremd sind, nicht in der Lage, das »Fremde (anderer Menschen) dem eigenen Leben zu assimilieren« (Witsch 2012, S. 11).

Hier treffen Welten von »Politik« und »Bürger« aufeinander, die sich nicht berühren, nicht erreichen oder sich immer weniger zu sagen haben. Dann hilft nur noch – wenn überhaupt – der Druck von der Straße, dem unsere Eliten mittlerweile immer massiver mit polizeistaatlichen und sogar gerichtlichen Mitteln begegnen. Indem sie die Institutionen von abweichenden Meinungen säubern (vgl. Baab 2025/11/06).[5] So ein sieb­zehnjähriger Schüler vor Gericht zitiert wird, weil er in

»zwei antimilitaristischen Memes in sozialen Medien« seine Mitschüler zum Protest gegen die Wehrpflicht sowie gegen Werbung für die Bundeswehr in den Schulen aufrief. »Das wurde ihm zum Verhängnis: Er muss vor Gericht« (RtDe 2025/11/27).

Durchaus kein Einzelfall: »Ein hessischer BWL-Professor wird suspen­diert, weil er im Haus des Compact-Chefredakteurs Jürgen Elsässer übernachtete. Ein langes Disziplinarverfahren und eine späte Rehabilitierung zeigen, wie gefährlich Kontaktschuld im Dienstrecht werden kann« (Cicero 2025/11/26). Und Patrik Baab (2025/11/06) musste seine Mitgliedschaft als Beiratsmitglied in der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung aufgeben, weil er Positionen gegen den Ukraine-Krieg vertrat, die man dort nicht mehr hören wollte. Mehr noch: die EU schafft ein

»Novum, um Kritiker und freie Presse auszuschalten (…). Ihre Botschaft: Jedem, der Unerwünschtes öffentlich äußert oder publiziert, droht die Existenzvernichtung« (RtDe 2025/11/22b).

DDR 2.0? So weit sind wir mittlerweile. Demokratie und Meinungsfreiheit waren einmal und kommen immer wahrscheinlicher nicht wieder. Für mich sind das aber auch erkennbar Symptome einer Hysterie, die sich in den Institutionen breit machen, von denen sich Bürger massiv belastet, ja terrorisiert sehen; eben weil unsere Eliten die reale Welt generell wahnhaft betrachten. Dabei leben sie nicht nur Russenphobien und Kriegshysterien, also Hass gegen Menschen, aus. Vielmehr liegt es nahe, dass sich Hysterien auf weitere Themen, etwa auf Wirtschaft, Klima und andere politische Felder, vergleichbar beziehen, etwa auf so unscheinbare Themen wie Rentenproblem, Altersarmut, Bürgergeldreform. Auch hier transportieren unsere Eliten, vor allem was das Bürgergeld betrifft, Hysterien zum Teil in Übereinstimmung mit den meisten Bürgern; die Hysterien sich, weil allgemein akzeptiert, im Kontext einer »Normalisierung der Störung«[6], weit weniger auffällig zeigen.[7]

Weit weniger auffällig hysterisch zeigt sich Hans-Werner Sinn (wie Heribert Prantl im OV-Verteiler blind präsent), obwohl er es tatsächlich ist, in einem betont sachlichem Ton, etwa wenn er sich zum Rentenproblem oder zur Altersarmut äußert: O-Ton Sinn auf Welt.de:

»Wir werden bei Babyboomern schlimme Altersarmut sehen – Ökonom Sinn greift in Rentenstreit ein« (vgl. Welt.de 2025/11/18).

Altersarmut existiere vor allem deshalb, so Sinn im Kern, weil in Deutschland immer weniger Menschen geboren werden. Dazu sei gesagt: er denkt, um es noch freundlich zu sagen, als Wissenschaftler, der er sein will, wissenschaftswidrig monokausal. Mehr noch: Es gibt durchaus gewichtige Ursachen, die Sinn regelmäßig unterschlägt, die möglicherweise die Ursache einer Geburtenarmut gegenstandslos machen. Von den sichtbaren Tatsachen (immer weniger Einzahler in Versicherungssysteme) mag es überdies nur scheinen, dass zu wenig Geburten eine zukünftige Altersarmut hervorbringen. Viel wesentlicher ist jedoch eine globale Verarmung, die Altersarmut einschließt, und die das herrschende Wirtschaftssystem, der Kapitalismus, ganz generell und in wachsendem Maße in die sozialen Strukturen trägt; Marx zufolge ganz und gar unvermeidlich.

Vor diesem Hintergrund spielen Finanzierungsprobleme keine Rolle, vielmehr nur eine solche in Abhängigkeit zur Produktion; oder man möchte (realitätsphobisch), dass Haushaltsprobleme eine Rolle spielen[8], um zu verdrängen, was in der Produktion geschieht; dass dort nämlich die Verelendung erzeugt wird, vornehmlich durch Unsinns-Produktion wie Hochrüstung und Kriege. Es kommt aber darauf an, was die Gesellschaft in der Lage ist, vor allem für und nicht gegen die realen (Überlebens-) Bedürfnisse des Bürgers zu produzieren. Davon abhängig können dann die Finanzierung und Verteilung der für den Bürger überlebenswichtigen Güter gestaltet werden.[9]

Ist das Wirtschaftssystem aber so strukturiert, dass es Scheinbedürfnisse (nach Rüstung und Kriege) befriedigt, bleibt für eine Produktion überlebenswichtiger Güter immer weniger Raum, sodass man dann, um diesen Umstand zu verschleiern, den Fokus auf Finanzierungs- oder Haushaltsprobleme legt. Das sind Zusammenhänge im Hinblick auf das Verhältnis von Produktion und Zirkulation, die unserem altersagilen Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn – realitätsphobisch wie Freud – nicht in den Sinn kommen.

Freud mag man das vielleicht nachsehen; schließlich ist er kein Ökonom, dennoch mental nicht weniger realitätsphobisch disponiert. Das hätte er, folgt man den ersten vier Teilen der »Einführung in die Kritik der Psychoanalyse«[10], zumindest in Erwägung ziehen können, selbst als wirtschaftstheoretischer Laie. Um das nicht zu müssen, betrieb Freud eine Psychoanalyse auf der Grundlage einer Mythologisierung sozialer Strukturen (Witsch 2009, S. 14f), sodass das Strukturale, die soziale Umgebung, sich methodisch einer eingehenderen Kritik entzieht.

Mit dem Strukturalen in Verbindung stellen sich auch für Psychologen Fragen, die Baab sich in seinem Videobeitrag (2025/11/06, zum Beispiel ab Min. 56) stellt, obwohl er weder Ökonom noch Psychologe ist; etwa wenn es um die Frage geht, was es mit der Neigung der Menschen auf sich hat, die Welt um sich herum wahnhaft zu betrachten, oder warum Politiker oder Wissenschaftler wie Sinn überfordert sind, sich realen sozial-ökonomischen Konfliktpotentialen zu stellen[11], bzw. warum sie diese nicht so verarbeiten können, dass psychische Störungen mit höherer Wahrscheinlichkeit aus- oder zumindest unter Kontrolle bleiben, mit ihnen das Subjekt dann vielleicht signifikant weniger Probleme hätte, mit ihnen zu leben; anlog dazu Menschen ja für gewöhnlich in der Lage sind, mit Hilfe unserer sozialen Umgebung mit körperlichen Gebrechen umzugehen. Demgegenüber fällt es unserer sozialen Umgebung ganz offensichtlich immer schwerer, Menschen mit psychischen Gebrechen oder wahnhaften Vorstellungen ein Hilfe zu sein.[12] Bei Politikern ohnehin, weil sie es starrsinnig ablehnen, das wäre unter ihrer Würde, sich helfen zu lassen. Aber es auch ablehnen, den Verlieren in der Gesellschaft eine Hilfe zu sein; mehr noch: sie instrumentalisieren sie ganz schlimm als Kanonenfutter zum Beispiel für den Ukrainekrieg.

Modalitäten der Verbindung des Innenlebens zum gesellschaftlichen Ganzen

Auf alle diese Fragen sind wir in den ersten Teilen der Einführung (E1, E2, E3, E4) ausführlicher eingegangen. Ich möchte sie, auf den Punkt gebracht, wie folgt beantworten: Freud, aber auch die Psychoanalyse bis heute, legen den Akzent ziemlich einsilbig auf die Analyse des Innenlebens, wohl wissend, dass es ohne die soziale Umgebung nicht existiert. Analytische Kuren laufen für sie indes im Wesentlichen auf ein Anpassungsproblem hinaus, ohne – ganz entscheidend! – die Verbindung, wiewohl Teil des Innenlebens, zur sozialen und ökonomischen Umgebung einzubeziehen, wobei beide Seiten dann aber auch eingehender für sich oder unabhängig voneinander diskutiert werden können und müssen.

Das Innenleben (die Verbindung) »für sich zu diskutieren«, ist durchaus legitim, indes zu analytischen Zwecken, wenn es generell um die Frage geht: wie sieht das Innenleben aus, was spielt sich in ihm konkret ab, was hat es mit seiner Verbindung (zur Außenwelt) auf sich etc. So wie es ja analog legitim ist, das (Innen-) Leben einer Zelle zu untersuchen, ohne dass Organe, die sich aus Zellen zusammensetzen, in die Analyse einbezogen werden. Heute wissen wir, dass Zellen in sich mit Eigenschaften (Genen) versehen sind, die den Aufbau eines Organs steuern oder hervorbringen. Das gilt analog für das Innenleben eines einzelnen Menschen, in dem sich – mehr oder weniger auffällig – seine mentale Disposition verbirgt, durch die hindurch er den Aufbau seiner sozialen Umgebung – bis hin zum gesellschaftlichen Ganzen – steuert, resp. hervorbringt, natürlich zusammen mit, bzw. in Abhängigkeit zu anderen Menschen.

So könnte man untersuchen – tut man nicht! –, auf welche Weise das Innenleben seine Verbindung zur sozialen Umgebung bis hin zum gesellschaftlichen Ganzen generiert. Das geschieht indes mehr oder weniger gestört, wenn man so will: regelwidrig[13], möglicherweise aber auch regelwidrig im Wahn, wie wir es beim Kriegshetzer Friedrich Merz diagnostizieren können, um über diese Diagnose zu einem mehr oder weniger gestörten oder wahnhaften Begriff des Ganzen zu gelangen, der in Merz herumspukt, er wohl meint, ohne es zu ahnen, er sei geeignet, mit diesem Spuk in sich das Ganze zu repräsentieren. Das mag er glauben, weil er, um es anders ausdrücken, in sich intrapsychischen Projektionen transportiert, von denen er sich allerdings nicht sonderlich heimgesucht fühlt (vgl. Kap. 7.1, S. 126 – 129: »Intrapsychische Projektionen«).

Er liegt allerdings falsch in seinem Glauben, weil das Ganze sich dann nämlich auf den inneren Spuk, mithin die persönliche Wohlfühlblase von Merz – ich möchte sagen: demokratiewidrig – reduziert sehe (vgl. Kap. 2, S. 28 – 47; Kap. 4, S. 55 – 83), den er dann auch noch eigensinnig mit militärischen und polizeistaatlichen Mitteln durchgesetzt sehen möchte, also etwas durchsetzen möchte, dass es nicht gibt oder nur in seiner Fantasie buchstäblich herumgeistert.

Das Ziel der Verbindung: soziale Umgebung bis hin zum gesellschaftlichen Ganzen

Wobei man hier in Begleitung der Störung (Modalität der Verbindung) unwillkürlich dazu neigen mag, das Innenleben – den Spuk in ihm – ausschließlich für sich selbst zu betrachten, ohne das Ziel der Verbindung eingehender und für sich genommen einer Analyse zu unterziehen, ohne sich dafür zu interessieren, was im Innenleben (der Zelle) vor sich geht, um zu ganz spezifischen Ergebnissen zu kommen, sei es zu einem Organ- oder Systemganzen, das in sich stimmig und nachhaltig zu funktionieren vermag, durchaus mutierend, mithin immer wieder gestört, doch aber so, dass die Menschen mit (ihren) Gestörtheiten (Mutationen) kontrolliert umzugehen in der Lage sind, eben weil sie Unterstützung finden von ihrer jeweiligen sozialen Umgebung, diese wiederum vom gesellschaftlichen Ganzen, die den Menschen beisteht, wenn sie sich überfordert fühlen, mit Störungen umzugehen.

Keine Frage, dass unserer Gesellschaft mit ihrem allerdings geradezu krebsartig sich ausbreitenden gestörten Personal den Bürgern keine Hilfe sein kann – im Gegenteil alles tut, um Störungen auf die Spitze zu treiben, um sie nachhaltig und zuverlässig zu überfordern im Hinblick darauf, Verbindungen aufrechtzuerhalten oder neu zu generieren, bzw. sprachgestützt zu kommunizieren; sodann sie es alsbald verdienen, im Müll zu verenden.

Noch einmal: »Subjekt« und »soziale Umgebung« (Gesellschaft) können und müssen auch getrennt voneinander betrachtet werden. Das bedeutet indes nicht, dass beide Seiten unabhängig voneinander existieren, gleichwohl es vorkommt, dass Subjekte sich von ihrer (angestammten) sozialen Umgebung trennen, auch trennen können müssen, um sich dann auf andere sozialen Strukturen einzulassen oder sich in sie zu involvieren. Damit das gelingt, sind bestimmte Modalitäten der Verbin­dung im Innenleben, resp. mentale Fähigkeiten des Subjekts unerlässlich, die unter den heutigen sozial-ökonomischen Strukturen, nicht mehr so aussehen können, dass sie autoritär – von oben nach unten durchgereicht – dem Innenleben appliziert werden, sondern dass Menschen sich dabei auf Augenhöhe begegnen. Dazu heißt es in (Witsch 2009, S. 27):

»Die Welt, sie lässt sich nicht mehr mit Drohungen und autoritärem Gebaren zusammenhalten, sondern nur mit Kommunikation, die nicht von oben herab daherkommt« Unter weiter: »Speisen Lernvorgänge sich nicht schon bei Kindern aus dem Innenleben, können moralische Werte nicht nachhaltig haften, die heute den Menschen gleichsam von innen her appliziert werden müssen. Passiert das nicht, setzen wir aufs Spiel, was die Welt im Innersten zusammenhält. Es sind sich selbst tragende Strukturen und in ihnen das sich selbst produzierende Subjekt, das die Welt im Innersten zusammenhält«.

Und Kommunikation, möchte ich hinzufügen, sollte nicht aus fadenscheinigen Gründen verweigert werden. Auf der familiäre Ebene eher, aber auf keinen Fall auf der außerfamiliären Ebene der (internationalen) Politik oder des Gesellschaftlichen, wie dies seit bald 30 Jahren zwischen Russland und dem Westen im wachsendem Maße immer augenscheinlicher passiert. Das passierte ganz schlimm während der Corona-Krise, in der die Massenmedien und die Politik unterwegs waren und bis heute sind; natürlich zusammen mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) sowie dem PEI und RKI. Davon zeugt ein Buch von einem Corona-Insider, dem ehemaligen Chef-Toxikologen Helmut Sterz, das den Titel trägt:» Die Impf-Mafia: Pfizers Chef-Toxikologe packt aus« (ANews 2025/11/27).[14]

Nützt nur alles nichts, das Auspacken. Zu viele Menschen sind heute einmal mehr, da mag kommen, was will, von einer Zustimmungssehnsucht besessen, wie wir sie in der Hitler-Zeit zum Schaden aller erlebt haben. Zu viele Menschen tragen buchstäblich alles mit, was von oben kommt; wie gesagt im Kontext einer massiven Institutionalisierung ihres Gemüts (Kap. 13, S. 2 – 66), vor allem, dass der Westen lieber Kriege führt, anstatt Konflikte zu kommunizieren oder mit diplomatischen Mitteln zu lösen, noch dazu im Widerstand gegen die USA, die sich den Ukraine-Krieg nicht mehr leisten will, um Kriege in der Karibik führen zu können (RtDe 2025/11/28). Mit Russland kommen die USA derweil politisch und wirtschaftlich wieder zusammen, nachdem sie die EU ausgebootet haben (RtDe 2025/11/21a, 2025/11/22, 2025/11/21a, 2025/ 11/22b).

Nun, die EU hat sich hausgemacht ausgebootet, von der russischen Ökonomie komplett entkoppelt, um nun panisch auf die Zusammenarbeit zwischen Russland und USA zu reagieren (RtDe 2025/11/21). Sie verliert dabei zwangsläufig wirtschaftlich immer mehr an Boden. So sieht sie sich von den USA und, welch ein Unglück, von China in wachsendem Maße abhängig, am Ende womöglich darauf angewiesen, dass China in der EU investiert, damit sich hier irgendwann überhaupt noch etwas regt, und darf nun zugucken, wie Russland und die USA drauf und dran sind, Geschäfte zur beiderseitigen Zufriedenheit zu machen. Damit das auch reibungslos so eintritt, kommt der Korruptionsskandal »im Selenskyi-Umfeld«, der die Ukraine erschüttert habe, natürlich wie gerufen (vgl. TaS.de 2025/11/12). Zufall? Wer’s glaubt, wird selig.

Menschen kultivieren ihren Spuk von einem gesellschaftlichen Ganzen

Nimmt man alles zusammen, kann man sagen: Menschen pflegen eine extrem gestörte Verbindung zum gesellschaftlichen Ganzen, die sich wiederum aus einer gestörten Verbindung zu ihrer sozialen Umgebung (soziale Strukturen) ergibt, die ihrerseits dazu führt, dass das Innenleben der Menschen gestört oder krank ist, etwa wenn sie dem Wahn verfallen, dass die Ukraine in ihrem Kampf gegen Russland unsere Demokratie und Freiheit verteidigt oder die Covid-19-Impfung in unser aller Interesse sei etc.

Das besitzanzeigende Fürwort »unser« legt nahe, dass die Menschen dabei, ohne es recht zu gewahren, ein Allgemeininteresse in sich transportieren, das das gesellschaftliche Ganze repräsentieren soll, dem wir uns zu unterwerfen haben, um das gesellschaftliche Ganze nicht zu gefährden. Allein dass sie mit dieser inneren Einstellung das gesellschaftliche Ganze in den Abgrund nötigen, also krankhaft projizierend genau das machen, was sie den Gegner der Covid-19-Impfung oder des Ukraine-Krieges vorwerfen, kommt ihnen nicht in den Sinn. Später müssen wir eingehender sehen, dass ihr Fehler darin besteht, dass sie einen gegenstandsbezogenen körperlichen Begriff von Gesellschaft in sich transportieren, ohne zu wissen, was sie tun. Sie wissen nicht, was das ist: eine Gesellschaft, bzw. sie transportieren in sich einen Spuk: eine Vorstellung von Gesellschaft, die lediglich Mythos, bzw. nicht lebensfähig ist. Ich meine, sie sind »nicht gesellschaftsfähig« (Kap. 5, S. 84 – 94). Das trifft auf die gesamte Sozialtheorie und – natürlich – in besonderem Maße auf Freud und, wie sollte es anders sein, die heutige Psychoanalyse zu.

Anmerkungen

[1] Näheres zur BPS siehe Kap. 1.1, S. 2ff: »Störfall oder das Zeichen will nichts mehr bedeuten«.
[2] Wobei die Eigenschaft »intakt« natürlich einer eingehenderen Spezifizierung bedarf.
[3] Eben wie beschrieben in Kap. 2, S. 28 – 47: »Operieren mit Gefühlten Wahrheiten« sowie in Kap. 4, S. 55 – 83: »Psychopathologisierung sozialer Strukturen«.
[4] Dies passierte Baab zufolge der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni bei ihrem Antrittsbesuch in den USA. Danach kehrte sie, vom Geheimdienst gebrieft, geläutert nach Italien zurück. So in etwa, befürchtet Baab, werde man es wahrscheinlich auch mit Alice Weidel erleben, wenn sie zusammen mit der CDU/CSU regiert, ob nun als Kanzlerin oder Ministerin ist ganz gleichgültig.
[5] Dies im Kontext einer »Institutionalisierung des menschlichen Gemüts« (vgl. Kap. 13, S. 2 – 66), die dazu führt, dass Bürger eine geradezu anpassungssehnsüchtige – ich meine krankhafte – Mentalität ausleben.
[6] Zum Begriff einer »Normalisierung der Störung« vgl. Witsch 2009, S. 18, 76 – 78.
[7] Man ist mit der Bürgergeldreform drauf und dran, das Bürgergeld gegen Arbeitslose, die sich nicht kooperativ zeigen, komplett zu streichen (vgl. Fr.de 2025/11/25), desgleichen gegen psychisch kranke oder instabile Menschen (Spiegel 2025/11/26). Und ein Ende der Schikanen, übrigens seit der Corona-Krise, ist nicht abzusehen. Am Ende ist nicht einmal gesagt, dass es bei Schikanen bleibt, bzw. der Bürger sich irgendwann nicht auch in seiner physischen Existenz bedroht fühlen muss, wie ich es im Mai 2022 im 1. Gespräch vor der Kamera befürchtete, das ich mit Wilfried Kahrs führte.
[8] So möchten es tatsachenfetischisierend auch Linke in Anlehnung an Sinn haben: Ihre Forderungen sind »auf die folgende bilanztechnische Denkfigur« reduzierbar: »Ist die Staatskasse leer, sind wir zum Sozialabbau gezwungen« (Witsch 2009, S. 124f).
[9] Vgl. Witsch 2012, S. 11 – 44: »Einleitung«; sowie detaillierter aaO, S. 45 – 108: »Grundlegendes über Wert und Mehrwert«.
[10] Vgl. E1 2025/07/13, E2 2025/07/29, E3 2025/08/10, E4 2025/08/24.
[11] Eine mentale Überforderung (Störung) liegt bei Hans-Werner Sinn in dem Augenblick »auffälliger« nahe, wenn er sich aus dem Offenen Verteiler ohne nähere Begründung verabschieden würde, nachdem er es in ihm immerhin viele Wochen ausgehalten hat.
[12] Dabei machen Politiker schon mit ihrer empathielosen Sanktionswut gegen arbeitslose Bürger eine wahrlich jämmerliche Figur.
[13] Vgl. hierzu Witsch 2013a, S. 69 – 136, Kap. 2: »Regelwidrigkeiten«; ergänzend Kap. 1.1, S. 2 – 5: »Störfall oder das Zeichen will nichts mehr bedeuten«.
[14] Im Artikel heißt es einführend wie folgt: »Der bestens ausgewiesene Toxikologe Helmut Sterz war jahrelang für die Toxikologie-Prüfungen in Europa des Pharmagiganten Pfizer zuständig. Jetzt hat der Insider ein Aufklärungsbuch über die Zulassung der Corona-Impfstoffe geschrieben, die nie hätte erfolgen dürfen. Das äußerst sachlich geschriebene Buch lässt den Leser gruseln und sollte zur Pflichtlektüre jedes Bundestags-Abgeordneten gehören«. Am Ende des Buches führt er 18 Forderungen auf. Zwei davon lauten. Erstens: »Alle Personen, die sinnlose und gefährliche ’Pandemiemaßnahmen‘ beschlossen und umgesetzt haben, sind sofort aus ihren Ämtern zu entfernen und zur Rechenschaft zu ziehen«. Zweitens: »Alle wissenschaftlichen Berater der Regierenden, wie zum Beispiel Prof. Drosten, sollten sich für ihre Fehlleistungen vor Gericht verantworten«.

Quellen

ANews (2025/11/27). Die Impf-Mafia: Pfizers Chef-Toxikologe packt aus.
Baab, Patrick (2025/11/06). Baab warnt: Wenn Russland zuschlägt, ist es zu spät!
Cicero (2025/11/26). Suspendierung wegen Übernachtung bei Elsässer: Kontaktschuld: Prüfe, wo du schläfst!
Fr.de (2025/11/25). Bürgergeld-Härte auf der Spitze: Jobcenter streichen bereits jetzt alle Leistungen.
RtDe (2025/11/21). Trumps Friedensplan für die Ukraine – Irre Medien-Panik vor dem Frieden.
RtDe (2025/11/22). JD Vance: Kritiker des US-Plans für die Ukraine verstehen Situation vor Ort nicht. 
RtDe (2025/11/22a). Medien: Trumps Gesandter Driscoll stellt. Selenskij in Kiew ein Ultimatum.
RtDe 2025/11/22b). Neue Sanktionen: EU schafft Novum, um Kritiker und freie Presse auszuschalten.
RtDe (2025/11/27). Gegen »Drill, Gehorsam und Töten«: Initiative plant bundesweite Schulstreiks gegen Wehrpflicht.
Spiegel (2025/11/26). Bürgergeldreform: Jobcenter kann psychisch Kranken die Leistungen streichen – Grüne empört.
TaS.de (2025/11/12). Skandal im Selenskyj-Umfeld erschüttert Ukraine.
Welt.de (2025/11/18). »Wir werden bei Babyboomern schlimme Altersarmut sehen« – Ökonom Sinn greift in Renten-Streit ein.
Witsch, Franz (2012). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Zweiter Teil: Mehrwert und Moral. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2017).
Witsch, Franz (2013). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Dritter Teil: Vom Gefühl zur Moral. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2017).
Witsch, Franz (2013a). Die Politisierung des Bürgers. Beiträge zur Wahrnehmung und Produktion sozialer Strukturen. Vierter Teil: Theorie der Gefühle. Norderstedt. Verlag: BoD (zitiert nach der Ausgabe von 2015).
Witsch, Franz (2025/07/13). E1 Leerbegriffs-Psychoanalyse ohne Realitätsbezug. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/07/29). E2 Zirkelschluss-Analyse oder wie es die Psychoanalyse (Freud) schafft, den Realitätsbezug aufzulösen. QPress.de.
Witsch, Franz (2025/08/10). E3 Realitätsphobien, eingelassen in die Psychoanalyse sowie Sozialtheorien (Detel, Habermas, Bruder, etc.) generell. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/08/24). E4 Konfliktpositionen regressiv (realitätsphobisch) verarbeiten. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/09/11). E5 Mit Abreaktionen Zugehörigkeitsbedürfnisse ausleben. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/09/27). E6 Zum Begriff der Empathie in scharfer Abgrenzung zum Begriff des Mitleidens. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/10/06). E7 »Skotomisation« (Freud 1926, S. 86) oder wie Menschen ihre Existenz dystopisch verdunkeln. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/10/20). E8 Sozialtheorien als Totengräber des Sozialen. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/11/07). E9 Neigung zum strukturellen Desinteresse im Kontext einer »Institutionalisierung des menschlichen Gemüts«. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz (2025/09/23). Rührseligkeiten oder wie Politik sich entkriminalisieren lässt. Verlag: QPress.de.
Witsch, Franz; Kahrs, Wilfried (2022/04/30). Erstes Gespräch vor der Kamera.

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Franz Witsch, geb. 1952, lebt in Hamburg und ist Lehrer für Politik, Geografie und Philosophie. Zwischen 1984 bis 2003 arbeitete er in allen Bereichen der freien Wirtschaft als Informatiker und Unternehmensberater. Heute schreibt er sozialphilosophische Texte und Bücher.

7 Kommentare

  1. Um nicht vom grassierenden öffentlichen Wahnsinn angesteckt zu werden, braucht man nur konsequent diese 10 Punkte persönlich einhalten, und man bleibt gesund an Körper und Geist.

    1 ) Die Kunst des Lebens ist leicht zu lehren – du
    darfst nur nicht zu viel für dich begehren.

    2 ) Füge keinem Anderen zu, was du nicht willst, das
    man dir tu.

    3 ) Lass nichts Böses in deinen Gedanken sein.

    4 ) Versuche nie glücklicher, als glücklich zu sein.

    5 ) Wer Anderen nach dem Leben trachtet, verdient
    das eigene nicht.

    6 ) Nutze den Tag, denn bist du heute faul, wirst
    du morgen traurig sein.

    7 ) Spare in der Zeit – dann hast du in der Not.

    8 ) Sei nicht einfach nur gut, sondern sei gut für
    etwas und dabei stets für Frieden.

    9 ) Verlange viel von dir selbst und wenig von den
    Anderen.

    10) Eile ist der größte Feind.

  2. Sozialpsychologie/gesellschaftliche Rahmenbedingungen/Moralvorstellungen usw. prägen das Verhalten/Denke, deshalb will ja Trump/AfD auch das Rad der Geschichte zurück drehen, am liebsten ins finstere Mittelalter, wo die Leibeigenen nicht unter ihrem Schicksal gelitten hatten, weil sie ernsthaft daran glaubten, dass der Ausbeuter dazu geboren/berufen wurde den Leibeigenen auszubeuten/zu quälen—-diabolismus in seiner Reinform

  3. War eben auf einer Schüler-Demo gegen Wiedereinführung der Wehrpflicht. Von den Linken gekapert. Ein kurzes Gespräch ergab verschlossene ideologisch trainierte Gehirne jünger Menschen der 12. Klasse, die es ganz genau wissen, auch wenn sie nicht mal ein Drittel alt sind. Die Lüge wurde unendlich eingehämmert zur unumstößlichen Gewissheit.

    • Gerade weil die Grünlinge für den Frieden sind, wollen sie den Russen mit UnsTaurus beglücken.
      Hatten wir nicht schon einmal so einen Vegetarier mit ähnlichen Ambitionen?

  4. Putin hat einen Vorteil und zwar der Familien-/Kollektiv-/Rudel-Kadavergehorsam, der die Dorfinsassen/Patrioten dazu bringt ihr Leben für die andressierte Vaterlandstreue zu opfern, d.h. wir leben immernoch in einer vorsintflutlichen Opfergesellschaft—-diabolismus der Finsternis, pfui Teufel

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