Das große Puff-Aus: Wenn Julia Klöckner das Rotlicht ausknipst – und im Bundestag das Licht ausgeht

klöckner

Deutschland, das Land der Dichter, Denker – und offenbar auch der Doppelmoral. Während in den Hinterzimmern der Republik Deals, Diäten und manchmal auch Dessous die Hauptrolle spielen, schwingt sich Julia Klöckner (CDU), frischgebackene Bundestagspräsidentin und selbsternannte Sittenwächterin, zur Retterin der deutschen Tugend auf. In ihrer Laudatio beim Heldinnen-Award der Alice-Schwarzer-Stiftung ließ sie keinen Zweifel: Prostitution und Sexkauf müssen verboten werden! Mit Pathos im Ton und Empörung in der Stimme forderte sie, was in Schweden längst Gesetz ist – das sogenannte nordische Modell, bei dem der Kauf von Sex strafbar ist, während die Prostituierten selbst als bedauernswerte Opfer staatlicher Fürsorge zugeführt werden.

Doch halt – bevor wir uns dem moralischen Kreuzzug anschließen, werfen wir einen Blick hinter die Kulissen dieser neuen Prüderie-Offensive. Denn eines ist sicher: Wenn Prostitution in Deutschland wirklich verboten würde, käme nicht nur das horizontale Gewerbe zum Erliegen – sondern vermutlich auch das Sexualleben so mancher unserer korrupten Politiker. Man stelle sich vor: Keine diskreten Bordellbesuche mehr nach langen Sitzungen im Bundestag, keine schnellen Nummern im Berliner Hotel mit Escort-Service auf Spesenquittung. Der gemeine Abgeordnete müsste seine Bedürfnisse entweder ins Ausland auslagern oder sich notgedrungen dem Zölibat hingeben – eine Vorstellung, die vermutlich mehr Angst und Schrecken verbreitet als jede Steuerreform.

Dass gerade diejenigen am lautesten nach Verboten schreien, die sich sonst gerne mit moralischer Flexibilität durchs politische Leben schlängeln, ist ein Treppenwitz der Geschichte. Korruption? Lobbyismus? Selbstbereicherung? Alles halb so wild – solange im Puff das Licht ausgeht und Deutschland endlich kein „Puff Europas“ mehr ist. Die eigentlichen Probleme werden so elegant unter den Perserteppich gekehrt wie der nächste Spendenskandal.

Dabei wird geflissentlich ignoriert, dass Prostitution in Deutschland eben nicht nur aus Zwang, Ausbeutung und Elend besteht. Natürlich gibt es diese dunklen Seiten – Menschenhandel, Gewalt und Missbrauch sind Realitäten, denen man sich stellen muss. Aber für viele Frauen (und Männer) ist Sexarbeit ein selbstgewählter Beruf, eine Möglichkeit zur finanziellen Unabhängigkeit oder gar eine Quelle von Wertschätzung und Selbstbestimmung. Wer das pauschal als „lächerlich“ oder „verächtlich“ abtut, spricht den Betroffenen ihre Mündigkeit ab und verweigert ihnen das Recht auf eine eigene Lebensentscheidung.

Doch differenzierte Debatten sind in diesen Kreisen offenbar unerwünscht. Stattdessen werden Gesetzesverschärfungen gefordert, die nachweislich selten zu mehr Schutz führen – dafür aber das Geschäft ins Dunkelfeld treiben. Wer glaubt, mit Verboten lasse sich das älteste Gewerbe der Welt ausradieren, glaubt vermutlich auch noch an den Weihnachtsmann oder daran, dass Politiker ihre Spesenabrechnungen immer korrekt ausfüllen.

Ironisch mutet es an, dass just bei einer Preisverleihung für Streetworkerinnen gegen Prostitution der Ruf nach Verboten erschallt. Die Arbeit gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel ist zweifellos ehrenwert und notwendig – doch warum vermengt man sie permanent mit freiwilliger Sexarbeit? Warum wird alles über einen Kamm geschoren? Vielleicht weil Schwarz-Weiß-Denken bequemer ist als die komplexe Realität differenziert zu betrachten.

Und dann wäre da noch Alice Schwarzer selbst – Ikone des deutschen Feminismus und Meisterin der Polarisierung. Wer gegen das Selbstbestimmungsgesetz für trans Personen kämpft und Friedensmanifeste mit Sahra Wagenknecht veröffentlicht, weiß: Aufmerksamkeit gibt’s nur für den größtmöglichen Aufschrei.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Moralpolitik eignet sich bestens dazu, von eigenen Versäumnissen abzulenken. Während draußen demonstriert wird und drinnen Preise verteilt werden, bleibt alles beim Alten – zumindest bis zum nächsten Skandal um Spendengelder oder Lobbyreisen nach Osteuropa. Und vielleicht sollten wir unseren Politikern doch ein wenig Verständnis entgegenbringen: Ein Leben ganz ohne Puffbesuch könnte für viele tatsächlich unzumutbar sein. Schließlich braucht jeder sein Ventil.

Deutschland 2024: Wo im Namen der Moral Politik gemacht wird – und wo die wahren Sünden immer noch am liebsten im Dunkeln begangen werden.

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Über Torben Botterberg 3343 Artikel
Torben Botterberg verbindet Gegensätze mit einem Augenzwinkern: schwarzer Humor trifft auf Perfektionismus, ein erklärter Hang zur Prokrastination auf Texte, die erst dann das Licht der Welt sehen, wenn jedes Detail sitzt. Freiberuflich in Vermittlung und Verleih unterwegs, bewegt er sich beruflich zwischen Menschen, Projekten und Möglichkeiten, und privat am liebsten zwischen Chrom, Stern und Benz. Torben schreibt, um zu verbinden: Erfahrungen mit Einsichten, Gegenwart mit Erinnerung, Technik mit Temperament. Wenn er lacht, dann tiefschwarz, wenn er zweifelt, dann gründlich und wenn er veröffentlicht, dann mit dem Anspruch, dass jedes Wort hält was es verspricht.

11 Kommentare

  1. 1. Die vom lieben Gott benachteiligten/vernachlässigten sind auf die Dienstleistungen angewiesen, denn ohne diese bezahlten Streicheleinheiten bleibt oftmals nur der selbstmord übrig
    2. Prostitution ist das Wesen des perversen Profitsystems/Kapitalismus, weil die kostenlosen outdoor-aktivitäten so wie in der ehemaligen DDR verboten sind
    2. Mit dem Freier-Verbot bekommt die Polizei die einmalige Gelegenheit auch alle FKK-Strände zu kontrollieren und so das kostenlose Fremdgehen der Familienvätern zu erschweren/verhindern—-soviel zum perversen Profitsystems welches alle natürlichen/kostenlosen Geschenke Gottes vermarktet/komerzialisiert, unsere Zukunft unter Trump/AfD, diabolismus pur, pfui Teufel

  2. So, so, „freiwillige Sexarbeit“? Hätten wir ein funktionales, fließendes Geldsystem, käme es sehr schnell heraus, wieviel wirtschaftliche Gezwungenheit und wieviel Freiwilligkeit hinter der „Sexarbeit“ steckt. Es ist eben kein Job wie jeder andere auch. SOLWODI (SOlidarity with WOmen in DIstress) zeigt, wieviel Ausbeutung in diesem System steckt. Lea Ackermann von SOLWODI hat schon unzähligen Mädchen und Frauen geholfen, sie aus den Fängen dieses Systems zu befreien. Ihre Berichte sind erschütternd.

    • #Marie-Luise, es gibt tatsächlich Frauen, welche DAS freiwillig und mit Freuden machen.
      Es ist natürlich immer das Problem, das die Polizei, und das System, es nicht in den Griff bekommen – die Kriminellen, von den ‚Guten‘, zu trennen.

      Gehen wir mal vom Artikel aus, vielleicht will DIE nur Konkurenz ausschalten- weiß man´s? Gruß Karl

      • #Karl aus Oberschlesien
        Lieber Karl, ich durfte die berühmte Domenica aus Hamburg kennen lernen. In ihrem Buch „Domenica“ schreibt sie: „Dass ich eine Hure geworden bin, war für mich keine Rebellion wie für einige andere Frauen. Ich stand auf der Straße, ganz einfach.
        Ich war Luxus gewohnt, nichts gelernt, hatte schon Kontakte zum Milieu und mir gedacht, das ist jetzt der einfachste Weg. Erst im nachhinein habe ich gemerkt, dass ich mir den schwersten Weg ausgesucht hatte.“
        Das Problem ist auch nicht mit der Polizei zu lösen. Die Absichten von Frau Klöckner, Prostitution und Sexkauf unter Strafe zu stellen, zeigt, wie wenig sie sich mit den Ursachen beschäftigt hat. Hätten wir Marktwirtschaft ohne Kapitalismus, gäbe es zumindest den finanziellen Zwang zur Prostitution nicht.
        In ihrem Buch „verkauft, versklavt zum sex gezwungen – Das große Geschäft mit der Ware Frau beschreibt Lea Ackermann von Solwodi erschütternde Berichte über die Schicksale von Frauen, die in die Sklaverei geraten sind.

  3. Man mag die Prostitution beurteilen wie man will. Auch vor dem Hintergrund, dass in der Gesellschaft die Arbeit immer mehr ausdünnt. Die bestbezahlten Arbeiten entstehen dort, wo sie uns Bürger am wenigsten ernähren, mehr noch, umbringt, etwa in der hochtechnologisierten Rüstungsindustrie und zahlreichen Kriegen, die die Rüstungsindustrie braucht, um profitabel zu bleiben. Mit der Produktion von Kartoffeln lassen sich Einkommen und Wachstum immer weniger generieren, kann sich die Gesellschaft, absurd, aber wahr, nicht mehr zureichend ernähren. Es bleiben „niedere“ Arbeiten, die nutzbringend für die Ernährung sind, aber schlecht bezahlt werden. Die Prostitution wird in den höheren Kreise noch gut bezahlt. Immerhin besser als Kanonen zu produzieren. Prostitution führt aber auch zu nichts. Sinnlos sie in unserer Gesellschaft zu verbieten. In einem sozialverträglichen Produktionssystem, in dem nutzbringende Arbeit gut bezahlt wird, würde sie vielleicht eine weniger große Rolle spielen. Also: Mit Regeln und Verboten kann man der Absurdität des Produktionssystems nicht begegnen. Die meisten glauben daran, dass Regeln uns weiterbringen. Einen solchen Glauben sehe ich verbunden mit einer „Institutionalisierung des menschlichen Gemüts“ (https://film-und-politik.de/Politik/K14-2.pdf). Man guckt auf die Regel (das Gesetz) wie die Schlange auf das Kanninchen, verinnerlicht ihre angeblich „gute“ Wirkung (wenn grün, freie Fahrt), erwartet von ihr (dem Gesetz) gar Wunderdinge. Ein unausrottbarer Mythos (reflektiert im 4. Teil zur „Politisierung des Bürgers, im 2. Kapitel „Regelwidrigkeiten“, S. 69). Link: https://www.buecher.de/artikel/buch/die-politisierung-des-buergers-4-teil-theorie-der-gefuehle/39155516/

  4. Mit der Alkohol-Prohibition in den USA der 1920er wurde die Organisierte Kriminalität (amerikan.: Mob) erst richtig groß und mächtig. Sogar die offizielle Geschichtschreibung berichtet vom Bündnis von Politik und Mob dann in den 1930ern und 40ern (unter Roosevelt) während der großen US-Wirtschaftsdepression und in WK2. Der Mob war damals eine Art informelle Polizeitruppe und sorgte für Ruhe im Inneren, Aufstandsbekämpfung usw.

    Übrigens kommt der Kennedy-Clan aus dem Mob der Alkohol-Prohibition in den 1920ern und ist beim Black Friday dann mit Insidergeschäft an der Wallstreet richtig groß und mächtig geworden. Sichtbar wird ein enges Bündnis aus Politik, großem Geld und Organisierter Kriminalität.

    Der berühmte Mafiajäger, der sizilianische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, sagte ca. 2007 einmal in einem Interview in der FAZ am Sonntag, Deutschland sei ein „Paradies für die Mafia“. Von heute aus gesehen, wird dies wohl kaum jemand anzweifeln wollen.

    Doch kein Grund, beunruhigt zu sein. Ordnung muß sein und geht nun einmal nicht ohne Ordnungskräfte. Darum immer schön nett und freundlich sein zum Mob. Ganz egal, wie der sein Geld verdient im einzelnen.

    • Ergänzend bzw. der Klarheit wegen zu sagen, schafft diese Frau Klöckner mit Verbot der Prostitution die Bedingungen für den Aufbau einer neuartigen Großstruktur der Organisierten Kriminalität. Dies ganz so, wie es in den USA in den 1920ern mit dem Verbot des Verkaufes von Alkohol gewesen ist. Wobei der Dame solche Absicht nicht unterstellt werden soll.

      Durchaus vorstellbar, daß sie wirklich so naiv ist zu glauben, ein Verbot der Prostitution könne Frauen vor Ausbeutung schützen. Wobei sich doch an drei Fingern abzählen läßt, daß Verbot alles nur noch schlimmer macht. Weil Prostitution sich dann in einem nicht öffentlich einsehbaren Raum abspielen wird. In einem auch polizeilich nicht mehr offen einsehbaren Raum!

      Nein, Politiker sind nicht die hellsten Kerzen auf der Torte. Wäre anders ja keine Demokratie, nicht!?

  5. Nun, der „war on drugs“ in den USA“ war in Wirklichkeit „für Drogen“ die armen drogendealer hat man auf Steuerzahlerkosten gewinnbringend eingebuchtet/prision-industriel-complex und die Reichen haben sich die Drogen verschreiben lassen so dass im Endeffekt das perverse profitsystem davon profitiert hat und nicht die Erdenwürmer——soviel zu dem perversen System welches Probleme schafft um daran zu verdienen/das nennt man auch human ingineering, diabolismus pur, pfui Teufel

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