Naseweis & Israel: Aber der „sippte Oktoper“!

Krokodilstränen: In einer Woche jährt sich der Schock zum zweiten Mal. Am siebten Oktober ’23 ist es passiert. Israel war aus dem Gazastreifen heraus überfallen worden, hunderte Israelis wurden massakriert. Zeit, sich prophalyaktisch schon einmal zu wappnen gegen die zu erwartenden Krokodilstränen in den Medien. Von wegen „aber der sippte Oktoper“!

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Shani Louk (+ 7.Oktober 2023, Nova-Musikfestival) – Bild: Südkurier

Das war es vor zwei Jahren: Der Islam hatte wieder einmal zugeschlagen. Was konnte man auch anderes erwarten? Der Moslem kommt bekanntlich schon als mordlüsterner Terrorist zur Welt. So ein islamisches Baby saugt den Sprengstoff schon mit der Muttermilch ein. Wusste doch jeder.

Das Mitgefühl mit den Opfern und ihren trauernden Hinterbliebenen drückte mich nieder, der Zorn auf die bestialischen Judenmörder aus dem Gazastreifen war grenzenlos. Soooo eine Ader. Meine „Diejuden“ waren mir schließlich so heilig wie die deutsche Staatsräson. „Made in Germany“ ist schließlich ein Qualitätssiegel. Gewesen.

Dann kamen die Fotos der bestialisch Gemeuchelten in die sozialen Medien. Am 8. und am 9. Oktober. Wie mit der Pipette hineingeträufelt. Jede Stunde ein neues Foto von fotogenen, sympathischen Menschen in der Blüte ihrer Jahre, ruchlos abgeschlachtet wie das Vieh – und nicht ein Foto von irgendwelchen gänzlich Unfotogenen. Wie dieses?
Dem Massaker vom Tag zuvor konnten doch unmöglich nur schöne Menschen zum Opfer gefallen sein? Es konnten doch unmöglich nur Leute ermordet worden sein, die einem auf den ersten Blick sympathisch sind? Junge Familien, wohlerzogene Studenten, hübsche Mädchen, wahre Hormonbomben mit putzigen Kindern, tadellose Gebisse, alle freundlich in die Kamera lächelnd.

Unter den hunderten Opfern musste doch wenigstens ein einziger Unsympath gewesen sein. Jemand, bei dem sich schon die Kamera den Sensor zur Linse herauskotzt. Warum bekam ich von dem kein Foto zu sehen? – Merkwürdig, merkwürdig.

Manipulation?

Da wird doch nicht jemand versucht haben, mich zu manipulieren? Und wenn doch, dann wozu? Meine „Diejuden“ im „jüdischen Staat“- und bei Gott, sie kontrollieren auf ewig mein deutsches Gewissen – würden doch mir, dem Wohlgesinntesten unter den philosemitisch Geläuterten in Deutschland, nie im Leben eine dicke, fette Lüge auf die Pupillen schmieren? Das würden die doch nicht mit mir machen, oder? Und schon gar nicht in einer solchen Angelegenheit? – Ja, oder doch?
Mein Interesse war geweckt. Hellwach war ich, Tag & Nacht. Der Reset-Button war gedrückt. Alles, was ich über Israel zu wissen glaubte, war weg. So viel war das gar nicht, wie ich gedacht hatte.

Im Wesentlichen: Die Juden, die Nazis, der Holocaust, der ewige Antisemitismus, Deutschland, Israel, „sichere Heimstatt“, na gottseidank endlich, „jüdisches Leben sicher“, dann Terroristen, Islamisten, Antisemiten, Mörder, gottlob Verteidigung, glorreiche Siege, jüdische Helden, große Klasse.

Alles auf Start

Und dann habe ich von vorn angefangen. Die ganze Geschichte des Zionismus‘. Von den Frankisten im späten 18. Jahrhundert, die Reformjuden, Herzl, Gruenbaum, Weizman, von Mildenstein, RSHA, Zionistenkongresse, statements, „jüdischer Staat“ säkular, jüdische Einschätzungen der Zionisten, Irgun, Haganah, Lechi, zionistischer Terror – tja, was soll ich sagen? Israel besteht mitnichten aus den schutzbedürftigen „Diejuden meines deutschen Gewissens“, sondern das ist eine zionistische Militärmacht, die sich wesentlich aus ehemaligen Terrorgruppen herausgebildet hat, einer herrenmenschlichen Attitüde frönt, die politischen, wirtschaftlichen, finanziellen und medialen „Eliten“ der USA förmlich an den Eiern hat und sich eigentlich alles erlauben kann. Jedenfalls in der westlichen und der arabischen Welt.

Unter den „Diejuden meines deutschen Gewissens“ befinden sich aber erfreulicherweise viele, die das seit Jahrzehnten angeprangert hatten, wie ich erleichtert feststellte. Aktuelle Juden und solche, die mit den Zionisten in Palästina schon anno dazumal nichts zu schaffen haben wollten. Sigmund Freud, Albert Einstein, Hannah Arendt …

Heute weiß ich: Die deutsche Staatsräson beruht auf einem perfide installierten Narrativ, das christliche Scham in einer Schamlosigkeit für gänzlich unchristliche Zwecke mißbraucht, daß einem ganz schwindlig werden kann.

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So wichtig wie Zähneputzen: Dem Schwindel vorbeugen! – Foto: Imago

Der sippte Oktoper!

Der „sippte Oktoper“ ist nicht aus dem heiteren Himmel gefallen. Maßgebliche Kreise in Israel waren keineswegs überrascht. Sie sorgten dafür, daß die Killer aus dem Gazastreifen etwa sieben Stunden lang unbehelligt wüten und morden konnten. Warnungen fremder Geheimdienste waren unwirsch zur Seite geschoben worden. Grenzpatrouillen am Gazastreifen waren für die Zeit zwischen 5:30 Uhr und 9 Uhr morgens an jenem unseligen Tag auf Anweisung von oben suspendiert worden. Und im späteren „Verteidigungskampf“ wurden hunderte Israelis zu Opfern der „Sicherheitskräfte“ des „jüdischen Staats“. Stichwort: Hannibal-Direktive. Vom Militär erweitert auf israelische Zivilisten. Und zwar nur auf die fotogenen.

Der „sippte Oktoper“ wurde von israelischen Sicherheitskräften sehenden Auges geschehen lassen. Das Massaker an jenem Tag war eine Lihop – eine „Let-it-happen-operation“. Warum? Weil sie eine dringend benötigte Begründung abgeben würde für die Umsetzung eines Plans, der schon lange vorher bestanden hat: Eroberung des Gazastreifens – und im Windschatten dessen dann auch des Westjordanlandes. Wer redet heute och von den Golanhöhen? Was ist im südlichen Libanon los? Wie lange mußte die perfide Pager-Aktion vorbereitet werden?

Die israelischen Opfer des „sippten Oktoper“: Verraten und verkauft von der eigenen Regierung, mit Hellfire-Raketen aus amerikanischen Apache-Kampfhubschraubern der israelischen „Sicherheitskräfte“ beschossen, während sie von den Geiselnehmern in den Gazastreifen verschleppt werden sollten. „Jüdisches Leben“ in Israel, das am 7. Oktober ’23 von zwei Seiten zur Auslöschung freigegeben worden war, wobei die Trennschärfe zwischen israelischer Regierung und der Hamas keinesfalls bei 100 Prozent liegt. Genauso wenig, wie die zwischen israelischen und amerikanischen Geheimdiensten und diversen Islamistengruppierungen.

Dann die täglichen Klagen über die immer noch gefangengehaltenen Geiseln: Was geschieht mit ihnen? – Antwort: Die werden – nachdem sie den „sippten Oktoper“ überlebt hatten – selbst an den Orten ihrer Gefangenschaft noch von den eigenen Sicherheitskräften bombardiert. Die möglicherweise heute, am 29. September noch lebenden, leiden unter der Versorgungslage im Gazastreifen mindestens so wie die Palästinenser. Zu bedauernswerten und dringend zu befreienden Geiseln taugen sie aber allemal noch für die israelische Propagandamaschine. Trotz Bezalel Smotrich vor einigen Wochen: „Die Geiseln haben keine Priorität“. So viel zu „aber der ’sippte Oktoper‘!!“.

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Über Max Erdinger 178 Artikel
Max Erdinger schrieb seit 2016 als freier Autor und Kolumnist täglich für "Journalistenwatch" und "Ansage". Er begreift sich als einen konservativen Freigeist, der sich nicht auf bestimmte "Narrative" festlegen läßt. Wichtig ist nicht, wer etwas sagt, sondern was jemand sagt.

11 Kommentare

  1. LIHOP bedeutet: „Let it happen on purpose“,
    eingedeutscht: „lasst es absichtlich geschehen“.
    Beispiele sind „911“ – Bush junior brauchte 3000 Tote eigene Landsleute um
    • beliebige Kriege – natürlich gegen Terror – zu führen,
    • den Patriot-Act zur Überwachung seiner Steuersklaven und für
    • Guantanamo, eröffnet dann am 11. Jänner, immer noch im Betrieb.

    Ist es nicht gut möglich dass der 7.10 ebenso LIHOP war? Zur Begründung 2 Links:
    https://uncutnews.ch/nicht-anerkannte-false-flags-der-angriff-der-hamas-vom-7-oktober-teil-1/
    und
    https://uncutnews.ch/nicht-anerkannte-false-flags-der-angriff-der-hamas-vom-7-oktober-teil-2/
    Dazu sollte man Bedenken: wenn Netanjahu keine Immunität mehr hat, muss er wegen Korruption und Betrug ins Gefängnis.
    Führt Israel deshalb Kriege an 7 Fronten?

    Ist ja nur mal eine Frage.

      • Der 11.9.2001 war ein Tag voller Weltwunder, denn nicht nur die Gesetze der Physik, hinsichtlich „Freier Fall“, galten an dem Tag nicht, sondern an dem Tag war es auch möglich mit Kerosinfeuer dicke Stahlträger, wunschgemäß genau nach Plan, durch zu schmelzen.
        Man brachte auch das Wunder fertig mit 2 Flugzeugen die drei WTC Gebäude 1 + 2 und dann noch etwas zeitversetzt WTC 7 senkrecht in Freifallgeschwindigkeit zum Einsturz zu bringen – die alle dem Oligarchen Larry Silverstein gehörten.
        Wenn Putin gewusst hätte, dass man ganz locker mal in das Pentagon, dem Hauptquartier (!) der mächtigsten Militärmacht der Welt, ohne jede Gegenwehr rein fliegen konnte, hätte er sich sehr viel Geld für sein Militär sparen können.
        usw. usw.

  2. Was mir früher nie aufgefallen ist, bzw. ich nie drüber nachdachte, die meisten israelischen Juden haben einen zweiten Pass. Ist nicht nur praktisch auf Reisen, sondern auch wenn alles in die Hose geht.

    • Es gibt auch Absprachen unter Feinden.
      Denke, der Atombombenabwurf auf Japan war so eine. Aber auch die sogenannte Wende in Ossiland.

  3. Man kann die Bevölkerung nur durch einen Weltkrieg dezimieren, wenn man vorher überall eine Lunte legt. Da sind sich die Kriegstreiber einig.

  4. Es ist immer noch nicht klar, wer die Hamas bezahlt, denn sie sollen ja eine Zweistaatenlösung verhindern, wenn sie jetzt kapitulieren, steht einer Zweistaatenlösung nichts mehr im Wege––soviel zu Mission unmöglich/ unerfüllt/versagt

  5. Die Christen haben Angst vor dem Islam und wollen deshalb generell keine Muslime in Amerika, siehe:

    http://www.independent.co.uk/news/world/americas/us-politics/pete-hegseth-laura-loomer-qatari-air-force-base-b2843772.html

    Soviel zu den Auftrag-/Geldgebern der Hamas, die sich nicht entwaffnen lassen müssen, weil sich der weltweite Druck zur Zweistaatenlösung in einer anderen Konstellation durchaus ändern kann/wird und dann kann man sie wieder einsetzen

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