
Prolog am Prellbock
Die Deutsche Bahn wollte bis 2030 ein „Hochleistungsnetz“ auf die Schienen stellen. Jetzt hat sie gemerkt: Erstmal braucht man Schienen, Leute, Strom, Material – und einen Plan, der länger hält als ein Anschluss in Wolfsburg. Ergebnis: 2035 ist das neue 2030. Im Bahnsprech heißt das „Planungen vorantreiben“. Im Kundensprech: „Wir bitten um Ihr Verständnis. Ihre Weiterfahrt verzögert sich auf unbestimmte Jahre.“
Projekt „Korridorsanierung“ – eine Vollsperrung mit Aussicht
Die Idee: 41 zentrale Strecken nacheinander komplett zumachen, alles in einem Rutsch erneuern, dann wie Phönix aus der Asche als Taktwunder auferstehen. Realität: Eine Strecke fertig, die Riedbahn. Also, „fertig“. Kritiker sagen: pünktlicher wurde es nicht, aber dreimal so teuer. Das ist wie eine Diät, nach der man zwar nicht schlanker ist, dafür aber ein Haute-Couture-Croissant gegessen hat.
Die Riedbahn als Vorzeigeprojekt
Sie sollte zeigen, wie’s geht. Gezeigt hat sie, was nicht geht: ETCS, die digitale Zauberhand, blieb am Zeitplan kleben wie Kaugummi unterm Bahnsteig. Pünktlichkeit? 62 Prozent im Mai. Das ist nicht mal eine 4- in der Deutschen Bahn-Notenskala, in der „mittelmäßig“ neuerdings als „Trendwende“ gilt. Der Netzzustandsbericht feiert eine 3,0. In der Schule wäre das ein „Da geht noch was“. Bei der Bahn heißt es: „Champagner kaltstellen, der Mittelmaß-Express rollt!“
Oberleitungen: Der neue Goldstandard
Die wahre Pointe steckt oben: Oberleitungen sind knapp. Nicht Raketenwissenschaft – Draht über Kopf. Aber die Industrie hat Kapazitäten abgebaut, weil jahrelang Sparprogramm gefahren wurde. Jetzt will die Bahn plötzlich 41 Mal den großen Wurf, und die Anbieter antworten: „Wir hätten da ein halbes Kabel und drei Klemmen; Lieferzeit: 2028–2034.“ Mietpreise für Bauzugloks: verdreifacht. Es ist wie bei Festivalbier, nur dass die Musik aus dem Lautsprecher „Zug fällt aus“ dudelt.
Die Genialität des Alles-auf-einmal
Wer hätte gedacht, dass „alles auf einmal“ teurer wird, wenn die Branche seit Jahren kaputtgespart ist? Der Bundesrechnungshof offenbar. Er nannte es Preistreiberei. Die Bahn nannte es „ambitioniert“. Ambitioniert ist auch, mit Flipflops auf den Brocken zu joggen. Irgendwann merkt man: Blasen an den Füßen, Sicht gleich Null, und oben ist’s doch weiter weg als gedacht.
Branchendialog: Jetzt reden wir drüber
Heute beginnt der „Branchendialog“. Man hätte auch früher mal fragen können, ob genug Leute, Material und Prüfer da sind. Aber wo bliebe da die Romantik? Erst, wenn der ICE im Ersatzbus hängt und der Ersatzbus in der Baustelle, kommt die Erkenntnis: „Vielleicht entzerren?“ Zack: Sanierung gestreckt bis 2035. Das ist nicht ideal, aber notwendig. Ein Satz wie ein Schotterbett: hart, kantig, und man stolpert trotzdem drüber.

Ersatzverkehr: das bekannte Überraschungsei
Für Reisende bedeutet die Korridorkur Vollsperrungen, Umwege, Busse. Manche Ersatzverkehre sind so gut, dass man sich wünscht, nie wieder normal zu fahren – weil Erwartungsmanagement eine unterschätzte Wellness-Anwendung ist. Für Güterbahnen heißt’s: Umweg deluxe, Kosten rauf, Termine runter. Wenigstens ist das CO₂ freundlich – denn nichts spart Emissionen so effektiv wie Züge, die gar nicht fahren.
Geld ist da – Köpfe nicht
166 Milliarden Euro sollen in die Infrastruktur. Grandios! Nur dumm, dass Gutachter, Prüfer, Planer rar sind. Fachkräfte werden nicht in Y-Kabeln gezüchtet. Die Industrie sagt: Gebt Planungssicherheit über Jahre, dann stellen wir ein. Die Politik sagt: Schauen wir mal. Die Bahn sagt: Wir treibens voran. Und die Fahrgäste sagen nichts – sie stehen nämlich im Funkloch zwischen zwei Umleitungsansagen.
Die große Kunst der Halbvollmeldung
Die Bahn hat ein kommunikatives Talent, das selbst Opernhäuser erblassen lässt. Man schafft es, „Streckung“ als Vorteil zu verkaufen: weniger Beeinträchtigungen! Natürlich dauern sie dafür fünf Jahre länger. Das ist wie bei einer Wurzelbehandlung in Zeitlupe: Es tut weniger auf einmal weh, aber wer je wieder abbeißt, erfährt das in der dritten Legislaturperiode.
Der ewige Sanierungsprolog
Seit Jahren pflegt die Bahn eine exquisite Planlosigkeit mit Manufaktur-Qualität. Fahrpläne sind Wünsche, Baustellen sind Jahreszeiten, und die Oberleitung ist der Groundhog Day der Infrastruktur. Man baut, bis der Zug kommt – und wenn er kommt, ist das Gleis gesperrt. Dann feiert man Pünktlichkeit als philosophische Idee: Wenn kein Zug fährt, kann auch keiner zu spät kommen. Schrödingers ICE.
Was jetzt wirklich helfen würde
Langfristige Finanzierung festnageln – nicht als Sondervermögen auf Pump, sondern als Verpflichtung, die länger hält als ein Handy-Akku im Funkloch.
Industriepartner früh binden, Kapazitäten sichern, Preisspitzen glätten.
Priorisieren wie Erwachsene: weniger Korridore gleichzeitig, dafür ganz fertig – mit Oberleitung, ETCS, Weichen, allem.
Ehrliche Kommunikation: kein „vorantreiben“, wenn man gerade rückwärts rangiert.
Abfahrt ins Vielleicht
Die Bahn streckt, die Politik nickt, die Branche atmet auf. Und wir? Wir üben geduldiges Umsteigen. 2035 ist morgen, sagt die PR. Mag sein. Bis dahin gilt: Nimm den Zug vor dem Zug, plane den Ausfall vor der Fahrt und bring ein Verlängerungskabel für die Oberleitung mit – falls wieder keines da ist. Hochleistungsnetz? Klar. Sobald der Plan aus dem Werk kommt. Lieferung voraussichtlich: verspätet. Wir bitten um Ihr Verständnis.
https://youtube.com/shorts/cKoXe4OwZgc?si=G6CZ_NQHVee3WvYn
Und so sieht Bahnfahren in China aus.
https://www.youtube.com/watch?v=IJWghoo6UnA
Leute, schaut doch mal wie Bahnfahren in Zukunft aussehen könnte.
Der System-Michel kriegt nicht mal Stuttgart 21 hin.
Übrigens, es berichtet ein Deutscher!
Schönes Spielzeug. Nur die Mauer hat mehr Power.
Etwas viel auf Achse, seltsames Gebaren. Zu Hause gefällt es denen wohl nicht.
Die spinnen, die Chinesen, das Land sieht aus wie ein Vergnügungspark. Aber ist nur der Südosten, Rest des Landes noch ländlich.
Höher, schneller, weiter. Was kommt danach, wie wird es wohl in 30 Jahren aussehen in Tscheina? Oder in 300! Vielleicht können die dann levitieren. Oder beamen.
Tipp. Bei Flavio von Witzleben zu Gast der Volkswirt und Jubelchinese Dr. Elsner. Achtung, ihr frommen Christen alle, das gelobte Land heißt jetzt Tscheina!!!
Ergänzend. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Darum nein, niemand hat die Absicht, den Chinesen gute Ratschläge zu erteilen oder ihnen gar ihren guten Charakter zu verderben. Es sei lediglich folgendes angemerkt.
1.) Man nehme all diese Energie, die zur Errichtung des Vergnügungsparks verausgabt worden ist.
2.) Und stecke sie in die Schaffung von Wohn- und Lebensverhältnissen, die so mußevoll, komfortabel und erfreulich sind, daß der Impuls, sich mit dem Wechsel zwischen Schlangestehen und Herumrasen zu amüsieren, garnicht erst entsteht.
Unaufgescheucht zu leben, kann auch schön sein. Warum denn nicht lässig wie Kühe auf der Wiese liegen und den lieben Vorsitzenden der Kommunistischen Partei einen guten Mann sein lassen. Und den Herrn Dr. Elsner auch.
Man könnte stundenlang im Café sitzen und Karten spielen. Oder an Stränden herumlungern und abends in den Zirkus oder den Zoo gehen. Oder die Strecke Shanghai – Peking meditierend auf einem Kamel abreiten. Oder sich in den unendlichen Weiten des Handwerks, der Künste und der Wissenschaften verlieren. Oder ganz doof seinen Gemüsegarten in Schuß halten und Tauben, Schweine und Karpfen züchten. Oder Briefmarken sammeln. Und dann noch das ganze große Thema Modelleisenbahnen…
Auch wenn man schon alles hat, gibt es noch eine Menge zu tun. Und das bißchen ganz schnödes Arbeiten erledigt sich dann ganz nebenbei — wenn man mal wieder Lust hat auf echte Abenteuer.
Wie nennt man (un)pünktlich in Japan? DEUTSCHE BAHN.LOL. Gruß Karl
Ein Staatsunternehmen funktioniert nicht eben so die Staatsregierung.
Tja, wer das Leiden seiner Mitmenschen ignoriert kommt zu spät an, die selbstmordrate an bahnanlagen ist wesentlich an Verspätung/Zugausfällen beteiligt—–soviel zum perversen Profitsystems welches nicht nur Kriege sondern auch den Suizid als Markenzeichen hat, siehe Japan, ganz zu schweigen vom immanenten Bürgerkrieg/Attentate und auch das mittelalterliche Duellieren kann unter Trump/Putin wieder eingeführt werden——mit den Demokraten/Biden/Sanders wäre das nicht passiert
Damals, so vor 50 Jahren konnten die Deutschen noch Bahn.
Tempo 200 und sogar pünktlich.
Da staunten selbst die Chinesen.
https://www.youtube.com/watch?v=j4NxNx0Cab8