In Erinnerung an Wilfried (WiKa) – Ein Jahr ohne dich

wilfried

Heute vor genau einem Jahr ist Wilfried, ein langjähriger Freund von mir und der ehemalige Betreiber dieser Webseite, von uns gegangen. Sein Tod hat eine Lücke hinterlassen, die wir bis heute spüren.

Wer mehr über die Umstände und über sein Wirken lesen möchte, dem empfehle ich den Nachruf von Max Erdinger – einen Text, den Wilfried selbst kurz vor seinem Tod erbeten hatte. Es war sein Wunsch, dass Max die letzten Worte an die Leser richtet, die ihn und seine Arbeit begleitet haben.

Sein Vermächtnis und die Zukunft der Seite

– Wilfrieds klare Ansage: Sollte sich nach dem Nachruf niemand finden, der diese Seite weiterführen möchte, solle ich sie löschen.
– Dieser Schritt stand kürzlich tatsächlich im Raum. In jener Zeit fühlte sich vieles endgültig an – nicht nur, weil wir um ihn trauerten, sondern weil der Geist, den er dieser Seite eingehaucht hatte, untrennbar mit ihm verbunden schien.
– Doch dann kam Bewegung zurück. Menschen schrieben, wollten mitmachen, diskutierten weiter. Heute sind wir fünf Autoren, die hier veröffentlichen. Ich habe mittlerweile die Seite übernommen – nicht aus Leichtfertigkeit, sondern mit dem festen Gefühl, dass es in Wilfrieds Sinn ist, wenn das, wofür er stand, weiterlebt.

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Wer Wilfried war – für uns und für mich

Wilfried war ein durchweg positiv eingestellter Mensch mit viel Humor. Selbst in den letzten Tagen sassen wir noch zusammen und konnten uns über das was unausweichlich war amüsieren. Die Schwestern im Hospitz bestätigten auch dass sie so jemanden, der sich über das Unausweichliche so klar war, und das Ganze so mit Humor nahm, noch nie im Haus hatten.
Er suchte auch niemals den schnellen Triumph in einer Debatte, sondern immer eine gemeinsame Erkenntnis.
Seine Art zu denken war präzise, eigensinnig im besten Sinne, und immer respektvoll. Er stellte Fragen, die trafen, nicht um zu verletzen, sondern um Schichten freizulegen.
Für mich persönlich war unsere Freundschaft innig und prägend.
Dank ihm sehe ich heute vieles anders als früher, ebenfalls hat er mich zur Fotografie gebracht und mir damit auch eine ganz andere Welt eröffnet. Nächtelang sind wir durchs Land gezogen und hatten immer gute Obejekte für die Lichtmalerei gefunden.
Ich werde ihn niemals vergessen. Er bleibt ein Teil von mir – in Gesprächen, in Entscheidungen, in jenen Momenten, in denen ich mich frage: Wie hätte Wilfried das jetzt gesehen?

Die Seite als Ort des Weiterdenkens

– Diese Webseite war für Wilfried nie nur ein Archiv von Texten, sondern ein Raum: für Kontroverse, für Neugier, für das Ringen um Begriffe und für Seinen Humor.
– Mit den fünf Autoren, die heute hier schreiben, wollen wir genau daran anknüpfen. Unterschiedliche Perspektiven, klare Positionen und der Wille, nicht beim Offensichtlichen stehenzubleiben – das bleibt unser Maßstab.
– Weiterführen heißt nicht, ihn zu ersetzen. Es heißt, das Gespräch fortzusetzen, das er begonnen hat, und es mit dem gleichen Respekt vor der Sache und vor den Lesern zu führen.

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Zum Nachlesen, Nachhören, Dabeisein

– Der Nachruf von Max Erdinger beleuchtet Wilfrieds Weg und sein Wirken – eine Einladung, ihn noch einmal in Ruhe zu betrachten.
– Wer Wilfried erleben möchte, dem lege ich die Reihe „Zeit Zähne“ ans Herz: Gespräche und Debatten mit Franz Witsch, der ebenfalls hier als Autor mitschreibt. In diesen Videos erkennt man seine Denkbewegungen, seine Ruhe, seine Genauigkeit – und auch seine Freude am Streit der Argumente.

Dank und Zukunft

Danke, Wilfried, für deine Zeit mit uns. Für die Geduld, die du aufgebracht hast, für die Klarheit, die du eingefordert hast, und für das Vertrauen, das du dieser Seite und ihrer Leserschaft geschenkt hast.
Wir tragen das weiter – nicht als Pflichtübung, sondern aus Überzeugung.
Dein Name, deine Stimme, dein Maßstab bleiben hier lebendig. In jedem Text, jeder Diskussion, jedem Versuch, präziser zu werden.

Lieber Wilfried, wir werden dich immer in Erinnerung behalten. Und wir werden dafür sorgen, dass das, was dir wichtig war, weiterklingt – hier, auf dieser Seite, die du geprägt hast und die nun, ein Jahr später, wieder voller Leben ist.

https://www.youtube.com/watch?v=jPj4WgxnOWs

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Avatar für Torben Botterberg
Über Torben Botterberg 3346 Artikel
Torben Botterberg verbindet Gegensätze mit einem Augenzwinkern: schwarzer Humor trifft auf Perfektionismus, ein erklärter Hang zur Prokrastination auf Texte, die erst dann das Licht der Welt sehen, wenn jedes Detail sitzt. Freiberuflich in Vermittlung und Verleih unterwegs, bewegt er sich beruflich zwischen Menschen, Projekten und Möglichkeiten, und privat am liebsten zwischen Chrom, Stern und Benz. Torben schreibt, um zu verbinden: Erfahrungen mit Einsichten, Gegenwart mit Erinnerung, Technik mit Temperament. Wenn er lacht, dann tiefschwarz, wenn er zweifelt, dann gründlich und wenn er veröffentlicht, dann mit dem Anspruch, dass jedes Wort hält was es verspricht.

10 Kommentare

  1. Eine schön geschriebene Erinnerung an Wilfried. Man merkt, dass Torben mit sehr viel Herzblut die Seite weiterführen möchte. Was wohl auch im Sinne von WiKa wäre.
    Persönlich kannte ich ihn nicht, nur über seinen Blog. Habe jahrelang meine Kommentare abgegeben. Bevor ich qpress entdeckte, trug ich mich mit dem Gedanken selber eine Satire-Seite aufzumachen. Nur die von WiKa war viel professioneller und so ließ ich es.

  2. Freie Meinungsäußerung ist Goldwert, denn es gibt immer noch unendlich viele Tabus die in anderen Medien niemals angesprochen werden/können, deshalb ein großes Dankeschön an eure Geduld/Toleranz/Risikobereitschaft auch meine schrägen Gedanken zu veröffentlichen

  3. Danke an alle Autoren, die in Willis Sinne diese Seite weiterführen – ihn freut es sicherlich, wo immer er auch gerade ist und von wo er diese Welt gerade betrachtet, auch wenn bislang nur wenige Artikel seine Bissigkeit hatten. Aber diese Bissigkeit war es auch, was Wilfried ausgezeichnet hat.

  4. Auch ich vermisse WIKA schrecklich, obwohl ich ihn nie persönlich kennenlernen durfte. Sein Tod war ein schwerer Verlust, ich werde ihn als grossen, humorvollen und wachen Menschen in Erinnerung behalten, seine Texte haben mich sehr beeindruckt!
    Vielen Dank an Euch alle, dass ihr hier weitermacht, diese Seite ist sooo wichtig in diesen Zeiten…
    Lieben Gruss an Alle!

  5. Ist es erst ein Jahr her? Mir scheint es viel länger zu sein. Vor Jahren traf ich ihn mal (südlich von Berlin, kurz vor einer Abschiedsparty für seinen Sohn der dann auf einem Kreuzfahrtschiff einen Job bekam). Seine Seite gefiel mir aus verschiedenen Gründen. Der Inhalt, sein Schreibstil und die freien Kommentare. Außerdem pflegte er den Kontakt zu seinen Lesern.

    Apropos Kommentare: Wo anders gibt es diese Freiheiten? Fast jede kritische Webseite sagt: Freischaltung erst nach Kontrolle durch uns aus juristischen Gründen. Was kaum stimmt, den der Verfasser haftet für Blödsinn. Sehr erfreulich, dass hier die Kommentare sofort erscheinen, nie moderiert = zensiert = unterdrückt werden und es trotzdem (bisher) nie Ärger oder die Notwendigkeit eines griffbereiten Bademantels gab !

    Keiner lebt ewig aber Wika wird ewig fehlen.
    Zumindest mir.

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