Zeichen setzen! Das hier ist ein Bahnübergang bei uns in der Gegend. Die Bauern brauchen ihn, um vom Maisfeld diesseits der Gleise auf den Rübenacker jenseits der Gleise zu kommen. Sonst braucht den Bahnübergang niemand. Die Strecke ist eingleisig – und es fährt genau ein Personenzügchen in der Stunde entweder in die eine oder in die andere Richtung. Aus Gründen, die sich einem auf den ersten Blick auf gar keinen Fall erschließen, darf den Bahnübergang aber niemand mehr benützen. Fahrzeuge aller Art nicht, Spaziergänger nicht, Radfahrer nicht, niemand! Fuchs, Reh, Wildsau und Hase gehen vielleicht. Aber auch nur, weil sie die gesetzten Zeichen nicht verstehen können.

Beim Spaziergänger hingegen setzt der Zeichensetzer voraus, daß er gesetzte Zeichen richtig versteht. Deswegen bekommt er welche gesetzt, die er beachten muß. Damit auch alles seine Ordnung hat. Deutschland in einem einzigen Bild, sozusagen.
Nicht so weit entfernt von diesem bäuerlichen Bahnübergang – zwei Kilometer vielleicht – kreuzen sich zwei Bundesstraßen, die B470 und die B13. Die B13 führt von Würzburg nach München.
Die Bundeszeichensetzer
Allerweil wird der Fahrbahnbelag im Bereich des Anstiegs auf die Frankenhöhe bei Martbergel erneuert. Von der B470 kannst du deshalb nicht in Richtung Ansbach / München abbiegen. Von Ansbach kommend, die „Bergeler Steige“ hinunter, geht es aber einspurig. Das ist jetzt schon lange so. Vorgestern bin ich von Ansbach aus auf der B13 nachhause gefahren – und ich habe meinen Augen nicht getraut: Die „Baustelle“ an der „Bergeler Steige“, an Marktbergel vorbei ins obere Aischtal hinunter, ist ungefähr drei bis vier Kilometer lang. Normalerweise sind das da drei Spuren, zwei bergauf, eine bergab. Wahrgenommen habe ich auf dem Streckenabschnitt drei, vier, höchstens fünf Arbeiter – und auf der einen, frisch geteerten und offenen Spur bergab, breit genug für LKW mit gelber Rundumleuchte wegen einer überbreiten Ladung, gab es „wegen Baustelle“ und „Gefahr“ eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Um welche Gefahr es sich dabei handelte, konnte ich nicht erkennen. Auf genau derselben Spur geht es normalerweise bergauf mit 100 km/h.
Jetzt würde man sich sagen: „Ja, gut, Baustelle ist eben Baustelle. Daß da eine 80er oder meinetwegen auch eine 60er-Begrenzung gilt, wäre man ja seit Jahrzehnten gewohnt im Land von Lord Sicherheitshelmchen. Aber 30? In Worten: Dreißig? – Das ist neu.
Weit und breit keine Sau zu sehen, keinerlei tatsächliche Behinderung, nur eben „irgendwie Baustelle“ weit neben der Fahrspur – und dann stellen dir diese Zeichensetzer in regelmäßigen Abständen 30er-Zeichen neben die Strecke? Geht’s eigentlich noch? Wofür halten die sich? Und wofür halten sie dich? Auf welcher Grundlage überhaupt?“ – Ah, sie sind wahrscheinlich „autorisiert“. Irgendwie sind sie vermutlich „der Staat“. Und du bist wahrscheinlich der Arsch vom Staat. Auch, wenn du, wie ich, 4,5 – 5 Mio. unfall- und punktefreie Kilometer auf dem Buckel hast.
Gott bewahre, daß du dir erlaubst, reale Gefahren selber einzuschätzen. Die Zeichensetzer wissen es immer besser. Grundsätzlich. Es gilt: Das Blechschild am Straßenrand ist schlauer als du. Und zwar immer. Zu jeder Tages- und Nachtzeit, im Krieg wie im Frieden. Wenn du das erst einmal verinnerlicht hast, bist du der perfekte Souverän in der Unseredemokratie.
Es macht mich rasend
Jedenfalls haben meine geistig behelmten Zeitgenossen inzwischen schon ganz ohne Baustelle Schwierigkeiten, die erlaubten 100 auf Bundesstraßen zu erreichen. Deswegen hatte ich sie auch alle überholt, bis der 30er Wahnsinn auf der einen, frisch geteerten und völlig behinderungsfrei zu befahrenden, temporären Bergabspur losging. Ich hatte also niemanden vor mir, der mich „gesetzestreu“ auf 30 hätte herunterbremsen können. Und dann bin ich den Berg runtergeschlichen mit Tempomat 60. Und unten dann erst einmal weiter mit 60. Total lahmarschig – aber gut: 60 „wegen Baustelle“ … meinetwegen.
Wie ich da also mit 60 den Berg runterschleiche, überlege ich mir: Alter, du bist 100 Prozent über dem Zulässigen. Wenn die Staatsmacht da noch einen Blitzer aufgestellt hat, dann hast du aber ein dickes Problem. Dann dachte ich mir, daß man allein dafür, daß man ein theoretisches Problem wegen nichts außer den autorisierten Zeichensetzern hätte, der impertinenten Staatsmacht eine aufs Maul hauen sollte. Am besten kollektiv. Den Gedanken habe ich dann aber schnell wieder verworfen, weil mir eingefallen ist, um welches verzagte Helmchen- und Warnwestenkollektiv es sich dabei handeln würde, und daß die Vorstellung einfach grotesk ist.
Jedenfalls bin ich dann, kurz nachdem die 30er- Unverschämtheit amtlich wieder aufgehoben war, nach Osten auf die B 470 abgebogen. Gut ausgebaut führt die B 470 im Bogen an Illesheim vorbei – und seit etwa zwei Monaten gibt es dort ebenfalls eine kurze, etwa 150 Meter lange Geschwindigkeitsbegrenzung „wegen Baustelle“.
Neben der Straße kann man in etwa 100 Metern Entfernung ein paar Baucontainer unter den Pappeln unweit der amtlichen Aischquelle stehen sehen. Dort habe ich in zwei Monaten noch nie jemanden beim Arbeiten bemerkt. Die Geschwindigkeitsbegrenzung – erst 70, dann 50 mit Überholverbot – gilt aber Tag und Nacht, 7 Tage die Woche – buchstäblich wegen nichts, bzw. deshalb, weil theoretisch jemand, der bei den Baucontainern arbeiten würde, die Baustelle über die Einfahrt in die B 470 verlassen müsste. Die Einheimischen, habe ich beobachtet, rattern inzwischen mit den sonst üblichen 100 oder etwas weniger durch und ignorieren die 70er bzw. 50er Begrenzung. Gipfel des Revoluzzertums. Und alle wären sie bestrafungswürdig im Sinne der impertinenten Staatsmacht.
Die amtlichen Pinselstricher
Letzter Akt: Ich biege nach links von der B 470 in Richtung Städtchen ab. Dort weitet sich der Asphalt, weil eine Linksabbiegerspur zwischen den beiden Fahrtrichtungsspuren dazukommt. Und da haben sich die autorisierten Pinselstricher ausgetobt auf dem Asphalt. Von wegen, man könnte auch einfach an der durchgezgenen Linie entlang quasi geradeaus in die Linksabbiegerspur einfahren – nei-en, auf gar keinen Fall. Das ist nicht barock genug. Zunächst einmal muß, bevor es in die Linksabbiegerspur geht, eine olivenförmige, gestreifte Sperrfläche auf den Asphalt gepinselt werden, die du keinesfalls überfahren darfst. Schließlich heißt das Ding nicht umsonst „Sperrfläche“.
Mir ist es inzwischen ein kleiner Seelenbalsam, beim Linksabbiegen immer geradeaus über die Sperrfläche zu fahren, schon, weil das die Linksabbiegerspur so verlängert, daß ich das Tempo bereits auf der Sperrfläche gelassen herausnehmen kann, anstatt vor dem hinter mir Fahrenden auf der Geradeausspur, der dadurch ebenfalls bremsen müsste. Geplant ist das allerdings anders: Du sollst nicht über die Sperrfläche fahren, sondern an ihr vorbei. Und dann erst sollst du einem barocken Schnörkel in jene Linksabbiegerspur folgen, die durch die dämliche Sperrfläche unnötig verkürzt worden ist, was wiederum bedeutet, daß du stärker bremsen mußt, wenn du es nicht schon auf der Geradeausspur tust und dadurch deinen Hintermann behinderst. Bremsbeläge kosten aber Geld!
Gelassene Flüssigkeit in der Bewegung ist mein Lebenselixier. Abgehacktes, Stockendes, Hektisches und Überflüssiges sind mir ein Gräuel in ihrer gräßlichen Anti-Eleganz. Ich bin im Glauben fest an die Sinnhaftigkeit der ungelenkten und weitgehend bremsungslosen Ideallinie.
Ach ja, und das noch: Am Städtchen vorbei gibt es die Ostumgehung. Wenn man der nach Norden folgt, kommt man in ein Gebiet, das noch kein Missionar je betreten hat. Es liegt zwischen unserem Städtchen und dem Steigerwald. Die letzte Ausfahrt in die Zivilisation – also zu den Kliniken und dem Kurzentrum – ist seit, ich glaube, bald zwei Jahren gesperrt. Warum? – Na, „wegen Baustelle“ selbstverständlich. Es gibt eine längliche Umleitung, die installiert wurde, als der Sprit noch in braunen Flaschen aus der Apotheke verkauft wurde. Seit Jahr und Tag vergeuden die lieben „Verkehrsteilnehmer“ ihren Sprit auf dieser Umleitung, verarmen dabei und schubsen das Weltklima in den Abgrund.
Als fanatischer Grüner kann ich da nur sagen: So geht das nicht weiter, ihr obrigkeitlichen Umweltfrevler! Wollt ihr denn gar nicht an die bessere Zukunft denken!?
Den ‚Grünen‘ nehme ich ihnen nicht ab. Aber den ’staatstreuen‘ Untertanen/ Sklaven der Bundesrepublik.
Soviel ‚Staat‘, wie sie in dem Artikel erwähnt haben gibt esw in der Bundesrepublik nicht.
Wie wäre es, wnn sie den Schilderwald ignorieren?!
Sie fahren einfach, wie ich, ohne sich auf- zu- regen.
Schon 1990 hat der Aussenminister der VSAmies, Baker, im GG den Art. 23 GESTRICHEN. Somit dem GG den Geltungsbereich genommen. Somit hat sich das GG aufgelöst- in der Bundesrepublik. Es gilt, vielleicht, noch auf Mond oder Mars.
2006, 2007, 2010 haben die Besatzer der Bundesrepublik ALLEN justizjablen Gesetze, und ‚Ordnungswidrigkeiten‘, den Geltungsbereich genommen/aufgehoben UND
das Besatzungsrecht bereinigt und dessen Rechtsgültigkeit bekräftigt.
Somit gelten wieder/immer noch die SHAEF Gesetze- mit all seinen Folgen (bzw. Todesstrafe). Siehe Schalk Golodkowski 1996. Wegen Verstoßes gegen Art. VIII #Militärregierungsgesetz Nr. 53 – verurteilt.
https://staseve.eu/?p=34553
Nachdem das Einführungsgesetz zum sogenannten „Ordnungswidrigkeitengesetz“ durch das sogenannte „Zweite Gesetz über die Bereinigung von Bundesrecht im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums der Justiz“ („2. BMJBBG“) vom 23.11.2007, Art. 57 von den Besatzungsmächten aufgehoben worden ist,
(siehe G. v. 23.11.2007 BGBl. I S. 2614 (Nr. 59); zuletzt geändert durch Artikel 2 G.v. 05.12.2008 BGBl. I S. 2346; Geltung ab 30.11.2007)
ist ein räumlicher Geltungsbereich dieses sogenannten „Ordnungswidrigkeitengesetzes“ nunmehr nirgendwo mehr definiert, weder im sogenannten „Ordnungswidrigkeitengesetz“, noch anderenorts.
Somit sind sie nicht verpflichtet Ordnungswidrigkeiten zu zahlen.
Sind sie allerdings ein pflichtbewusster, staatstreuer(LOL), Bundesbürger zahlen sie (SIE auch?) trotzdem, aus Angst vor Strafe- die es nicht gibt, sondern nur Drohungen.
ICH NICHT. Gruß Karl
Das ist so wenn aus Bürohengsten kleine Schreibtisch Despoten werden. Da hilft kein Protest, kein Widerspruch. Gesetzt ist Gesetz. Wie absurd das auch ausgeht. Da gab es doch vor einigen Wochen das Ding mit dem Bahnsteig der plötzlich zu schmal war…..