Hatte Alexei Nawalny doch einen „im Tee“?

Hatte Alexei Nawalny doch einen „im Tee“?Nowitschokistan: Nach eigenem Bekunden sollte er eigentlich tot sein, das ging grundlegend schief. Im Nachgang scheiden sich einmal mehr die Geister. Besonders daran, wie Nawalny hätte in den Himmel kommen sollen (gesichert nicht per Flugzeug) und warum das nicht funktionierte. Weiterhin gibt es neue Thesen, nach denen er “etwas im Tee” gehabt haben muss. Nur leider führt selbst das nur zu weiteren Unklarheiten. Anstelle von Aufklärung wogt gerade eine frische Welle der Desinformation über den Fall hinweg. Diesmal mit deutschem Informationshintergrund.

Sofern Putin und seine Mann|innen|x hier ihre Finger im Spiel gehabt haben sollten, lieferten sie eine erbärmliche Schlechtleistung ab. Soviel Dilettantismus sollte man Putins Schlapphüten nun wirklich nicht zutrauen. Naja, irgendwie fehlt es schon ein wenig an der Logik, vor allem wenn man immer mit demselben Nowitschok-Gift herumspielt, siehe Skripal-Affäre. Selbst die ist übrigens bis heute nicht befriedigend aufgeklärt. So wird das Drehbuch einfach nur langweilig, was mehr für die Einfallslosigkeit überforderter oder gedungener Schergen spricht, nicht aber für echte Profis. Dazu ein Gift, welches inzwischen jeder Amateur-Geheimdienst, mit ein wenig Schmiss, locker nachbauen kann.

Im Moment sind die Sanktionen wichtiger

Was allerdings noch nicht vom Tisch ist, sind die politischen Folgen dieser, ja, inzwischen muss man sagen, gesundheitsgefährdenden Posse. Da wird immer noch fleißig an Sanktionsplänen geschmiedet, ungeachtet der tatsächlichen Hintergründe. Man hat sich schlicht auf ein Szenario festgelegt, welches man nur ungern hinterfragen lassen möchte. Warum also weiter die Details des Falles betrachten und aufklären wollen, wo doch die angedachten Strafmaßnahmen das politisch ins Auge gefasste Ziel recht bequem erreichen lassen … scheinbar. Dazu braucht es keine Wahrheit, lediglich den entschlossenen Willen, Putin-Russland auf das Empfindlichste zu treffen. Ansonsten wäre das ganze Spektakel schließlich sinnfrei und genau das darf einfach nicht sein.

Der letzte Streich in der Sache ereilt uns diesmal aus den USA. E.U. Preparing Sanctions on Putin Allies Over Navalny’s Poisoning[New York Times]. Unter Berufung auf einen anonymen aber hochrangigen Sicherheitsbeamten aus Deutschland (der muss wegen der Sicherheit auch anonym bleiben) wird nun klargestellt, dass Nawalny wohl doch einen Giftcocktail im Tee hatte. Damit scheint jetzt endgültig alles klar zu sein.

Einzelheiten darüber, wie Herr Nord Stream II Nawalny nun tatsächlich vergiftet wurde, bleiben weiterhin im Dunkeln. Deutsche Experten, die die Beweise überprüft haben (siehe New York Times), sagen nun, dass das Nowitschok-Gift ein Pulver war, das in Flüssigkeit aufgelöst wurde. Höchstwahrscheinlich in Tee, den Herr Nawalny vor seinem Flug am Flughafen konsumierte, so die letzten Erkenntnisse aus Deutschland. Dazu soll es auch ein Foto geben, welches Nawalny mit einer blutroten Papp-Teetasse am Flughafen von Tomsk zeigt. Die Bilder wurden also kurz nach seiner, naja, an sich bereits erfolgen tödlichen und später nur noch komatösen Vergiftung online verbreitet.

Weitere Unklarheiten ausblenden

Dennoch bleiben Fragen offen. Deutsche Wissenschaftler fanden Konzentrationen des Nervengifts Nowitschok im Blut und Urin von Herrn Nawalny sowie auf einer Plastik-Wasserflasche. Selbige, die Nawalnys Helfer aus dem Hotelzimmer beweismittelsichern konnten, in dem er am Tag vor der Vergiftung wohnte, mitgenommen haben sollen. Dies allerdings würde darauf hindeuten, dass Herr Nawalny vor seiner Ankunft am Flughafen bereits mit diesem Gift in Berührung kam. Noch wahrscheinlicher erscheint inzwischen, dass er sogar zweimal vergiftet wurde.

Das wiederum ist an Bösartigkeit und Perfidität kaum mehr zu überbieten. Soviel Heimtücke kann nur ein russischer Geheimdienst entwickeln, dem es darum geht, westliche Sanktionen gegen Russland zu provozieren, um endlich einmal wieder in die Schlagzeilen zu gelangen. Somit wird endgültig klar, dass auch die gegen Russland ergriffenen Maßnahmen doppelt so hart ausfallen müssen. Noch schlimmer allerdings ist, dass die Russen inzwischen ein so intelligentes und weniger tödliches Nowitschok entwickelt haben, dass es weitere Personen im Umkreis der Opfer nicht mehr gefährdet. Das war im Skripal-Fall noch bedeutend anders.

Man muss nur die richtigen Schlüsse daraus ziehen

Für diese Brisanz spricht auch, dass es deutsche Stellen ablehnen, mit den russischen Behörden zu dem Fall und der Beweislage zu kooperieren. Vermutlich möchte man Russland mit diesem Verhalten von den neusten Erkenntnissen zu deren eigenen Giftmischungen abschneiden, um noch größeres Unheil zu verhindern. Nur minderbemittelte Leser mögen hieraus den Schluss ziehen, dass hierzulande ggf. bösartige Vertuschungen laufen. Jeder, der des “Kaisers neue Kleider” real sehen kann, wird sich der hiesigen Regierungs- und EU-Linie vorbehaltlos anschließen, um Schlitzohr-Putin und Russlands Verdammung nicht zu gefährden.

Der Fall zieht dennoch weitere Kreise. In größter Sorge um die geistige Gesundheit der deutschen Bundestagsabgeordneten ging Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble eigene Wege. Er befleißigte sich, dem Parlament einen Brief in selbiger Sache, von den russischen Kollegen der Duma, vorzuenthalten. Brief der russischen Duma zum Fall Nawalny erst nach über drei Wochen an Abgeordnete weitergeleitet[RT-Deutsch]. Auch das wird in diesem Lichte um einiges verständlicher. Schließlich hätte damit das sorgsam geplante Sanktionskonzept gegenüber Russland Schaden nehmen können. Aber jetzt ist wieder alles im Lot und alle Beteiligten können getrost weiter wegschauen.

Das erklärt vielleicht auch die Böswilligkeit und Hinterlist des russischen Außenministers Sergei Wiktorowitsch Lawrow. Er zieht nunmehr in Erwägung, mit der EU eine Weile nicht mehr reden zu wollen. Russland sagt wieder Njet[Die•Fällt]. Immerhin hat ja die Duma, mit der verzögerten Auslieferung des Briefes an das Deutsche Parlament, dafür einen veritablen Grundstein gelegt. Dies nebst anderen Kommunikationshindernissen, die sich rein zufällig, aber gewiss im Verantwortungsbereich der Russen, in letzter Zeit türmen und einen für Deutschland und die EU politisch genehmen Dialog nahezu verunmöglichen.

Hatte Alexei Nawalny doch einen „im Tee“?
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Wir experimentieren. Man kann sich diesen Artikel auch vorlesen lassen. Leider klingt die Dame in Deutsch etwas holperig und unbeholfen. Wer damit klarkommen kann, der mag sich gerne eine Vorlesung geben lassen!
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Über WiKa 2602 Artikel
Die verkommene Wahrheit unserer Zeit ist so relativ und dehnbar wie das Geschrei der Konzern-Massen-Medien daselbst. Erst der schräge Blick durch die Blindenbrille, in stockfinsterer Vollmondnacht, eröffnet darüber hinaus völlig ungeahnte Perspektiven für den Betrachter. Überzeichnung ist dabei nicht zwangsläufig eine Technik der Vertuschung, vielmehr ist es die Provokation gezielter Schmerzen, die stets dazu geeignet sind die trügerische Ruhe zugunsten eigener oder andersartiger Gedanken zu stören. Motto: „Lässt Du denken, oder denkst Du schon?“

5 Kommentare

    • wg. “Putin (der Russe) böse.” > es folgt >
      Dann Russland böse. Dann böses Russland, welches einen Angriffskrieg an der Nato-Ostgrenze provoziert (plant). Trotz weit nach Osten zurückverlegter motorisierter russischer Einheiten. Dann gute Nato, welche im Vergleich zu den dort vorhandenen russischen Einheiten 4x so viel Vernichtungspotential an ihrer Westgrenze zu Russland auffährt.
      Eine feindliche Stimmung bzw. Krisenstimmung wird m. E. vorsätzlich installiert.
      Dto.: Russland betreibt alle paar Monate mit 1 oder 2 “Black Jack” oder anderen russischen Flugsauriern*** oft aus den 70ern Aufklärung. Das erzeugt einen Nato-Alarm der zweithöchsten Stufe und 2 bis 20 Nato-Jets werden zum abfangen und Abdrängen ausgeschickt. Eine “Katastrophe”, die die Medien dazu wieder einmal dazu nutzen, Russland zu verteufeln. > Böser Putin.
      (*** ja doch, die Russen ließen auch schon weit modernere Flanker und Felon aufsteigen.)

      Wenn dann nur England – dann nur an einem Tag – mit 30 RAF-Flugzeugen und 6 Royal-Navy-Einheiten an der Grenze zum russischen Hoheitsgebiet Einsätze tätigt, so sagt der H.M.S.-“Großadmiral” Brookes dazu:
      „RAF-Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe der Royal Navy haben ihre Patrouillen rund um Russlands Grenzen und Küsten in einer beispiellosen Operation drastisch verstärkt, um Moskaus Militär in die Defensive zu bringen.”
      “Wir zeigen Wladimir Putin, dass wir das leere Gerede aufgegeben haben. Wir sind bereit, ihn zu konfrontieren – von Angesicht zu Angesicht“, sagte Brooks. „Es ist ein Zeichen dafür, dass wir aufgehört haben, über Vergeltungsmaßnahmen zu sprechen und endlich zu Taten übergegangen sind. Wir dringen in Russlands tiefes Hinterland vor und widersetzen uns seinem aggressiven Verhalten.“
      Derartige größere Aktionen betreibt die Nato fortwährend bzw. bald täglich.

      Ein Klima der Feindschaft wird auch hierdurch erzeugt.
      “Giftmorde”, Demonstrationen gegen Putin und eingeschränkte (?) Pressefreiheit unterstützen dies, bzw. sind nützlich für Feindschaft und Abneigung.
      Freilich bleibt Putin selbst völlig Außen vor. Die “Gutwestlichen Staaten von Europa” vermeiden in jeder Hinischt jedweden persönlichen Kontakt sowie Gesprächs- und Klärungsversuche mit ihm.
      Das Verhältnis zu Russland soll wohl nicht gebessert werden.
      (Und “das” AKK jubelt im Hintergrund auch noch über die atomare Teilhabe Deutschlands bzw. macht anderes dummes Zeugs.)

      In jeder Hinsicht dürfen wir uns auf düstere und gefährliche Zeiten einstellen. Verlogen waren, sind und bleiben sie außerdem.
      Nato + EU “nix gut”, d. h. nur für andere Staaten gut, solange hauptsächlich Deutschland den faulen Zauber finanziert.

  1. Was sind die russischen Giftmischer doch für Dilettanten. Müssen die Zielperson gleich zweimal vergiften, und dann klappt es noch nicht einmal.
    Die Schlapphüte sollten lieber deutsche Premium-Produkte verwenden, wie das gute Zyklon B. Da gab es bei Millionen von Anwendungen, nachweislich, nur einen Überlebenden. Das ist Made in Germany!

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