Mein ganz persönlicher Mauerfall

Mein ganz persönlicher MauerfallMein Enkel Elias ist 8 Jahre alt. Er gehört damit schon zur Generation „Fridays for Future“, macht sich aber eher nichts aus der Klimabewegung. Greta ist ihm ziemlich egal. Es ist für ihn einfach zu abstrakt. Unsere 92.000 Einwohnerstadt Düren im Rheinland ist nicht unbedingt eine Schönheit. Die Nachlässigkeit einiger Bewohner ruft da schon eher meinen Enkel auf den Plan. Er versteht nicht, warum viele Mitbürger einfach ihren Müll auf die Straße werfen, obwohl der nächste Mülleimer keine 10m entfernt steht. Umweltschutz ist wichtig. Das versteht er.

Als ich ihn vor wenigen Tagen, abends ins Bett brachte, fragte er mich, was der „Mauerfall“ sei. Ich erklärte ihm, dass es bis vor 30 Jahren zwei Deutschland gab, die alte Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik und das beide Deutschland durch eine Grenze, und in Berlin durch eine Mauer, getrennt waren. Vor 30 Jahren wurden die Grenzen geöffnet, weil die Menschen nicht mehr eingesperrt sein wollten. Deutschland wurde danach wieder ein einheitliches Land.

Er schaute mich wissbegierig an und fragte weiter: „Habt ihr da schon gelebt?“ Meine Antwort: „Na klar, selbst Dein Papa ist noch in der DDR geboren und die Mama in der alten Bundesrepublik. Papa war damals nicht viel älter, als Du. Würde die Grenze heute noch bestehen, gäbe es Dich gar nicht, weil Mama und Papa sich nie kennengelernt hätten. Die Menschen in der DDR konnten nicht einfach dorthin reisen, wo sie wollten.“ Seine Augen wurden immer größer und mir wurde schlagartig klar, dass 30 Jahre, aus der Sicht eines Kindes, beinahe unfassbar sind.

Mein erstes Leben

Ich bin heute längst pensioniert und als Oberstleutnant a.D. aus der Bundeswehr ausgeschieden. 40 Jahre lang war ich Soldat, davon zunächst 16 Jahre in der NVA (Nationale Volksarmee) und dann 24 Jahre in der Bundeswehr.

Mein erstes LebenBeide Systeme, Sozialismus und Kapitalismus, durfte ich hautnah miterleben und weiß was es heißt unfrei zu sein und in einer Diktatur aufzuwachsen, ja selbst Teil dieser Diktatur gewesen zu sein. Als Soldat hätte ich diese Diktatur ggf. mit der Waffe in der Hand verteidigen müssen. Ich war nach dem Mauerfall besonders darüber froh, dass in den Jahren der Teilung nie Deutsche Ost auf Deutsche West in einem Krieg schießen mussten.

Leider kann man das von den mindestens 140 Toten an der innerdeutschen Grenze nicht sagen, die bei Fluchtversuchen aus der DDR in den Westen, von Grenzsoldaten erschossen wurden. Hier galt der Schießbefehl des DDR-Regimes, der die jungen Wehrpflichtigen zwang, im Falle der Republikflucht, auf  Flüchtige zu schießen.

Bestimmte Tage in seinem Leben vergisst man einfach nicht. So weiß ich noch genau, wo und wann ich vom Tod Lady Dies erfahren habe oder wo ich war, als am 11. September die Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Center einschlugen. 1989 war es etwas anders, weil ab September beinahe jeder Tag ein Ereignis bereit hielt und ich den Eindruck hatte, dass sich die Erde irgendwie schneller drehte, als bisher. Wo war ich eigentlich am 9. November 1989, als die Mauer fiel?

Zunächst begann für mich im August 1989 ein neues Kapitel. Ich hatte gerade die Militärakademie „Friedrich Engels“ mit „Auszeichnung“ absolviert und wurde ins Ministerium für Nationale Verteidigung, nach Strausberg versetzt. Mit 33 Jahren, als „Oberoffizier Landstreitkräfte“, im Dienstgrad Major, war ich einer der jüngsten Stabsoffiziere des Ministeriums. Ich war ein Kind dieses Staates, war in der DDR aufgewachsen und stand politisch im großen und ganzen hinter der Idee des Sozialismus. Bildung und Erziehung waren darauf ausgerichtet, treue sozialistische Persönlichkeiten (so sagte man damals) zu erziehen. Dennoch, Zweifel regten sich spätestens auch bei mir, als ich ins Berufsleben eintrat. Die Idee von Gleichheit, Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit hatte schon etwas faszinierendes. Allerdings spürte ich an vielen Ecken, dass es in der Praxis ganz anders aussah. Gleichheit wurde zu Gleichmacherei, Eigeninitiative war nicht gefragt.

Ich bin kein Schaf

Die gesetzlich festgeschriebene Entfaltung der Persönlichkeit gab es nur auf dem Papier. Die Partei (SED) sagte wo es lang geht und wer da nicht mitzog, wurde schnell zum Staatsfeind erklärt. Ich fand, dass der Sozialismus schlecht gemacht sei und „Glasnost und Perestroika“, wie unter Gorbatschow, auch uns gut tun würden. Viele Dinge waren einfach nicht in Ordnung. Kritik konnte man ungestraft nur üben, solange man nicht an den Grundfesten des Sozialismus rüttelte. Ich hatte Anfang der 80iger Jahre leidvoll erfahren, welche Auswirkungen es haben kann, wenn man all zu laut Kritik übt. Aber das ist eine Geschichte, die ich gerne an anderer Stelle erzähle. So ordnete ich mich, nach dieser schmerzlichen Erfahrung, zwangsläufig dem Prinzip „Schnauze halten, weiter dienen“ unter und ließ die geballte Faust lieber in der Tasche.

Ich bin kein SchafJa, ich war im Spätsommer 1989 stolz im Ministerium für Nationale Verteidigung gelandet zu sein. Meine Karriere wäre wohl so verlaufen, dass ich irgendwann zumindest den Sprung auf einen herausgehobenen Dienstposten geschafft hätte. Aber es kam ganz anders, denn nur wenige Monate später fiel die Mauer. Eigentlich sollte man doch denken, dass ich zu dieser Zeit gar kein Interesse daran haben konnte, dass der Staat, der mir ein gesichertes Einkommen gab, aufhörte zu existieren. Andererseits spürte natürlich auch ich die Unfreiheit, die politische Propaganda, das fehlen echter Demokratie, die marode Wirtschaft, die kaputte Infrastruktur und den Mangel, der allgegenwärtig war und auch mein Leben Tag für Tag bestimmte.

Es war erst wenige Tage her. Am 19. August nahmen die ersten DDR Bürger ihr Schicksal selbst in die Hand und flüchteten bei einem Paneuropäischen Picknick, über die ungarische Grenze in den Westen. Die offizielle DDR Propaganda produzierte eine „Räuberpistole“ nach der anderen, um von den wahren Ereignissen abzulenken. Niemand wollte so recht an die „Märchen“ glauben. Viele hatten die Möglichkeit, sich über das West-Fernsehen und das Radio der anderen Seite frei zu informieren. Da halfen auch die Attacken eines Karl-Eduard von Schnitzler nichts, denn sein „Schwarzer Kanal“ war längst als Propagandaschleuder verrufen. Auch ich hörte zu dieser Zeit, fast ausschließlich den RIAS (Radio im Amerikanischen Sektor). Mein damaliger Unterabteilungsleiter Oberstleutnant Schaf, erwischte mich dabei einmal während des Dienstes. Das war aus seiner Sicht natürlich äußerst verwerflich und so hat er mir dies nachdrücklich verboten. Beeindrucken konnte er mich damit jedoch nicht, denn ich war kein „Schaf“.

Wir sind das Volk

Ab dem 4. September 1989, gingen die Menschen dann zunächst in Leipzig, und später auch in anderen Städten, wie Berlin, Dresden, Wittenberg und Plauen auf die Straßen und forderten mehr Demokratie ein. Sie riefen vor allem „Wir bleiben hier“, „Keine Gewalt“ und „Wir sind das Volk“. Das war klug, denn alle Maßnahmen, die gegen diese Demonstrationen ergriffen wurden, richteten sich damit gegen das „Volk“. Die Staatsorgane waren von der Größe der Demonstrationen völlig überrascht.

Inzwischen liefen der DDR die Menschen davon. Tausende flüchteten im September in die Prager Botschaft der Bundesrepublik Deutschland. Am 30. September konnte der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher verkünden, dass deren Ausreise in die Bundesrepublik erstritten wurde und die DDR Führung unter dem politischen Druck bereit war, Zugeständnisse zu machen. Dieser Erfolg erhöhte natürlich den Wunsch nach Freiheit bei den meisten DDR Bürgern.

Am 7. Oktober waren in Plauen 15.000 Demonstranten auf der Straße und in Leipzig zog am 9. Oktober ein gewaltiger Demonstrationszug mit 70.000 Teilnehmern um den Ring. Es war schwierig geworden, dies als Pöbel abzutun und ein Eingreifen, wie in China im Juni 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens, konnte und wollte man sich nicht leisten. Das heißt aber nicht, dass es seitens der Sicherheitskräfte keine Gewalt gab. Besonders in Plauen und Berlin gab es um den 7. Oktober noch zahlreiche Übergriffe und Verhaftungen durch die Polizei. Der friedliche Protest, war eigentlich immer bedroht und wurde manchmal nur zufällig, durch fehlende Weisungen der Staats- und Parteiführung auf der Straße gehalten.

Der tägliche Wahnsinn

Anfang Oktober hatte mein Antrag auf eine neue Wohnung in Strausberg Erfolg. Unserer 4-köpfigen Familie wurde eine 4 Zimmer Wohnung mit 67m² zugewiesen, in einem Plattenbau mit 4 Eingängen, je 8 Mietparteien. Das war der normale Standard und überhaupt kein Luxus. Man wohnte Tür an Tür mit denselben Menschen, mit denen man tagsüber in der gleichen Behörde arbeitete. Der Bau stammte aus den 60iger Jahren. Auf dem Fußboden lag noch das alte Linoleum, dass mit der Zeit geschrumpft war und den Blick auf den Beton zwischen den Bahnen frei gab. Die alten Rippenheizkörper waren zwar durch modernere Flachheizkörper ersetzt worden, aber die Sockel, auf denen die alten Heizkörper ehemals standen, hat man einfach stehen lassen. Die Tapeten waren abgewohnt. Im Bad fand ich 8 Schichten Ölsockel, die runter mussten.

Der tägliche WahnsinnDie graue Einbauküche war wohl auch mehr als 20 Jahre alt. Immerhin, wir freuten uns, dass wir eine Wohnung hatten. Um die Miete mussten wir uns keine Sorgen machen. Diese waren für Jedermann erschwinglich. Der Mietpreis lag, meiner Erinnerung nach bei 120 DDR Mark. Nebenkosten brauchte man nicht befürchten, denn auch die waren schon in der Miete berücksichtigt. Überhaupt waren die „Waren des täglichen Bedarfs“ (so hieß das) staatlich subventioniert. Ein kg Brot war für 78 Pfennig zu haben und das Brötchen kostete 5 Pfennig. Für eine Straßenbahnfahrt musste man lediglich 20 Pfennig bezahlen, in manchen Großstädten gar nur 15 Pfennig. Dafür war ein Fernseher kaum unter 4.000 Mark zu kriegen, wenn man ihn denn überhaupt kaufen konnte, denn vieles war Mangelware. Ich verdiente für damalige Verhältnisse nicht schlecht und ging monatlich mit 1.200 Mark nach Hause.

Luxus Made in DDR

Das größte Problem war deshalb auch nicht die Renovierung, die vor mir lag, sondern die Beschaffung des Materials in der allgegenwärtigen Mangelwirtschaft. So lief ich mir die Hacken ab und rannte von Pontius zu Pilatus. Ich brauchte vor allem Fußbodenbelag, Raufasertapeten, Farbe, neue Sanitärkeramik und Fliesen. In den Geschäften wurde ich nur milde belächelt und auf spätere Lieferungen vertröstet.

Der Chef unseres Bereiches Organisation, Generalleutnant Leistner, hatte eine hübsche, 23 Jahre alte „Vorzimmer-Dame“, mit dem klangvollen Namen „Marietta“. Ich hatte mich ein wenig in sie verguckt. Aber wir waren beide in festen Händen. Eines einte uns dennoch. Sie hatte zu gleicher Zeit eine Wohnung erhalten und stand vor denselben Problemen wie ich. So tauschten wir uns damals desöfteren aus. Unsere Wege haben sich in den Dreißig zurückliegenden Jahren mehrfach gekreuzt. Bis heute ist unser Kontakt nicht abgerissen.

Luxus Made in DDRImmerhin gelang es mir, in den nächsten Wochen, alles bis auf Badewanne und Fliesen in der näheren Umgebung zu finden. Wasch- und Toilettenbecken waren sogar farbig (braun). Das war schon etwas besonderes. Fliesen und Badewanne besorgte schließlich mein Schwiegervater aus Sachsen. Die Fliesen 15×15 waren einfarbig rosa glasiert. Sie waren alles andere, als wir uns wünschten, aber es gab nur die eine Farbe und wenn man da nicht zuschlug, hatte man eben gar keine. Um den Fliesenspiegel ein wenig aufzuhübschen, ging ich zu einem Glaser, in der Hoffnung ein paar Spiegelfliesen zu finden. Die kriegte ich auch, allerdings alles 2. Wahl mit kleinen Fehlern. Es war dennoch purer Luxus. So war man immer gezwungen kreativ zu sein und irgendwie klappte es dann noch mit allem. 

Rosa ist auch ganz schön

Nun fehlte uns noch eine neue Schrankwand für unser Wohnzimmer. Die alte wollten wir nicht mitnehmen. Sie hätte wohl einen neuen Aufbau nicht schadlos überstanden. Im nahen Berlin sahen wir im Möbelhaus „Zeulenroda“ unseren Traum einer Schrankwand. Leider konnten wir diese weder kaufen, noch bestellen. Gerade war eine Lieferung eingegangen, die aber sofort ausverkauft war. Eher zufällig erfuhren wir, dass sich ein Interessent eine Wand unverbindlich bis 18:00 Uhr reserviert hatte. So harrten wir eisern, bis zum Termin aus und waren überglücklich, als er bis 18:00 Uhr nicht erschien. Damit war die Schrankwand unsere. Das war wie ein Sechser im Lotto.

Die Montagsdemonstrationen waren zu einer festen Größe geworden. Am 7. Oktober ließ sich die Partei- und Staatsführung in Berlin noch ein letztes mal feiern und inszenierte einen Aufmarsch der FDJ (Freie Deutsche Jugend) und eine Militärparade, anlässlich des 40. Jahrestages der Gründung der DDR. Auch Michael Gorbatschow war eingeladen. Statt der Partei- und Staatsführung zuzujubeln, ertönten die Rufe „Gorbi, Gorbi, Gorbi …“. Gorbatschow erklärte noch am Vorabend, vielsagend den überlieferten Satz „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. An jenem 7. Oktober verließ Gorbatschow vorzeitig die Festveranstaltung und flog nach Moskau zurück. Kaum war Gorbatschow abgereist, wurden tausende Regimegegner in Berlin verhaftet.

Der Wind hat sich gedreht

Im Oktober beschloss dann das Politbüro, keine Waffengewalt gegenüber friedlichen Demonstranten anzuwenden. Zu groß wäre der mediale Schaden gewesen, hätte man die andauernden Proteste gewaltsam niedergeschlagen. Gleichzeitig schwanden von Tag zu Tag Macht und Einfluss Erich Honeckers. Am 18. Oktober wurde er von den eigenen Genossen gestürzt und Egon Krenz als Nachfolger inthronisiert. Das sollte wohl der erhoffte finale Befreiungsschlag werden und die politischen Gegner besänftigen.

Ich erfuhr davon aus dem Autoradio. Es war ein Mittwoch, als ich mit meinem Trabi gerade von Strausberg nach Bad Frankenhausen, wo wir damals noch wohnten, unterwegs war. Ich war alleine und bei mir brachen alle Dämme meiner innersten Gefühle. Ich war zunächst tatsächlich befreit, obwohl mir schon klar war, dass Egon Krenz auch keine Lösung sei. Aber der verhasste Honecker, für den man sich eher schämte, war weg und nur das zählte in diesem Moment! Es war ein Etappensieg, nicht mehr.

Schon am 10. September 1989 hatte sich die Bürgerbewegung „Neues Forum“ gegründet. Damit hatten die oppositionellen Kräfte auch erstmals eine Organisation, um ihre Interessen zu artikulieren. Ihr Ziel war es nicht, die DDR zu beseitigen, sondern den Staat DDR zu reformieren. In all dieser Zeit erlebte ich, in mitten eines Ministerium, die Hilflosigkeit derer, die bisher immer eine Lösung parat hatten. Am 4. November gab es auch in Berlin eine Großdemonstration, zu der vor allem die Künstler aufgerufen hatten. In zahlreichen Reden wurden Forderungen nach Veränderungen laut.

Für den 12. November 1989 plante dann das Neue Forum, in Strausberg eine Demonstration für „Freie Wahlen, gegen Machtmissbrauch und Korruption“. Im Vorfeld riefen die alten Genossen auf, uns gegen diese Demonstration zu stellen und sie zu verhindern. Das misslang gründlich. Insbesondere die jüngeren und kritischen Offiziere entfachten eine Diskussion, in dessen Klima, eine Gegendemonstration auf breiter Front abgewiesen wurde. Ich war selbst aktiv mit dabei. Einer unserer Mitstreiter trat dann bei dieser Demonstration sogar als Redner auf und unterstützte die Anliegen des Neuen Forums. Der Wind hatte sich auch im Ministerium gedreht.

Die Mauer ist weg

Der Wind hat sich gedrehtAber unmittelbar vor dieser Demonstration fiel bereits am 9. November, völlig überraschend die Mauer. Ich stand an diesem Abend, wie seinerzeit jeden Abend, in unserer neuen Wohnung und flieste gerade das Bad, eine der letzten Arbeiten vor dem Umzug. Tapezierarbeiten, neuer Bodenbelag, neue Sanitärkeramik waren schon erledigt, alles in 1 Mann-Arbeit nach Feierabend. Handwerker gab es im Sozialismus kaum und wenn, dann konnte man sie nur in harter D-Mark bezahlen, die ich nicht hatte. So lief an diesem Abend wie immer der RIAS, als er gegen 19:30 Uhr berichtete, dass Günter Schabowski im internationalen Pressezentrum bekannt gab, dass jeder DDR-Bürger über Grenzübergangsstellen ausreisen könne. Auf die Nachfrage eines Journalisten verkündete er dann ohne Abstimmung mit den Entscheidungsträgern, dass dies seiner Kenntnis nach sofort in Kraft trete.

Damit löste er das größte historische Ereignis der „Wendezeit“ aus. Nach 28 Jahren hatte der „Eiserne Vorhang“ nicht nur 1 Loch. Noch am gleichen Abend forderten viele Ost-Berliner die neue Reisefreiheit ein. Die Menschen drängten an die Grenzübergänge und belagerten diese solange, bis die völlig überforderten Grenzposten die Tore öffneten und sich die Euphorie bahnbrechen konnte. Ich habe die ganze Nacht am Radio gehangen und geheult, so haben mich meine Gefühle übermannt. Man kann es kaum beschreiben, was man damals alles fühlte. Es hatte sich soviel angestaut und brach sich nun Bahn. Die Menschen aus Ost und West lagen sich in den Armen, sie feierten und tanzten auf dem Kudamm, an der Siegessäule und in so ziemlich allen Straßen Westberlins. Das ist bis heute einmalig und an Emotionen wohl kaum zu überbieten. Zurückblickend war es wohl einer der glücklichsten Momente in meinem Leben.

Bin ich jetzt ein Feind des Sozialismus?In der darauffolgenden Woche sind wir umgezogen. Das Umzugsunternehmen packte auch meine mehrbändigen Ausgaben der Werke von Marx, Engels und Lenin ein. Schon das alleine war mir sichtlich peinlich. Die alten Ideale hatten ausgedient, kündeten sie doch von der Gesetzmäßigkeit des Sieges des Sozialismus, den jetzt niemand mehr wollte. Doch eine Bücherverbrennung wäre auch keine Lösung gewesen und so stehen die Werke noch heute in meinem Bücherregal, zur Mahnung vor einer verordneten Staatsideologie.

Am 20. November war unsere Familie, einschließlich meiner Schwiegereltern, dann zum ersten mal in West-Berlin. Auch das war nicht selbstverständlich, denn als Offizier ging man nicht zum Klassenfeind und erst recht nahm man kein Begrüßungsgeld an. Die alten Kader beäugten mich argwöhnisch und der eine oder andere wünschte mir sicherlich, dass dies Folgen für mich hätte. Das war mir völlig egal.

Bin ich jetzt ein Feind des Sozialismus?

Die Menschen drängten sich auch an jenem Tag diszipliniert an den wenigen Grenzübergängen nach West-Berlin. Nicht nur wir verloren uns dabei aus den Augen. Das wir uns kurze Zeit später dennoch wiederfanden, lag eher daran, dass alle ihr Begrüßungsgeld am Kudamm abholen wollten. Wir mussten nur die riesige Schlange abgehen, um uns wiederzufinden. Ich hielt die Idee, sich hier anzustellen für abwegig und machte den Vorschlag, auf ein Postamt in einen Außenbezirk zu fahren. Dort war es dann tatsächlich wesentlich übersichtlicher. Statt tausender Wartender trafen wir nur auf eine Handvoll Menschen, die die gleiche Idee hatten.

Aufbruch in die neue ZeitWir sahen nun zum ersten mal den „Westen“, eine völlig andere Welt, bunte Leuchtreklamen, Geschäfte voll mit Waren, und Obst aus aller Herren Länder. Hier konnte man Ananas, Weitrauben und Bananen an jeder Ecke kaufen. Unsere ersten 200 DM gaben wir für 2 Walkman, 2 ferngesteuerte Autos, 1 fertige Küchengardine, 1 Badeteppich vom Discounter Ullrich am Bahnhof Zoo und für frisches Obst aus.

Als ich dann ein paar Tage später auch noch aus der SED, der Staatspartei austrat, fragte mich mein Abteilungsleiter, Oberst Menzel: „Sind Sie jetzt mein Feind?“ Er verstand allen Ernstes nicht, dass ich nicht länger die Politik dieser Partei mittragen wollte. Zu dieser Zeit war noch keineswegs klar, dass es ein knappes Jahr später zur Wiedervereinigung kommen würde. Nicht einmal die Verhandlungen darüber, mit den Siegermächten, standen im Raum. Gerade erst war die Regierung der DDR zurückgetreten.

Aufbruch in die neue Zeit

Am 17. November wurde ein neues Kabinett unter Ministerpräsident Hans Modrow eingesetzt. Auch dieser Hoffnungsträger war ein alter SED Kader, allerdings mit pragmatischem Willen zur Veränderung. Es mussten nun die Grundlagen für die ersten freien Wahlen in der DDR geschaffen werden, die wichtigste Forderung der Opposition. Noch bestimmten überall alte SED-Kader den Lauf der Dinge. Aber mehr und mehr erkämpften die neuen politischen Kräfte um das „Neue Forum“ ihr Mitspracherecht. Genau einen Monat nach dem Machtwechsel tagte der Zentrale Runde Tisch zum ersten Mal.

Für mich fiel mit dem Eisernen Vorhang auch mein ganz persönlicher Vorhang. Die Ereignisse haben mir die Augen geöffnet und mir war klar, dass der Sozialismus für die Menschen keine Zukunft hat und die Gefühle der Deutschen nach der Einheit in einem Land nicht aufzuhalten waren. So wurde aus den Rufen „Wir sind das Volk“ schnell „Wir sind ein Volk“. Ich bin noch heute dankbar, dass ich das erleben durfte. Ich wusste in all dieser Zeit ganz genau, dass gerade Geschichte geschrieben wurde und ich Teil dieser war.

Freiheit und Demokratie sind für mich Errungenschaften, die täglich verteidigt werden müssen. Gerade heute habe ich den Eindruck, dass uns unsere Freiheit gerade unter den Füßen wegzubrechen droht. Die Polarisierung hat in der Gesellschaft erschreckende Ausmaße angenommen. Es gibt nur noch schwarz und weiß, links oder rechts, Klima-Aktivisten und Klima-Leugner, Gutmenschen und Flüchtlingshasser. Die Angst hat vielfach das Handeln übernommen, die Angst vor den Flüchtlingen, die Angst vor der Klimakatastrophe. Dabei war Angst schon immer ein schlechter Ratgeber. Die friedliche Revolution 1989 hatte auch deshalb Erfolg, weil die Menschen keine Angst hatten. Überlassen wir also nicht leichtfertig den Extremisten von rechts und links die Bühne, auch nicht denen, die sich als Klimaaktivisten tarnen. Bewahren wir uns unsere Freiheit und vertrauen wir auf die Stärke der Demokratie, damit unsere Enkel eines Tages nicht in einer Diktatur aufwachen müssen.

Mein ganz persönlicher Mauerfall
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Wir experimentieren. Man kann sich diesen Artikel auch vorlesen lassen. Leider klingt die Dame in Deutsch etwas holperig und unbeholfen. Wer damit klarkommen kann, der mag sich gerne eine Vorlesung geben lassen!
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Pandora
Über Pandora 36 Artikel
Ihr müsst schon entschuldigen, wenn ich hier manchmal Dinge schreibe, die nicht dem Mainstream entsprechen. Aber ich kann es erklären, denn ich hatte eine schwere Kindheit und damit kann man ja bekanntlich alles entschuldigen. Ich musste noch erleben, wie der Kohlefahrer einen Berg voll Braunkohlebriketts vor dem Haus ablud und mein Vater diesen Berg in den Keller schaufelte. Anschließend sah er genauso dreckig aus, wie der Kohlefahrer selbst. Dass mein Vater seinerzeit nicht an einer Staublunge gestorben ist, bleibt mir ein Geheimnis. Unser Kachelofen im Wohnzimmer und der Kanonenofen in meinem Kinderzimmer versprühten im Winter wohlige Wärme, auf Kosten der dreckigen Braunkohle und den ungefilterten Ruß Abgasen, die jedes Haus in den Himmel stieß und war es nicht Kohle, so war es zumindest Heizöl, was auch nicht besser war. Apropos Schlote, die Industrieschornsteine ragten empor und stießen ihren Dreck noch ganz ohne Entschwefelungsanlagen in die Atmosphäre. Das war nicht nur der Dreck der Kohle, nein auch giftige Dämpfe der Chemieindustrie. Alle anderen Abfälle wurden einfach in die Flüsse geleitet oder auf ungeschützten Deponien entsorgt. Auch die gute alte Dampflock verrichtete noch zuverlässig ihr Werk und brachte uns von A nach B. Wie idyllisch ist es doch gewesen, wenn die Dampflock schnaufend durch die grüne Landschaft dampfte und ihr lautes Signal ertönte. Unsere Autos brauchten noch keinen Katalysator oder Partikelfilter und verbrauchten auch mehr Benzin und Diesel, als heute. Ja es gab sogar noch 2-Taktmotoren, die mit einem Benzin-/Ölgemisch betrieben worden. Da konnte man wenigstens noch sehen, was hinten raus kam. Wir hatten übrigens auch noch keine biologisch erzeugten Lebensmittel und mussten Obst und Gemüse essen, dass vorher mit Pestiziden behandelt wurde. Wie ich das alles überlebt habe? Das grenzt schon an ein Wunder. Also habt Verständnis für mich, denn ich hatte wahrlich eine schwere Kindheit.

36 Kommentare

  1. Besonders den Abschnitt „Luxus Made in DDR“ kann ich tatsächlich aus erster Hand bestätigen. Es ist bereits 30 Jahre her, wo ich den Autor dieses Artikels kennen lernen durfte, denn ich bin die von damals „23jährige Vorzimmerdame“. Und bis zum heutigen Tag ist der Kontakt nicht abgebrochen. In diesem Artikel ist echt eine Menge Geschichte niedergeschrieben, wie es wirklich in der damaligen DDR war.

      • Liebe Pandora, ich kann Dir die schwere Kindheit gut nachfühlen, denn ich bin damals im Ruhrgebiet aufgewachsen. Wir hatten zwar keine Braunkohle sondern Steinkohle, aber Chemieindustrie, Stahlwerke und Kokereien taten ihren Dienst ohne Filter. An den Verfasser des Artikels: wenn ich mich recht erinnere hatte ich am 9. Nov 89 Urlaub, schaltete gegen meine Gewohnheit morgens den Fernseher ein und konnte nicht glauben, was ich sah, denn ich hätte nie geglaubt, dass ich zu Lebzeiten den Fall der Mauer miterleben dürfte. Wir haben uns wahnsinnig für die Menschen gefreut, aber gleichzeitig befürchtet, dass es für viele von ihnen ein böses Erwachen geben würden, denn die Gepflogenheiten des Westens würden sie mit voller Wucht und total unvorbereitet treffen. Ich danke noch heute allen. die dieses Wunder möglich gemacht haben und habe den tiefsten Respekt vor meinen mittel- und ostdeutschen Landsleuten.

        • Liebe Heidi,
          ich begreife mich schon lange als Gesamtdeutschen. Die Teilung in Ost und West gehört auf den Müllhaufen. Es gibt auch Unterschiede zwischen Nord und Süd, nur spricht niemand darüber. Deutschland besteht aus vielen Regionen, die alle besonders sind. All das macht unser Land aus und macht es vielfältig und interessant. Meine Sorge gilt all Jenen, die das Infrage stellen und unser Land spalten wollen. Wir müssen zusammen stehen und unsere Freiheit verteidigen, Ost und West, Nord und Süd. Wir sind Deutschland.

          • Na, das ist ja mal ein Artikel, der von den gewohnten total abweicht. Sehr angenehm. 🙂

            Danke für den persönlichen Einblick, Pandora. Sehr interessant. Und Sie haben Recht die Teilung gehört auf den Müllhaufen. War es nicht im Schmierblatt BILD, wo das erste Mal Ossis und Wessis auftauchten und wo diese Teilung immer mal wieder hervorgehoben wird? Widerlich.

        • Da ist mir ein Fehler im Datum unterlaufen. Ich meinte am 10. Nov, den Abend und die Nacht des 9. Nov habe ich leider verschlafen 🙁 Aber wenn ich mir die Sendungen vom 9. Nov anschaue, wie gestern, kommen mir immer noch die Tränen. Wir werden immer noch auseinanderdividiert, weil es den Oligarchen zu gefährlich ist, ein einig Volk zu haben und leider lassen wir es zu.

  2. Eine wunderbare gelebte Geschichte, danke dafür 🙂
    Ich kann Ähnliches berichten- dass wir mehr oder weniger von den Ereignissen überrollt wurden, vor allem emotional! Man musste sich gegenseitig förmlich kneifen, um auszuschließen, dass es sich um einen Traum handelt, unglaublich. Um so mehr trifft es mich, wo wir uns heute befinden. Hätte ich genausowenig für möglich gehalten, wie den Fall der Mauer.

  3. Meine Biografie verlief ähnlich, nur in einer anderen Dienstgradgruppe. Aus dem Verhältnis der Dienstjahre (16 zu 24) schließe ich, dass ich ein Jahr älter bin als der Autor.

    Meine Frau ist aber gebürtige Bulgarin. Daran haben sich die Geheimdienste beider deutscher Staaten gestört. Es hat sich also für mich nicht viel geändert. Das hat mich jedoch nicht gestört. Aus meinen Kindern sind vernünftige Menschen geworden. Darauf kann ich stolz sein.

    Ich wohne jetzt in Köln. (Und ich finde Köln sehr viel schöner als Düren. 🙂 )

  4. ich bin 1957 im westen geboren worden und war 32 jahre alt als die mauer fiel. ich war fassungslos und überwältigt. und jedesmal heul‘ ich wieder wie ’n schloßhund, wenn ich die bilder von damals seh‘.

  5. Ja Pandorra, Demokratie und Freiheit sind wichtig, waren immer schon wichtig.
    Aber haben wir die?
    Nein, wir haben lediglich die Illusion dieser Werte.
    Sie werden uns von Politikern und Medien eingeredet und Viele glauben es.

    Haben wir Demokratie? Kann das Volk / können die Bürger irgendwas bestimmen?
    Extrem wenig:
    Zu einer Demokratie gehört erstmal Gewaltentrennung von
    Legislative (Gesetzgebung),
    Executive (Gesetzausführung) und
    Judikative (als Kontrollfunktion).
    keine dieser Staatsgewalten ist bei uns unabhängig, es gibt zuviele Köpfe die gleichzeitig z.B. in der Legislative UND in der Executive arbeiten. Sieh Dir nur die Abgeordneten im Bundestag an, die gleichzeitig Jobs in den Ministerien haben. Ein weiteres Beispiel: der Bundestag bestimmt das Kontrollorgan BVerfG weitgehend aus eigenen Parteisoldaten.

    Gewaltentrennung ist für eine Demokratie essentiel,- nur in Deutschland nicht vorhanden.

    Und was darf das Volk bestimmen? Praktisch nix.

    Welche Freiheiten haben wir denn? Wir sind Sklaven dieses Staates. Natürlich gibt es nur virtuelle Fesseln. Diese bestehen aus Steuern, Gebühren, Abgaben, Verwaltungsvorschriften, Rechtsverordnungen und Gesetzen. Sie fesseln uns ziemlich unbarmhezig und ziemlich total. Welche Freiheiten haben wir denn noch?
    Unsere Lebensarbeitskraft wird vom Staat bzw nach den kruden Ideen von Politikern konfiziert.
    Als Gegenleistung gibt es lediglich Versprechen und goldene Worte.

    Ich als Wessie sage mal: da haben uns die Ossies viel voraus. Denn sie durchschauen unser politisches System der Illusions-Demokratie sehr viel eher als die politischen Schlafmützen des exWestens denen Geld der einzige Maßstab ist. Unser Staatssystem ist nicht durch Wahlen eine Demokratie. Alle vier Jahre nach extremer medialer Beeinflussung einmal „piep“ sagen zu dürfen, macht keine Demokratie aus. Vor allem nicht, wenn die Medien alle Register der Meinungssteuerung ziehen. Als da wären: massive Nachrichtenunterdrückung, Kommentare und Leserbriefe zensieren, Framing, Mikroagressionen usw. Genügend faustdicke Lügen sind ARD & ZDF laufend nachzuweisen.

    Unsere Politiker behaupten Deutschland sei eine Demokratie.
    In Wirklichkeit hat das Volk praktisch nichts zu sagen.
    Beispiel: Merkel hat auf die Frage nach Volksabstimmungen erst garnicht geantwortet.

    Unsere Politiker behaupten Deutschland sei ein Rechtsstaat.
    In Wirklichkeit wird selbst die Verfassung nur noch verhöhnt.
    Siehe https://polpro.de/mm19.php#bts5

    Nur ist der Leidensdruck noch nicht so groß wie in der exDDR,
    er wird ja durch die Meinungslenkungsindustrie in Scheinwohltaten umgemünzt.
    Was aber kein Grund ist, die Mängel und Fesseln bei uns bestehen zu lassen.
    Denn diese werden zwar nicht so krass wie in der DDR empfunden,
    sind aber in der Wirkung ebenso gesellschaftlich tödlich.
    (siehe Mausfeld: Warum schweigen die Lämmer?)

    • Tabascoman, Deutschland war noch nie eine Demokratie (demos = Staatsvolk, kratos = Herrschaft, Macht)sondern immer Oligarchien (oligoi = Wenige, arché = Herrschaft). Nicht nur das BVerfG ist von Legislative und Executive unterwandert sondern die gesamte Judikative. Beste Beispiele: Absetzung des Generalbundesanwalts Harald Range durch das Maasmännchen, Verbot europäische Haftbefehle auszustellen durch den EuGH, Installierung von Peter Müller, ehemaliger MP des Saarlands am BVerfg,nur ein Beispiel, derer es viele gibt. Genau so, wie Hans-Georg Maaßen durch einen CDU-Mann ersetzt wurde, wird auch Voßkuhle durch einen CDU-Mann ersetzt, denn Zitat „traditionell haben die großen Parteien im Wechsel das Vorschlagsrecht. Diesmal war die Union an der Reihe. Verfassungsrichter werden prinzipiell mit Zweidrittelmehrheit wechselweise entweder vom Bundestag oder vom Bundesrat ins Amt gewählt“. Zitat aus der Die Zeit. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-11/bundesverfassungsgericht-vizepraesident-stephan-harbarth-andreas-vosskuhle

    • Lieber Tobascoman,
      unsere Demokratie ist nicht perfekt. Das sehe ich genauso. Wenn Du meine inzwischen 36 Artikel hier auf https://qpress.de/author/pandora/ liest, wirst Du feststellen, dass ich mich intensiv mit den Schwächen unserer Demokratie auseinandersetze.
      Dennoch, für viele ist Deutschland das gelobte Land und wir sollten auch immer die großen Errungenschaften vor Augen haben, sollten stolz sein auf unsere Dichter und Denker, auf den Fleiß und Erfindergeist unserer Menschen, auf die vielen Ehrenamtler, auf den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.
      Das bedeutet aber auch, aufzupassen, dass unser Selbstverständnis nicht erodiert und von Gruppen vereinnahmt wird, die unseren Sozialstaat und die Demokratie abschaffen wollen. Damit meine ich die Extremisten vom linken und rechten Rand, aber auch die Ökofaschisten. Sie alle eint, dass sie immer nur mit einem Thema punkten können. Unsere Gesellschaft braucht aber Antworten auf viele Fragen der Zeit. Die Parteiendemokratie sollte durch ihre Vielfalt den Willen des Volkes zum Ausdruck bringen. Dazu müssen die Parteien voneinander klar unterscheidbar sein. Leider gibt es in den letzten 20 Jahren einen Prozess, wo sich die Parteien mehr und mehr annähern, begünstigt durch die lange Zeit großer Koalitionen. Wenn eine Partei „beliebig“ wird, ist sie für den Bürger nicht mehr klar erkennbar. Daran kranken deshalb vor allem beide ehemaligen Volksparteien. Hinzu kommt, dass die Medien vielfach ihren Auftrag von unabhängiger Berichterstattung nicht mehr nachkommen und zur Regierungsjournalie verkommen. Aber es gibt sie noch, Journalisten, die sich nicht kaufen lassen, sonst könnte ich nicht auf https://qpress.de oder dem https://kritisches-netzwerk.de schreiben, den Finger in die Wunde legen und gegen unhaltbare Zustände aufstehen. Meckern alleine hilft uns nicht weiter.
      Ich bin froh, dass ich meine Meinung äußern kann ohne Angst, dafür verfolgt und ins Gefängnis gesteckt zu werden. Aber wir müssen aufpassen das das so bleibt. Vor allem dürfen wir uns nicht spalten lassen. Wir sind Deutschland und darauf dürfen wir auch stolz sein!

      • Pandora, unser Selbstverständnis wurde bereits von den Altparteien vereinnahmt und deshalb erodiert es. Nach Artikel 21 GG: „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“ mitwirken und nicht bestimmen. Die Bürger der ehemaligen DDR sehen dieses ganz deutlich, denn, zum Glück, riechen die eine Diktatur 10 Meilen gegen den Wind. Die Annäherung der Parteien bis zur Unkenntlichkeit endet, was ich nicht hoffe und wovor mir entsetzlich bange wird, in einer Großpartei, die alle Strömungen unter ein Dach zu bringen versucht. Wen ich zurzeit wählen würde? Niemanden, denn wie formuliert es Seehofer so schön: „Diejenigen die entscheiden sind nicht gewählt und diejenigen die gewählt werden haben nichts zu entscheiden“ Interessant die Staatslehre von Aristoteles, bei der Parallelen zur heutigen Zeit unverkennbar sind. http://www.sgipt.org/politpsy/staatsl/aris5P8.htm

      • Aber das sind doch die „Feinde“ der Demokratie!
        Die Anführer der Altparteien beugen das Recht inner- und ausserparteilich!
        Das Volk wendet sich immer mehr ab. Parallelen zur DDR sind unverkennbar.

  6. Jeder von uns hat eine andere Biographie und in diesen bewegten Zeiten sowieso. Die lebendige Schilderung Deiner Eindrücke ist Dir gut gelungen, was nicht jeder macht. Hut ab! Jetzt zum politischen Teil. Die sogenannte Wiedervereinigung war real strategisch gesehen ein Regime Change der besonderen Art. Fast ohne Gewalt injiziert vor allem durch die USA bzw. die dahinterstehenden Kräften der Kartelle und der Tiefen-staat. Die geschwächte Sowjetunion, hervorgerufen durch die desolate Wirtschaftspolitik, auch dem Wettrüsten geschuldet und der Afghanistan Krieg gaben den Ausschlag, das jene Vereinnahmung durch den Westen greifen konnte. Wir die Ostdeutschen demonstrierten (zu beginn) für einen Umbruch und Neuanfang in der DDR. In Wirklichkeit waren wir nur Katalysatoren gegen die Hardliner in der DDR- Führung, mehr nicht. Diese politische Naivität und die Unkenntnis darüber was hinter den Kulissen sich abspielte und geplant war, ist ein Desaster größter Tragweite. Eine wesentliche Rolle spielte das „Schaufenster / die Schaubude und die hervorragende ideologische Manipulation“ der Westmedien. Hinzu kam die absolute Unfähigkeit der DDR-Führung, gefangen in ihren eigenen Widersprüchen und der Schrei nach der D-Mark. Der gesamte Osten brach auseinander und die kapitalistischen Strukturen kamen ungehindert zu uns. Der größte Raubbau in der Geschichte, wo „Über Nacht“ ein marodes System zusammenbrach. Folgerichtig im Kampf der Gegensätze, der Verlierer musste zwangsläufig das Handtuch werfen und das waren wir. Der Sieger schreibt die Geschichte und bestimmt die Regel und was heute Hautnah erleben können. Um ein wenig die Luft herauszunehmen, meine Worte bedeuten nicht das ich mir die Diktatur zurück sehne. Keinesfall, bin selbst Opfer dieser Tyrannei. Was sich jetzt schleichend abspielt, ist das aufkommen einer Diktatur, vermutlich mit noch viel härteren Folgen wir wenn wir nicht dagegen auftreten. Übrigens das das ganze Gerede von Kommunismus / Sozialismus ist eine historische Farce. den gab es nur in wenigen strukturellen Ansätzen. Millionen Menschen wurden unter Mao oder Stalin ermordet, das eigene Volk wurde drangsaliert. Was hat das mit dem klassischen Sozialismus, von Marx, Engels, Liebknecht, Luxemburg, Zetkin zutun. Nichts, rein gar nichts. Nur mal so Nebenbei wenn es um das Wort, die Diffamierung des Sozialismus geht.

  7. Mein ganz persönlicher Mauerfall ??? >
    Mein persönlicher Rückblick, was mir prompt noch enfällt:
    Derzeit weilten wir 2 Wochen am Balaton in Ungarn. Auf der Rückreise sahen wir dann immer mehr Trabis, Wartburg und Barkas mit DDR-Nummernschild und „Parfumgeruch“, also Zweitakterabgasen. Aha, die ungarischen Grenzen wurden für DDR-Bürger geöffnet.
    Kurze Zeit später, war dann für Westler die Einreise in die DDR ohne Formalitäten möglich. Den PA musste man, ohne dabei anzuhalten noch vorzeigen.
    Meine / unsere ersten Aktivitäten waren dann direkt aufeinanderfolgend 3- 5tägige Reisen in den Harz und Umgebung (in einer Straßenbahn in Nordhausen sitzend, entgleisten wir bei schlingernder Fahrt in diesem Schwangerschaftsabbruchgerät), Rostock-Rügen-Usedom, Gotha-Weimar-Erfurt, Thüringen allgemein, Sachsen/Zittauer Dreiländereck bis Guben. Überall ein Zimmer mit Frühstück gefunden, meistens in DDR-Ferienheimen. Freundliche, aber distanzierte / diskrete Aufnahme samt verstohlener Beobachtung überall. Dresden und Leipzig haben wir zu der Zeit irgendwie vergessen bzw. ausgelassen. In Sachsen vorhandene Restverwandschaft arrangierte eine Besichtigung des Braunkohletagebaus Nochten bei Weißwasser. Irgendein mächtiger und allgewaltiger SED-Parteifunktionär chauffierte uns in einem russischen Wolga-PKW artig um das „Loch“ herum zu verschiedenen Aussichtspunkten. Ganz offiziell dann, weil auch selten dort Besichtigungen für Interessierte gemacht wurden, ging es dann mit einem gewaltigen Russen-LKW mit Bus-Aufbau in das Loch hinein.
    Trotz des lange bestehenden „Einfahrverbotes“ für West-Motorräder in die DDR ließ man mich damals doch in selbige hinein.
    Gegrinst und fotografiert haben VoPo (Lichtmessschranke an der Autobahn kurz nach Eisenach, nichts passierte) und TraPo damals.
    Das Westmotorradverbot gab es seinerzeit wohl, um ein Massensterben der Westmotorradfahrer auf den Selbstmordstraßen der DDR zu verhindern. Sicher auch um zu vermeiden, dass der gewogene MZ-250ccm Fahrer einem Reisenden die 1200er SUZUKAWONDA mit 110 Ps und 350 Kilo Gewicht abkauft und sich damit umbringt.

    Alles gut soweit.
    Was mir / uns dann auffiel war, wenn wir ab und an zum Mittagessen eingeladen waren, dass ab 10.30 Uhr der Schnapsausschank geöffnet war. Konsumiert wurde dann bis zum Kaffeetrinken. Reichlich; wir konnten und wollten da keinesfalls auch nur annähernd mithalten. Nach 2-3 Pintchen grünen paarundsechzig%-Fusel werde ich albern. (Höchstprozentiges wurde an jeder Ecke verkauft, auch in der Apotheke und beim Bäcker in Stadtilm/Thüringen.) Dafür verzehrten wir lieber eine doppelte Portion Soljanka, Rouladen mit Klößen, Kraut aus dem Schrebergarten oder auch mal ein sog. Jägerschnitzel – das aber nichts mit einem „Westschnitzel“ zu tun hat. Eigenartige Heringe mit undefinierbarer Remoulade u. ä. gab es auch. Ferner das damals wie heute bekannte „Leipziger Allerlei“, heute gerne
    „Leipziger Asylantenfrei“
    genannt.
    „Interessant“ war für uns die spätere Information, dass mangels natürlichen Zutaten (Bitterstoffe), dass DDR-Bier im Regelfall unter
    Zusatz von Schweinegalle
    produziert wurde. Sogar Radeberger. Damit es auch nach Bier schmeckt. Ungefiltertes Bier sah sogar noch verlockender aus.

    Ich habe damals dort versucht, fein dosiert etwas BRD-Realität in die Familienkreise einfließen zu lassen. Nur dann, wenn ich entsprechend gefragt wurde.
    Nun, Lohnabgaben, Steuer-, Finanz- und Bankenwesen, Mieten, Angebot-Nachfrage-Verkaufspreise, sowie Arbeitsmarktgegebenheit interessierten die freundlichen Menschen dort in Thüringen und Sachsen nicht. Man stufte mich gar als Miesepeter
    ein und war einstimmig der Meinung, dass sich schon alles einpendeln und „mitteln“ wird. „Helmut macht das schon“ und ich bekam damals bei einer Familie eine Art Hausverbot, als ich sagte, das „Helmut das eben alles überhaupt nicht so machen kann“.
    Nun, all due waren sie seitdem mindestens 2 x arbeitslos, oder wurden frühverrentet.

    Andernorts in Königsee, Altenburg, Schmalkalden und Schmölln konnte ich mir 1990/91 berufsbedingt, nach äußerst langatmiger Besuchsterminvereinbarung, Produktionsbetriebe anschauen. Teilweise modern und sauber, teilweise veraltet und schmuddelig waren sie, aber alle Produkte waren gut. (In Schmölln lag sogar eine tote vertrocknete Katze in einem langen Flut.)
    Die dortigen Vertriebsmitarbeiter haben darauf bestanden, ihre Produkte viel zu „billig“ zu verkaufen. Eben nach DDR-Spielregeln und sie wollten auch nichts davon wissen, dass sie ihre Abgabepreise ruhig verdoppeln sollten und dann immer noch günstig liegen. Deswegen gibt es sie allesamt SO als selbst geführtes Unternehmen nicht mehr; westdeutsche Unternehmen haben sie (aufgesplittet) bzw. übernommen. Wobei in den Jahren nach der Wende ALLE diese westdeutschen Unternehmen von Weltkonzernen in USA, Schweden und Japan übernommen wurden. Ab der Wende Ausverkauf von Produktionsbetrieben.

    Und was haben wir heute 2019 >
    Einen aus mehreren Gründen gespaltenen und korrupten Überwachungsstaat mit einer kümmerlichen, auf dem Papier stehenden Restdemokratie.
    Merkel hat „mein“ Deutschland zerstört.
    Einzelheiten will ich mir ersparen. Damals wie heute gibt es in West und Ost VIELE, die sich gegenüber spinnefeind sind, oder sich zumindest aus dem Weg gehen. Oder es herrscht zweckgebotene Zwangshöflichkeit (Restaurant, Hotel, Autoverleih z. B.). In West und Ost.
    SPALTUNG und FEINDBILDSCHAFFUNG sind Teil der größten „Erfolge“ des Merkeltums. Zum Tag der
    DEUTSCHEN ZWEIHEIT
    relativiert sie die Zustände, die sie selbst geschaffen / intensiviert hat.
    (Merkel, Steineier-Reden > freilich, weil es so ZUFÄLLIG ??? passt, mit einer ordentlichen Dröhnung
    Reichsprogromnacht,
    damit in den Deutschen erneut die
    Multischuldigkeit
    wachgerufen wird.)
    Deswegen bleibt es auch in Zukunft bei diesem Kalenderdatum.

    Manches in Sachen west-ostdeutscher Völkerverständigung und Volkswohl(1), wird sich reparieren lassen, da Neugeborene immer weniger von gelernten Ost- und Westlern beeinflusst und erzogen werden.
    Heute ist das noch anders und die diktaturnahe BRD fördert Zwietracht. Die scheinheiligen Reden können davon nicht ablenken.
    Als Zugabe, damit die Differenzen möglichst lange weiter bestehen, werden die Ostdeutschen jetzt mit afrikanischen „Ankerkindern“ verwöhnt, deren Familien in Schulklassenstärke alsbald nachreisen.
    Außerdem gibt es endlich Witzveranstaltungen, wie „Lichterfest“ und „Wintermarkt“ für ALLE in Deutschland lebenden.
    Als Zugabe gibts flächendeckende Enteignungen von Geist und Eigentum, da die Regierung die Daumenschrauben immer weiter anzieht. Strafexerzieren bedingt durch Zensur samt Haftandrohung und Steuer-/Kostenerhöhungen fördern das.

    Diese Titelseite des Satiremagazins „untergehender Dampfer“
    https://cdn03.plentymarkets.com/cfugbtln6xm7/item/images/17600/full/0103-6550241.jpg
    waren damals kein Scherz und eben keine wirkliche Satire. Sie waren bitterböse gemeint und haben zur Spaltung des Volkes beigetragen. Wie auch die Berichterstattung durch manch andere mediale Qualitätsprodukte.

    (1) > Begriff VOLKSWOHL >
    bitte mittels dem neuen
    Denunziations-Nazifon
    an LKA oder gleich BKA melden!
    Auch Eltern, Geschwister und Verwandte dürfen gerne gebührenfrei angeschissen werden. Gleiches gilt für rechtsextremistisch belastete Spülmittel, Tropfsteinhöhlen, Lederhosen und Sonnenblumenfelder.
    Bitte seinen Sie wachsam!
    Sie helfen uns einen neuen sozialistischen Einheitsstaat zu erschaffen.

      • Trefflich dargestellt.
        Sehr schön auch die Zusicherung von „geheimen Wahlen“. Leider will niemand, dem ich die „nicht geheimen Wahlen“ seit 15 Jahren erklären will, etwas davon hören und verstehen.
        ANMERKEN MÖCHTE ICH, dass in unserem Wahlbüro bei Eintreten nur noch der Wahlschein vorgezeigt werden muss und es dann den Stimmzettel gibt. OHNE DASS NOCH DER PERSONALAUSWEIS ZWECKS IDENTITÄTSKONTROLLE VORGEZEIGT WERDEN MUSS. Anders steht es in der Wahlberechtigung; er muss vorgelegt werden. Warum das nicht (mehr) so ist, wussten die Wahlhelferinnen auch nicht zu erklären. Selbstverständlich erklärten sich die Wahlhelferinnen auch NICHT bereit, mir diesen Zustand schriftlich zu quittieren.
        Meine Nachfrage beim Wahlamt blieb ohne Antwort.
        Mein Zentimetermaßband verbietet mir, zeit- und nervenaufreibende Kriege mit den Behörden einzugehen. Zumal ich auch bei diesem Mißstand als Einzelkämpfer auftreten müsste, da keine „Sau“ interessiert ist, mich aktiv zu unterstützen. (Es geht hierbei nicht um finanzielle Aspekte, sondern nur um Büroarbeit/Schriftverkehr und Erscheinen bei Ämtern und ggf. Gerichten vor Ort.)
        FAZIT HIER:
        Also benötigt man in Deutschland genügend Wahlscheine und schlanke Hände plus lange Finger, um mehrfach wählen zu gehen. Nur gut, dass in den Zeitungen vermeldet wird, wann die Wahlbenachrichtigungen verschickt werden. Oder man bittet den Boten gleich vor der Tür um Übergabe der Wahlberechtigung für sich selbst und gleich mit für den Nachbarn.

        Aber wahrscheinlich gilt auch hier
        „Toleranz zeigen“!
        Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.

        Schüler >
        Das ist die neue Volkskrankheit „Digitale Demenz“:
        Schüler u. a. lernen und verstehen nicht, sondern spielen im Unterricht mit einer Mathe- und Deutschapp. Politik- und Gesellschaftsapps bleiben in diesen Kreisen LINKS liegen; ersatzweise produzieren und vertreiben auch o. a. Gruppen in der vermiedenen Unterrichtszeit u. a. „Kinderfilme“ und amüsieren sich auf dem Schulhof über Nacktfotos der eigenen Mutter oder Oma.
        Wenn die eigene Hirnarbeit auslagert wird, lässt das Gedächtnis nach. Nervenquellen sterben ab und nachwachsende Zellen überleben nicht. Weil sie nicht gebraucht werden. Lese- und Aufmerksamkeitsstörungen entstehen in der Folge. Auch die „Digitale Demenz“ ist ein Instrument zur Verblödung und Abstumpfung, weil unmündige Bürger gebraucht werden.

        (Dr. Blex / AfD / Landtag Düsseldorf entlieh mir unwissentlich ein paar Satzbestandteile.)

        Vielleicht den Referenzartikel nochmal als „neu“ in den aktuellen Vordergrund stellen?

        • Blödmann, wie alle wissen doch, dass alle künstliche Intelligenz der Welt machtlos gegen die natürliche Dummheit ist und manch knospendes Genie sich in einen blühenden Idioten verwandelt.

        • Tja, Satire hin, Satire her, leider sind die Hintergründe vieler Entwicklungen alles andere als lustig.

          Oben schrieb ich vor wenigen Stunden von >
          „Witzveranstaltungen, wie „Lichterfest“ und „Wintermarkt“.
          Soeben informiert mich die tattrige Verwandschaft, dass bei Ihnen, eher ländlich gelegen demnächst der
          „Wintergarden“
          stattfindet.

    • ;-D, schön, habe ich auch mal gesungen.
      Derartige Kinderlieder werden heute geadolft und kommen in naher Zukunft auf den Index für verbotenes völkisches Liedgut.
      Dort treffen sie auf den dann ebenfalls verbotenen
      Blechbüchsenmarsch (Langversion) – Gut gebrüllt, Löwe!
      der Augsburger Puppenkiste.
      https://www.youtube.com/watch?v=aiOQgPyNvXo
      “ … eins, zwei, drei marschieren wir … “ singen sie da.
      >>>
      Außerdem Lieder und Gedichte > iiihgittiiighit, da muss man ja etwas auswendig lernen. Das geht gar nicht.

  8. Im Gegensatz zu dem Autor des obigen Beitrages habe ich sehr gern in der DDR gelebt und gewusst, dass die BRD niemals für mich in Frage kommt. Für mich ist es Vaterlandsverrat, wenn ein führender Offizier der NVA zur Wehrmacht der BRD, genannt Bundeswehr, wechselt. Tut mir leid, ich kann mein Weltbild nicht wechseln wie der Herr seine Uniform. Stand er jemals hinter der DDR, war er bereit, uns im Fall eines Angriffs aus dem Westen wirklich zu verteidigen?
    Da habe ich gewisse Zweifel. Und der Herr scheint ja ganz ideologisch gereinigt durch die Hirnwaschmaschine der Bundeswehr geworden zu sein, nach allem, was ich hier lesen muss. Ich schäme mich für diesen Herrn! Ich habe vierzig Jahre lang in der DDR gelebt, meine Eltern sind nach der Gründung der DDR aus Westberlin nach Ostberlin gezogen, und ich hatte das große Glück, den meisten Teil meines Lebens in der DDR leben zu dürfen. Das war das beste Geschenk, das mir meine Eltern geben konnten, das weiß ich heute. Meine Mutter, schon Siebzig, sagte nach dem 4. November, als 500000 DDR-Bürger auf dem Berliner Alex noch „eine bessere DDR wollten“: „Ich will nicht mehr leben, das ist die Konterrevolution! Noch einmal Kapitalismus – nein!“ Sie hatte im Gegenteil zu vielen anderen, die immer noch von einer „besseren DDR“ schwafeln, auch heute noch, gewusst, dass der 4. November die Konterrevolution eingeleitet hatte. Sie kannte den Kapitalismus, sie hat ihn am eigenen Leib erfahren müssen, sie wusste, was auf uns zukommen würde. Und sie ist ohne Bedauern aus dieser Welt gegangen, die nicht mehr ihre war. Und wenn ich die Kommentare hier lese, tun mir ihre Schreiber leid, sie haben ihre eigene Welt noch nicht begriffen, und ich habe keine Hoffnung, dass ausgerechnet sie verhindern werden, was für uns geplant ist.

    • bg-r, ist nicht Deutschland das Vaterland? Wenn für Sie eine Politiklandschaft ein Vaterland darstellt, können Sie es gerne so halten, aber einem Deutschen vorzuwerfen, er hätte Verrat begangen, weil er Ihrer geliebten Politiklandschaft den Rücken gekehrt hat, ist einfach, mit Verlaub, idiotisch. Ihr Kommentar wirkt, als hätten Sie den Beitrag selektiv gelesen und deshalb nichts verstanden. Ich habe ihn sehr intensiv gelesen und habe größten Respekt vor dem Autor.

      • Ich bin der Ansicht, dass es sich für einen so hochrangigen Offizier der NVA verbietet, zur Bundeswehr zu wechseln. Das hat mit menschlichem und politischem Anstand zu tun. Wenn Sie diesen Zusammenhang nicht verstehen, wäre mir das erklärlich, aber dieser Mann kennt ihn sehr genau.

    • Was war denn an der DDR so schön? War es schön eingesperrt zu sein, hinter Mauern und Stacheldraht? War es schön in der Mangelwirtschaft zu leben? War es schön 12 Jahre auf einen Trabi zu warten? War es schön von der Stasi bespitzelt zu werden? War es schön keine eigene Meinung haben zu dürfen? War es schön in kaputten graue Häusern oder der Platte zu wohnen? War es schön auf Straßen zu fahren, wo sich ein Schlagloch an das andere reihte. War es schön jede Woche nach Fleisch anzustehen und keins zu kriegen? War es schön, nur dann zu studieren, wenn man nicht in der Kirche war? War es schön, dass die Wehrpflichtigen in 18 Monaten Dienstzeit so gut wie nie nach Hause konnten und vielleicht alle 4 Wochen mal Ausgang im Standortbereich erhielten? War es schön von 400 Mark Rente zu leben? Sie heißen nicht zufällig Mielke?
      Herzlichen Glückwunsch, dann sollten Sie nach Kuba auswandern.
      Liebe Grüße von ihrem Verräter

      • Pandora, zunächst: Nicht wir waren eingesperrt, sondern der Westen mit seinem ganzen Gelichter war ausgesperrt. Versuchen Sie die Mauer mal so zu sehen. Deshalb der nicht enden wollende Zorn, die Hetze und die gestrige peinliche Jubelfeier am Brandenburger Tor. Wie man das allerdings sieht, das ist eine Frage der Sicht, wir nannten das mal Standpunkt. Ich hatte auch keinen Mangel in der DDR gelitten. Was ich zum Leben brauchte, habe ich immer bekommen, im Gegensatz zu heute, wo man nicht weiß, welches Gift man mitessen muss. Ich hatte eine 3-Zimmer-Wohnung in der „Platte“, und ich war sehr glücklich, dass ich sie bekommen habe mit der Fernheizung, dem heißen Wasser und der Sauberkeit in der Umgebung. Meinen Sie die Schlaglöcher, die heute allerorts vorhanden sind? In der DDR hatte ich kein Auto, es brauchte es auch nicht, der öffentliche Nahverkehr war sehr gut ausgebaut im Gegensatz zu heute, also habe ich mit Schlaglöchern keinerlei Bekanntschaft gemacht. Wenn Sie die Schlaglöcher zu Ihrem Verrat an sich selbst – und es ist ein Verrat an sich selbst, den Sie begangen haben – benutzen, um Ihre Weltanschauung zu wechseln, kann ich nur pfui sagen.
        Was das Fleisch angeht, so kann ich nicht klagen, ich habe immer das Fleisch bekommen, was ich wollte, auch heute muss ich übrigens am Fleischstand in der Kaufhalle anstehen. Dass dies eine Lüge ist, dass Menschen, die in der Kirche waren, nicht studieren durften, können Sie ja an unserer Bundeskanzlerin sehen. Ich habe zwei Söhne bei der NVA gehabt, und ich habe nie Klagen darüber gehört, dass es ihnen schlecht bei der NVA ging. Zu DDR-Zeiten habe ich gearbeitet, ich war noch nicht verrentet. Nein, und ich heiße auch nicht zufällig Mielke. Ihre Empfehlung, nach Kuba zu gehen, ist ja sehr nett, aber dort wäre es mir zu heiß, ich bin ein Mensch des gemäßigten Klimas. Im Gegensatz zu Ihnen wusste ich, was ich an der DDR hatte. Sie fragen in Ihrem Beitrag, ob Sie ein Verräter sind. Ja, das sind Sie, ein Verräter.

        • Ja, es war typisch für die greisen Vertreter des Politbüros, dass sie nicht erkannt haben, was sie angerichtet haben. Auch bei Ihnen sehe ich die gleichen Symptome.
          Meine Eltern, beide in der SED gewesen, haben mich systemkonform erzogen, gleiches auch vom Kindergarten über die Schule, bis hin zum Studium.
          Als ich ins Berufsleben eintrat, war ich aber mit der Wirklichkeit konfrontiert. Da ich immer offensiv gegen Missstände vorgegangen bin, wurde ich schnell zum unbequemen Kritiker. Es hieß ich sei nicht reif als sozialistische Persönlichkeit und verweigerte mir die Beförderung auf Druck der Parteileitung. Ich habe mich mehrfach beschwert und sogar 2 Eingaben an den Minister für Nationale Verteidigung geschrieben. Als Ergebnis kamen 2 Herren in Lederjacke, angeblich vom Militärbezirk, um mich wieder „einzunorden“. Ich wollte damals alles hinschmeißen. Meine Eltern machten mir klar, wenn ich das tue, bin ich gesellschaftlich erledigt.
          So habe ich mich dann unter dem Druck entschieden, vorläufig die Schnauze zu halten.
          Fachlich war ich übrigens immer gefragt. So kam man an mir auch nicht vorbei, als ich zur Militärakademie wollte. Die Aufnahmeprüfung habe ich mit Bravour absolviert. Brezlig wurde es noch einmal, als mich die Stasi (Verwaltung 2000) in die Mangel nahm. Ich musste offiziell meiner Systemkritik abschwören.
          Die Militärakademie habe ich mit dem Prädikat „Auszeichnung“ abgeschlossen, aber meine kritische Sicht zu vielen Dingen während des Studiums immer wieder geäußert, weshalb ich auch in dieser Zeit bespitzelt wurde.
          Nein, ich sehe mich nicht als Widerstandskämpfer, aber ich hatte erhebliche Probleme mit dem System.
          Insofern hatte ich keine Probleme in die Bundeswehr zu gehen. Ich war übrigens einer der ersten Offiziere, der diesen Sprung geschafft hat. Und glauben Sie nicht, dass der Weg einfach war. Ich musste den ganzen Ochsenweg noch einmal gehen, über die Führungsakademie in Hamburg, als Kompaniechef in der Truppe, bis hin zu meiner letzten Verwendung in einem Amt. Ich bin stolz, auf alles, auch dass ich in schweren Zeiten nie aufgesteckt habe und mich nie wirklich gebeugt habe. Auch das hatten mir meine Eltern mitgegeben, sei immer offen und ehrlich und kämpfe für deine Überzeugungen.
          Nein, so sieht kein Verräter aus.
          Liebe Grüße Pandora

    • Wie kann man so verbohrt sein? Der Westen war weit entfernt vom Perfekten, aber wir waren zumindest nicht eingesperrt und mussten nicht befürchten erschossen zu werden, wenn wir das Land verlassen wollten, Mangelwirtschaft, Denunziation von Verwandten, Freunden und Kollegen (wie es heute auch schon fast wieder üblich ist), Kontrolle in allen Lebensbereichen. War das erstrebenswert? Was haben Kommunismus und Sozialismus für Vorteile gegenüber dem Kapitalismuns? Die Menschen, die damals ihr Leben riskiert haben, um Veränderungen herbeizuführen, als Konterrevolutionäre zu bezeichnen, ist ein Hammer. Welchen Kapitalismus hat denn Ihre Mutter kennengelernt? Die Monarchie oder die Zeit danach bis zum Ende des Krieges? Auch in der DDR gab es Kapitalismus, aber nur für die SED-Bonzen und ihre Freunde. Die haben so gelebt, wie die Kapitalisten im Westen, damals und heute. Es stimmt, wir müsssen vieles ändern, aber es liegt an uns, das zu tun und zwar friedlich. Einen Mann, der, trotz seiner jahrelangen Treue zur DDR, in dem Moment das einzig richtige getan hat, um Blutvergießen zu vermeiden, als Vaterlandsverräter zu bezeichnen, spottet jeglicher Beschreibung und setzt dem Fass die Krone auf. Auch wir, die wir noch Sinn und Verstand hatten, trotz der großen Freude über den Mauerfall, haben gewußt, dass die Menschen damals nicht absehen konnte, was auf sie zukam und zum Teil gnadenlos über den Tisch gezogen werden würden, weil sie der Ellenbogenmentalität des Westens hilflos ausgeliefert waren. Ich beende es hier einfach, weil mir einfach die Worte fehlen, soviel Sturköpfigkeit zu kommentieren. Menschen wie Sie im Westen wie auch in Mittel-und Ostdeutschland tragen dazu bei, das nicht zusammenwächst was zusammengehört. Zum Glück kommen jetzt die Generation, die den Mauerfall nicht bewußt erlebt haben, weil sie entweder zu klein oder noch gar nicht geboren waren. Denjenigen, die damals die Wende herbeigeführt haben, gilt mein tiefster Dank und Respekt.

  9. Im Gegensatz zu Ihnen, Heidi, war für mich die Annexion der DDR kein Anlass zur Freude, schon gar nicht zu tiefstem Dank und Respekt. Mir ist meine Heimat genommen worden! Ich bin ja nun schon an die Achtzig und trau mir eine Auswanderung nicht mehr zu, aber wenn ich jünger wäre, dann wäre ich schon längst in einem anderen Land. Pandora schlug mir ja Kuba vor, das ist gleichwertig mit dem Westslogan „Dann geh doch nach drüben“! Ich bin verbohrt?
    Nein, ich bin traurig, dass ich jetzt gezwungen bin, in einem kapitalistischen Land leben zu müssen, mit dem mich nichts verbindet. Und was die angebliche Kontrolle in allen Lebensbereichen angeht, die Sie in der DDR vermutet hatten, da habe ich mal eine Frage: Sind Sie ganz sicher, dass Sie heute nicht kontrolliert werden, und zwar in einem Maße, das man sich kaum vorstellen kann? Und dann: Wie nennt man einen Menschen, der an einer Konterrevolution beteiligt ist? Ich nenne ihn Konterrevolutionär, Sie vermutlich Freiheitskämpfer? Sie fragen, welchen Kapitalismus meine Mutter kennengelernt hatte? Sind Sie über die deutsche Geschichte so wenig informiert, dass Sie nicht wissen, wenn jemand 1989 70 Jahre alt war, was er dann für einen Kapitalismus erlebt hatte? Ich hoffe, Sie informieren sich da mal selbst.
    Ich stelle fest, dass Sie die gesamte Hetze gegen die DDR eingesaugt haben wie ein Säugling die Milch aus der Mutterbrust. Sie wissen gar nichts über uns Ostdeutsche, uns ehemalige DDR-Bürger – aber Sie haben eine Meinung! Die Dummheit der Westdeutschen ist formidabel und nicht überbietbar. Und was die kommenden Generationen angeht: Sie kennen doch den Spruch „Die Enkel werden es besser machen!“

    • Liebe Heidi,
      zum Glück sind nicht alle Ostdeutschen so, wie bg-r. Es ist nur eine verschwindend kleine Minderheit. Die große Mehrheit hat 1989 den Weg in die Freiheit gewählt. Wir sind alle Deutschland, Ost und West, Nord und Süd. Ich bin stolz auf unser Land und lebe gerne hier.
      Ich schaue mir nur unsere Städte im Osten an. Das grau ist verschwunden. Alles erstrahlt in schönem Glanz. Dresden ist zu einer Perle in Deutschland geworden. Frauenkirche und Schloss wären nie wieder aufgebaut worden. Wir sind weltoffen, statt eingesperrt.
      Ja, auch jetzt ist nicht alles perfekt aber man kann es anprangern und Veränderungen einfordern.
      Packen wir alle gemeinsam an, dass Deutschland ein schöner Ort für unsere Kinder und Enkel bleibt.
      Sozialismus? nein danke.

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