Papst-Spagat: Schöner sterben, weniger Krieg mit mehr Waffen

Papst-Spagat: Schöner sterben, weniger Krieg mit mehr Waffen papst_franziskus_im_nebenjob_konsumkritik_kapitalismuskritik_vatikan_neuer_kursVati-kann: Krieg ist grundsätzlich eine sehr profitable Angelegenheit, zumindest für jene die ihn planen, befehlen und finanzieren. Daran hat sich im letzten Jahrtausend auch der Vatikan in jeder Hinsicht reichlich beteiligt und entsprechend bereichert. Selbstverständlich unterliegt auch das Geschäftsmodell des Vatikan dem Wandel der Zeit, wie bei jedem modern(d)en Konzern. Aktuell ist es im Rahmen der PR (Propaganda oder auch Imagepflege) unverzichtbar in diesem Punkt einen auf Opposition zu mimen. Das muss nicht zwangsläufig ernst gemeint sein, sollte sich aber ehrfurchtsvoll anhören.

Da macht auch der aktuelle Konzernchef Papst Franziskus keine Ausnahme (im Bild bei seiner gewerblichen Nebentätigkeit), er muss sich ein wenig den Zeichen der Zeit beugen (aber nur geringfügig), damit ihm Schäfchen und Umsatz nicht wegbrechen. Folgerichtig hat er dem Zeitgeist entsprechend den Zeigefinger zu heben, was er jüngst einmal wieder im Rahmen eines Soldatenfriedhofshappenings auch tat: Papst warnt vor „Wahnsinn des Krieges“[Der Standard]. Auf einem idyllischen Soldatenfriedhof, bei einer Messe an der italienischen Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs im friaulischen Fogliano Redipuglia, gedachte Franziskus sehr medienwirksam der unvermeidlichen Schrecken des Krieges.

Papst-Spagat: Schöner sterben, weniger Krieg mit mehr Waffen NAHTOD … Vereinigte Vatikanische SchreikräfteVor rund 100.000 Pilgern kam er am Monument „Sacrario di Redipuglia“ nahe Görz auf das tödliche Thema zu sprechen. Ein „Dritter Weltkrieg“, der Zerstörung und Tod verursache, sei mit verschiedenen parallel laufenden Konfliktherden bereits in vollem Gange, mahnte er. Der Vatikan konnte sich in den letzten Jahrzehnten immer nur mittelbar an Kriegen beteiligen, indem man Beteiligungen an florierenden Waffenschmieden im Portfolio hielt, selbstverständlich ähnlich diskret wie Beteiligungen an Verhütungsmittel-Produzenten. Verhütungsmittel für Kriege waren allerdings nicht in der Produktpalette letztgenannter Unternehmungen. Das war in den glorreichen Zeiten früherer Päpste bedeutend anders, die sich auch als Feldherren betätigten, die Gottesäcker noch selber zu füllten. Damals, als der Vatikan noch eigene Armeen aufstellte, um das göttliche Korrektiv für diese Welt mit Mord & Totschlag durchzusetzen. Dennoch ist man überwiegend mit den Armeen dieser Welt, sofern sie dem rechten Glauben anhängen, wie oben beschrieben, aus gutem Grund, denn besonders heute lässt man fremde Heere unter eigenem oder besser gesagt göttlichem Label laufen, wie beispielsweise die Osterweiterung.

Papst-Spagat: Schöner sterben, weniger Krieg mit mehr Waffen Katholische_Militaerseelsorge_Deutschland_Vatikan_Krieg_fuer_Gott_toeten_in_Gottes_NamenDen kämpfenden Truppenteilen darf nicht der göttliche Segen versagt oder gar entzogen werden (Komplex Militärseelsorge), die armen Soldaten können doch nichts dafür, dass sie zum Morden ausgeschickt werden. Das hat nicht nur in Deutschland Tradition. Einer der wenigen, öffentlich gar nicht diskutierten Hauptstreitpunkte zwischen Vatikan und Rüstungsindustrie ist der Zeitpunkt von Waffensegnungen. Die Industrie besteht auf Segnung ab Werk, weil es den Verkaufspreis der Waffen steigert, sofern der Stempel „göttlich“ bereits im Produktionsprozesses angebracht wird. Die Kirche hingegen beharrt auf öffentlichkeitswirksamen Segnungen auf dem Feld der Ehre, unmittelbar vor deren Einsatz, weil es dem zugehörigen Kanonenfutter ein erheblich besseres (göttlicheres) Gefühl vermittelt.

Wir sollten uns keine ernstlichen Sorgen um die real praktizierte Haltung des Vatikan zu den aktuellen Kriegen machen. Jahrtausende alte Traditionen werden auch vom aktuellen Konzernlenker Franziskus nicht aufgehoben, selbst wenn er für den Moment seinen Schäfchen ein wenig nach dem Maul reden muss. Die nachwachsende Masse Mensch wird selig seiner warmen Worte gedenken, frenetisch seinen neu entdeckten Pazifismus feiern, während die Finanzverwaltung des Vatikan fleißig weiter auf hochrentierende Investments setzt, die ebenso traditionsgemäß mit Tod und Teufel zu tun haben. Andernfalls kämen eben nicht so satte Renditen dabei herum.

Niemand möchte etwas zur Schein-Heiligkeit der Institution Vatikan hören, auch nicht von Doppelmoral derselben auf höchster Leitungsebene. Nein, dort soll es allzeit gottgefällig zugehen und den Menschen frommen. Eine generelle Umkehr des Vatikan, wie hier beschrieben, kann es nicht geben. Die Mahnungen sind ja auch nur an die Menschlein gerichtet, mehr Buße zu tun und noch vermehrt ins Portmonee zu greifen. Politik und Waffenindustrie werden sich da nur bedingt angesprochen fühlen. Für alle Predigtempfänger gilt immer noch: „Wenn der Taler im Kasten klingt, die Seele gen Himmel springt“, nichts was es beim Vatikan nicht für Geld bekäme. Insofern ist die Warnung des amtierenden Papstes ganz nett, aber wie zu jeder Zeit gänzlich ohne ernsthafte Bedeutung, es ist und bleibt ein sich wiederholender Marketing-Gag.

Niemand will ernstlich wahrhaben, dass sich der Vatikan in der zu vertretenden Gottheit geirrt haben könnte. Verzweifelt wurde hier nach Dokumenten gesucht, die zu belegen imstande wären, dass Jesus entsprechende Empfehlungen gab, wonach es goldene Paläste zu seiner Verehrung bedürfe, in denen sodann seine Stellvertreter hausen sollten. Oder ob er entsprechende Anlagetipps hinterlassen hat, wonach für die Erreichung des verheißenen Reiches Gottes in Rüstung zu investieren sei. Alles Fehlanzeige … sofern der hier bediente Gott nicht Mammon heißt. Ergo bildet auch Franziskus keinerlei ernstzunehmende Ausnahme, schade.

Papst-Spagat: Schöner sterben, weniger Krieg mit mehr Waffen
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Wir experimentieren. Man kann sich diesen Artikel auch vorlesen lassen. Leider klingt die Dame in Deutsch etwas holperig und unbeholfen. Wer damit klarkommen kann, der mag sich gerne eine Vorlesung geben lassen!
Über WiKa 2007 Artikel
Die verkommene Wahrheit unserer Zeit ist so relativ und dehnbar wie das Geschrei der Konzern-Massen-Medien daselbst. Erst der schräge Blick durch die Blindenbrille, in stockfinsterer Vollmondnacht, eröffnet darüber hinaus völlig ungeahnte Perspektiven für den Betrachter. Überzeichnung ist dabei nicht zwangsläufig eine Technik der Vertuschung, vielmehr ist es die Provokation gezielter Schmerzen, die stets dazu geeignet sind die trügerische Ruhe zugunsten eigener oder andersartiger Gedanken zu stören. Motto: „Lässt Du noch denken oder denkst Du schon selbst?“

6 Kommentare

  1. Jemand sagte, dass Religion ein Gen-Defekt sei. So unrecht hat er offensichtlich nicht. Solange bestimme Schäflein diesem Hirten blökend nachrennen. Solange wird sich an diesem Geschäftsmodell nichts ändern.

  2. Ich bin gespannt wann Obama exkommuniziert wird. Bei Putin geht das ja nicht, da hat die andere einzig wahre christliche Kirche die Hand drauf. Wahrscheinlich musste Oba(uch) ma auch einen Kreuzzug wider die Heiden versprechen bevor er zum Kaiser des neuen Rom, oder wie hieß die Civitas brava, patria populi libri noch? Westrom? Egal. Die Reiche gleichen sich und die Reichen bereichern sich, die Reiche fallen und die Reichen bereichern sich egal wie reich, es reicht noch nicht.
    Ja was lernen wir daraus? Nichts?
    Verloren!

    • … schon recht, nur ist das Unternehmen der „Evangeliker” noch nicht so alt und schwergewichtig wie die Mafia der Katholiker … mit dem Vatikan vorneweg … 😉 und ansonsten über wie jede andere Sekte auch.

  3. Kriegsrüstungen stellen reinen Verbrauch dar, d. h. sie drücken nicht auf den Sachkapitalzins, wie dies die Investitionen zu tun pflegen, die infolge der Vermehrung der Sachkapitalien zu einer gesteigerten Konkurrenz und zu einer Senkung der Rendite führen, wodurch Geldstreik und absteigende Konjunktur ausgelöst werden. Kriegsrüstungen vermindern den Zins nicht.

    Es besteht also ein grundlegender Unterschied, ob man friedensmäßig investiert oder kriegsmäßig verbraucht, ob man Fabriken und Wohnhäuser herstellt oder Panzer und Granaten, denn die letzteren tasten den Zins nicht an! Wenn der einfache Mann auf der Straße es bedauert, dass für Kriegsrüstungen Unsummen ausgegeben werden, für die nach seiner Meinung nützlichere Dinge beschafft werden könnten, etwa Wohnhäuser, so befindet er sich mit dieser an und für sich gesunden Ansicht in einem Irrtum – er hat das Wesen der Zinswirtschaft nicht erfasst, die eines dauernden Mangelzustandes bedarf, um überhaupt zu funktionieren. In der Zinswirtschaft ist es eben – so widersinnig es auch erscheinen mag – wohl möglich, in unbegrenztem Maße Kanonen, Panzer und Bombenflugzeuge herzustellen, nicht aber Wohnhäuser, Fabriken und andere Sachgüter.

    Auf eine vereinfachte Formel gebracht: Es ist das eherne Gesetz der Zinswirtschaft, dass sie ständig ein Meer von Gütern auf den Markt wirft, für die kein Absatz da sein kann, weil der Mensch, der sie schuf, um die Hälfte seines Lohnes betrogen wird und daher nur die Hälfte dieser Güter kaufen kann. Die andere Hälfte des Sozialproduktes sucht nur neue Kapitalanlagen, die sich rentieren. Mangelt es an solchen Anlagemöglichkeiten, dann tritt das Geldstreikmonopol in seine Rechte und sperrt die Arbeitenden aus. Hier gibt es keinen anderen Ausweg als die Zerstörung, als den Krieg, wenn man von dem Notbehelf der dosierten Inflation absieht.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/02/imperialismus.html

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  1. News 14.09. 2014 |

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