Weihnachten ohne Christbaum, die „pyromantische“ Nachlese

Weihnachten ohne Christbaum, die „pyromantische“ Nachlese weihnachtsbaum in falmmen erleuchtung abgefackelt weihnachtstraum oh tannebaumMuss das brandgefährliche Fest feuerschutzpolizeilich verboten werden? Den warnenden Hinweis „Der Baum brennt“ nicht ernst zu nehmen, hieße fahrlässig handeln. Spätestens dann wäre die dröge Weihnachtsfeier zu unterbrechen, besser abzubrechen und auf nach der Renovierung zu verschieben. An Heiligabend haben die pyromanischen Feuerwehrler Hochkonjunktur, sind hochwillkommene Überraschungsgäste gerade bei Leuten, welche die Hardcore-Bescherung einer läppischen Kinder-Inszenierung vorziehen. Der Drang zur Außen-Kampfbeleuchtung scheint dem Trend zur Innenabfackelung keineswegs die Nahrung zu entziehen. Selten im Jahr brennen in Privatwohnungen mehr Bäume gleichzeitig als zu den unheimeligen Festtagen. Auch ohne Vorsatz gelingt es immer wieder, die Geschenke-Abfertigung ungewollt ins Raumfüllende zu befeuern. Da nützte auch keine Rauchmelder-Pflicht in Wohnungen angesichts der zahlreichen Räuchermännchen und der dicken Luft, die in manchen Haushalten herrscht bei den Würsteln, wenn kein Kren oder Senf auf dem Tisch steht, stattdessen Ketchup.

Gerade an Heiligabend besteht die Gefahr, dass harmlose Unterhaltungen mit mehr als drei Sätzen zu ungeahnten Explosionen kulminieren, weit mehr als an anderen Tagen. Die Trägheitssicherungen (fette Gans oder öliger Fisch, dicke Stollen und pampige Lebkuchen) brennen umso leichter durch, je mehr Verwandtschaft anwesend ist. Ein falsches Wort, ein danebenes Geschenk können genügen, und keiner achtet mehr auf den bereits knisternden Baum. Obwohl einfache Rauchvergiftungen noch harmlos erscheinen angesichts vergifteter Atmosphäre zwischen Angehörigen.

Erbärmliche Weihnacht

Heute geh’n sie in die Mette,
Richter, Anwalt, lauter nette
Leute, die sich freu’n auf fette
Weihnachtsgans, die’s in sich hätte.

Auf dem Weg dorthin ein Bettler
spielt den Christ-Gewissensretter,
kriegt ’nen Euro von dem Städter,
der ihn zwang zum Stadtrand-Settler.

Doch ham’s die nicht überrissen,
warum’s dem geht so beschissen.
Weil die Räumung ihr Gewissen
nicht berührt hat, war’s verschlissen.

Bei den Möbel-Packereien
waren sie nicht selbst dabei, denn
hörten sie das Kinderschreien,
würden sie sich’s nicht verzeihen.

Draußen liegt was in der Krippe
wie ein röchelndes Gerippe:
Kindlein klein mit schmaler Lippe
einer armen Sinti-Sippe.

Nein, die durften da nicht wohnen,
musste das Gericht betonen.
Um das Eigentum zu schonen,
soll Vermieten sich doch lohnen.

Wer den Mietzins nicht begleichen
kann und will, muss eben weichen.
Weil Sanierung für die Reichen
nur gebührt auch ihresgleichen.

Nun am Tag des Weihnachtsfriedens
ist genug des Urteil-Schmiedens
und des Hausbesitz-Verschiebens.
Heut‘ ist Tag des Nächstenliebens.

Draußen auf dem Mittelmeere
sitzen wie auf der Geleere
hoffnungsbange Menschenheere,
zu entfliehen der Misere.

Bleibt für diese Armuts-Flotte
nur ein Machtwort von dem Gotte,
der Europa die bigotte
Hoffnung leiht auf Jesu Grotte?!

Nein, kein Gott zeigt da Erbarmen
weder hier noch dort den Armen.
Dafür wachen die Gendarmen,
dass die Festung sitzt im Warmen.

Auch wenn hier die Menschen frieren,
mag das Recht sich nicht genieren,
welches die exekutieren,
die sich weihnachtlich gerieren.

Wunderkerzenduft-Gezische
zieht verlogen durch die Frische.
Wenn sie sitzen dann bei Tische,
gibt es Butter bei die Fische.

Ach, wenn die sich doch erbrächen
an den Gräten, die sich rächen!
Wenn sie mit entleerten Mägen
hilflos vor der Schüssel lägen.

Um nur kurz einmal zu fühlen,
wie sich anfühl’n ihre kühlen
Sprüche in den Nacht-Asylen
ihrer Macht. Zum Runterspülen!

Nein, wie grau solch‘ Phantasien
grad‘ zur Weihnacht runterziehen!
Wo doch Friedensträume blühen,
wird mir sowas nicht verziehen.

Darum also, meine Lieben,
hab‘ ich noch dazu geschrieben:
Ging’s gerecht zu, wär‘ beschieden
allen Menschen Weihnachtsfrieden!

Wolfgang Blaschka • 12/2013

Daher sollte konsequent gelten: Keine Korsagen oder Krawatten, Küchengeräte oder Kettensägen unter den Christbaum! Auch Unterhosen machen sich in Einwickelpapier nicht viel besser als ohne Umhüllung, schließlich kommt es auf deren Inhalt an. Strümpfe und Socken, Hemden und Hosen, Pullover, Pullunder und anderer Plunder, alles „Praktische“ eben, können nicht anstinken gegen Klappkärtchen, zwischen die diskret ein Geldschein geklemmt ist, notfalls ohne Umschlag. Selbst ein ernst gemeintes liebes Wort, eine innige Umarmung, ein intensiver Kuss erfreuen weit mehr als gedankenlose oder allzu hintersinnige Geschenke. Kinder natürlich ausgenommen, die brauchen ihr Spielzeug schon noch als Überraschung, nicht lieblos mit Preisschild oder samt Kassenbon direkt aus dem Kaufhaus. Macht es doch Freude, ihnen echte Freude zu bereiten statt eines Wohnzimmer-Brands.

Natürlich besteht das Risiko am wenigsten ohne Baum, da tendiert es geradezu gen Null. Dieses Rundum-Sorglospaket habe ich für mich persönlich abonniert, ein Nichtbaum-Gemütlichkeits-Set inclusive: Einfach kein dürres Grünzeug in der Bude! Gewiss, auch Papierhaufen können feuergefährlich sein. Aber wer stellt schon brennende Kerzen auf seine Zeitungsstapel?! An den Baum jedoch kommt alles, was im Nu verglimmt: Schleifchen und Rüschchen, Strohsterne und stoffumspannte gold-gebortete Kugeln, die kokeln wie nichts.

Ohne Baum kein Albtraum. Aber was ist mit den Nachbarn? Kann ich ihnen die Kerzenentzündung (eventuell gar noch an ihren ausgetrocknet abgelagerten Advents-Dekorationen) verbieten? Ich müsste ihnen Vorträge halten, die ihnen die Lametta-Allergie ins Gesicht treiben sollte. Das würde ich im Haus noch auf mich nehmen, aber was ist mit dem Nachbarhaus, und mit denen von Gegenüber? Der Funkenflug könnte zum Problem geraten. Ein Feuersturm dürfte die ganze Straße in Schutt und Asche legen, oder das halbe Stadtviertel platt machen für die nächste Gentrifizierungswelle. Am sichersten wäre das Risiko allgemein zu minimieren, wenn es nur gelänge, Weihnachten ganz ausfallen zu lassen, so wie in Samoa jenen Tag letzthin, um über die Datumsgrenze zu wechseln. Dann gäbe es allerdings auch keine Geschenke, das wäre suboptimal. Zwischen Mai und August, im Juni oder Juli läge die Christbaumbrand-Wahrscheinlichkeit am Tiefpunkt, da stünden die Bäume in Saft und Kraft, sofern nicht gerade Dürre herrschte. In diesem Falle wiederum wüchse die Waldbrandgefahr ins Unermessliche, und es wäre brandschutztechnisch dasselbe Dilemma.

Man stelle sich vor, die Leute gingen in die nicht verschneiten Wälder, um sich zur Sonnwende kunstvoll verpackte Gaben unter die (immergrünen) Tannen zu legen, direkt auf übersehene Ameisenhaufen, sie begännen Krippenlieder anzustimmen und herumzuzündeln, wie sie das ja immer gern tun, nicht nur zu Silvester, Mariä Lichtmess, beim Osterfeuer oder zum Martinstag. Das Rodungsprogramm wäre perfekt. Die fehlende Berieselung mangels Schnee könnte durch impertinentes Blockflötengedudel kompensiert werden. Über fehlende (soziale) Kälte könnte man sich auch bei Hochsommer-Temperaturen kaum beklagen.

Nur die Krippenspiele wirkten in T-Shirts und Badehose vielleicht etwas deplatziert, mit Kutten wären sie zu schweißtreibend. Auch gäbe frisch gemähtes Heu noch längst kein Stroh. Davon abgesehen könnte das Geglühweine, Lebkuchengeschmatze und Würstelgeschlotze die schlanke Linie beeinträchtigen. Also werden wir’s wohl bei Weihnachten im tiefsten Winter belassen müssen, schon weil sonst die langen Abende und Nächte noch deprimierender ausfielen ohne Urlaubsbilder-Sortieren, Zwangs-Dia-Vorführungen am Heimcomputer und sinnfreie Basteleien. Ohne Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten wüssten die Meisten nicht einmal was von Lampedusa, und ohne Urbi-et-Orbi bliebe die Festung Europa ohne General-Absolution. Das wäre unverantwortlich.

Auch die Post hätte weniger zu tun, die Weihnachtsmärkte wären bald pleite, die Erzgebirgs-Pyramidenbastler arbeitslos. Schon unter volkswirtschaftlichen Aspekten wäre es kaum hinnehmbar, die Jahresend-Ralley ausfallen zu lassen; wie sollten die Bilanzen gerettet werden!? Auch ökologisch wär’s ein Desaster ohne systematische Glühweintassen-Legionellen-Züchtung, ein Artensterben sondersgleichen! Die Weihrauch-Produktion rasselte in den Keller, die Myrrhe-Nachfrage stagnierte, der Goldpreis fiele. Das wäre noch das Wenigste. Die Wälder wucherten ohne vorzeitige Abholzung die Zivilisation komplett zu. Dann säßen wir in Felle gekleidet wieder in rauchigen Hütten um den Julbock herum, die Feuergefahr wäre größer denn je.

Mein Fazit: Gegen Weihnachten ist kein Kraut gewachsen, das nicht sofort zu Kräuterlikör destilliert würde. Bleibt nur, sich mental wie antisentimental zu wappnen, eine gewisse Bescherungs-Resistenz zu entwickeln, sich mit Watte-Ohrstöpseln und christbaumkugelsicherer Weste zu immunisieren, mit Beatmungsgerät und Nasenklammer ausgerüstet auf der Straße einen Sturzhelm zu tragen, falls einen die aus Wut oder Panik stattfindende vorzeitige Baumentsorgung aus einer der oberen Etagen trifft, oder aber eben mit Freunden zu feiern, die man wirklich mag. Dann kann man getrost mit denen auch mal anstoßen, ohne anzuecken. Wir haben gegessen, getrunken, geraucht, entspannt geplaudert, ernsthaft diskutiert und uns dabei trotzdem nichts geschenkt, außer dem Zusammensein. So haben wir das gemacht bereits am Tag zuvor. Eine runde Sache war das in trauter Runde bis frühmorgens, als es längst hell geworden war, und siehe da, schon war das für manche so Unerträgliche erträglich. Da konnte geboren worden sein, wer wollte.

Wolfgang Blaschka • 12/2013

Weihnachten ohne Christbaum, die „pyromantische“ Nachlese
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Wir experimentieren. Man kann sich diesen Artikel auch vorlesen lassen. Leider klingt die Dame in Deutsch etwas holperig und unbeholfen. Wer damit klarkommen kann, der mag sich gerne eine Vorlesung geben lassen!
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Über Wolfgang Blaschka 17 Artikel
freischaffender Grafiker, Autor und Filmemacher aus München

2 Kommentare

  1. „natürliche Weihnachtsimpressionen“
    2012
    Die Frau, Die lag da auf der Club, auf einmal ein greller Schrei durch s Haus.
    Mord; Tatort; Edgar Wallec?
    Nein.
    Es stellte sich heraus, aus dem geschmückten Weihnachtsbaum krabbelten Läuse; Spinnen oder sonstiges Gefichs heraus.
    Am Stamme (k)lebten noch hunderte Puppen oder Larven, die Ersten wurden wohl durch die Wärme der nahen Heizung geweckt. Ja, wir hatten göttliche christliche Schläfer im Haus, die uns über Stunden terrorisierten.
    Drei Tage, für 35 TEuro Vollpension, so ein Ärger, und in der ganzen Etage die Möbel rücken, den Baum vorsichtig zerstückeln und ab in die Natur, pur. Die Natur, der nächste, dankt es einem 🙂
    Teppich absaugen; saugen und saugen, ja was hatte das Strom gekostet.

    2013
    kein Hartz IV, nichts, auch kein Weihnachtsbaum.
    Das ist die Würde einer Unwürdiger Regierung ihrer Schergen und unwürdigen – wissenden – Richtern.
    Enteignet schikaniert und diskriminiert wie Kinder Gottes; Juden und andere Menschen wie vor ca. 70 oder gar 2013 Jahren.
    Willkür wie bei BVG 006132.htm Rn. 126 ff.
    Betrügt die Regierung nicht gar ihre eigenen christlichen Waldbesitzer, um den Verkauf von Tannen, nebst der Milch oder gar den Hopfen, um Einkommen; Rente und der GKV, nebst Steuern; Beamtenbezüge und dessen Pensionen?
    Ach ja, heißt´s es denn: Wir müssen sparen. Entlassungen und ab in Hartz IV.
    Ihre Läuse und Wanzen etc. können nun wo anders tanzen. Nicht mehr bei uns. Das ist nun christliche Leit-Kultur, pur.

    Alles für die – Todsünde der Gier – der christlichen Parteien der CDU/CSU – SPD und etwas Glanz.
    Man muss dazu sagen das die SPD in die christlichen Sozial-Latschen von Jesus gestiegen sind, welches den christlichem Führerkult der Pyramide der Gier und der CDU/CSU nicht immer gefällt. Außer bis Messias Schröder kam, seit dem lebten die fast im gleichen Wahn.

    Ja wir haben auch viel Strom gespart. Das meiste davon waren eh – Steuern und Gebühren – ( 🙂 ² ), beim Exportweltmeister, wo für Hartz IV – Kunden (König) die Jobs ihrer Lieferanten (Bauer-Aldi etc..) mehr oder weniger schlecht bezahlt werden!
    Sklaverei um staatlich/lobbyistisch gewollte Hartz IV Bezieher gegen (Art. 1; 2; 3 GG ff.) zum Lohndruck der Anderen (Bauer-Aldi etc..) einzusetzen. Von der Qualität unter Druck gar zu schweigen.

    Keine Kugel ging zu Bruch, (also der sonstige sich unter liebenden Weihnachtsbaum Terrorismus) das konnten wir am Telefon auch nicht beklagen, zur Not können Sie das auch bei der NSA erfragen.
    Die Waffenbläser der Weihnachtsbaumkugeln werden nun leider arbeitslos.

    Wie ARD und ZDF wohl vermutlich allen berichteten:
    Diese Weihnachten waren für alle etwas strahlender, den bei Fukushima kippt man allen Radioaktiven-Müll ins Meer. Die USA strahlt/e zuerst. Den Einen wird es früher treffen und die mit der angeblichen Würde werden folgen. Es ist alles eine Frage von Zeit und Raum, in der man auf der einen Seite zwar etwas unterdrücken kann aber auf der anderen Seite bauen sich Riesige (Immobilien; Schulden; Bankenrettungs-schirme etc. „Staatsbanktorte“ ) Blasen an.
    Diese Blase, ja man muss da sagen, ein Vakuum an Gehirn, zeigt eines Tages mal die Stirn.
    Anders kann ich mir den Armutsreport der Bundesregierung; der EU und der USA und dessen die Staatsverschuldungen gar nicht erklären.
    Vakuum.
    Copy/paste Doktoren die durch geförderte möchte gern Reiche sich gegenseitig bejubeln und bestrahlen wie es zu einem Führerkult im Abendland dazu gehört.
    Ist hier im Abendland, Wissen ein Vakuum zwischen Raum und Zeit, also nichts und so automatisch der Gier entspricht um dieses zu überfüllen wie ein schwarzes Loch im Universum?

    Strahlende Weihnachtsimpressionen 2013:
    http://einarschlereth.blogspot.se/2013/12/die-japanische-tepco-will-das-gesamte.html
    Was brauchen wir oder auch strahlende Richter sich bei solcher Gleichgültigkeit der „internationalen Atom Aufsichtsbehörde“ uns noch um Atombomben Gedanken zu machen?
    und das neuste (ggf. ein Übersetzungsfehler bei „wird und war“?)
    http://einarschlereth.blogspot.se/2013/12/fukushima-radioaktive-wolke-wird-10-mal.html
    Egal, alles ab ins Meer unserer Fische etc..

    Werte und Qualität erschaffen und erhalten können nur Menschen, jedoch Richter können dieses nur erhalten.
    O Weihnachtsbaum, o Weihnachtsbaum, und strahlt die letzte Laus, so ist es auch mit der Würde der Richter aus.
    Ein Weihnachts-Gericht von Gleichberechtigung bei gleich strahlender Würde gemischt mit strahlenden Weihnachtsimpressionen im Abendland an strahlend frischer Luft bei Hartzer Käse der Gier.

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