Afghanistan Besatzer spielen beleidigt, drohen gar mit Truppenabzug

Karzai discusses plans for NATO transition at NMAA graduationKabul: Derzeit wird in Afghanistan fleißig über den Truppenabzug der Alliierten verhandelt. Man darf natürlich auch Besatzer sagen, nur hören die Gutmenschen diesen Begriff nur sehr ungern. Selbstredend sehen sich diese Truppenteile lieber als „Befreier“ und gar nicht gerne als Besatzer. Da sie aber vor mehr als einem Jahrzehnt niemand gerufen hatte, außer sie sich selbst und George W. Bush aus niederen Motiven auch den Rest der „Willigen“ noch zu diesem Überfall einlud, ist die Situation im Moment ein wenig verspannt.

Grund für diese Missstimmung ist die Absicht des derzeitigen Präsidenten Hamid Karzai (siehe Bild), in der Frage der weiteren Besatzung so eine Art Volksentscheid durchführen zu lassen. Ein entsprechender Rahmen wurde angeblich bereits ausgehandelt und über den Entwurf soll dann die sogenannte „Loja Dschirga“, vermutlich irgendwann Ende November 2013 abstimmen. Natürlich muss es heißen: dem Verbleib der Truppen zum Schutze Afghanistans zuzustimmen, denn immerhin haben sich ja die Alliierten dort mit Waffengewalt zu Freunden des afghanischen Volkes gemacht. Dass sie liebend gerne in Afghanistan bleiben möchten, allein schon aus Eigennutz und zum Schutz der großartigen Rohstoffvorkommen im Lande, steht dabei völlig außer Frage, wird aber nicht sonderlich thematisiert.

Nachdem jetzt entsprechende Ambitionen des Präsidenten laut wurden, diese Entscheidung dem sogenannten Ältestenrat zur Entscheidung vorzulegen, kommen sogleich die warnenden Töne aus Amerika, als würde man ahnen, hier vielleicht genauso im hohen Bogen rauszufliegen wie erst kürzlich im Irak. Dort hatte die Bevölkerung die Schnauze ziemlich voll von den „Befreiern“ und so mussten sie dort gänzlich ihre Sachen packen … mit Ausnahme von rund 15.000 schwer bewaffneten US-Botschaftern, die jetzt im Irak noch die Interessen der USA wahrnehmen, wenn es hart auf hart kommt.

Vielleicht muss man diesen Streit auch nur als eine Anwandlung des Präsidenten begreifen, sozusagen als harten Wink mit dem Zaunpfahl, dass er noch einmal richtig Nachschlag beim „Bakschisch“ braucht, um die Interessen der Freunde auch korrekt durchdrücken zu können. Vielleicht wurde da einfach nur der Bogen ein wenig überspannt und wegen der US-Haushaltskrise konnte man sch diesen Luxus nicht gönnen. Gut, das ist Spekulation, aber in der Region dennoch Normalität.

Letztlich geht es gar nicht so sehr um die Frage ob man die Besatzer dort jetzt rauskegeln möchte, vielmehr geht es darum, welchem Rechtssystem die ausländischen Truppen dort künftig unterstehen sollten, wollten sie dort verbleiben. Jetzt gibt es genügend Kräfte die sagen, es gilt dann afghanisches Recht und genau hieran reibt sich der US Außenminister Kerry jetzt mächtig auf. Er will seine bewaffneten Killer eben nicht dem afghanischen Recht unterstellen. Und wenn er so zetert, dann spricht er natürlich von amerikanischen Bürgern und nicht von Friedens-Killern.

Die USA sind „ums Verrecken” nicht gewillt ihre Jungs dem lokalen Rechtssystem zu überlassen und wollen alle möglichen Verbrechen ihrer Truppen nach eigenem Militärrecht abhandeln. Genau da dürften dann auch die großen Unterschiede schon einsetzen. Die USA selbst gedachten rund 10.000 Mann in Afghanistan dauerhaft zu stationieren, man ist ja allerorten immer gerne behilflich, wenn Demokratie mit Waffengewalt etabliert werden muss, wie wir wissen.

Hier sei nur kurz erwähnt, dass die USA auch den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag natürlich nicht anerkennen. Im Gegenteil, man hat Den Haag schon gedroht, sollte sich wer erdreisten einen Amerikaner dort wegen Kriegsverbrechen festzusetzen, werde man die eigenen Leute auch dort, wenn nötig, gewaltsam befreien. Wir erkennen, dass die Amerikaner immer nur auf das Gemein-Wohl bedacht sind. Man könnte hier direkt zu der Einsicht gelangen, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben hätte sich damals bei der ersten Strophe des Deutschlandliedes nur in der Bezeichnung der Nation geirrt.

Und so dürfte auch dieses kleine rechtliche Detail und die zu erwartende Entscheidung der afghanischen „Loja Dschirga“ darüber richten, ob nicht nur die Amerikaner, sondern auch alle anderen Alliierten auch Afghanistan fluchtartig verlassen werden, wenn man ihnen nicht ihre eigenen Spielregeln lässt. Das ganze gibt es hier beim Guardian, etwas ausführlicher in englischer Sprache. Und wenn sich die afghanische Bevölkerung nun tatsächlich gegen diese „Freunde” ausspricht und sie indirekt dazu zwingt das Land zu verlassen, dann werden sie wahrscheinlich, wie die Iraker auch, immer noch nicht sicher vor den Amerikanern sein. Dann bekommen auch die 10.000 eben mal wieder Diplomatenausweise an die Knarre geklebt und schon unterliegen sie wieder einem ganz anderen Recht, nämlich dem der Diplomaten und genießen damit eine noch viel köstlichere Immunität, wie im Irak.

Es kann nicht immer so glatt laufen wie mit Deutschland, wo man nach der Befreiung dann den Menschen ordentlich Sand in die Augen streute, die Geschichte „korrekt neu“ schrieb und dann eine Batterie von Geheimverträgen machte. Dafür bekamen wir ja das „Grundgesetz“, welches früher einmal den hässlichen Namen „Besatzungststaut“ trug und dürfen es heute als unsere „Verfassung“ feiern und wissen noch immer nicht welche der damaligen (geheimen) Vorbehalte bis heute noch Gültigkeit haben. Der Artikel 146 des Grundgesetzes scheint längst vergessen zu sein. Seither haben wir also nur Freunde im Land, die dem Grunde nach auch nur machen was sie wollen. Von der Atombombenlagerung bis zu den Drohnen-Killer-Einsätzen im mittleren Osten kann man (USA) heute alles ungestraft von deutschem Boden aus machen. Das geht nur unter echten Freunden mit richtig guten und harten Verträgen. Da steht derzeit ernstlich zu befürchten, dass die Afghanen, anders als die Deutschen, nie richtig dicke Freunde der Amerikaner werden, wäre doch der Hamid Karzai nur nicht auf die dumme Idee gekommen die Volksversammlung befragen zu wollen. Dumm gelaufen!

Sollte aber doch niemand ernstlich glauben, dass die USA die Bastion Afghanistan freiwillig aus den Klauen ließe. Um allerdings die Dramaturgie hochzuhalten, muss der Kerry weiter jaulen und mit Liebesentzug drohen, sofern das afghanische Volk keine Einsicht zeigt, den Amerikanern ihren Willen zu lassen. Dies als Gegenleistung für die zu erbringenden Liebesdienste. Die Inszenierung, die warmen bedrohlichen Worte, gelten vornehmlich dem Rest der Welt, die Afghanen selbst haben noch genügend andere Kostproben bekommen und den Kanal voll. Nie kämen Kerry und Obama auf den Gedanken, dass Amerika in der Welt immer verhasster wird und so droht er dann siegesgewiss den Afghanen mit einem endgültigen Truppenabzug, ohne zu realisieren, dass Afghanistan schon Jahrtausende zuvor ganz gut ohne USA und Alliierten-Besatzung ausgekommen ist.

Bildnachweis: Wikimedia Commons | Bildbeschreibungsseite | Public Domain

Afghanistan Besatzer spielen beleidigt, drohen gar mit Truppenabzug
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3 Kommentare

  1. Es sind schon ganz Andere an Afghanistan gescheitert. Also kein Grund sich zu schämen. Höchstens da für, das die USA wahrscheinlich bis her die perfideste Besatzungs(versuchs)macht war ! Aber wie jedes mal, wird Afghanistan bald wieder zu SEINER “Lebensweise” zurückkehren !

  2. “Es sind schon ganz Andere an Afghanistan gescheitert.”
    Stimmt! und warum? weil sich USA und Deutschland eingemischt haben.

    Langsam sollte man sich fragen wer die wahren Terroristen sind.

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