Target 2, das deutsche Billionengrab abseits des Parlaments

Target 2, das deutsche Billionengrab abseits des ParlamentsBank­furt: Die meis­ten Men­schen wis­sen ver­mut­lich nicht ein­mal was Tar­get 2 zu bedeuten hat. Angesichts der Dimen­sio­nen über die wir hier­bei allerd­ings reden, lohnt es sich aber dem Begriff ein wenig Aufmerk­samkeit zu schenken. Deshalb heute eine mil­liar­den­schwere Betra­ch­tung zum The­ma und warum uns auch dieses englisch klin­gende unschein­bare „Etwas“ ein­mal sehr teuer zu ste­hen kom­men kön­nte. Natür­lich hat es auch gute und hand­feste poli­tis­che Gründe, warum dieses enorme Risiko nicht son­der­lich bre­it the­ma­tisiert wird. Allen­falls in den Nis­chen hört man etwas dazu, sehr sel­ten hinge­gen in der bre­it­en Presse.

Was ist Target 2 nun genau

Konkret sind es die Forderun­gen der Deutschen Bun­des­bank gegen alle Län­der inner­halb des Euro-Sys­tems, sprich Guthaben, welch­es noch zur Zahlung an Deutsch­land ausste­ht. Etwas fach­lich­er ist es die „Aus­land­spo­si­tion der Bun­des­bank seit Beginn der EWU / Forderun­gen inner­halb des Eurosys­tems / Net­topo­si­tion aus TARGET2“. Wer sich die öffentlich zugängliche Zeitrei­he bei der Bun­des­bank dazu anse­hen möchte, der kann dies an dieser Stelle tun.

Generell sollte Tar­get 2 stets annäh­ernd aus­geglichen sein, weil die Posi­tio­nen dem Grundgedanken nach nichts weit­er als eben einen Ver­rech­nungssal­do darstellen. Dies war auch im Zeitraum 1999 bis 2006 der Fall, da ist es nie zu nen­nenswerten Forderun­gen gekom­men. Rechts in der Grafik dargestellt, das let­zte als nor­mal zu beze­ich­nende Jahr 2006, bis zum aktuellen Stand im Novem­ber 2012. Wenn sich nun diese Ver­rech­nungs­forderun­gen tür­men, dann bedeutet dies nicht mehr und nicht weniger, als dass die Schuld­ner­län­der diesen Sal­do gegenüber der Bun­des­bank nicht mehr aus­gle­ichen. Das ist schlicht ein Indiz für klamme Kassen.

Und wo steckt jetzt das Risiko

Dazu befra­gen sie bitte einen Banker oder Halsab­schnei­der ihres Ver­trauens. Generell gilt allerd­ings, wenn ein Schuld­ner keine Zahlun­gen mehr leis­tet, ist dies als höch­stes Alarm­sig­nal zu werten. Statt allerd­ings Alarm zu schla­gen und die Reißleinen zu ziehen, geht es hier selt­sam anders zu. Die Sum­men addieren sich ein­fach auf und nie­mand macht den Laut­en. Und genau da wird es an sich poli­tisch.

Diese Sum­men wer­den nicht durch das Par­la­ment kon­trol­liert und genehmigt. Alles läuft ganz leise inner­halb der Bun­des­bank ab. Let­ztlich ist es aber so, soll­ten diese Schuld­ner ein­mal aus­fall­en und die Bun­des­bank dieses Geld abschreiben müssen, na, wer ahnt es? Wer kommt dann dafür auf? Richtig, der deutsche Staat als Inhab­er der Bun­des­bank und damit sind wieder alle Bürg­er an dem großen Los beteiligt.

Den vor­läu­fi­gen Höch­st­stand an Forderun­gen gab es im August 2012 mit rund 751 Mil­liar­den Euro Forderun­gen. Die knap­pen Ermäßi­gun­gen sei­ther dürften wohl auf Ein­führung des ESM und einige andere poli­tis­che Maß­nah­men zurück­zuführen sein. Geld was dort freigegeben wurde floss dann zum Teil hier in den Schulden­ab­bau.

Man sollte dabei aber eher von kos­metis­chen Kor­rek­turen aus­ge­hen. Ver­mut­lich wer­den wir zum Jahre­sende und im kom­menden Jahr neue Höhen­flüge beim Tar­get 2 miter­leben dür­fen. Dies allein schon weil die Volk­swirtschaften der betr­e­f­fend­en Län­der eher im Schrumpfen als im Wach­sen begrif­f­en sind.

Wer sind dabei die Hauptschuldner und ‑gläubiger

Mit Blick auf das Gesamt­sys­tem Euro belaufen sich die (Sofort)Schulden einiger Län­der (also aus diesem Tar­get-Sys­tem) auf rund 1,1 Bil­lio­nen Euro (Stand Mitte 2012). Hier ein­mal die Hitliste der großen Fünf dabei in Mil­liar­den Euro:
Por­tu­gal (-72,515 • Juli 2012)
Irland (-97,945 • Juli 2012)
Griechen­land (-105,044 • Juli 2012)
Ital­ien (-289,320 • Aug. 2012)
Spanien (-434,428 • Aug. 2012).

Und dage­gen stellen wir ein­mal die großen Fünf Gläu­biger­staat­en, die sich eben­falls in Mil­liar­den Euro wie fol­gt aufrei­hen:
Deutsch­land (751,449 • Aug. 2012)
Nieder­lande (130,420 • Juli 2012)
Lux­em­burg (124,119 • Juli 2012)
Finn­land (62,481 • Aug. 2012)
Est­land (0,699 • Juni 2012).

Spätestens jet­zt sollte dem ein oder anderen klar wer­den was hier im eigentlichen ver­steckt wird. Die Bun­des­bank demen­tiert zwar fleißig und mag nicht von Finanzierung reden. Doch wenn der Zahlungsaus­gle­ich stockt, dann ist es beim, Zuwarten dur­chaus eine Finanzierung. Ist halt reine Begriff­sklauberei.

Bombe oder doch keine Bombe

Nun, wenn Deutsch­land allein mit 750 Mil­liar­den im Feuer ste­ht, dann darf man sagen, es sind rund 75% aller aus diesem Tar­get-Sys­tem sofort fäl­li­gen Sum­men die da in der Luft hän­gen. Wohlge­merkt, hier han­delt es sich nicht um irgendwelche Kred­ite, son­dern um fäl­lige Zahlun­gen.

Dadurch allerd­ings, dass dieses Instru­ment stillschweigend zu ein­er Art Kred­itver­gabestelle umfunk­tion­iert wird und die Zahlun­gen fak­tisch stock­en, zieht hier dur­chaus ein beträchtlich­es Risiko auf. Immer­hin nimmt sich allein dieser Batzen im Ver­gle­ich zu den Deutschen Staatss­chulden ganz ansehn­lich aus und erre­icht gemessen daran lock­er 37 Prozent, bezo­gen auf die 2 Bil­lio­nen Staatss­chulden.

Und weil genau dieses alles am Par­la­ment so vor­bei rauscht, wir reden hier tat­säch­lich über Risiken die zu den bere­its beschlosse­nen direk­ten Hil­fen hinzukom­men. Auch betra­cht­en wir dabei nicht die Gelder, die schon offiziell in EFSF, ESM und son­stige Ret­tung­spro­jekt beschlossen wor­den sind. Da kom­men noch rund rund 400 Mil­liar­den offiziell hinzu, wenn es denn reicht.

Wenn sich also an dieser Front in 2013 keine nen­nenswerte Entspan­nung zeigt, wom­it nie­mand wirk­lich ern­sthaft rech­net, dann bekommt die Bombe weit­er mon­etäre Massen­ver­nich­tungswaffe Euro weit­er­hin reich­lich Fut­ter. Wen es also inter­essiert, der sollte ab und an mal bei der Bun­des­bank vor­bei schauen oder nach Tar­get 2 im Netz suchen. Die Geschichte bleibt mehr als nur span­nend, Tar­get 2 ist damit so eine Art Super­gau-Früherken­ntungs­mas­chine.

Tar­get 2, das deutsche Bil­lio­nen­grab abseits des Par­la­ments
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Wir exper­i­men­tieren. Man kann sich diesen Artikel auch vor­lesen lassen. Lei­der klingt die Dame in Deutsch etwas holperig und unbe­holfen. Wer damit klarkom­men kann, der mag sich gerne eine Vor­lesung geben lassen!
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Die verkommene Wahrheit unserer Zeit ist so relativ und dehnbar wie das Geschrei der Konzern-Massen-Medien daselbst. Erst der schräge Blick durch die Blindenbrille, in stockfinsterer Vollmondnacht, eröffnet darüber hinaus völlig ungeahnte Perspektiven für den Betrachter. Überzeichnung ist dabei nicht zwangsläufig eine Technik der Vertuschung, vielmehr ist es die Provokation gezielter Schmerzen, die stets dazu geeignet sind die trügerische Ruhe zugunsten eigener oder andersartiger Gedanken zu stören. Motto: „Lässt Du denken, oder denkst Du schon?“

6 Kommentare

  1. mit welchen Euros sollen denn die Importlän­der die Exportlän­der auf lange Sicht bezahlen ?
    Auch mit gutem Willen geht das in ein­er Währung­sunion nicht.
    Da kann man lamen­tieren solange man will.
    Das Tar­get kann nur reduziert wer­den wenn Deutsch­land mehr importiert als exportiert.

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