Planspiele zur Krankheitsreform — Praxisgebühr 1.000 Euro ab 2013

Planspiele zur Krankheitsreform - Praxisgebühr 1.000 Euro ab 2013Berlin-Gesund­brun­nen: Ein kon­spir­a­tives Tre­f­fen der gesund­heit­spoli­tis­chen Experten aller Block­parteien (CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne) endete mit ein­er ein­vernehm­lichen Über­raschung zur Reform des Gesund­heits­mark­tes ab 2013. Kern der Sanierungs­be­mühun­gen sollte sein, die kranken Kassen schneller gesun­den zu lassen, die Unternehmen weit­er zu ent­las­ten und dadurch das Volk sta­tis­tisch gesün­der zu machen. Mit dem neuer­lichen Entwurf wer­den die anvisierten Ziele bere­its im kom­menden Jahr voll­ständig umge­set­zt und sind damit nicht mehr von Bedeu­tung für den Wahlkampf. Hin­ter­grund war die bekla­genswerte ein­seit­ige Schlacht um etwaige Wäh­lergeschenke. Hier war noch von der Abschaf­fung der als Kopf­pauschale bekan­nten Gebühr die Rede, was somit abschließend vom Tisch ist.

Angeregt hat­te dies die Gesund­heitsmin­is­terin, die es für eine schlechte Idee hielt, die Krankheit und das per­sön­liche Leid der Men­schen zu einem Wahlkampfthe­ma zu machen. Aus Pietäts­grün­den müsse man so etwas schon aus­blenden, auch um den Wahlkampf nicht weit­er zu ide­ol­o­gisieren oder gar falsche Hoff­nun­gen bei den Men­schen zu weck­en. Die parteiüber­greifende Einigkeit in der Sache resul­tiere aus der Erken­nt­nis, dass die Parteien hier eine ähn­lich große Ver­ant­wor­tung trü­gen wie bei der Ret­tung der Banken durch ESM und Fiskalpakt, deren Trag­weite den Lesern hin­re­ichend bekan­nt sein dürfte. Rechts im Bild zu sehen, der Cock­tail der den Teil­nehmern zu Beginn der Tagung gere­icht wurde. Jet­zt aber ein erster Überblick über das was sich zu besagtem The­ma alles ändern soll:

Die Höhe der Prax­is­ge­bühr soll dem­nach 1.000 Euro betra­gen. Um nun allerd­ings keine Panik aufkom­men zu lassen, diese gilt dann nicht mehr vierteljährlich son­dern ist nur noch ein­mal jährlich beim ersten Arztbe­such zu entricht­en. Damit wollte man jenen Patien­ten-Füch­sen das Handw­erk leg­en, die sich der wieder­holten Gebühr zu entziehen gedacht­en, indem sie alle ihre Krankheit­en in einem Quar­tal bün­del­ten und so glaubten gün­stiger als andere davonkom­men zu kön­nen.

Die Ent­las­tung der kranken Kassen erfol­gt durch eine Anrech­nungspflicht dieser Gebühr auf die entste­hen­den Behand­lungskosten. Im gün­stig­sten Fall muss dann die Kasse gar nichts zahlen und bekommt vom Arzt das Über­schussguthaben noch über­wiesen. Dies auch unter dem Aspekt der Stärkung des Sol­i­dar­ität­sprinzips unter den Ver­sicherten. Dadurch kön­nten die Kassen endlich auch mehr Mit­tel bekom­men, die für Ver­wal­tungsneubaut­en und Boni der Geschäfts­führun­gen drin­gend benötigt weren, die nach der Zusam­men­le­gung einiger Kassen erforder­lich sind.

Eine Senkung der Arbeit­ge­ber­an­teile zur Kranken­ver­sicherung soll die Wirtschaft beleben. Das ewige The­ma der Lohn­nebenkosten und deren Senkung gilt als wichtiger Baustein für mehr Beschäf­ti­gung durch sig­nifikante Verbesserung der Ertragslage von Unternehmen. Selb­stver­ständlich sollte sein, das man die Beiträge für die Arbeit­nehmer nicht senken kann, der­lei Über­legun­gen wären mit Bezug auf drin­gend benötigtes Wirtschaftswach­s­tum kon­trapro­duk­tiv. Not­falls werde auch hier, ana­log zum ESM, die Sol­i­dar­ität der Bürg­er mit der Wirtschaft verord­net.

Der Rück­gang der Kranken­sta­tis­tiken ist allerd­ings eines der primären poli­tis­chen Ziele dieser Neuregelung. Man ist sich parteiüber­greifend einig, dass das Volk dadurch enorm gesun­den wird, wenig­stens sta­tis­tisch, denn unter diesen Voraus­set­zun­gen wird sich jed­er Ver­sicherte mehrfach über­legen ob er sich eine Krankheit über­haupt noch leis­ten kann.

Das „Sozialverträgliche Früh­ableben“ hinge­gen soll nicht beson­ders betont wer­den, hier set­zt man eher auf eine leise und stille Hin­führung der Men­schen auf dieses in Zukun­ft an Bedeu­tung gewin­nende The­ma. In jedem Falle wirke aber diese Neuregelung unter­stützend, wenn die Men­schen erst ein­mal erken­nen wür­den, dass sich ein Weit­er­leben unter der­ar­ti­gen Kostenkon­stel­la­tio­nen nicht wirk­lich mehr lohne. Dies müsse allerd­ings noch mit ein­er weit­eren Lib­er­al­isierung von Ster­be­hil­fen ein­herge­hen. Hier kommt die UN unser­er Regierung zu Hil­fe, denn der Begriff selb­st lan­dete schon vor Jahren auf Pos­i­tivliste dieser Insti­tu­tion, das soge­nan­nte „UN-Wort“ des Jahres. Deshalb dürfte auch die Akzep­tanz gegeben sein.

Rechts zeigen wir den Auss­chnitt ein­er Bun­destags­de­bat­te, die dem beschriebe­nen über­parteilichen Tre­f­fen vor­ange­gan­gen ist und wohl aus diesem Grund als Geburtsstunde dieser neuer­lichen Krankheit­sre­form zu gel­ten hat. Etwaige Kri­tik­er dieser Ver­anstal­tung durften auch nach „Gesund­brun­nen“ kom­men, allerd­ings dem in Bautzen.

Die gesamte Nov­el­le muss man auch unter dem Aspekt sehen, dass der Staat nur über die Arbeit sein­er Bürg­er gewin­nen kann. Die notlei­dende Wirtschaft und das Kap­i­tal hinge­gen müssen weit­er­hin stark ent­lastet wer­den, weil wir wis­sen, dass hier das Rück­grat der Nation zu suchen ist. Die Ver­mö­gens­bil­dung kön­nte ins Stock­en ger­at­en und Deutsch­land würde so als­bald weltweit abge­hängt wer­den. Ins­beson­dere die schwächel­nden und kränkel­nden Men­schen im Lande wer­den umfassend Ver­ständ­nis dafür auf­brin­gen, dass die Gesund­heit der Wirtschaft in jedem Falle Vor­rang haben muss, wis­sen sie doch selb­st nur zu gut um das Leid welch­es Krankheit bringt.

Bes­timmt kon­nten wir in diesem kurzen Beitrag nicht alle Vorzüge dieser beab­sichtigten Neuregelung hin­re­ichend beleucht­en, denn die Liste ließe sich noch um unzäh­lige Punk­te ver­längern. Uns ist nur noch ein son­der­bar­er Umstand dieser parteiüber­greifend­en Klausurta­gung zu Ohren gekom­men. Dem­nach wurde die Ver­anstal­tung von ein­er Inter­es­sen­gruppe gespon­sert die viel mit Arbeit­ge­bern und Phar­main­dus­trie zu tun hat. Die Losung der Ver­anstal­tung lautete übri­gens: „Leben muss sich wieder lohnen“, ein schönes Mot­to, nicht wahr. All das muss sich ja auch nicht neg­a­tiv auf diese dur­chaus wichtige Neuerung auswirken. Sollte die Umset­zung der hier skizzierten Reform nicht in 2013 stat­tfind­en, dann kön­nte es nur daran liegen, dass dieser Bericht einige der Entschei­dungsträger und Befür­worter ver­schreckt haben möchte, das täte uns dann nicht wirk­lich Leid.

Bild: Wiki­me­dia | Autor: Pöl­lö | Lizenz: CC-BY-SA 3.0 unport­ed | Bear­beitung qpress.de

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Die verkommene Wahrheit unserer Zeit ist so relativ und dehnbar wie das Geschrei der Konzern-Massen-Medien daselbst. Erst der schräge Blick durch die Blindenbrille, in stockfinsterer Vollmondnacht, eröffnet darüber hinaus völlig ungeahnte Perspektiven für den Betrachter. Überzeichnung ist dabei nicht zwangsläufig eine Technik der Vertuschung, vielmehr ist es die Provokation gezielter Schmerzen, die stets dazu geeignet sind die trügerische Ruhe zugunsten eigener oder andersartiger Gedanken zu stören. Motto: „Lässt Du denken, oder denkst Du schon?“

2 Kommentare

  1. Hier wird ständig von “Wir” geschreipt.
    Das sagen “Die” im TV bei Inter­vjus auch immer wieder.
    Wenn Ich da mal hin­terkom­men täte, wer hier “Wirr” ist und was das zu bedeuten haben Tut, äh. — Aber dann…

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