Die Schildbürger, faule Jugend, fleißige Rentner und Piraten

Schildau: Der Legende nach waren es die Bewohner von Schildau, einem verträumten Örtchen im Herzen des einstigen Groß-Deutschland, die legendären Schildbürger, die für alle Probleme auch total passende Lösungen entwickelten und genau dafür zur Berühmtheit gelangten. Zwischendurch brachten sie es gar zur Blüte, im einstigen „Dunkeldeutschland“, aber auch die Mauer hielt nicht und so konnten sie dank der Banane heim ins Reich gelockt werden. Egal was sie anpackten, immer ging irgend etwas grandios daneben, was natürlich nie etwas an der Genialität ihrer Lösungen änderte.

Aber keine Sorge diese Tradition ist in Deutschland ungebrochen und auch das Intermezzo mit der einstigen DDR konnte diesen Trend nicht brechen. Um Schamhaaresbreite nur wäre ihre Interimslösung, die DDR, gar als „Deutsch Deutsches Rentnerparadies“ verwirklicht worden und so in die ruhmreiche Geschichte ihrer Heldentaten eingegangen. Die Schildbürger sind dank ihrer Gewitztheit immer noch an der Macht und wir können ihre neckischen Weisheiten in vielen Bereichen des täglichen Lebens hautnah miterleben.

Die Schildbürger, faule Jugend, fleißige Rentner und PiratenIm Bild zu sehen, der Nachbau des Rathauses von Schildau aus dem Jahre 1841, nach überlieferten Vorstellungen aus dem 16. Jahrhundert, hier allerdings schon sehr weitsichtig optimiert, denn man hat über dem Portal bei der Beschriftung bereits Platz gelassen für lichtbringende Neuerungen, die vermutlich erst im 21. Jahrhundert erfunden werden sollten.

Diesmal freilich schwingen sie sich auf, ein deutsch-europäisches, wenn nicht gar Welt-Problem grundlegend zu lösen und siehe da, es gebricht nicht an der uns vertrauten schildbürgerlichen Logik, die unverwechselbaren Glanzleistungen helfen uns auch heute bei der dramatischen Frage nach Arbeit und Wohlergehen der Gemeinheit. Aber kommen wir zu den Fakten, denn aktuell geht es um Ausbildung, Rente, Lebensarbeitszeit und Wohlstand.

Folgende Dinge sind amtsbekannt und scheinbar unabänderliche Faktoren die den Kern der Herausforderung bilden: Die Menschen werden mehr, inzwischen 7 Milliarden auf diesem Planten. Dazu werden sie auch älter als dies noch in vorherigen Generationen der Fall war. Die Arbeit wird dank Automation immer weniger. Man spricht hier von einem „Segen für die Menschheit“, dazu weiter unten noch Näheres. Dann gibt es da noch Schlagworte wie Globalisierung und Wettbewerb, die für eine passende Lösung auch nicht außer Acht gelassen werden dürfen.

Was konnten die Schildbürger schon beitragen

Die Schildbürger haben wie immer einfach aber genial gerechnet. Wenn die Menschheit zunimmt, die Arbeit dank Automation weniger wird und sich auch die Arbeitnehmer erst viel zu spät wegen der gestiegenen Lebenszeit von diesem Planeten verabschieden, kann die Rechnung nur wie folgt funktionieren: Die Menschen müssen zunächst für weniger Lohn arbeiten, weil sie sich doch die verbleibende Arbeit mit den anderen teilen müssen, aber für die Arbeit nicht mehr aufgewendet werden kann. Mit dieser Form der Berechnung bleibt dann die Sache mathematisch gerecht. Weil sie aber nun weniger Ertrag pro Kopf abliefern, müssen sie zum Ausgleich dafür sogleich erheblich länger arbeiten, damit die Nettoausbeute pro Stück Mensch wieder auf ein wirtschaftlich auskömmliches Maß steigen kann.

Da der Mensch nach heutigen Doktrin keinen anderen Zweck hat, um als modernes Nutzvieh einen maximalen Profit zu erarbeiten, muss jetzt die Geschichte mit der dramatischen Verlängerung der Lebensarbeitszeit beantwortet werden. Eine Verrechnung oder ein Ausgleich zu den günstigeren automatisierten Produktionsmethoden muss ausbleiben, weil der Mensch ja sonst nicht mehr gegen die Automaten antreten müsste, dann würde er endgültig der Faulheit anheimfallen. Dies wiederum kann nicht im Sinne der Edelmenschen sein, die eben über diese Automaten verfügen und dieser zu ihrer eigenen Wohlfahrt dringend bedürftig sind.

Parallel dazu haben die Schildbürger erkannt, dass auch bei der Kürzung der Schulzeiten noch zweifaches Potential vorhanden ist. Einerseits um auch von diesem Ende her eine optimierte Lebensarbeitszeit generieren zu können, sie also früher ins Hamsterrad zu stecken. Andererseits korrespondiert dies mit notwendigen Einsparungen im Bildungsbereich, die auch deshalb geboten sind, weil künftig bei prekären Beschäftigungen nicht mehr das Maß an Allgemeinwissen und Bildung erforderlich ist, welches man noch vor der großen Automatisierung brauchte um anständige Ergebnisse zu erzielen. Gut ausgebildete Fachleute kauft man heute übrigens viel günstiger im Ausland ein, weil dort die Ausbildungen noch billiger sind. Wir sehen, die Optimierung ist noch lange nicht ausgereizt.

Interessante Nebeneffekte dieses Schildbürgertums

Die so beschlossenen Maßnahmen sind genial und lassen sich wirklich rechnen. Ein Quercheck zur aktuellen Faktenlage. Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien liegt so bei rund 50%, wenn wir es geschönt haben wollen, dann verstecken wir es hinter einer spanischen Arbeitslosenquote von nur rund 25% und damit es richtig gut aussieht reden wir in Europa von einer Gesamtarbeitslosigkeit von sagen wir mal 10 Prozent.

Die harten Vorteile liegen darin, dass die jugendlichen Arbeitslosen so gut wie nix kosten, weil die nach der Muttermilch noch keinen Anspruch auf irgendwas erworben haben. Will sagen, der jugendliche Faule, also der auf Halde liegende Nachschub, ist günstiger in der Warteposition. Wohingegen jeder alte Sack, der ein paar Jahrzehnte geschuftet hat, eine beträchtliche Lücke ins schöne Geldsäckel der Rentenkassen reißen würde. Dank der Verlängerung der Lebensarbeitszeit, kann dieser aber jetzt nicht mehr so früh der Nichtsnutzigkeit anheim fallen. Mit ein wenig Glück verstirbt er sogar noch vor dem novellierten Renten-Eintrittsalter und ist damit besonders wirtschaftlich. Ergo ist es für den Staat, zu dessen sterblichen Überresten wir ja auch in Summe zählen, ein feiner Segen.

Der Segen für die Menschheit

In diesen schildbürgerlichen Erkenntnissen und daraus resultierende Beschlüssen liegt nun auch der Segen für die Menschheit, allerdings müssen wir in diesem speziellen Fall die Menschheit etwas anders fassen. Hierzu unsere Relativierungstheorie: Nach neueren Definitionen passen abhängig Beschäftigte nicht wirklich mehr in dieses Beschreibungsraster des Menschenbildes. Als Menschheit kann sich der verstehen, der dank seines brüderlichen Nutzviehs ein unabhängiges, eigenständiges Leben in Freiheit und Wohlstand führen kann, also Herr der Dinge ist, was man von einem Durchschnittsbürger in keiner Weise behaupten kann.

Segen auch deshalb, weil das einzige Lebenselixier, welches heute noch allgemein anerkannt ist, offenbar nur noch das Geld ist. Andere Ideale, man spricht hier auch von weichen Werten, haben in einer modernen Leistungsgesellschaft rein gar keine Bedeutung mehr, außer als Alibifunktion, damit der „sogenannte Mensch“ das Programm dieser Schildbürger nicht rafft. Ach ja, man braucht die weichen Werte natürlich noch um die Leute in die Kriege motivieren zu können, um auch dort zu ihrer Selbstdezimierung beitragen zu können. Dafür sind sie unverzichtbar: Der Frieden, die Freiheit, die Demokratie, und das Recht. Ein weiterer Segen für die wahren Menschen ist diese Staatsform und das wirklich menschliche an ihr ist die Demokratie, in der sich das Stimm-/Nutzvieh noch den Metzger selbst erwählen darf, allerdings auch nur aus einer Liste von Metzgern die sehr wohl von den wahren Menschen anerkannt und gut beaufsichtigt wird.

Was nur hätte der dumme Rest der Nation gemacht

Hätten wir diese schlauen Schildbürger nicht mit ihren genialen Ideen, dann hätte sich das blöde Volk womöglich dazu entschlossen, angesichts der geschilderten Problematik, die Ausbildung der Jugend nochmals erheblich auszuweiten und zu intensivieren, die Lebensarbeitszeit weiter zu verkürzen, um die verbleibende Arbeit gerecht zu verteilen und damit auch für hohe Löhne gesorgt. Auf diese Art gar unseren schlauen Schildbürgern noch ein Schnippchen geschlagen. Ein grausame Vorstellung für die wahren Menschen, würde dies doch eine Minderung ihrer Wohlfahrt bedeuten. Ergo haben wir jetzt alle was wir verdienen, die Mehrheit der Menschen die Not, die Wenigen das Brot.

Jetzt kommen aber immer mehr aus der Masse auf die fixe Idee, dass sie diese edle Form der Gerechtigkeit und des Schildbürgertums gar nicht so toll finden. Womöglich auch die Rechnereien zum Thema einen Pferdefuß haben könnten, vielleicht doch die Ziele irgendwie falsch erkannt und benannt sind. Das dumme Volk mag so rein gar nicht mehr mit diesen Schildbürgern gehen, obgleich es sich noch gar nicht totgelacht hat. Wundert sich was die Herrschaft so im Schilde führt. Und nun drohen auch noch die Piraten mit dem Bürgergeld säckeweise Licht ins Dunkel der Rathaussäle zu tragen … ein Sakrileg, ein direkter Angriff auf das Schildbürgertum und die denkende Elite. Sollten etwa die bösen Piraten am Ende den guten Schildbürgern den Garaus machen, indem sie die Rechnung nochmals so richtig auf den Kopf stellen und das „U“ (wie untauglich) wieder umformen und als „X“ in der Urne zu ihren Gunsten verschwinden lassen?

Die Schildbürger, faule Jugend, fleißige Rentner und Piraten
8 Stimmen, 4.88 durchschnittliche Bewertung (97% Ergebnis)
Über WiKa 1482 Artikel
Die verkommene Wahrheit unserer Zeit ist so relativ und dehnbar wie das Geschrei der Konzern-Massen-Medien daselbst. Erst der schräge Blick durch die Blindenbrille, in stockfinsterer Vollmondnacht, eröffnet darüber hinaus völlig ungeahnte Perspektiven für den Betrachter. Überzeichnung ist dabei nicht zwangsläufig eine Technik der Vertuschung, vielmehr ist es die Provokation gezielter Schmerzen, die stets dazu geeignet sind die trügerische Ruhe zugunsten eigener oder andersartiger Gedanken zu stören. Motto: „Lässt Du noch denken oder denkst Du schon selbst?“

18 Kommentare

  1. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

    Schild- AU
    Vielleicht beträgt die Wartezeit für einen Termin zum Augenarzt ja deshalb ca. 10 Wochen.
    Hm,hm,hm

  2. Wird ganz Europa bald ein einziges Groß-Schilda???
    Unsere Polit-Schilda-teska bewaffnet sich Europa-weit mit neuen Gauck-lern.
    Und auch die Schweiz verROT zusehends.

    http://www.goldseitenblog.com/peter_boehringer/index.php/2012/04/18/gauck-versagt-vor-volk-amt-demokratie-un
    Ein Leser-Kommentar
    Hallo aus der Schweiz
    Bei uns in der Schweiz haben wir fast dieselbe Situation! Stärkste Kraft sind die Konservativen; wenn man jedoch in die Regierung schaut, sitzen da nur Linke (bzw. Opportunisten). Ob christlich sozial, Grün oder FDP es machen alle dasselbe und rechnen sich schöne Posten später Mal in der EU oder UNO aus! Politik für Volk wird auch hier nicht mehr so einfach gemacht! Es wird wohl abgestimmt – aber falls nicht gerade zwingendes Völkerrecht verletzt wird, werden die Abstimmungen von den Linken in der Regierung nicht umgesetzt!

    In der CH war denen die mit offenen Augen durch die Welt gehen, sofort klar, dass gegen Wulff ein Schmierentheater aufgeführt wurde, weil er den ESM egal in welcher Form nicht ratifizieren wollte! Jetzt habt ihr einen gekauften Altrevoluzzer, der nur eine Maske trug, damit er nicht auch mit SED und Stasi in Verbindung gebracht werden konnte. Deutschland kann einem nur leidtun! So wie es aussieht, wird das alles in einem Bürgerkrieg enden… Aber es sind noch zu viele gehirngewaschene Leute da draußen, die es erst verstehen, wenn sie im Laden nichts mehr zu fressen kaufen können!
    18.04.12 @ 16:26

  3. Jetzt gegen den ESM unterzeichnen!

    http://www.stop-esm.org

    Zeitweilig sensationelle 2.000 Unterzeichnungen am Tag, inzwischen rund 1.200, Tendenz stabil. Prominente Unterstützer –

    Bitte verbreiten Sie den Link weiter, rufen Sie Freunde und Bekannte auf, Posten Sie in gutbesuchte Kommentarspalten, greifen Sie zu Twitter; Facebook und sozialen Netzwerken.

  4. Ach ne….
    So ein Mist!

    Ich weiss jetzt nicht, ob der Joghurt gestern Mittag Links-oder Rechtsdrehend war.

    Was soll ich nun tun?
    Sicherheitshalber entscheide ich mich mal fürs Kreislaufen.

    Guten Morgen….

  5. Die genialen Rechenkünste der Schildbürger wurden von ihren Anglo-amerikanischen Nachfahren, den Bush-Idos, noch verfeinert und ergänzt. Um der betriebswirtschaftlichen Sorge, älteres Sklavenvieh könnte wertvolle Ressourcen(Geld) verbrauchen, entgegenzuwirken, saugte man sich ein auf Wertpapier basierendes Versicherungssystem aus den klugen Fingern. In geistig erschöpfender Think-Tank-Manier, langanhaltender moralischer Unterbewirtschaftung, kam man schließlich auf eine bahnbrechende Idee! Jeder Tretmühlenbesitzer solle einfach eine Lebensversicherung auf sein leibeigenes Sklaveninventar abschließen, ohne das der Auszusaugende davon erfahren sollte. Dies hatte 2 sehr gute Gründe. 1. Das kleingedruckte würde der Untermensch eh nicht verstehen und 2. warum sollte er von etwas in Kenntnis gesetzt werden von dem er eh nichts hat. Und so wurde es betriebswirtschaftlich vernünftig umgesetzt.

    Ebenfalls hatte man damit 3 wirtschaftlich zum Vorteil gereichte Dinge mit einer Klappe geschlagen. Die Tretmühlenbesitzer wurden nach ableben des Subjekt´s dafür belohnt ihn überhaupt an seinem Werktor Einlass gewährt zu haben, die Meister des Druckerpapier´s und der Druckerfarbe hatten wieder Spielmittel die sie gegen einen Zins in die Welt werfen konnten und der am meisten durch zu lange faul rumsitzen geschädigte Staat, konnte Steuern auf die verliehenen bunten Zettel erheben.

    Und so werden auch die Schildbürger festgestellt haben, man lernt doch nicht aus.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*