Euro-Gruppen-Chef knackt den Banken-Mythos, Bank-Kunden werden Bankster

Dijsselbloem

Holland in Not: Das ist mal eine Ansage, was der Euro-Gruppen-Chef und niederländische Finanzkasper Jeroen Dijsselbloem da von sich gelassen hat. Er stellt die Banken-Landschaft an einem Nachmittag komplett auf den Kopf, der Euro macht sogleich einen Abflug und der DAX und ähnlich empfindliche Index-Tierchen verkriechen sich in ihre Höhlen. Das war einfach keine schöne Nachricht für den Geldadel. Wirklich nicht? Oder vielleicht doch alles nur ein großes Bange machen, Säbelrasseln oder ein wenig Punkte machen um den harten Hund zu markieren? Das Großkapital muss sich mit Bestimmtheit keine Sorgen machen, denn hier geht es immer noch darum der Unter- und Mittelschicht das Fell über die Ohren zu ziehen, niemandem sonst.

Der Zypern Sündenfall als Blaupause für künftige Bankrasuren

Zypern sollte ein Einzelfall bleiben, wegen der besonderen Umstände. Nur welches Land hat nicht jeweils besondere Umstände zu bieten. Da hatte der Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem die glorreiche Idee, auch bei künftigen Krisenfällen Bankkunden und -aktionäre mittels Totalrasur an der Rettung zu beteiligen! Wessen Rettung eigentlich, wenn nichts nennenswertes dabei übrig bleibt? Ob die korrigierenden Ruderbewegungen im Nachgang zu seiner Kursbestimmung tatsächlich noch etwas bewegen werden, das sei dahingestellt.

Was bedeutet seine Aussage konkret

Die zweitgrößte Bank der Insel wird abgewickelt und deren Überreste mit der größten Bank zusammengelegt. Das Sakrileg und die einschneidende Besonderheit: Vermögen von mehr als 100.000 Euro werden zur Sanierung des Finanzsektors herangezogen, den Besitzern drohen nicht nur hohe Verluste, im ungünstigsten Fall der Verlust von allem was den genannten Betrag überschreitet. Da gibt es dann offensichtlich keine Quote mehr. Sind die „geschützten“ Kunden bis 100.000 Euro erst einmal auf die andere Bank transferiert, soll der gesamte Rest der abzuwickelnden Bank in die Konkursmasse einfließen. Ist dann bei der Verrechnung die Sollseite größer als die Habenseite, dann ist schlicht alles weg und der Kunde bekommt eine satte Null mitgeteilt … Totalausfall.

Zum ersten Mal seit Ausbruch der Finanzkrise in Euro-Land müssen bei der Rettung des Bankensektors in Zypern damit auch Gläubiger und Kunden der Institute derartige Verluste hinnehmen. Für Dijsselbloem angeblich ein Modell für die Zukunft. Er hält das Vorgehen auf Zypern für einen Wendepunkt im Kampf gegen die Schulden- und Bankenkrise im Währungsraum. Kommen Institute künftig in eine entsprechende Schieflage, ist die Hilfe der Euro-Partner nicht mehr automatisch garantiert. So seine Einlassungen in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Stattdessen sollen dann Aktionäre, Gläubiger und Kunden der Institute ihren Teil beitragen.

In diesem konkreten Fall bedeutet das sogar noch, entgegen aller Ankündigungen, dass auch die Rentenfonds durch die Hintertür noch Schaden leiden könnten, die an sich bei der Rasur außen vor bleiben sollten. Aber so viel halt zu der Werthaltigkeit der Aussagen unserer EU-Politiker in dieser Sache. Diese Statements gehen von ihrer Werthaltigkeit kaum einen anderen Weg als so manche Pleitebank.

Nach dem vorherigen Gezänk über die 100.000 Euro Grenze, darf man auch diese trügerische Demarkationslinie nicht unbedingt als unantastbar betrachten. Die ersten Entwürfe zu Zypern legten da schon sehr viel ehrlicher die tatsächlichen Begehrlichkeiten offen an den Tag, wen die Herrschaften aus Brüssel am Ende doch auch gern noch barbiert hätten. Nur geht das politisch im Moment noch nicht ohne gleich den Riesenkrach in Europa zu provozieren. Die Ziellinie wurde aber damit schon einmal deutlich sichtbar.

Die Kunden werden jetzt zu Bankern

Mit diesem Novum zum Euro bleibt den Kunden jetzt gar nichts anderes übrig als selber Banker zu werden. Wann immer der Kunde einer Bank Geld zu leihen gedenkt, sollte er sich zunächst die Bilanzen der betreffenden Bank vorlegen lassen. Diese dann von einem unabhängigen Prüfer durchsehen lassen und bestens noch dessen Haftpflichtversicherung dazu einholen.

Weitergehend muss er mit der betreffenden Bank über Bürgschaften anderer Banken verhandeln, die im Falle des Ausfalls der genannten Bank für diese Einspringen können. Selbstverständlich ist in diesem Fall auch die Bonität der bürgenden Bank noch zu überprüfen. Schließlich akzeptiert ja auch die Bank für einen Kredit keinen Hartz IV Empfänger als Bürgen. Auch sollte der Kunde über direkte Verpfändungen Nachdenken. Beispielsweise an Edelmetallreserven der Bank, wie Gold, Silber, Platin und andere verkehrsfähige Werte dieser Art.

Natürlich käme auch die Eintragung handfester Grundpfandrechte an rangbereiter Stelle an den Liegenschaften der Bank noch in Frage. Bestens sie belasten die nächst gelegene Filiale damit. Sie können dann jederzeit im Vorbeifahren sehen ob die Immobilie noch in Ordnung ist und die Bank diese auch richtig pflegt um den Wert zu erhalten. In keinem Fall sollten sie sich mit guten Beteuerungen und frommen Sprüchen bezüglich ihres Sicherheitenanspruchs für ihren Kredit abwimmeln lassen. Auch auf das Angebot irgendwelcher windigen Derivate sollten sie tunlichst verzichten. Bestehen sie auf realen Sicherheiten.

Rate-Agenturen und die Großen

Noch ein weiterer Tipp. Verlassen sie sich nicht auf die Rate-Agenturen, denn diese arbeiten nachweislich sehr eng mit den Banken zusammen. Sind in vielen Fällen sogar abhängig von deren Aufträgen und damit möglicherweise nicht frei von Eigeninteressen. Sie müssen das Rating der betreffenden Bank schon selber durchführen, wie es die großen institutionellen Anleger im Bedarfsfall auch „inhouse“ machen.

Letzteres wird auch der Grund dafür sein, dass das ganz große Geld selbst in dieser neuen Konstellation, nach diesen tollen Dijsselbloem’schen Doktrin, ganz zuletzt barbiert wird, wenn überhaupt. Die Großen sorgen schon dafür, dass man die kleinen Banken mit den kleineren Anlegern auszieht und damit die größten Geldhäuser noch füttern wird. Dafür sind sich die Banken untereinander fein(d) genug, wenn es ums fressen und gefressen werden geht.

Der Schluss-Akkord

Sie sollten unsere Ratschläge bezüglich der Kreditvergabe an Banken ernst nehmen, auch wenn sie nur über Beträge unterhalb 100.000 Euro verfügen. Notfalls werten sie nochmals die Aussagen des Euro-Gruppen-Chefs für sich persönlich aus. Wenn ihnen ihre Kohle lieb und wichtig ist, dann müssen sie entsprechend vorsorgen und die Bank bezüglich der Sicherheiten in die Zange nehmen. Wollen sie derartige Konflikte vermeiden, dann parken sie die Kohle unterm Kopfkissen, dort ist sie nach diesen Kursänderungen in jedem Falle erheblich sicherer als in einer kleinen unsoliden Bank mit ungewisser Sicherheitenlage. Dies bezieht sich auf die Verfügbarkeit und auch auf Enteignungsmöglichkeiten. Hinsichtlich des Inflationsrisikos ist es gleichbedeutend.

Was glauben sie wohl was passiert wäre, hätte die EU zum Schutz der Menschen auf die desolate Lage der betroffenen zyprischen Bank hingewiesen. Richtig, sie tat es nicht und ließ die Kunden ins Messer laufen, weil dies mehr einbringt als Verbraucherschutz. Der EU in Sachen Geld zu vertrauen ist um ein vielfaches risikobehafteter und fahrlässiger als der herkömmliche Glaube an den einen Gott. In der letztgenannten Konstellation wissen sie jedenfalls von vornherein, dass sie selbst an ihrem Leid schuld sind, auch wenn sie gebetet und gespendet haben.

Darüber hinaus müssen sie auch noch handeln bevor sich die Banken entsprechende gesetzliche Grundlagen für die Beschränkung von Auszahlungen verpassen lassen, die ihren Anspruch auf Rückzahlung ebenso vereiteln könnten wenn es brennt. Meistens sind diese Bestimmungen aber schon längst vorhanden. Die zentrale „Kreditfrage“ ist und bleibt allerdings die Bonität der betreffenden Bank, die um ihr Geld nachsucht. Damit sind auch sie, sofern sie noch Knete haben, dank Dijsselbloem und seiner neuen Geldmarkt-Ordnungsvorstellung über Nacht zum Banker geworden. Gratulation! Andere Menschen müssen dafür mehrere Jahre in die Lehre gehen, ihnen ist dieser Titel quasi per 25.3.2013 hinterher geworfen worden.

Euro-Gruppen-Chef knackt den Banken-Mythos, Bank-Kunden werden Bankster
17 Stimmen, 5.00 durchschnittliche Bewertung (99% Ergebnis)
Über WiKa 1169 Artikel
Die verkommene Wahrheit unserer Zeit ist so relativ und dehnbar wie das Geschrei der Massen-Medien selbst. Erst der schräge Blick durch die Blindenbrille, in stockfinsterer Vollmondnacht, eröffnet darüber hinaus völlig ungeahnte Perspektiven. Überzeichnung ist dabei nicht zwangsläufig eine Technik der Vertuschung, vielmehr ist es die Provokation gezielter Schmerzen, die stets dazu geeignet sind die trügerische Ruhe zugunsten eigener oder andersartiger Gedanken zu stören.
Kontakt: Webseite

12 Kommentare zu Euro-Gruppen-Chef knackt den Banken-Mythos, Bank-Kunden werden Bankster

  1. Irgendwann kommt für die Masse der Peak-Verblödung.
    Spätestens wenn die Verbrecher vom Gemeindebürgermeister/Filialleiter der Dorfsparkasse bis hinauf zum Reichstag/Bundesbank ihnen das Tauschmittel Geld zerstört haben so das kein Brot mehr zu erwerben ist.

    Hunger hat in der Historie die Zustände beseitigt, welche die Obrigkeit zu bewahren suchte um ein nichtsnutziges bequemes Leben führen zu können.

  2. So ist das nunmal, wenn sich die Abwertungs- und Enteignungswelle dank Hebelgesetzmäßigkeit zu einem Tsunami entwickelt. Wenn die Leutz es mit sich machen lassen ….

    • es geht nicht mehr darum was wer mit sich machen lässt! denkst du wirklich die sehen tatenlos zu? wens sein muss kommt halt die EU Polizei und verhaftet jeden wegen irgendwas nachdem sie alle niedergeknüppelt wurden.

  3. Tja, die moderne Mauer und Sklaverei…Der Sklave bekommt soviel,dass er sich weiter bereit zur Arbeit halten kann.Reisen ist nicht mehr möglich,mangels Kohle.Das mit dem Internet werden wirr auch noch hinbekommen….

  4. “Wann immer der Kunde einer Bank Geld zu leihen gedenkt, sollte er sich zunächst die Bilanzen der betreffenden Bank vorlegen lassen.”
    Ist das nicht vielleicht die Quintessense des Ganzen?
    Bitte lesen sie die Packungsbeilage oder Fragen sie ihre Moral und ihr Gewissen?
    Bei 2-5% EK (fraktional) der Banken muss jedem Kunden das Grausen kommen, und er sollte analog zum Lesen den “Zutaten” bei Nahrungsmittel das entsprechende Produkt wieder ins Regal legen.

  5. Kapital macht rüber: 26-03-2013
    Die Russen und Briten sind raus aus Zypern
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/03/26/kapital-macht-rueber-die-russen-sind-raus-aus-zypern/
    Sowohl die griechische Laiki-Bank als auch die Bank of Cyprus unterhalten Filialen in London. Über London war es die ganze Zeit möglich, Geld-Transfers durchzuführen. Es gab bei den Banken in London keine Limits für Überweisungen.
    Hinter den Kulissen dürfte es wohl Absprachen zwischen Brüssel und Moskau gegeben haben, dass die wichtigsten Oligarchen und Unternehmer ungeschoren bleiben. Daher lenkte Moskau am Montag auch ein und sagte volle Kooperation mit der EU beim (organisierten Bank-Raub) bei der Restrukturierung der Banken in Zypern zu.
    Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble räumte ein, dass es wohl eine kleine Kapitalflucht gegeben habe. Diese werde jedoch nun mit Entschlossenheit und größter Ernsthaftigkeit von der EZB untersucht. Summen, wie viel Geld verschwunden ist, wollte Schäuble nicht nennen.

  6. Professor Hankel war der erste, der vor dem Euro gewarnt hat. Noch heute seh ich ihn vor mir, als er in den 20:00 Uhr-Nachrichten ganz eindringlich vor dem Euro gewarnt hat. Alle anderen waren damals voller Euphorie. Selbst die Gewerkschaften waren damit einverstanden.

  7. Für mich stellt sich folgende Frage:
    Wieso hat denn damals das Bundesverfassungsgericht die Klagen der 5 weltweit anerkannten Professoren, allen voran Prof. Hankel, gegen die Euroeinführung abgegeschmettert ? War das ein Urteil “im Namen des Volkes”, “im Namen der Politiker” oder “im Namen der Mafia”?
    Mit den “wissenschaftlichen Erkenntnissen” der Kläger war es mit Sicherheit nicht zu vereinbaren.
    Wie kann es denn sein, daß in einem Rechtsstaat das höchste Gericht ein Urteil fällt, das die Stabilität des weltweiten Währungssystems gefährtet
    Das Bundesverfassungsgericht hätte doch zumindest eine Nachbesserung der völlig hirnrissigen EU-Verträge fordern können.

    • Nun, man sollte nicht meinen, dass die sogenannten „Verfassungsrichter” tatsächlich ideologiebefreit wären, was sie der Form nach sein sollten. Dagegen spricht die Vielzahl der Parteibücher in ihren Taschen und der Umstand, dass sie nur über die Parteien dorthin, also in Amt und Würden gelangen. Vielleicht erklärt das diese kleine Diskrepanz.

  8. Verdammt und zugenäht! Statt Spaltung der Nationen und Gegeneinander, wann kommt das menschliche Miteinander gegen EU-Wahn-Moloch? Es reicht, es ist genug, eine Sekunde vor ‘high noon’ oder auch schon zu spät?

    Nun, dort, wo nichts mehr an Geld zu holen ist, bleibt nur noch das Leben zu verlieren. Irgendwann kommt das ja sowieso.

    Also stets mit aller Ruhe und keine Panik, die lediglich Angst, Beklemmung und Schock-Starre verursacht.

    Seit der EWG (Der Begriff sagt ja schon Alles: Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft oder -Gesell(en)schaft) war derartig Menschenverachtendes innerhalb so kurzer Zeitspanne kaum zu erwarten, oder?!

    Die Salami-Taktik der Globalisierung, schleichend, jedoch planmäßig macht ‘weiter so’! Und die Menschen, die noch erwerbstätig sein dürfen, malochen bis zum Umfallen. Mit Maschinensteuer und genereller 35-Stunden-Woche ab Anfang der 70er des letzten Jahrhunderts wäre das kaum passiert, oder?!

    Hinzu kommt die Teilzeit-Arbeit. Wer nur halbtags, also vier Stunden tätig ist, der arbeitet effektiver als in Vollzeit bei acht Stunden. Das wissen auch die, welche die zur Fertigung von Produkten passende Maschinen zur Verfügung stellenden arbeitgebenden Arbeitnehmenden. Kack drauf!

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Euro-Gruppen-Chef knackt den Banken-Mythos, Bank-Kunden werden Bankster | Heinrichplatz TV

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*