Rentnerklappe

BRDigung: Wir haben da mal wieder was geniales aus Deutsch-Absurdistan zu bieten. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass die Debatte bezüglich der Lösungen rund um das Thema Altersarmut bereits voll entflammt ist. Meist endet die Auseinandersetzung immer mit der nüchternen Feststellung, dass für die Alten einfach kein Geld da ist. Noch schwieriger wird es dann, wenn die Alten gebrechlich werden und zu sogenannten Pflegefällen mutieren, dann zeigt sich mit einem Mal die ganze Nation völlig hilf- und ratlos und von ihrer besten Seite. Das viele gute Geld kann man doch nicht für einen solchen Unfug ausgeben, wird es doch zur Wohlfahrt von Banken und die Rettung ganzer Nationen noch viel dringender benötigt.

In diesem Kontext haben sich längst so schöne neue Begriffe, wie beispielsweise Rentnerschwemme oder Altenplage, bestens etabliert. Die genannte Klientel stellt auch bis zu einem gewissen Zeitpunkt keinerlei Problem da, solange die Rente der Betroffenen noch ausreicht sie abseits des Blickfeldes still und leise zu Tode zu pflegen. Wehe aber das Konto ist leer, dann mutieren sie zur echten Plage, wenn sie sich nicht mehr selber helfen können. Natürlich hat es schon mehrfach Ansätze gegeben das Problem zu beheben.

Bisher gescheiterte Konzepte

Lange Zeit war die Rentnerklappe im Gespräch, das Pendant zur Babyklappe. Eine Einrichtung in der man anonym seine (un)lieben Alten entsorgen konnte. Wir haben noch eines der seltenen Hinweisschilder auf eine dieser wenigen Versuchseinrichtungen in unserem Archiv finden können (siehe Bild). Heute sind diese Schilder schon wieder gänzlich verschwunden, das Modell gilt als gescheitert, weil die meisten Alten nach Einwurf in die Klappe dort einfach vermodert sind, waren doch die Einwürfe zu selten, es kam einfach der Betrieb nicht richtig in Gang.

Das Sozialverträgliche Frühableben hingegen wird schon noch diskutiert, hat sich aber auch noch nicht flächendeckend durchsetzen können. Oftmals scheitert es schlicht am hartnäckigen Widerstand der Alten. Die sind oftmals viel zäher als man im ersten Moment vermuten möchte, just in dem Augenblick, in dem es darum geht das Leben einfach loszulassen. Auch der Umstand, dieses Thema zur einer olympischen Disziplin zu machen, hat noch keine nennenswerten Erfolge zeitigen können.

Alten- und Seniorenheime sind einfach zu teuer und deshalb die schlechteste Lösung unter den bisher diskutierten. Hinzu kommt die oftmals mäßige Qualität dieser Pflegeeinrichtungen. Sind die doch viel zu häufig in den Medien wegen der dort herrschenden unhaltbaren Zustände. Da müssen ja die Alten förmlich Angst davor bekommen wenn man sie dorthin abschieben möchte. Natürlich leidet der Pflegeindustriekomlex sehr unter diesen Anwürfen, aus Kostengründen können aber auch die Missstände dort nicht behoben werden.

Knast ist die Lösung

Auch auf die Gefahr hin, dass es niemand so recht wahrhaben möchte, aber der Knast scheint tatsächlich die optimale Lösung unserer Altenplage zu werden. Deshalb machen wir uns mal auf die Suche nach den Vorzügen dieser im ersten Moment skurril anmutenden Idee. Dazu zitieren wir nur mal einen Werbeflyer der uns kürzlich in die Hände fiel:

Machen Sie sich Gedanken, wie lange Ihre Rente noch reicht? Keine Sorge, wir können ihnen helfen. Ihre Angst vor Altersarmut ist völlig unbegründet, denn bei uns fällt niemand durch das soziale Netz. Wenigstens dann nicht, wenn er hinreichend Grund dafür bietet korrekt untergebracht zu werden!

Hier unser Lösungsvorschlag
Sie sind leider ein kränkelnder Rentner und die Regierung sagt, dass sie kein Geld habe um ihnen ein Platz in einem Alters- oder Pflegeheim zur Verfügung zu stellen? Was machen Sie jetzt? Unser Plan sieht wie folgt aus: Wir geben Ihnen beispielsweise zwei Schuss Munition für für zwei korrupte Regierungsmitglieder, die sie dann sach und fachgerecht auf diese verwenden. Grund genug haben sie ja. Es ist ihnen klar, dass Sie danach ins Gefängnis gehen müssen. Nur keine Sorge, denn dort sind sie versorgt. Ab jetzt ist ihnen folgendes garantiert:

Drei Mahlzeiten pro Tag …
Ein Dach über dem Kopf …
Zentralheizung …
Klimaanlage …
Medizinische Betreuung …
Neue Brillen …
Neue Hüfte …
Alles was Sie benötigen und das alles gratis …
Und ihre Verwandten können Sie besuchen so oft sie wollen!

Und wer zahlt für all diese Aufmerksamkeiten?

Richtig, die gleiche Regierung, die ihnen bislang sagt, dass sie es sich nicht leisten kann, sie in ein Altersheim zu schicken.

Und, da Sie ein Gefangener sind, brauchen Sie auch keine Einkommenssteuer zu zahlen. Leben wir nicht in einem großartigen Land?

Weitere Vorzüge

Nun, das waren jetzt die ganz individuellen Vorzüge für den Betroffenen eines speziellen Anbieters, der sich offenbar auf diese Klientel konzentriert und dem der ein oder andere Politiker doch noch einen Schuss Pulver wert ist. Dabei wollen wir es aber bei unserer Schilderung keineswegs belassen, denn auch die Gemeinschaft profitiert deutlich von einer sogestaltigen Lösung des Problems.

Denn erstens sorgt dies für eine bessere Auslastung öffentlicher Einrichtungen und auch das dortige Pflegepersonal ist erheblich härter im Nehmen … als im Geben. Immer kräftige Leute vor Ort die jederzeit jeden bewegt bekommen, was dem gebrechlichen und teils zierlichen Altenpflegepersonal kaum mehr gelingt.

Aber dessen immer noch nicht genug. Der ganz entscheidende Vorteil ist, dass damit das Problem gänzlich aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwindet. Wir wissen doch wie wenig Information aus diesen Einrichtungen noch nach draußen dringt, gut so, es bürgt für Diskretion. Damit sind wir dann endlich wieder die junge und dynamische Gesellschaft die wir immer sein wollten.

Arbeitskreis für Vorverurteilungen

Auch das wollen wir nicht verheimlichen. Da hat es angeblich bereits einen ehrenamtlichen Arbeitskreis von Juristen gegeben, der die Senioren dahingehend beriet, was sie verbrechen müssten, um für einen terminierten Zeitraum dieses Hilfsangebot in Anspruch nehmen zu können, ohne dabei Gefahr zu laufen dort stecken zu bleiben. Je nach Gebrechlichkeit, reichte dies dann vom gewöhnlichen kleinen Ladendiebstahl aus purer Not, bis hin zu der Besorgnis erregenden Variante mit den zwei Schuss Munition, die wir aus dem Flyer zitieren. Mithin also so eine Art Arbeitskreis für Vorverurteilung, damit die armen Alten jetzt ja nichts falsch machen und vorweg etwas Sicherheit für ihr Tun haben.

Der Arbeitskreis hat sich aber dem Vernehmen nach bereits aufgelöst, denn die lebensnahe tödliche Praxis belegte wohl, dass einmal Pflegebedürftige kaum mehr auf die eigenen Füße kamen und deshalb auch keiner Entlassung mehr aus dieser speziellen Pflege bedurften. Es handelt sich also faktisch um eine Art Einbahnstraße. Es ging bei dem Beratungsangebot dann vielmehr um die psychologische Betreuung für den Einstieg in die sogenannte Alterskriminalität, als Lösungsstrategie für existentielle Probleme. Schließlich will so ein weitreichender Schritt ja auch gut überlegt sein.

Warum die Volksparteien diesen Weg unterstützen werden

Es ist wirklich kein leichtes Spiel für die großen deutschen Volksparteien, die CXU und XPD Parteien, denn sie benötigen die Rentner dringend. Man muss schon an Demenz leiden um diese fortgesetzt wieder zu wählen. Aber genau dafür werden nun die Alten halt noch benötigt. Lieber sähe man sie zwar entsorgt, dann könnte aber ihre Herrschaft schneller ins Wanken geraten als es ihnen derzeit lieb ist.

Dies spricht langfristig tatsächlich eher für eine Inhaftierung der Alten, denn das Wahlrecht kommt ihnen ja nicht abhanden. Ganz im Gegenteil, dort wird ihnen im Zweifel noch die Hand geführt wenn es dann darum geht an der richtigen Stelle das Kreuzchen zu machen. Wir sollten uns also nicht wundern, wenn eben jene Parteien nicht nur stillschweigend diese Entwicklung dulden, sondern alsbald als Lösungsweg selbst verkünden.

Gerade letzteres Argument mit Bezug auf die etablierten Parteien dürfte diesem Modell den Durchbruch verschaffen. Selbstverständlich muss man hier noch ein wenig Kernerarbeit leisten, aber mit der Androhung des „Sozialverträglichen Frühablebens“ sollte dies nunmehr rein gar kein Problem mehr darstellen und auch den letzten Rentner noch überzeugen können. Es ist davon auszugehen, dass unsere lieben Alten in absehbarer Zeit dieses Angebot eher mit Handkuss annehmen werden, bevor sie sonst einsam und verlassen auf der Straße verenden müssen.

Knast als Alternative zu Seniorenheimen
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