Eulen nach Athen: Heute ist Angela Merkel in Griechenland gestrandet gelandet, nicht das erste Mal dass Eulen auf dem Luftwege nach Griechenland entsandt werden müssen. Der Besuch galt allgemein als überfällig und musste deshalb im Rahmen internationaler Nettigkeiten jetzt endlich durchgeführt werden. Dem Vernehmen nach standen eine Reihe von Belehrungen, Weisheiten und Botschaften auf dem Programm, die die deutsche Obereule insbesondere der griechischen Regierung im Namen der Banken, des Geldadels und der Hochfinanz zu überbringen hatte. Natürlich führte Merkel selbst Gespräche mit Samaras, nur etwas anders. Wie aus der Überschrift bereits hervorgeht, ging es weniger um Dialog als vielmehr darum dass Griechenland jetzt gut der Vertreterin des größten Geldberges in Europa zuhört.

Kurz zum Verlauf der Stippvisite. Merkel wurde von einer überaus freundlichen (bestellten) Jubelmasse empfangen, an deren Spitze Samaras einen artigen Bückling vor der „Grande Dame“ aus Germanien machte. Die gesamte wohlwollende Schar nebst Kanzlerin wurden von 7.000 Polizisten vor dem Pöbel und den Nörgel-Griechen geschützt, jene Unholde die sich vorgenommen hatten trotz des hellen Tages der deutschen Einheits-Eule heimzuleuchten. Danach ging es zur Lesung der Leviten direkt in die Regierungszentrale. Das Bild zeigt Merkel in bewährter Schulmeisterpose mit erhobenem Finger, jederzeit entschlossen eine genaue Anamnese der Katastrophe selbst und sofort vor Ort erstellen zu wollen.

Die essentiellen Kernpunkte aus Merkels Selbstgesprächen

  • Nach allgemeiner Markteinschätzung hat das Land diverse Nachhilfestunden bereits böswillig versäumt, diese Lektion muss nun sitzen, sonst ist es schlecht um Griechenland bestellt. Wie für Hartz IV Bezieher üblich, wird jedes Versäumnis mit einer Kürzung der Bezüge geahndet, dies schult den Hilfsempfänger enorm und schont die Kasse des Gebers. Merkel referierte also ausgiebig über das SGB II und über dessen Auswirkungen auf Griechenland.
  • Gemäß einer gängigen Weisheit aus der Geldindustrie wies Merkel im Weiteren darauf hin, dass derjenige der kein Geld habe auch keines bekommen könne. Die Mittellosigkeit sei Ausdruck einer schwachen Bonität und somit einfach die Kreditwürdigkeit dahin. Geschenke hingegen könne es nicht geben, es erfolgte der Rückverweis auf das SGB II und entsprechende Anforderungen.
  • In Griechenland müsse unbedingt die Privatisierung weiter vorangetrieben werden. Wenn alles Hab und Gut erst einmal im Besitz der Gläubiger sei, dann könne gemäß der attestierten Mittellosigkeit wieder über Stütze diskutiert werden, allerdings nicht solange Griechenland noch über Eigentum verfüge. Sie überbrachte in diesem Zusammenhang freundliche Grüße von Goldman and Sucks nebst einem ausgeklügelten Hilfspaket mit der Bezeichnung „Sale and Lease back“, welches mittelfristig deutliche Linderung für die griechischen und internationalen Banken schaffen soll.
  • Zur Nutzung benötigter Infrastrukturen für das Gemeinwesen, nach einer geplanten Privatisierung, empfahl die Bundes-Merkel, wie auch in Deutschland üblich, eine weitere intensive Belastung von Arbeit durch die Erhöhung von Steuern und Sozialabgaben. So sollten die Raten für die Banken zu schultern sein, wenngleich sich die Belastungen in der Summe damit dauerhaft vervielfachten, sei dies für die Gesundung des Landes unverzichtbar. Dies verbunden mit einer Entlastung des Kapitals, sprich Steuersenkungen für die Geldindustrie auf Vermögen für die wohlwollenden Gläubiger, sollte es die beabsichtigte Umverteilung enorm beschleunigen und Griechenland wieder auf Erfolgskurs bringen.
  • Letztlich sei noch eine totale Unterwerfungserklärung (auch Zwangsvollstreckungsunterwerfung) nach europäischen Vorstellungen vonnöten, alsdann könne die Verwertung und der Ausverkauf Griechenlands für den Zweck einer umfassenden Heilung der Nation beginnen.

So folgte noch die ein oder andere Belehrungsrunde nach eben diesem Strickmuster, hernach noch ein Treffen mit Aasgeiern Vertretern der Wirtschaft, die sich brühwarm nach den just entstandenen Opportunities Geschäftsmöglichkeiten im Zuge dieser Veranstaltung erkundigten. Der Rest des Tages wurde mit Zeit totschlagen verbracht, damit ja nicht der Eindruck entstehen könne der Besuch der Kanzlerin in Griechenland wäre einfach viel zu kurz gewesen, was man ansonsten als diplomatische Unhöflichkeit hätte geißeln müssen.

Damit sind nunmehr die Fronten geklärt, die griechische Regierung in ihrem Handeln zum Wohle der Banken des Volkes abermals von einer Powerfrau bestärkt, ohne Scheu die weiteren restriktiven Programme auch tatsächlich umzusetzen. Von diesen Maßnahmen hängt am Ende ab, ob es gelingt aus dem griechischen Zirkuspony binnen weniger Jahre, mittels deutsch/europäischer Rosskur, Anabolika und Hirnmanipulationen, einen gepimpten Ackergaul nach nordischem Vorbild zu formen, der wenigstens scheinbar in der geforderten Liga mitackern kann. Denn nur so lässt sich der normierte Durchschnittseuropäer in einer EUDSSR des Geldes unter dem Joch des Euro am Ende fabrizieren. Sollte Griechenland in diesem Spiel versagen, dann geht der gesamte Einsatz an die Bank, wie im richtigen Casino üblich.

Nach diesem überaus herzlichen Besuch entschwand die Staatsratsvorsitzende so eilig wie sie nach Griechenland gekommen war. Zu ihrem tiefsten Bedauern musste sie auf ein Bad in der Menge aus Termingründen verzichten. Viele Griechen hatten sich schon riesig auf sie gefreut und Unmengen von Gastgeschenken in Form von Eiern und Tomaten bereitgelegt, die man ihr liebend gerne auch persönlich hinterhergeworfen überreicht hätte.

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Merkel führt Selbstgespräche mit Samaras
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