Ober Staatsstreich: Dem Vernehmen nach soll Merkel ihren Parteigängern im Bundestag vor der Abstimmung zum ESM und Fiskalpakt zugerufen haben: „Wir sind das Volk“, um damit deutlich zu machen, dass sie die Hosen an hat. Offensichtlich folgte auch der größte Teil der Abgeordneten ihrem Schlachtruf, anstelle eines nicht vorhandenen eigenen Gewissens und zeigte dem unwilligen Pöbel draußen auf der Straße damit wo der Hammer wirklich hängt. Nun geht das Dilemma in die zweite Runde und sie muss auch unseren Verfassungsrichtern noch mal verdeutschen, was das Volk qua ihrer fraktionsdisziplinaren Einsichten erkannt und beschlossen hat. Selbst diese Institution dürfe sich letztlich nicht über den „Volkswillen“ erheben, der nun einmalmal klar mit den Beschlüssen verkündet sei. Immerhin habe am 29.6.2012 das überparteiliche Volk der Ja-Sager aus sage und schreibe 493 Pappnasen bestanden, wo es doch gar nicht mehr als 620 Volk gibt, dagegen nähmen sich doch die Acht vom Gericht gar winzig aus und sollten sich nicht so aufplustern.

Sie will es aber nicht zum Eklat kommen lassen, so wie ihr Vorroller Schäuble, der die Acht schon mal präventiv gerüffelt, als „nicht klug“ zurechtgewiesen und fein gehörnt hatte, (alles in der weiten WELT nachzulesen), als diese sich erdreisteten gegenüber dem Obersten Gauck’ler in Schloss Schönblick Bedenkzeit auszubitten, bevor dieser das Ländle final kastriert. Dies auch noch weit bevor das Volk überhaupt gesprochen und beschlossen hatte. Ein Angriff auf die Demokratie? Nein offenbar kommt jetzt eine andere Kriegslist zum Einsatz. Wie wir aus völlig desorientierten Kreisen erfahren konnten, hat Merkel der werten Runde der Acht ein kostenfreies Parteibuch, nebst Ehrenmitgliedschaft in ihrer erlauchten Volksrunde in Aussicht gestellt. Hilfsweise könnten sich die Herrschaften eines aus der Einheits- und Blockpartei (CxU, xPD oder Grüne) aussuchen, nur eben nicht von den Linken. Beitragsfreiheit und verbilligte Erholungsurlaube in in Bad Bank auf Staatskosten inklusive. Einzige Bedingung, sie müssten die Partei- und Fraktionsdisziplin achten und sollten nicht versuchen ein eigenes Süppchen gegen das „Volk“ zu kochen. Vereinfacht gesagt, „Halts Maul“, das ist hier so üblich oder Du kommst nicht mehr an den Futtertrog.

Sollten sich also die Acht vom Gericht nicht mehr zur Demokratie und dem von ihr erkannten Volkswillen bekennen wollen, dann wolle sie die Herrschaften an den Nagel hängen, wie rechts schon mal gezeigt, da hängen auch noch die Hörner vom Schäuble. Es kann auch für Leute in dieser Funktion keine Ausnahme geben, sich zu den „höheren Werten“ zu bekennen (die im Billionenbereich) und diese lägen allemal beim selbstgerechten ESM und dessen Gouverneursrat. Es könne gar keine Rede von der Hergabe etwaiger Souveränitätsrechte sein, nein, man rede hier nur über eine allfällige Arbeitsteilung und Parlamentsentlastung. Jede weitere Ausdeutung darüber hinaus verbiete sich. Schließlich hat die Volkskammer wichtigeres zu tun, beispielsweise die Neuregelung der Flensburger Verkehrssünderkartei zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung im Straßenverkehr. Die Acht möchten sich besser Gedanken darüber machen, wie man abtrünnigen Abgeordneten die Rede verbieten könne, dies sei viel sinnreicher, effektiver und weniger gefährlich als sich ausgerechnet vor einen bereits rollenden EU-Zug werfen zu wollen.

Und sollte alles nichts helfen, die Verfassungsrichter nicht zur Besinnung kommen, dann werde sie, Merkel höchstpersönlich, ihr 493er Volk zum Sturm auf das Verfassungsgericht gemäß Artikel 20 (4) aufrufen, um die Gefahr von ihrem Volk abzuwenden. Ersatzweise den Gauck bitten, bei einem Gläschen Wein, das beschlossene Recht in Kraft zu setzen und nicht erst auf die Eingebungen dieser richterlichen Bande zu warten, schließlich sei Gefahr im EU-ver-Zuge und für Beamtenspäßchen sei jetzt nicht die Zeit, der Rubel Euro müsse rollen.

So werden die trauernden Zuschauer der jetzt zu Ende gehenden letzten Demokratieaufführung sicherlich in einigen Wochen zu erfahren bekommen, ob Merkels Kriegslist aufgegangen ist, sich auch diese Acht ihrer Staatsräson unterwerfen werden oder ob sie tatsächlich den Mut aufbringen diesen Zug ins Nirwana anzuhalten. Immerhin, Ehrensold, Diäten und Pensionen sind gesichert, das Futtergeld für den Pöbel hingegen nicht. Um die Umverteilung genau dieser Pfründe geht es aber aktuell. Das macht die Sache spannend, wessen Geistes Kind am Ende diese Richter sind, wessen Brot sie essen und wessen Lied sie singen. Und nicht zuletzt wen oder was dieses Gericht für „Volk“ erkennt.

Bildnachweis: BVG Roben | Autor: Evilboy | CC-BY-SA 3.0 und Geweih | Autor: Dorotheum | Public Domain

Merkel: „Wir sind das Volk“ – will Verfassungsrichtern Parteibuch andrehen
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