Damn Ass Kiss: Das Heulen und Zähneklappern ist groß und entwickelt sich schlagartig zu einem großen Säbelrasseln. Jetzt will die Türkei ihre großen Brüder von der NATO (Nord Atlantische Terror Organisation) befragen, wie man Syrien, für die durchaus gelungene Provokation, der sie auf den Leim ging, gemeinschaftlich abstrafen kann, hier im Spiegel-online anzulesen. Blöd nur dass die Geschichte mehr offene Fragen hinterlässt als sie beantwortet. Das macht aber nichts, denn mit vereinten Kräften und der geeinten westlichen Propaganda sollte man solch unangenehme Fragen schnell unter den fliegenden Teppich kehren und zur gewollten Tagesordnung übergehen können, die da lautet: wie kann man Syrien dafür bestrafen, dass sie ein Flugobjekt abschossen, welches in ihren Luftraum eindrang, aber einer vorgeblich freundlichen Macht gehörte. Beachtlich auch die relativ späte Erkenntnis, dass man dieses Ereignis viel besser ausschlachten kann als anfangs vermutet. Vielleicht fühlt man sich nach einigen Tagen der Überlegung und internen Konsultationen mit den Brüdern sicherer.

Wo hat es geknallt, wo liegt der Schrott

Folgt man der aktuellen Berichterstattung, dann wurde das Flugobjekt beim Verlassen des syrischen Luftraums über internationalem Gewässer abgeschossen. Dies ist wichtig, weil man so etwas nicht macht und böse Konsequenzen nach sich zieht. Um jetzt aber ziemlich ge- und betroffen abzustürzen, musste das Flugzeug offenbar schwer beschädigt noch eine Wende fliegen, um erneut syrischen Luftraum zu verletzten, allein um nun innerhalb syrischem Territoriums abzustürzen, denn dort soll das Wrack nach offiziellem Angaben schließlich in 1.300 Metern Tiefe liegen. Letzteres ist keine Verletzung von Hoheitsgebieten, denn nun handelt es sich um ein Flugobjekt in Not, da gelten bestimmt andere Regeln fürs Notwassern.

Das alles ist zwar wenig plausibel, aber die normale Leserschaft gehört ja auch nicht unbedingt in die Kategorie von Militärexperten, die solche seltsamen Erscheinungen international verbindlich und viel zielgerichteter zu beurteilen vermögen. In jedem Falle muss der Trugschluss vermieden werden, dass Syrien das Objekt innerhalb seines Luftraumes abgeschossen hat, wozu es berechtigt gewesen wäre, sonst würde ja auch der Grund für die Aufregung entfallen, für den man sich möglicherweise noch sehr viel mehr Mühe machte als wir bisher erahnen.

Die Quizfrage nach den Piloten und der Mission

Wurde anfangs schon mal berichtet, dass die Piloten eiligst gerettet worden seien, erwies sich dies alsbald als Gerücht und nun sind sie inzwischen wieder verschollen. Auch deren Leichen sind bis dato nicht auffindbar, obgleich sie irgendwie mit dem Schleudersitz rausgekommen sein sollen. Ein namentliches Aufgebot der Piloten geht natürlich nicht, ist wie immer militärisches Geheimnis und abgesehen davon sind ja die „Piloten“ nur Nebensache.

Zwischendurch sprach man auch mal von Übungsflug. Wenn da aber geübt wird und man irgendwelchen Flugschülern das Fliegen beibringen möchte, dann macht man so etwas nach allen Regeln der Kunst nicht unbedingt vor dem Mündungsfeuer einer in Lauerstellung befindlichen Flugabwehr eines krisengeplagten Staates, wo ohnehin schon alle Nerven blank liegen. Oder gerade doch? Auch von dem anfänglichen zweiten Flugzeug welches mit auf dieser Mission gewesen sein soll, wird rein gar nichts mehr berichtet. Stattdessen beruft sich die türkische Seite auf eine irrtümliche Grenzüberschreitung, wie sie immer mal an der Tagesordnung sei.

Um was für ein Flugobjekt handelte es sich

Hier geht es um einen abgetakelten Schrotthaufen, eine ausmusterungsreife Phantom F4, die außer zu unbeholfenen Rund- oder Verschrottungsflügen wohl kaum mehr für ernsteres zu gebrauchen ist, oder doch? Sehen wir mal nach was man mit diesen alten, eher ausgedienten Schätzchen noch so alles machen kann? Sicher man kann sie „Dritte Welt Militärs“ noch verkaufen. Wenn das allerdings nicht gelingt, haben die Amerikaner eine tolle Nachverwendung entwickelt. Man baut sie einfach zu Drohnen um, wie hier beschrieben.

Und welchen Zweck haben nun solche Drohnen? Sie werden für Zielübungen zum Abschuss freigegeben, um beispielsweise Luftabwehrsysteme zu testen. Warum nicht auch mal das syrische? Oder man kann mit ihnen Flugmanöver vollführen, die Piloten aus Fleisch und Blut kaum überleben würden. So ließe sich ja vielleicht auch noch eine 180-Grad Volte nach dem angeblichen Abschuss über internationalem Gewässer bewerkstelligen, um wieder in syrisches Territorium zurückzukehren, was an sich aber doch völlig überflüssig war, oder nur eine Fehlfunktion des Autopiloten?

Zu unserem Bild: Aus Gründen der Neutralität, also um kleine Schuldzuweisungen vorzunehmen, haben wir die Nationalitäten-Kennzeichen entfernt und das Bild leicht modifiziert (der Pilot im Cockpit ist ein Dummy zur Ablenkung), um das mögliche Aussehen solcher kopflastigen Drohnen anzudeuten, die selbstredend völlig geheim sind. Wir dürfen dabei etwas übertreiben, was den Geheimdiensten wiederum nicht gestattet ist, wenn sie Bildmaterial fälschen.

Umbau einer F4 zum Trojaner

Natürlich wird niemand zugeben, dass es sich bei einer Drohne auch um einen Trojaner handeln könnte. Die Mission, die Piloten und der gesamte Verlauf lassen aber auch ein solches Szenario zu. Damit wäre dann diese abgetakelte Phantom ein toller blecherner Trojaner, der jetzt in den kommenden Tagen und Wochen möglicherweise seine geplante Wirkung entfalten kann, ohne dabei auch nur einen Piloten verloren zu haben. Auch die anfänglich zögerliche Haltung der Türkei dazu belegt, dass sie noch nicht so recht entschieden war in welche Richtung dieser Vorfall nun auszuschlachten ist. Vielleicht klemmte die Abstimmung mit anderen Versuchsteilnehmern? Ok, dafür ist der Chor jetzt allerdings einheitlich angetreten und der Tenor wird klarer.

Natürlich sind derlei böse Gedankenspiele verwerflich und pervers, insbesondere wenn es hernach um die bitteren Realitäten geht, wenn die Blutströme wieder im Gang sind. Aber warum sollten die ahnungslosen Zuschauer und Schreiberlinge dieser Welt nicht eine ähnlich blühende Phantasie haben wie jene, die sich die aus den Brutkästen gerissenen Säuglinge und die Massenvernichtungswaffen im Irak ersonnen haben. Das führte immerhin zum Krieg. Vielleicht geht es ja mal mit viel Phantasie in die andere Richtung, beabsichtigte Blutbäder zu verhindern. Sollten wir für solche Gedanken endlich einen schöneren Begriff finden, wie wäre es mit: „Verschönerungstheorie“?

Alle Bedenken vom Tisch, jetzt muss zurückgeschossen werden

Ok, ganz soweit ist es noch nicht, sei es, dass der Aufmarsch noch nicht ganz abgeschlossen ist, einzelne NATO-Fressgemeinschaftsmitglieder vielleicht doch noch von Skrupeln „freigesprochen“ werden müssen oder schlicht andere Bedenkenträger den Nahen Osten noch nicht für die totale Sprengung freigeben wollen. Die bisherige Erfahrung lehrt uns dass die Kriegstreiber stets die Oberhand gewinnen und wenn es dieser Anlass noch nicht ist, dann muss man einen weiteren abwarten, das Ziel aber ist fest im Blick. Demnach sehen wir in den kommenden Tagen nur die Formalien für die vermeintlich gerechte Sache.

Assad ist einfach zu hinderlich, er steht dem Durchmarsch in Richtung Iran im Wege und mimt hinsichtlich des nächsten Ziels damit zu sehr den Bremsklotz, deshalb muss er dringend als erstes weggebombt werden, damit im Herbst dann auch der Iran befreit werden kann. Weiterer Grund für für die Eile: Das syrische Pfund verfällt zusehends gegenüber anderen Währungen, die Rebellen sollen jetzt angeblich Zahlungen in Dollar und Euro für ihre Dienste verlangen. Ganz zum Unbehangen der Auftraggeber, das könnte auf Dauer zu teuer werden.

Offensichtlich sind die sogenannten Freiheitskämpfer in Syrien, trotz bester Ausrüstung durch die Geheimdienste aller ehrbaren Demokratien aus dem Westen, einfach zu blöd oder einfach nur Schwachmaten, schaffen es nicht Assad vom Markt zu holen, oder wie zuvor erwähnt im Streik befindlich. Da braucht es wieder einmal den Freiheitsdrang der ganzen westlichen Welt, um den Blutfluss zu vergrößern, natürlich nur für Frieden, Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und die ungehemmte Freiheit der Märkte, die bitte auch einen gerechten Zugang durch Syrien nach Iran fordern. Eine Volksabstimmung in Syrien, ob sie jetzt großflächig eingeäschert werden möchten oder nicht, die ist dabei nicht vorgesehen, es ist ja alles nur zu ihrem Schutz und Besten, für mehr bleibt keine Zeit.

Bildnachweis: Wikimedia Commons | Autor: Eric Ward | CC-BY 2.0

Phantom F4: Die gelegte Lunte am syrischen Pulverfass
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